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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Kultur Frankfurt

Elisabeth-Norgall-Preis für Martina Böhmer

2026, April 7.

Die Traumaforscherin für ältere Frauen

In Erinnerung an die Clubgründerin des International Women’s Club  e.V. (IWC) wird alljährlich der Elisabeth-Norgall-Preis an eine Frau verliehen, die sich in besonderer Weise für die Belange und Probleme von Frauen einsetzt. In diesem Jahr wählte das Elisabeth-Norgall-Kommittee Martina Böhmer als Preisträgerin, weil sie sich für  traumatisierte Frauen im Alter engagiert. Sie möchte die Lebensbedingungen und das Wohlbefinden älterer Frauen verbessern, indem sie  ihnen eine spezialisierte Traumaberatung anbietet und sie in aktuellen Situationen von Gewalt und/oder Retraumatisierung unterstützt. Bei der Preisverleihung in der Villa Bonn hielt IWC-Vize-Präsidentin Charlotte Weitbrecht die Laudatio.

Die diesjährige Preisträgerin Martina Böhmer, Foto: IWC

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Passionsspiel heute – im Theater Willy Praml in der Naxoshalle

2026, April 3.

Jesus d’amour in der Industriebasilika

Fotografische Eindrücke von Barbara Walzer

Ob katholisch, evangelisch, orthodox oder kirchlich ungebunden – Jesus Christus, sein Leben, sein Leiden und Sterben fasziniert die Menschen aller Konfessionen bis heute ungebrochen. Seine Idee, den Menschen in den Mittelpunkt des Glaubens zu stellen, war schon vor mehr als 2000 Jahren revolutionär. Die deutsch-polnische, in Frankfurt lebende Fotografin Barbara Walzer hat ihre Eindrücke mit der Kamera von einer faszinierenden Aufführung der Passionsgeschichte im Theater Willy Praml in der Naxoshalle am Gründonnerstag festgehalten.

Wie sehen wir das letzte Abendmahl mit Menschen von heute?, Alle Foto: Barbara Walzer

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Artikulierte Stimmen in Bachs h-Moll-Messe in der Alten Oper unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann

2026, April 2.

Schlanker Klang mit erstklassigen Solisten

Anders als die Bach-Passionen, die in der Vor-Osterzeit landauf landab in Kirchen und Konzerthäusern gespielt werden, wirkt die h-Moll-Messe, bedingt durch den lateinischen Text, abstrakter. Das vielstimmige, höchst raffiniert konzipierte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach, das von 1724 bis zwei Jahre vor Bachs Tod 1750 entstand, beschäftigt sich mit so existentiellen Themen wie Einsamkeit und Verzweiflung angesichts des Todes Jesu bis hin zur lebensbejahenden Freude. Für Sänger und Sängerinnen wie auch für Instrumentalisten sowohl technisch als auch emotional eine gewaltige Herausforderung. Die Gaechinger Cantorey, das Ensemble der internationalen Bachakademie Stuttgart, führte unter der äußerst kundigen Leitung von Hans-Christoph Rademann die liturgische Messe, die Missa tota, im prall gefüllten Großen Saal der Alten Oper Frankfurt auf.

Eingeladen wurde die Gaechinger Cantorey mit Hans-Christoph Rademann von den Frankfurter Bachkonzerten, Foto: Mart in Forster

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Frankfurt verleiht ersten Europäischen Paulskirchenpreis an Masih Alinejad

2026, März 31.

Ein starkes Zeichen für Demokratie

Langanhaltender Applaus, stehende Ovationen, bewegende Worte und ein starkes Zeichen für Demokratie und Freiheit: Die Stadt Frankfurt am Main hat am Dienstag, 31. März, zum ersten Mal den Europäischen Paulskirchenpreis für Demokratie in der Paulskirche verliehen. Die Auszeichnung ging an die iranisch-amerikanische Journalistin Masih Alinejad, die sich weltweit für Freiheit, Menschenrechte und die Rechte von Frauen stark macht. Die Laudatio hielt Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Oberbürgermeister Mike Josef begrüßte die Gäste und überreichte die Auszeichnung gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arlsaner an die Preisträgerin.

Erstmalige Verleihung des Europäischen Paulskirchenpreises für Demokratie durch den Frankfurt Oberbürgermeister Mike Josef an Masih Alinejad am 31.März 2026 in der Frankfurter Paulskirche, links: Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner, Foto: Michael Braunschädel, Stadt Frankfurt 

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Der Magier in der Medienmanege: multivirtuos

2026, März 28.

Zum Tod des Filmemachers und Autors Alexander Kluge (1932 – 2026)

Von Uwe Kammann

Das offizielle Frankfurt flicht Alexander Kluge in Nachrufen Kränze. Natürlich, Frankfurt spielt im Leben dieses (letzten?) Universal-Gelehrten (besser: -Denkers) eine bedeutende Rolle. Hier studierte er (neben Freiburg und Marburg) eine für ihn typische Kombination von Rechtswissenschaft, Geschichte und Kirchenmusik, hier war er Adorno-Adept, hier lebte seine Schwester und Schauspielerin Alexandra, auch er selbst war zeitweilig in der Mendelssohnstraße Frankfurt-Bewohner. Hier sprach er später an der Universität gelehrt über Poetik und Narrationen, hier fixierte er Filmbilder über den baggerwütigen Wandel im Westend, hier leistete er sein juristisches Referendariat ab, beim das Denken so befügelnden Institut für Sozialforschung.

Alexander Kluge 2010 im Grimme-Institut, Foto: Petra Kammann

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„Was man in der Hölle, im Fegefeuer und im Paradies hört“ – Marie Jaëlls Kompositionen zu Dantes „Göttlicher Komödie“

2026, März 23.

Viviane Goergen über die französische Komponistin, die ihrer Zeit weit voraus war

Von Petra Kammann

Die in Paris geborene und an der École normale de musique u.a. bei dem brillanten Pianisten Thierry de Brunhoff ausgebildete luxemburgisch-schweizerische Pianistin Viviane Goergen hat sich intensiv mit der in Vergessenheit geratenen, hochbegabten Pianistin und Komponistin Marie Jaëll (1846- 1925) beschäftigt und dabei erstaunliche Funde gemacht. Die von Franz Liszt außerordentlich geschätzte Musikerin hat in „18 Pièces pour piano“ Passagen aus Dantes „Göttlicher Komödie“ vertont. Im Frankfurter Steinway Haus stellte die Autorin Goergen die Komponistin und Musikwissenschaftlerin vor, las aus ihrem kürzlich erschienenen Buch und spielte eindrückliche Passagen aus Jaëlls Dante-Klavierzyklus. Gerade wurde die Einspielung wiederentdeckter Kammermusikwerke von Jaëll von den „Victoires de la musique classique 2026“, der höchsten französischen Auszeichnungnominiert.

Viviane Goergen liest, erläutert und spielt aus den „Pièces pour pianos“ im Frankfurter Steinway Haus, Foto: Petra Kammann

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Wim Wenders – Mit Brille immer in der ersten Reihe – Von der Kurzsichtigkeit zum Weitblick

2026, März 14.

Befreiende Fluchtbewegungen in bewegten und bewegenden Bildern und Tönen

Von Petra Kammann

Bekannt wurde Wim Wenders vor allem durch Filme und Roadmovies wie „Im Lauf der Zeit“, „Der amerikanische Freund“, „Paris Texas“, „Der Himmel über Berlin“, „Pina“, ein 3 D-Film, oder „Das Salz der Erde“, ein Porträt des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, und zuletzt „Perfect days“, die Geschichte des Tokyoter Toilettenreinigers. Umfassend und mit Requisiten aller Art ist das Gesamtwerk des multimedialen Filmemachers, Künstlers, Musikafficionados und Erzählers im Frankfurter Filmmuseum (DFF) in der Ausstellung „W.I.M. Im Lauf der Zeit“ zu entdecken. Inspirierend aber auch seine Music-Lectures unter dem Titel „Driven by Music“ in der Alten Oper, wo man Hintergründiges über Wenders‘ Liebe zur Musik, seine Freundschaft mit Musikern, zum Soundtrack seines Lebens, zur eigenen Sammlung von Musikträgern erfuhr. Begleitet wurden seine Erinnerungen durch besondere Filmvorführungen wie u.a. „Die Gebrüder Skladanowsky“(1995), einem Stummfilm mit Dialogen, musikalisch begleitet von Laurent Petitgand.

Wim Wenders in der Ausstellung „W.I.M. Im Lauf der Zeit“ im  DFF in Frankfurt, Foto: Petra Kammann

Eine musikalische Sternstunde: Miłosz Sroczyński spielt Bachs „Goldberg-Variationen“ im Hauskonzert von Viviane Goergen

2026, März 13.

Von Erhard Metz

Es gilt von einem musikalischen Ereignis zu berichten, zu welchem dem Autor Stefan Zweigs Metapher „Sternstunde“ zur Verfügung steht, in diesem Fall eine musikalische. Eine solche war jüngst zu erleben im Hauskonzert der in Bad Homburg wirkenden Konzertpianistin, Musikcoachin und Buchautorin Viviane Goergen: Auf ihre Einladung spielte Miłosz Sroczyński Bachs weltweit bekannte sogenannte Goldberg-Variationen, BWV 988 . „Ein musikalischer Gipfelpunkt, den nahezu alle bedeutenden Pianistinnen und Pianisten im Laufe der Zeit zu erklimmen versuchten … ein faszinierendes Stück, das bis heute Rätsel aufgibt“ schrieb Peter Uehling (Stiftung Berliner Philharmoniker), und Karl Böhmer „Die Krönung einer besonderen Form der Cembalomusik“ (Kammermusikführer Villa Musica); „zweifellos der bedeutendste Klavierzyklus des 18. Jahrhunderts“ (G. Henle-Verlag); „bis heute eine fundamentale Herausforderung für jeden Cembalisten und Pianisten“ (Bärenreiter), um nur einige renommierte Stimmen zu nennen.

Viviane Goergen und Miłosz Sroczyński, Foto © Rainer Opferkuch Weiterlesen

„Der Meister und Margerita“ nach dem Roman von Michail Bulgakow auf der Frankfurter Bühne

2026, Februar 23.

Forensische Rekonstruktion eines doppelbödig satanischen Spiels

Von Petra Kammann

Während im Moskau um 1930 Menschen aus unsichtbaren Gründen verschleppt, gefoltert, hingerichtet, unsichtbar gemacht werden, geht daneben das „normale“ Leben weiter seinen Gang. Allein ein unheimlicher „Fremder“ – ein „Pole“, ein „Deutscher?“, von dem das Böse auszugehen scheint, beschäftigt die Gemüter. Es ist nur einer der komplexen Handlungsstränge in Bulgakows vielstimmigen Roman „Der Meister und Margarita“. Der russische Regisseur Timofej Kuljabin zeichnet in seiner Romanadaption für die Bühne das Bild einer korrupten Gesellschaft, in der die Unberechenbarkeit allgegenwärtiger Gewalt zum System geworden ist. Die Entlarvung der Lüge in der Kunst wie im Leben erleben wir im Verhör. Das Stück könnte nicht aktueller sein.

»Der Meister und Margarita« nach Michail Bulgakow Regie: Timofej Kuljabin, Ensemble, Foto: Arno Declair

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Zerbröselt die Kirchenmusik? Nachdenkliches zum „Aschermittwoch der Künstler und Künstlerinnen“

2026, Februar 19.

Musikalische „Tonarten“ der Verkündigung

Von Petra Kammann

Beim „Aschermittwoch der Künstler“, einer liebgewordenen Tradition der katholischen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg, ging es zum Auftakt der 40-tägigen Fastenzeit, immer wieder um Kunst und Glaube zwischen Tradition und Neubeginn. Eingeladen dazu hatten in diesem Jahr ins Haus am Dom die Direktorin des Dommuseums Dr. Bettina Schmitt wie auch der Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus Prof. Dr. Joachim Valentin sowohl Musiker aus der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen und zu Vortrag und Diskussion über „Tonarten der Verkündigung – über Liturgie und Musik“ den kenntnisreichen Freiburger  Theologen und Musikwissenschaftler Prof. Dr. Meinrad Walter.

Auch die beliebten Bachkantaten stehen in liturgischem Zusammenhang, Foto: Petra Kammann

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