home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

So haben Sie Musik noch nie gehört … Erste FeuilletonFrankfurt-Impressionen zur Eröffnung des Casals Forum in Kronberg

2022, September 24.

Und so gesehen auch nicht…

Die Kronberg Academy gilt heute als eine der wichtigsten Begegnungs- und Ausbildungsstätten für junge Geiger, Bratschisten, Cellisten und inzwischen auch für junge Pianisten. Mit der Eröffnung des „Casals Forums“, einem Kammermusiksaal mit angegliedertem Studienzentrum, wird die Kronberg Academy mit all ihren Aufgaben in Kronberg ein Zuhause mit Zukunft haben. Schauen wir uns das Ganze kurz vor der Eröffnung als work in progress an. Musik muss einem Zweck dienen. Sie muss Teil von etwas sein, das größer ist als sie selbst„, sagt der berühmte katalanische Cellist, Komponist und Dirigent Pablo Casals (1876-1973), ein Humanist durch und durch: „In erster Linie bin ich Mensch, in zweiter ein Künstler. Als Mensch ist es meine Pflicht, den Menschen Gutes zu tun„. Ganz fein schimmern seine Sätze auf den geschwungenen Außenwänden des Kammermusiksaals, der am 23. September eröffnet wurde. Casals Engagement stand Pate für das renommierte Kronberg Festival. Und nun wird im Casals Forum das Kronberg Festival eröffnet. Raimund Trenkler und allen Beteiligten sei Dank.

Intime Atmosphäre im neuen Konzertsaal des Casals Forums. Hier spielt die Musik ab sofort, nicht nur wie bei der Generalprobe. Hier kann man den Musikern beim Musizieren zuschauen, Foto: Petra Kammann

Weiterlesen »

Nachklapp zur Documenta 15

2022, September 23.

Was aber bleibet… und wie provokativ darf Kunst sein?

Simone Hamm hat sich kurz vor Ende der hoch umstrittenen Documenta 15 umgesehen

Das indonesische Kollektiv Ruangrupa hat die künstlerische der Dociumenta 15 kuratiert. Ruangrupa, will neue Perspektiven schaffen, sich vom den eingefahrenen Strukturen des Kunstmarktes lösen, Kunst aus ehemals kolonialisierten Ländern zeigen. Es wurden kaum Stars, kaum große Galerien eingeladen. An über 32 Orten in Kassel wird Kunst gezeigt. Gesprochen und geschrieben aber wird vor allem über ein Wimmelbild, auf dem ein Mann mit Davidstern und Hakennase zu sehen ist, über palästinensische Agitpropfilme, ein libanesisches Archivbuch und über eine Bilderserie mit dem Namen: „Guernica Gaza“. Gestritten wird darüber, ob das antisemitisch ist. Die Kunst selbst gerät in den Hintergrund.

documenta fifiteen: Black Quantum Futurism, Clepsydra Stage, 2022, Installationsansicht, Rondell, Kassel, 10. Juni 2022, Foto: Nicolas Wefers

Weiterlesen »

„Farbe satt“ in der exzellenten Nay-Schau im Museum Wiesbaden

2022, September 22.

Kraftvoll dynamische Bilder faszinieren in der ersten umfassenden Retrospektive seit 30 Jahren

Von Hans-Bernd Heier

Ernst Wilhelm Nay zählt zu den bedeutendsten Farbmalern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Erstmals werden nach fast  30 Jahren die kraftvollen, dynamischen Bilder des überragenden Malers wieder in einer breit angelegten Retrospektive präsentiert. Als documenta- und Biennale-Künstler hat Nay nach dem Zweiten Weltkrieg internationale Bekanntheit erlangt. Sein facettenreiches Oeuvre ist figürlich und abstrakt. Nays Werkserien sind vielseitig, tiefgründig und farbgewaltig. Das Museum Wiesbaden zeigt in der grandiosen Ausstellung „Ernst Wilhelm Nay – Retrospektive“ nicht nur die berühmten Lofoten-, Scheiben- oder Augenbilder. Ein besonderer Fokus liegt auf den in der Rhein-Main-Region entstandenen bedeutenden Werkgruppen der „Hekate- und Fugalen Bilder“.

Ausstellungsansicht; Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Weiterlesen »

Spitzenposition, vor den Theatern Frankfurt und Basel: Oper/Theater Bonn in der jüngsten Kritikerumfrage des Magazins „Die Deutsche Bühne“

2022, September 21.

Die Premieren der neuen Spielzeit in Bonn

von Simone Hamm

In der Kategorie „Gesamtleistung Großes Haus“ belegen Oper/Theater Bonn vor den Theatern Frankfurt und Basel in der jüngsten Kritikerumfrage des Magazins „Die Deutsche Bühne“ die Spitzenposition.  Das Theater Bonn ist für die Kritiker das überzeugendste Theater. Man sieht bei dem von Bernhard Helmich geleiteten Haus „einen bewundernswerten Durchhaltewillen an ambitionierten Projekten gegen alle Widrigkeiten festzuhalten, Risikobereitschaft, dramaturgische Konsequenz und philologisch wertvolle Arbeit“. Grund genug, die Premieren der neuen Spielzeit in Bonn zu besuchen: die Uraufführung Mega 38/Stimmen des türkisch-deutschen Schriftstellers Dogan Akhanli, der Tanzabend Zwischenwelten von Ballett am Rhein im Rahmen des Beethovenfestes Bonn und die Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny.

Uraufführung MEDEA 38 / STIMMEN von Dogan Akhanl nach Christa Wolff & Euripides & Seneca, Schauspielhaus Bonn, Foto: Thilo Beu

Weiterlesen »

Heiner Goebbels Erstaufführung von „A House of Call“ in der Alten Oper Frankfurt. Utopische und unerhörte Klänge mit „echoes from the past“

2022, September 20.

Ein vielstimmiges Haus mit einer Sprache jenseits der Sprache

von Petra Kammann

Dialoge, Beschwörungen, Gebete, Anrufungen, Aufrufe, Sprechakte oder Lieder geben den Ton an in Heiner Goebbels neuester Komposition A House of Call. My Imaginary Notebook. Stimmen, auf die er teils zufällig gestoßen ist, gefunden auf Reisen oder in Tonarchiven und aufbewahrt in einem imaginären Notizbuch. Auf jeden Fall unverwechselbare Stimmen, die uns nachgehen und zu Protagonisten eines gesamten Konzertes werden: eigentümliche Stimmen von Zeitgenossen und ungehörte Stimmen von den Wachsmatrizen der einstigen Phonographen, die ein neues Licht auf die verstrickte Geschichte werfen. Die fabelhaften Musikerinnen und Musiker des Ensembles antworten individuell oder kollektiv, kommentierend, unterbrechend, unterstützend oder widersprechend darauf. Musikalisch, versteht sich. Den abendfüllenden 4-teiligen Orchesterzyklus hat der Komponist u.a. auf Initiative des Ensemble Modern Orchestra geschrieben. Aber bevor es an die Frankfurter Erstaufführung in der Alten Oper im Rahmen des Festivals FRATOPIA ging, gab Heiner Goebbels im Clara Schumann Foyer vorab Einblicke in sein Schaffen.

Heiner Goebbels während seines Vortrags vor der Frankfurter Erstaufführung, Foto: Petra Kammann

Weiterlesen »

Ein Genie der Freundschaft

2022, September 18.

Abschied von Fritz Pleitgen

Ein Nachruf von Peter Voß

Fritz Pleitgen in der Funktion als Intendant der Ruhr.2010; Foto: Petra Kammann

Mit Fritz Pleitgen ist eine Persönlichkeit gestorben, welche die deutsche Rundfunklandschaft maßgeblich geprägt hat. Zunächst als Journalist, dann als ARD-Korrespondent (Sowjetunion, USA, DDR), schließlich  in hohen Ämtern beim WDR als TV-Chefredakteur, als Hörfunkdirektor und abschließend als Indentant (1995 bis 2007). Zwei Jahre, von 2001 bis 2002, war er dabei Vorsitzender der ARD, des Verbundes der Landesrundfunkantalten. In dieser Zeit hat er eng mit Peter Voß, dem Intendanten des Südwestrundfunks, zusammengearbeitet. Beide haben damals wesentlich die Strategie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mitbestimmt. FeuilletonFrankfurt veröffentlicht hier einen Text, den Peter Voß in Gedenken an Fritz Pleitgen verfasst hat – gegründet auf langer freundschaftlicher Verbundenheit.(ff)

Weiterlesen »

„Water on Fire / Brennendes Wasser“- Passend zum Wiesbadener Jahr des Wassers

2022, September 17.

Thomas Kilppers aufrüttelnde Arbeiten im Kunsthaus Wiesbaden

Das Kunsthaus Wiesbaden präsentiert anlässlich des Wiesbadener Jahrs des Wassers 2022 die Schau „Water on Fire / Brennendes Wasser“ von Thomas Kilpper. Der renommierte Künstler thematisiert mit seinen eigens für die Ausstellung geschaffenen Arbeiten die vielfältigen sozialen Aspekte rund um das Thema Wasser. Der 1956 in Stuttgart geborene und heute in Berlin lebende vielseitige Künstler arbeitet meist ortsspezifisch mit einer breiten Palette von Medien: Installation, Skulptur, Grafik, Fotografie und Video. International bekannt wurde er durch die Umwidmung von Fußböden – zumeist leerstehender Gebäude – zu großformatigen Druckstöcken und Installationen, wie z.B. 1999 mit der Arbeit „Don´t look Back“ in der ehemaligen Basketballhalle im Camp King / Oberursel oder 2009 mit seiner Ausstellung „State of Control“ im ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit der DDR in Berlin.

Ausstellungsansicht „Water on Fire“ von Thomas Kilpper; Foto: © Patrick Bäuml

Weiterlesen »

Zum Tod von Fritz Pleitgen

2022, September 16.

Fritz Pleitgen – ein journalistisches Urgestein. Der langjährige WDR-Intendant war nicht nur ARD-Korrespondent in den den USA und in der Sowjetunion, sondern neben vielem anderen auch ein erfolgreicher Kulturmanager der Ruhr.2010. Gestern Abend starb er im Alter von 84 Jahren. Eine kleine persönliche Erinnerung  an den so weitsichtigen wie unerschütterlich standfesten Manager der Ruhr.2010 von Petra Kammann, die ihn für die damalige Zeitschrift …IN RHEINKULTUR mehrfach zu Gesprächen und Reportagen traf.

Fritz Pleitgen wollte zusammenbinden, was zusammengehört und die 53 Städte des Ruhrgebiets zur Kulturhauptstadt machen, Foto: Petra Kammann.

Welche Herausforderung das war, die Partikularinteressen der verschiedenen Kommunen zu vereinen, zeigte die Karte in seinem Arbeitszimmer in Essen im Jahre 2009. Ganz früh schon sagte er: „Wir wollen massenattraktiv sein und gleichzeitig hoch anspruchsvoll“. Voller Elan verfolgte er die spektakuläre Idee, die A 40 zu sperren, um alle Leute im Revier an einen Tisch zu setzen und das an der viel befahrenen West-Ost-Schlagader. Wie visionär für den handfesten Pragmatiker. Er war eben ein Medienprofi! Eine andere Begebenheit war die unkonventionelle „Rote Sofa“-Aktion, wo Petra Kammann ihn journalistisch begleitete (S. Anlage).

Weiterlesen »

Vorbereitung eines fürstlichen Gartenfestes auf Schloss Wolfsgarten 2022

2022, September 16.

Inspiriert von der „Joie de vivre“ und dem Charme französischer Gärten

Fotografische Impressionen von Petra Kammann, die sich im Vorfeld umgeschaut hat

Vom 16. bis 18. September erwartet die Hessische Hausstiftung zum Fürstlichen Gartenfest auf Schloss Wolfsgarten in Langen um die 20 000 Besucher. FeuilletonFrankfurt hat sich bei den laufenden Vorbereitungen umgeschaut. Das Landesthema der beliebten Veranstaltung im 300 Jahre alten Anwesen hat sich die Schirmherrin Floria Landgräfin von Hessen zu eigen gemacht. Es lautet: „Bonjour la France!“ Das Spektrum der Aussteller reicht von Pflanzenzüchtern über Gartengestalter bis hin zu Handwerksbetrieben und Anbietern von Accessoires und Country-Mode. 160 nationale und internationale Messeteilnehmer zu Gartenthemen sind dabei, ein Gesamtambiente zu schaffen. Dazu zählen auch „Vergessene Gartenschätze – alte Sorten, Techniken und Traditionen. Daneben gibt es ein umfangreiches kulinarisches Angebot und Köstlichkeiten wie Crêpes, Galettes, Macarons, Austern und Zitronentarte, außerdem und Tipps, wie man richtig Boule spielt und interessante Vorträge, musikalische und literarische Einlagen.

Der so verwunschene wie natürliche hauseigene Garten der fürstlichen Familie

Weiterlesen »

Zum Saisonstart der Frankfurter Galerien 2022: Péter Nádas. Ein Künstler, zwei Begabungen und zwei Ausstellungen

2022, September 13.

Spuren von Licht und Schatten – „dass ich eins und doppelt bin…“

Von Petra Kammann

Sein kurz nach der Wende erschienenes großartig schonungsloses „Buch der Erinnerung“ (1991) machte den ungarischen Schriftsteller Péter Nádas bei uns schlagartig bekannt. Dabei war er auch schon damals ein mindestens ebenso bemerkenswerter Fotograf. Seine frühen diskret- anteilnehmenden Schwarz-Weiß-Fotografien sind jetzt unter dem Titel „Etwas Licht“ in der Ausstellungshalle Schulstr. 1 A zu sehen, wo Peter Sillem mit seiner Galerie derzeit zu Gast ist. Auf diesen atmosphärischen Fotos hat Nadás fast beiläufig den unspektakulären Alltag in ungarischen Dörfern, in Budapest und Berlin festgehalten. Aktuelle farbige Fotos, seine „Nachtbilder, Stilleben“, stellt Peter Sillem parallel dazu in seiner „Kerngalerie“ in der Dreieichstraße in Sachsenhausen aus. Anschauen sollte man beide Ausstellungen, sie spiegeln die zwei Seiten einer Medaille, die des Künstlers, die der Spannung zwischen  Dunkelheit und Licht sowie die der Entwicklung des fotografischen Mediums.

Péter Nádas: Önarckép rolleiflex-Szel /Selbstbildnis mit einer Rolleiflex, 1963. Silbergelatineabzug, 23,9 x 18,4 cm

Weiterlesen »