„So wie der Mensch nicht da ist, sondern erst entstehen muß, so muß auch die Kunst erst entstehen, denn es gibt sie noch nicht.“ Joseph Beuys (Lieblingszitat seines Verlegers Lothar Schirmer)
Vor40 Jahren verstarb mit Joseph Beuys (1921–1986) einer der prägendsten Künstler der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt besitzt mit »Block Beuys« seinen weltweit größten authentischen Werkkomplex. In sieben Räumen befinden sich dort fast 300 Werke aus der Zeit von 1949 bis 1972. Darunter bedeutende Arbeiten wie »Stuhl mit Fett«, »Filzanzug«, »Eurasienstab« oder »Szene aus der Hirschjagd« und große Installationen wie »Transsibirische Bahn«, »FOND II«und »FOND III«, außerdem in 23 Vitrinen Objekte aus Aktionen und zahlreiche Auflagenobjekte. Eine Gelegenheit, am Darmstädter Aktionstag das Werk und Denken dieses herausragenden Künstlers zu entdecken. FeuilletonFrankfurt erinnerte 2017 eindringlich in Kooperation mit dem Kunstverein Eulengasse und mit Beteiligung von Künstlern und Künstlerinnen der „Freien Szene“ an den Aktionskünstler anlässlich dessen 100. Geburtstags.
Beuys, dozierend und diskutierend vor der Düsseldorfer Kunstakademie, Foto: Inge Sauer
Wagemutige Artisten in der Manege und ein Clownstar
Von Walter H. Krämer
Alle Jahre wieder und diesmal zum zwölften Mal schlägt der Zirkus Carl Busch seine Zelte am Ratsweg in Frankfurt am Main auf. Schon von Weitem sichtbar, das weißblaue Zelt im eingezäunten Gelände, das Schauplatz für THE GREAT CHRISTMAS CIRCUS ist und der die Besucher*innen aller Altersgruppen mit einem wahrlich beeindruckenden Programm zu begeistern weiß.
Der Clown ist der Star, Foto: Circus Carl Busch / Stefan Gierisch
Die Frankfurter Videografin Frieda Günzel stellt Kunstschaffende verschiedener Generationen aus Frankfurt und RheinMain in ihren kreativen Prozessen für FeuilletonFrankfurt vor. Mit Emili Pavel traf die den Frankfurter Künstler Jan Schmidt, der im Rahmen seiner Arbeit „Time flies“ (2021-2041) jedes Jahr eine Edelstahlbox mit 2.400 Ahornsamen bestückt. Bevor die Samen ihren Platz in der Box finden, erhalten sie eine handgeschriebene Nummer. In zufallsgesteuerten Abständen wirft die Edelstahlbox täglich sechs der Samen aus. „Wenn alles gut geht, sind bis 2041 etwa 48.000 Stück durchs Foyer geflogen“, so der Konzeptkünstler mit dem hintersinnigen Humor, für den auch das Material Aluminium eine große Rolle spielt. In seiner „Sägearbeit“ (2022) verwandelt er das massive Material durch regelmäßig kontrollierte Schnitte in ein feines Pulver. Schicht für Schicht siebt er das zermahlene Aluminium so lange, bis ein sorgfältig geformter Kegel zurückbleibt. Zuguterletzt sehen wir Jan Schmidt beim Legen von Glasplättchen zu und beobachten die Lichtstrahlen der Sonne, die durch das transparente Material auf dem zugedeckten Boden in der Ausstellung „Reflections / Spiegelwelten“ im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt in verschiedene Richtungen reflektiert werden.
Hat einer dreißig Jahr vorüber, so ist er schon so gut wie tot.
Etwas augenzwinkernd zweckentfremdend rufen wir dem Zitat aus dem berühmten Wissenschaftsdisput des zum rebellischen Baccalaureus avancierten Faust-Schülers mit Mephistopheles (Goethe, Faust II, 2. Akt) unser entschlossenes ad multos annos! entgegen und gratulieren dem Zonta Club Frankfurt II Rhein-Main gemeinsam mit dem zum Festakt am 1. November 2025 erschienenen zahlreichen Publikum zum 30. Geburtstag!
Clubpräsidentin Uta Friedlein eröffnet den Festakt; Foto: Kester Kuhlmann
Auf der Bühne des Tanzsaals im PACT Zollverein ist das Podium für die Musiker aufgebaut, das Schlagzeug, Gitarre und Flöte liegen bereit. Fünf bunt gekleidete Tänzer kommen nach und nach herein, zeichnen mit Seilen ihre Choreografie, ihre Tanzschritte auf den Boden. Jedes Seil ist anders geschlungen. Von oben werden sie mit Kameras gefilmt. So leise und behutsam beginnt der überwältigende Tanzabend des Garage Dance Ensembles, musikalisch begleitet vom Duo uKhoiKhoi.
Szene aus „How in salts desert is it possible to blossom“, Foto: Katja Illner, Ruhrtriennale 2025
Ein neues Kapitel in der Geschichte der Schirn Kunsthalle
Am Sonntag, den 7. September ist es soweit: Da verlässt die renommierte Kunstinstitution Schirm ihr angestammtes Gebäude am Römerberg, das derzeit energetisch saniert wird, auf Zeit. Mit einer partizipativen Parade „In C – Community“ durch die Innenstadt feiert sie den Umzug in die eigens für die Nutzung der Schirn ertüchtigte, ehemalige Dondorf Druckerei in Bockenheim. Zusammen mit der international renommierten Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests aus Berlin, rund 100 Tänzerinnen und Tänzern und der Techno Marching Band MEUTE sind alle – Frankfurter und Nicht-Frankfurter eingeladen, teilzunehmen.
Seine Kulissen sind minimalistisch, blaues Licht, wenige Effekte. Die Handlung schränkt Robert Wilson radikal ein. Und den Text. Robert Wilson sagte oft, er sei weniger interessiert an Dialogen und der Handlung eines Stückes, ihm käme es auf die Mischung von Licht, Raum und Bewegung an. Zuerst käme das Licht, dann kämen Text und Musik.
Szene aus: Robert Wilsons La traviata, Musiktheater Linz 2015. Kostüme: Yashi Tabassomi, Photo: Francisco Peralta Torrejón
Für Ohren, Augen und Herz – betörend schöne Klänge in Kapelle und Museum
von Simone Hamm
Peter Zumthor baute am neuen Kölner Diözesanmuseum, als ein Wachendorfer Bauernehepaar sich an ihn wandte. Trudel und Hermann-Josef Scheidtweiler baten den Stararchitekten, auf einem ihrer Felder eine Kapelle zu errichten, „aus Dankbarkeit für ein gutes und erfülltes Leben“. Diese Kapelle solle dem Friedensheiligen Nikolaus von Flüe, Bruder Klaus (1417-1487, heilig gesprochen 1947) gewidmet werden.
Ein Monolith in der Landschaft – Zumthors Bruder Klaus Kapelle lud zum Lauschen ein, Foto: Noah Vinzens
Ein reichhaltiges Kulturprogramm unter dem Motto „Fantasie beseelt die Luft“
Ein seltener Einblick in die gesamte Bandbreite philippinischer Kreativität
Als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2025 stellen die Philippinen vom 15. bis 19. Oktober rund 100 Autor*innen und Kreative bei mehr als 77 Literaturveranstaltungen vor. Das Kulturprogramm, entwickelt unter Leitung von Kurator Patrick Flores und in Zusammenarbeit mit bedeutenden deutschen Kultureinrichtungen, bietet dem deutschen Publikum die lebendige zeitgenössische Kunstszene, die reichen Traditionen des Landes sowie namhafte Künstler*innen der Philippinen. Das Ehrengastmotto„Fantasie beseelt die Luft“ spiegelt die engen Verbindungen zwischen philippinischer Literatur, Kultur und Geschichte wider und lädt zu einer Auseinandersetzung mit den vielfältigen Überlieferungen des Landes der 7.841 Inseln ein.
Das Ehrengastteam bei der Pressekonferenz in der Evangelischen Akademie, Foto: Petra Kammann
Auch in diesem Jahr findet die Sommerwerft wieder zu Füßen der EZB statt. Und zwar zum 24. Mal. Vom 25. Juli bis zum 10. August gestaltet protagon e.V., zusammen mit regionalen und internationalen Künstlern und Helfern, den frei zugänglichen Kunst- und Kulturort am Mainufer im Frankfurter Osten.
Improvisieren ist anregend: Plakat auf Planen, Foto: Walter H. Krämer