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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Darstellende Künste

10. Bonner Operngala für die Deutsche AIDS Stiftung

2022, Mai 18.

Bönnscher Glamour für die gute Sache

von Simone Hamm

Das Logo der Bonner Operngala, die rote Schleife gegen AIDS, ist in diesem Jahr verändert worden. Eine Seite ist rot geblieben, die andere blaugelb, in den Farben der Ukraine. Zum 10. Mal fand die Bonner Operngala statt, im letzten Jahr musste sie wegen Corona ausfallen, 2020 fand sie nur digital statt. 2022 wollten die Initiatoren der Gala, Arndt und Helmut Andreas Hartwig, nicht nur ein Zeichen gegen Aids setzten, sondern auch eines gegen Putins Angriffskrieg. Die Solidarität mit der Ukraine hatte sich auch aufs musikalische Programm ausgewirkt. Das Beethovenorchester unter der Leitung von Jaques Lacombe spielt zum Auftakt die Ouvertüre von Beethovens Fidelio, die der Komponist selbst als Rettungs- und Befreiungsoper bezeichnet hat.

10. Operngala Bonn, Foto: © Thilo Beu

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„Frankfurt liest ein Buch“ – Irmgard Keun. Nach Mitternacht

2022, Mai 17.

Naiv, frech und witzig zur falschen Zeit

von Petra Kammann

Einige bleibende Eindrücke von ein paar gelungenen Veranstaltungen des 13. Frankfurter Lesefestivals „Frankfurt liest ein Buch“, bei dem Irmgard Keuns Exil-Roman „Nach Mitternacht“ im Zentrum steht und der 1936 in Frankfurt spielt. Eine teils naive, teils komische und auch bitterböse Schilderung des Alltags im Nationalsozialismus. Über 80 Veranstaltungen (Lesungen, Gespräche, Vorträge, Stadtrundgänge und vieles mehr) beschäftigten sich mit dem Roman. Zum Abschluss gab es eine Veranstaltung bei sommerlichsten Temperaturen am helllichten Tag in der Alten Oper mit Cécile Schortmann, Regina Ziegler und Désirée Nosbusch. Da strahlten im leicht abgedunkelten Mozart-Saal drei starke, selbstbewusste und attraktive Frauen auf der Bühne, die über Irmgard Keun debattierten oder sich lebhaft an Szenen mit ihr während der Dreharbeiten der Verfilmung von „Nach Mitternacht“ erinnerten.  Zum Festival gehörte auch ein besonderer Abend mit der Schriftstellerin Ursula Krechel in der Stadtbücherei, moderiert von Anita Djafari, sowie eine Lese-Performance mit der Schauspielerin Ricarda Klingelhöfer im Frankfurter Volkstheater …

v.l.n.r.: Sabine Baumann, Regina Ziegler, Cécile Schortmann, Martina Keun-Hurtig und Désirée Nosbusch; Foto: Petra Kammann

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A Midsummer Night’s Dream – Oper von Benjamin Britten im Bockenheimer Depot Frankfurt

2022, Mai 17.

Verwirrungen, emotionales Chaos im Zauberwald, ausgelöst durch die Feenwelt

von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus / Oper Frankfurt

Ein idealer Ort ist das Bockenheimer Depot für  „A Midsummer Night’s Dream“ in der Inszenierung von Brigitte Fassbaender, die am 11. Mai Premiere hatte. Komponist Benjamin Britten (1913-1976) und sein Lebensgefährte, der Tenor Peter Pears (1910-1986), haben William Shakespeares berühmte fünfaktige Komödie „A Midsummer Night’s Dream“ gekürzt. Dennoch ist das nun dreiaktige Opernlibretto dem Werk des genialen Theaterdichters treu geblieben. Es gibt weder ein elisabethanisches noch ein athenisches Gepräge in diesem Opern-„Sommernachtstraum“. Die Feenwelt, angeführt durch Puck, ist oft harsch gegenüber den Menschen, den Liebespaaren, die sich im Wald aufhalten beziehungsweise sich dort verirren. Puck ist ein Maulheld, der selbst von Angst geprägt ist. Über ihm steht Oberon, der Feenkönig, der ihn triezt und gelegentlich demütigt.

vorne v.l.n.r.: Cameron Shahbazi (Oberon), Statist der Oper Frankfurt (Knabe) und Kateryna Kasper (Tytania) sowie im Hintergrund Kinderchor der Oper Frankfurt inklusive Solist*innen (Elfen)

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Die Natur der Natur. Fukushima Project“ im Museum Angewandte Kunst

2022, Mai 16.

Als die Bilder leuchten lernten. Was verbindet die Romantik und ZEN?

Von Petra Kammann

Der in London lebende Fotograf und Filmemacher Norbert Schoerner fotografierte David Caspar Friedrichs Gemälde „Weidengebüsch bei tiefstehender Sonne“ (1832/1835) ab. Dabei hängt das Original im fast benachbarten Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt. Dieses Abbild im Museum Angewandte Kunst ist  eine Art Auftakt zu seiner besonderen Ausstellung „Die Natur der Natur. Fukushima Project“ und schafft Raum für die Imagination. Schoerne fotografierte Bonsais aus der Aufzucht der japanischen Familie Abe in der Bergregion Azuma Gebirge in der Nähe von Fukushima. In den vier Ausstellungsräumen wechseln romantische Motive in den abgedunkelten Räumen mit Naturbeherrschungsmethoden aggressiver Natur.

Blick in die Ausstellung, Foto: Petra Kammann

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Die Ruhrfestspiele auf dem „grünen Hügel“

2022, Mai 14.

Das älteste deutsche Theaterfestival lebt

von Simone Hamm

Alle atmen auf. Denn die Ruhrfestspiele auf dem „grünen Hügel“ von Recklinghausen können in diesem Jahr wieder mit Präsenzaufführungen stattfinden. „Haltung und Hoffnung“ lautet das Motto. Die Ruhrfstespiele wollen sich nicht nur an Theatersüchtige wenden, sollen auch an all die, die kein Theaterabonnement haben, die nicht in experimentelle Tanzaufführungen gehen. Das ist der Geschichte geschuldet. Im kalten Winter 1946/7 hatten Kohlelieferungen aus Ruhrgebietszechen  den Hamburger Theatern geholfen, ihre Räume zu beheizen. Zum Dank kamen die Schauspieler ins Ruhrgebiet, um Theater zu speilen. Die Ruhrfestspiele, das älteste deutsche Theaterfestival, waren geboren. „Kunst für Kohle“ lautete das Motto.

William Kentridge in Aktion; Foto: Stella Olivier

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„Fedora“ Melodramma von Umberto Giordano an der Oper Frankfurt

2022, April 13.

Ein spektakulärer Opern-Krimi

 von Renate Feyerbacher

Fotos: Barbara Aumüller / Oper Frankfurt / Renate Feyerbacher 

Am 3. April wurde „Fedora“ zum ersten Mal in Frankfurt aufgeführt. Es ist eine Übernahme der Produktion der Königlichen Oper Stockholm von Dezember 2016, in der Christof Loy seine unverwechselbaren stringenten Regie-Ideen ausführte. Begeisterung beim Publikum für das gesamte Produktions-Team und frenetischer Beifall für Sängerinnen und Sänger.

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York Höllers Oper „Der Meister und Margarita“

2022, April 11.

Eine Höllenfahrt: Kunterbunt und Tiefschwarz

Inszeniert als aufregendes Spektakel von Valentin Schwarz an der Kölner Oper im Staatenhaus

von Simone Hamm

David Howes, Guido Sterzl, Julian Schulzki, Mine Yücel, Michael Terada, Artjom Korotkov, Sung Jun Cho © Bernd Uhlig Oper Köln

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Sasha Waltz in Berlin und Demis Volpi an der Deutschen Oper am Rhein

2022, April 7.

Neues in Berlin, Bewährtes am Rhein

von Simone Hamm

Sasha Waltz wollte etwas ganz Großes schaffen mit Sym-Phonie MMXX an der Staatsoper Berlin. Georg Friedrich Haas hatte eine Musik komponiert, die den Tänzern vor dem mattgoldenen Hintergrund keinen Raum ließ, so bombastisch war sie. Auch die Choreografin ist nicht wirklich mit dieser Musik zurecht gekommen. Die Tänzer rücken nah zusammen, gehen auseinander, fallen zu Boden, werden weggetragen, erwachen wieder zum Leben. Und das in Endlosschleife. Die Schritte, die Figuren sind  allesamt recht vorhersehbar. Anders als nach ihrer großartigen Choreografie „In C“ läßt Sasha Waltz die Zuschauer ratlos zurück. Aber immerhin: sie hat etwas gewagt! Demis Volpi an Düsseldorfer Oper am Rhein hingegen geht kein Wagnis ein. Er setzt auf Altbewährtes, auf bekannte, erfolgreiche Choreografien.

Szene aus: „One and Others“, Choreographie: Demis Volpi, v.l.n.r.: Nelson López Garlo, Damián Torío, Lara Delfino, Dukin Seo, Pedro Maricato, Tommaso Calcia. FOTO © Bettina Stöß

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Berlin und seine Theater in den Zeiten von Corona

2022, März 31.

Noch immer. Auch im März 2022.

von Simone Hamm

Am Deutschen Theater fielen gleich zwei Premieren ins Wasser, „Auslöschung“ nach Thomas Bernhard und „Werther“ nach Goethe. Bei der Schaubühne fielen Stücke mit Joachim Meyerhoff aus und man setzte auf „Peer Gynt“ und „Richard III.“ mit Lars Eidinger. Doch selbst diesen Berserker hielt es nicht auf den Beinen. Auch diese Aufführungen fanden nicht statt. Barrie Koksys Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“ sollte noch ein paar Mal gespielt werden. Keine der geplanten Aufführungen war zu sehen. Das Berliner Ensemble setzte in diesen Tagen auf Matthias Brandt und Kosksys „Dreigroschenoper“.

Adam Benzwi, Barrie Kosky und Oliver Reese im Berliner Ensemble Foto: © Moritz Haase /BE

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Museumskonzerte der Frankfurter Museumsgesellschaft 2022/2023

2022, März 22.

Die Abschiedssaison des Sebastian Weigle

von Petra Kammann

Es waren coronabedingt schwierige Jahre für alle Musiker und Konzertveranstalter mit den sich ständig ändernden Sonderregelungen. Nun, nach über zwei Jahren, fand endlich die erste Pressekonferenz der Frankfurter Museumsgesellschaft unter dem Vorsitz von Burkard Bastuck wieder live statt. Die Themen Abschied und Aufbruch waren wegen der durch  die Fenster blitzenden Sonne von einem Hoffnungsschimmer beseelt. Die fulminanten symphonischen Zyklen mit dem Dirigenten Sebastian Weigle gehörten dann auch zu den Highlights des Programms. „Der Zug fährt weiter“, sagte der Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt unpathetisch und sichtlich vergnügt. Seine Ära endet nach 15 Jahren mit der Saison 2022/23. Die Pandemie hat der begehrte Dirigent u.a. in Japan und den USA erlebt. In Tokio läuft sein Vertrag noch bis 2025… Und von seinem Domizil in Berlin aus, wo ihm auch in Zukunft das ein oder andere Konzert sicher sein dürfte, seien es auch nur noch vier Zug-Stunden bis Frankfurt, merkte er an. Soviel Optimismus, gepaart mit Weitblick, ist selten. Wir können daher weiter mit seinen Gastauftritten rechnen und wir dürfen auf den neuen Shooting-Star Kit Armstrong, gespannt sein, der auch für Weigle kein Fremder ist…

GMD Sebastian Weigle verströmte Optimismus; Foto: Petra Kammann

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