Das vielfältige Angebot des Städel Museums – von der Sammlung über Sonderausstellungen bis hin zu Führungen und Veranstaltungen – stieß auch 2025 auf große Resonanz und zog insgesamt 370.716 Besucher an. Mit insgesamt 425.199 Besuchern und Besucherinnen hielten das Städel Museum und die Liebieghaus Skulpturensammlung das Niveau des Vorjahres (425.022).
Ein Wohl auf das Städel und auf Max Beckmann, nicht zuletzt dank der engagierten Beckmann-Enkelin Mayen Beckmann, Foto: Petra Kammann
Faszinierende Formensprache des beliebtesten Tierbildhauers
Von Hans-Bernd Heier
Die Liebieghaus Skulpturensammlung widmet dem Bildhauer August Gaul eine große Sonderausstellung, die den Künstler als einen der ersten modernen Bildhauer Deutschlands in seiner ganzen Bandbreite präsentiert. Unter dem Titel „Tiere sind auch nur Menschen. Skulpturen von August Gaul“ zeigt das Museum rund hundert Tierplastiken Gauls im Dialog mit Skulpturen aus drei Jahrtausenden. Die Themen reichen von der Tierverehrung im Alten Ägypten und den Mischwesen der griechischen Mythologie über Haustiere im Alten Rom bis hin zum Tier in der christlichen Ikonografie. Erstmals und fast vollständig zeigt die Ausstellung die bedeutende Frankfurter Privatsammlung von Carlo Giersch und wird durch exzellente Leihgaben aus Berlin, Hamburg, Hanau und Leipzig ergänzt.
Adler mit seinen Schwingen derzeit am Liebieghaus, Foto: Petra Kammann
Auf der Suche nach dem Leben – weiterer Höhepunkt im Jubiläumsprogramm
Von Hans-Bernd Heier
Louise Nevelson zählt zu den bedeutendsten Bildhauerinnen der US-amerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Mit ihren monumentalen Assemblagen prägte sie ab Mitte der 1950er-Jahre maßgeblich die US-Kunstszene und gilt als Pionierin der Installationskunst. Das Museum Wiesbaden rückt in der faszinierenden Ausstellung „Louise Nevelson. Die Poesie des Suchens“ jetzt erstmals ihr weniger bekanntes Collagenwerk in den Fokus. Arbeiten der vielseitigen Bildhauerin und Malerin, die durch ihre Teilnahme an der Biennale in Venedig (1962) sowie der Documenta in Kassel (1964 und 1968) internationale Anerkennung erlangte, waren bereits früher im Landesmuseum zu sehen.
Frieda Günzel mag es, Geschichten zu erzählen. Und das auf verschiedene Weise. Beobachten, schreiben und das Umsetzen innerer Prozesse in bewegte Bilder sind ihre Leidenschaft. Im Laufe der Zeit hat sie dazu mehrere Techniken erworben wie zunächst das Herstellen von Printmagazinen im Rahmen ihrer medienwissenschaftlichen Ausbildung an der Universität Siegen. An der Universität Hannover wiederum schloss sie in der Klasse Fernsehjournalismus und Dokumentarfilm ihr Studium mit dem Master of Arts ab. Heute liebt die freischaffende Videografin, die auch als TV-Redakteurin bei der Kindernachrichtensendung logo! (KiKA) praktizierte, vor allem Projekte, die ein intermediales Arbeiten und verschiedene Herangehensweisen erlauben. Und wer würde sich besser dazu eignen als Künstler und Künstlerinnen, die im Film manchmal nur durch eine Geste, einen Halbsatz oder einen Blick offenbaren, was das Geheimnis des Kreativen ist? Für FeuilletonFrankfurt stellt Frieda Günzel Kunstschaffende verschiedener Generationen aus Frankfurt und RheinMain vor. Zum Auftakt einer Reihe hier ein filmisches Porträt der Frankfurter Künstlerin Rachel von Morgenstern. Film ab!
Visionen vom idealisierten und real fragilem Körper
von Petra Kammann
Wer sind wir? Wie verletzlich sind wir? Die Reise durch die Geschichte der Bilder vom Körper ist schlicht faszinierend, zumal der zunehmend wissenschaftliche Blick ins Innere unseres Körpers uns vor neue Fragen stellt. Im Entrée des Frankfurter Kunstvereins scheint die Welt noch heil zu sein, wenn uns zunächst die antike Kroisos-Kouros-Statue – eine zwei Meter hohe, männliche Figur aus archaisch-griechischer Epoche (530 v. Chr.) – ins Auge sticht. Der Blick des jungen edlen Mannes in idealtypischer Gestalt ist in die undefinierbare Ferne oder auf seine Zukunft als Held gerichtet. Auf den weiteren Etagen des Hauses geht es dann ans „Eingemachte“: ins Innere, ins Austauschbare, ins Fragile, ins Ritualisierte und ins Imaginierte des Körpers…
Von diesem „perfekten“Jüngling“ Kouros – eine Leihgabe aus der Antikensammlung der Goethe-Universität – werden Sie im Kunstverein empfangen, Foto: Petra Kammann
Kontrolle abgeben und sich vom Material leiten lassen
Von Hans-Bernd Heier
Die neue Sonderausstellung im Museum Reinhard Ernst (mre) präsentiert den Dialog der Arbeiten von drei zeitgenössischen Künstler:innen mit Helen Frankenthalers großartigem Werk: Jenny Brosinski, Ina Gerken und Adrian Schiess haben teilweise bisher nicht gezeigte Arbeiten Frankenthalers aus der Sammlung Reinhard Ernst ausgewählt und eine gemeinsame Hängung mit ihren eigenen Werken in Szene gesetzt. Die Schau lädt dazu ein, die faszinierende Wirkung dieser wegweisenden Malerin im Dialog mit drei herausragenden abstrakten Positionen der Gegenwart zu erleben.
Frankfurt leuchtet. In der 29. Etage des neues Towers FOUR 1, im Entrée der großen Anwaltskanzlei Freshfields, wird man in luftigen Höhen mit Blick auf die Stadt von einem Kunstraum empfangen. Dieser ungewöhnliche Raum wurde gestaltet von der international angesehenen und multidisziplinär arbeitenden Konzeptkünstlerin Jorinde Voigt, deren Arbeiten in zahlreichen renommierten Sammlungen zu sehen sind wie etwa im New Yorker MoMA, im Centre Pompidou Paris, im Art Institute of Chicago, in der Pinakothek der Moderne in München, im Kunsthaus Zürich, im Istanbul Modern, im Kupferstichkabinett Berlin oder der Kunsthalle Praha. Die „Gefaltete Zeit“ nennt sie das in Frankfurt entstandene Ensemble.
Der organisch geschwungene Empfangsdesk der Anwaltskanzlei Freshfields im neuen Four, Foto: Petra Kammann
Die Sammlerin selbst: offen für die Fragen der Zeit und der Menschen
Von Petra Kammann
Unter dem Titel „Die Zeit hat kein Zentrum“ präsentiert die Crespo Foundation erstmals eine umfangreiche Auswahl mit rund 130 Werken aus der privaten, mehr als 800 Werke umfassenden persönlichen Kunstsammlung der Stiftungsgründerin, Fotografin und Psychologin Ulrike Crespo (1950–2019), angefangen von der Malerei über Zeichnungen und Skulpturen bis hin zur Fotografie und einer Videoinstallation. Die Schau spiegelt Crespos künstlerische Leidenschaft und ihren so individuellen offenen Blick auf die Welt wider: das Wahrnehmen, Erinnern und Aufbewahren von Zeitschichten in Artefakten, in „geprägte(n )Formen, die lebend sich entwickel(t)n„, wie Goethe es in Urworte. Orphisch nannte.
Wenn Sie diese Treppe hinuntergehen, treten Sie ein in Ulrike Crespos Kunstwelt und entdecken die Zeit in ganz unterschiedlichen Ausprägungen, Foto: Petra Kammann
Beeindruckende Landschaftsbilder im historischen und zeitgenössischen Kontext
Von Hans-Bernd Heier
Landschaften sind ständigen Veränderungen unterworfen, die sich in Zeiten des Klimawandels besonders rasant und oft auch zerstörerisch gestalten. Können Landschaften zugleich schön und gefährdet sein? Die Ausstellung „SOLASTALGIE. Spaziergänge durch veränderte Landschaften“ im Museum Giersch der Goethe-Universität stellt diese Ambivalenz in den Mittelpunkt und fragt nach unserem gespaltenen Verhältnis zur Umwelt. Historische Landschaftsgemälde aus der reichhaltigen Sammlung Giersch treffen auf zeitgenössische Positionen, die Verletzlichkeit, Trost und Hoffnung in der Natur reflektieren.
Dokumentarisch-poetische Perlen der Video-Kunst, textile und skulpturale Arbeiten
Von Petra Kammann
Noch vor dem Gastlandauftritt der Philippinen auf der Frankfurter Buchmesse (14.10. bis 19.10.2025), und parallel dazu präsentiert die SCHIRN in ihrem Übergangsquartier in Bockenheim die philippinisch-kanadische Künstlerin und Filmemacherin Stephanie Comilang (*1980) mit einer raumgreifenden Soloschau. Erstmals in Deutschland sind dort ihre beiden jüngsten Filme „Search for Life. Diptych“ (2024/25) sowie ihre frühere Arbeit „Diaspora Ad Astra“ aus dem Jahre 2020 zu sehen:„Coordinates at dawn“. Eine echte Entdeckung!
Die Video-Künstlerin Stephanie Comilang in der Schirn, Foto: Barbara WalzerWeiterlesen