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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für Oktober, 2023

Lyonel Feininger. Retrospektive in der Frankfurter Schirn

2023, Oktober 29.

Feininger revisited.

Sprünge, Rückgriffe und eine große Kontinuität zwischen deutscher Romantik, Bauhaus und Amerika

Von Petra Kammann

Eigentlich glaubten wir Lyonel Feininger längst zu kennen, gehört er doch mit seinen prismatisch aufgelösten Architekturdarstellungen zu den bekanntesten Vertretern der klassischen Moderne in Deutschland und zählte zu den Vorreitern des Bauhauses, während seine Werke schon bald als „entartet“ verfemt wurden. Nun werden 160 Werke aus verschiedenen Schaffensperioden dieses so vielseitig begabten Künstlers in der Schirn präsentiert, u.a. mit selten gesehenen Hauptwerken wie Die Radfahrer (Radrennen) (1912), das Selbstbildnis (1915), Zirchow VII (1918), Gelmeroda XIII (1936) oder Manhattan I (1940). Aber auch weniger bekannte Arbeiten wie die Karikaturen, die erst vor einigen Jahren wiederentdeckten Fotografien des Künstlers oder das Kinderspielzeug aus seiner Hand kann man nun in der faszinierenden Schirn-Schau entdecken.

Feininger-Enkel Conrad Feininger mit der Schirn-Kuratorin Dr. Ingrid Pfeiffer vor dem Selbstporträt des Großvaters Lyonel, Foto: Petra Kammann

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Eine Fülle von Facetten: Deutsche Radiogeschichte aus 100 Jahren

2023, Oktober 28.

Am 29. Oktober 1923 ertönte die erste offizielle Sendung der „Funk-Stunde“ aus Berlin – Lohnenswerte Buch-Nachlese

Von Uwe Kammann

Welche Faszination strahlte es aus, Kinder bekamen in den 50er und 60er Jahren nie genug davon – wenn sich grün- und gelleuchtende Halbmonde unter einem markstückgroßen Glas verschoben, bis es eine Übereinstimmung gab. Dann öffnete das Magische Auge den Eintritt in eine andere Welt. Allerdings nicht in eine Welt des Sehens, sondern des Hörens. Radio, das war damals das mediale Universum schlechthin. Die Geräte trugen Namen wie Zauberklang im Westen oder Tosca im Osten Deutschlands. Die Begehrtesten glänzten in der Wirtschaftswunderzeit mit Nussbaum-Furnier, goldenen Zierleisten und genoppten Leinenbezügen, unter denen sich dunkler die Lautsprecheröffnungen abzeichneten.

In den 1950er Jahren wuchsen etliche mit einem solchen Radiogerät auf, Foto: privat

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Johann Simons bringt im Schauspielhaus Bochum Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“ auf die Bühne

2023, Oktober 28.

Ein weißer Hund, ein Zwiebelturm, ein Kühlschrank, eine Schneelandschaft

von Simone Hamm

Fjodor Karamasow ist maßlos in allem, in seiner Gier, seiner Lasterhaftigkeit, seinem Egoismus. Er hat vier Söhne: Dimitrij, hochemotional, hitzköpfig, heftigst verliebt in die kalte Gruschenka, der auch der Vater nachstellt. Iwan, ein kühler, spöttischer Intellektueller, der noch in Stunden größter Not lieber diskutiert als handelt. Aljoscha, naiv, gläubig. Er ist ins Kloster gegangen.Der vierte Sohn ist Pawel Smerdjakow, ein unehelicher Sohn, der aus der Vergewaltigung einer verwirrten Bettlerin entstanden ist, die der Vater nur aus Jux, einer Wette wegen begangen hat. Smerdjakow arbeitet als Diener bei Karamasow. Über 1000 Seiten lang ist Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“. Wie kann man einen so dicken Roman, der aus unendlich viel Episoden besteht, vor allem aber aus theologischen, philosophischen Gedanken, auf die Bühne bringen?

Jele Brückner, Steven Scharf (v. li.) © Armin Smailovic

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Starke Stücke im Schauspiel Frankfurt (23)

2023, Oktober 26.

“Der Geizige“ von Molière in einer Fassung von Sabrina Zwach und “0rlando“ nach Virginia Woolf

Von Renate Feyerbacher

Fotos: Thomas Aurin / Der Geizige und Jessica Schäfer / Orlando

„Der Geizige“, dieses Lustspiel des französischen Komödiendichters Jean Baptiste Poquelin alias Molière,  (1622-1773) ist in der Bankenstadt Frankfurt, wo die Goldkammer ist, übrigens gut angesiedelt. Denn die Banken können Geiz nicht gebrauchen. Sie machen trotz oder gerade wegen weltweiter Kriege und Krisen hohe Gewinne, die Mieten steigen enorm und bedrohen die Existenz vieler Menschen, die Obdachlosigkeit ist hoch. Aber kommen solche Gedanken in der Inszenierung überhaupt vor?

Der Geizige von Molière in einer Fassung von Sabrina Zwach Regie: Mateja Koležnik, Peter Schröder, Foto: Thomas Aurin

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„Gemischtes Doppel – Die Molls und die Purrmanns“ im Museum Wiesbaden

2023, Oktober 26.

Zwei Künstlerpaare zwischen Lovis Corinth und Henri Matisse – eine farbprächtige Augenweide

Von Hans-Bernd Heier

Unter dem frappierenden Titel „Gemischtes Doppel“ präsentiert das Museum Wiesbaden erstmals in einer großen Sonderausstellung das künstlerische Schaffen der Ehepaare Moll und Purrmann. Zu bewundern sind über 100 Werke, darunter jeweils 25 Gemälde und Skulpturen von Marg(arete) und Oskar Moll sowie Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann, den Mitbegründern der „Académie Matisse“. Ergänzt wird die farbprächtige  Schau durch exzellente Arbeiten von renommierten Künstlern, die die künstlerischen Werdegänge der Eheleute prägten, wie Henri Matisse, Lovis Corinth, Max Liebermann, Sabine Lepsius und Franz von Stuck.

Ausstellungsansicht; © Foto: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert

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Verleihung des Hessischen Film-und Kino-Preis 2023 in der Alten Oper (1)

2023, Oktober 25.

Vorhang auf und ein paar Fragen offen

Von Petra Kammann

Nach drei Jahren schien die Prominenz aus der hessischen Filmwelt wieder in die Alte Oper zurückgekehrt, wo der Hessische Kino- und Filmpreis im Rahmen einer feierlichen Gala in der Alten Oper in Frankfurt vergeben wurde. Doch gab es eine oscarähnliche Stimmung wie noch vor ein paar Jahren? Oder haben wir das Feiern verlernt und die Ansprüche in der Corona-Pandemie heruntergeschraubt, fand doch die Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises in diesem Jahr nur im kleineren Rahmen statt? Es kamen lediglich 750 statt 2000 Gäste. Krise und Gala. Glamour und Ernst. Präsenz und Absenz. Lässt sich das nicht verbinden? Müssen da zwangsläufig auch Leichtigkeit und Humor des Illusionstheaters Film ein wenig auf der Strecke bleiben?

Vorhang auf für den Hessischen Film- und Kino-Preis, Foto: Petra Kammann

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Salman Rushdies „Victory City“ und die Meinungsfreiheit

2023, Oktober 25.

Worte sind die einzigen Sieger. Über Liebe, Macht und die Kraft des Erzählens

Eine Buchbesprechung von Simone Hamm

Salman Rushdies im späten Frühjahr erschienener Roman „Victory City“, Foto: Petra Kammann 

Es dauert nur wenige Minuten, dann ist die Stadt Vijayanagara errichtet, die Stadt des Sieges, entstanden aus Samenkörnern, die die Zauberin Pampa Kampala ausgestreut hat. Sie hatte als Kind gesehen, wie ihre Mutter mit vielen anderen Frauen ins Feuer ging, um den in einer Schlacht gefallenen Männern in den Tod zu folgen.

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Lyrisches Slowenien

2023, Oktober 24.

Eine kleine Zwischenpause zum Atmen, und eine Hommage an das diesjährige Gastland der Buchmesse …

Auch Staatspräsident*innen können Dichter sein… Und Übersetzer*innen sind wichtige Brückenbauer. 

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Sonnige Feier für den Friedenspreisträger Salman Rushdie

2023, Oktober 24.

 

Vielfaches Lob in der Frankfurter Paulskirche für einen mutigen Menschen und Lobredner der Freiheit

Von Uwe Kammann

Kann man sich vorstellen, dass die ARD einmal die Fernsehübertragung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels beinahe gekippt hätte? Ein Störenfried im Programm sei sie, ein Stoppschild vor dem „Presseclub“. Nun, es siegte dann doch die Einsicht, dass dieser traditionsreiche Preis, erstmals 1950 verliehen, zum wichtigsten kulturellen Ereignis in Deutschland geworden ist, geachtet und beachtet wie kein zweites. Und so wechseln sich die beiden öffentlich-rechtlichen Systeme weiterhin ab, um die Preisverleihung aus der Paulskirche zu übertragen, pünktlich am Sonntag um 11 Uhr, als Schlussakkord der Buchmesse.

Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Salman Rushdie, 22.10.2023, Frankfurt am Main, Foto: Tobias Bohm / Börsenverein des Deutschen Buchhandels

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Die 75. Frankfurter Buchmesse – die internationale Plattform für den freien Austausch von Gedanken – ging zu Ende

2023, Oktober 23.

Eine erste Bilanz

von Torsten Casimir

Die 75. Frankfurter Buchmesse (18.-22. Oktober 2023) hat ihre einzigartige Stellung als wichtigster internationaler Treffpunkt der Buch- und Medienbranche abermals gezeigt: Mit 105.000 Fachbesucher*innen (Vorjahr: 93.000) aus 130 Ländern und 110.000 Privatbesucher*innen (Vorjahr: 87.000) gelang der Frankfurter Buchmesse nach den beiden Coronajahren 2020 und 2021 erneut ein deutlicher Wachstumsschub. Die beiden Publikumstage Samstag und Sonntag lagen bei der Zahl der Besuche um mehr als ein Drittel über dem Jahr 2022. Mehr als 4.000 Ausstellende aus 95 Ländern präsentierten sich in den Hallen.

Eingang zur Frankfurter Buchmesse, Foto: Petra Kammann

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