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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Schauspiel

Starke Stücke im Schauspiel Frankfurt (22)

2023, Januar 17.

Tschechow, Ibsen, Sartre & Co

von Renate Feyerbacher
Fotos: Schauspiel Frankfurt – Onkel Wanja“ von Anton Tschechow –Thomas Aurin, „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen, „Die Schmutzigen Hände“ von Jean-Paul Sartre 

Das Schauspiel Frankfurt sieht nach zwei Jahren coronabedingter Schließungen und Vorstellungsabsagen wieder zuversichtlich in die Zukunft. Von 80 Prozent Auslastung zwischen September bis Dezember ist die Rede. Schmerzhaft ist natürlich die Kündigung von 3.000 Abonnements, die Intendant Anselm Weber wieder zu gewinnen hofft. Es wird mühsam sein.

Das Ensemble des Schauspiel Frankfurt . Fotowand in der U-Bahn Station am Willy Brandt Platz, Foto:Renate Feyerbacher

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Theater und Tanz: Premieren in Köln

2022, Oktober 27.

„Der eingebildete Kranke“ von Molière in einer Überschreibung von Barbara Sommer & Plinio Bachmann, Regie: Stefan Bachmann, Foto: Thomas Aurin

Der eingebildete Kranke am Kölner Schauspiel

Anale Köln-Kolonisation und Wokeness

Von Simone Hamm

Sein Nachthemd ist schmutzig, die Chaiselongue, auf der er sich vor Schmerzen krümmt, hat Wasserflecken. Aber eine Louis XIV. Perücke trägt er noch: der eingebildete Kranke, Molières Argan. Auf der ansonsten leeren Bühne sitzen die anderen Schauspieler auf Stühlen um Argan herum, halten sich die Nase zu, wenn er sich auf einen Eimer hockt und – nach langen Einläufen – endlich Stuhlgang hat.

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Dorian – Ein magischer Abend von Bob Wilson

2022, Oktober 12.

Makellose Schönheit und tiefe Verzweiflung

von Simone Hamm

Robert Wilson inszeniert „Dorian“ mit Christian Friedel. Im November und Dezember ist diese grandiose Aufführung wieder zu sehen: Ein Mann bleibt ewig jung, stattdessen altert sein gemaltes Porträt: „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Äußerlich bleibt der Porträtierte makellos schön, innerlich verrottet er, wird grausam, wird brutal. Darryl Pinckney hat Wilde’s Roman für Bob Wilsons Theater adaptiert, hat den Ausschnitten aus „Dorian Gray“, den Briefwechsel zwischen Oscar Wilde und seinem Geliebten Alfred Douglas Momente aus der Biografie des Malers Francis Bacon hinzugefügt. Letzterer verliebte sich in einen Mann, der bei ihm einbrechen wollte. Pinckney erzählt keine lineare Geschichte, er arbeitet assoziativ. Eine Produktion des Düsseldorfer Schauspielhauses in Koproduktion mit dem National Kaunas Drama Theater und dem Staatsschauspiel Dresden

Christian Friedel in „Dorian“ von Darryl Pinckney nach Motiven von Oscar Wilde und der Regie von Robert Wilson, Foto: Lucie Jansch

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Berliner Inszenierungen: Beeindruckend, zynisch und komisch

2022, Oktober 5.

Uraufführungen an der Komischen Oper, am Deutschen Theater und an der Volksbühne

von Simone Hamm 

Ein Meer aus kaltem, gleißend weißen Eis

„Intolleranza 1960“ von Luigi Nono an der komischen Oper Berlin

Bühnenbild von In#toller#an#za 1960 von Luigi Nono, Foto: Barbara Braun

Was für ein beeindruckender Abend! Die Zuschauer werden zu ihren Plätzen geführt. Sie gehen durch schwarze Tore, die aussehen, als habe dort ein Brand gewütet. Dahinter: Eine Wüste aus Eis. Gefrorene Zeit. Blendendweiße Eisschollen treiben dort, wo sonst die plüschigen roten Parkettsitze stehen. Es sieht aus, als seien schon Schollen aus dem brüchigen Eis gebrochen.

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Spitzenposition, vor den Theatern Frankfurt und Basel: Oper/Theater Bonn in der jüngsten Kritikerumfrage des Magazins „Die Deutsche Bühne“

2022, September 21.

Die Premieren der neuen Spielzeit in Bonn

von Simone Hamm

In der Kategorie „Gesamtleistung Großes Haus“ belegen Oper/Theater Bonn vor den Theatern Frankfurt und Basel in der jüngsten Kritikerumfrage des Magazins „Die Deutsche Bühne“ die Spitzenposition.  Das Theater Bonn ist für die Kritiker das überzeugendste Theater. Man sieht bei dem von Bernhard Helmich geleiteten Haus „einen bewundernswerten Durchhaltewillen an ambitionierten Projekten gegen alle Widrigkeiten festzuhalten, Risikobereitschaft, dramaturgische Konsequenz und philologisch wertvolle Arbeit“. Grund genug, die Premieren der neuen Spielzeit in Bonn zu besuchen: die Uraufführung Mega 38/Stimmen des türkisch-deutschen Schriftstellers Dogan Akhanli, der Tanzabend Zwischenwelten von Ballett am Rhein im Rahmen des Beethovenfestes Bonn und die Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny.

Uraufführung MEDEA 38 / STIMMEN von Dogan Akhanl nach Christa Wolff & Euripides & Seneca, Schauspielhaus Bonn, Foto: Thilo Beu

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Marcel Reich-Ranicki. Ein Leben, viele Rollen. Ausstellung in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt

2022, August 18.

Poesie als Asyl – Musik als Zukunft – Aber Hass – Nein

„Bei allem, was ich tue, handele ich auch aus Trotz.“

von Renate Feyerbacher

Corona hat die Ausstellung zum 100. Geburtstag des bedeutenden Literaturkenners, -kritikers und Autors Marcel Reich-Ranicki in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt vor zwei Jahren verhindert. Zu seinem 102.Geburtstag, am 2. Juni 2022 wurde sie nun nachgeholt. Kuratiert haben die Ausstellung Dr. Sylvia Asmus, die Leiterin des Deutschen Exilarchiv 1922-1945 in der DNB, und Dr. Uwe Wittstock, der in seinem Buch Marcel Reich-Ranicki. Die Biografie (Piper Verlag 2020) neue Dokumente gesichtet hat, die nun auch in die Schau aufgenommen wurden. Zur Eröffnung waren seine Enkelin Carla Ranicki und seine Schwiegertochter Ida Thompson gekommen.

Die Kuratoren Sylvia Asmus und Uwe Wittstock mit Carla Ranicki in der Ausstellung, Foto: Renate Feyerbacher

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„Frankfurt liest ein Buch“ – Irmgard Keun. Nach Mitternacht

2022, Mai 17.

Naiv, frech und witzig zur falschen Zeit

von Petra Kammann

Einige bleibende Eindrücke von ein paar gelungenen Veranstaltungen des 13. Frankfurter Lesefestivals „Frankfurt liest ein Buch“, bei dem Irmgard Keuns Exil-Roman „Nach Mitternacht“ im Zentrum steht und der 1936 in Frankfurt spielt. Eine teils naive, teils komische und auch bitterböse Schilderung des Alltags im Nationalsozialismus. Über 80 Veranstaltungen (Lesungen, Gespräche, Vorträge, Stadtrundgänge und vieles mehr) beschäftigten sich mit dem Roman. Zum Abschluss gab es eine Veranstaltung bei sommerlichsten Temperaturen am helllichten Tag in der Alten Oper mit Cécile Schortmann, Regina Ziegler und Désirée Nosbusch. Da strahlten im leicht abgedunkelten Mozart-Saal drei starke, selbstbewusste und attraktive Frauen auf der Bühne, die über Irmgard Keun debattierten oder sich lebhaft an Szenen mit ihr während der Dreharbeiten der Verfilmung von „Nach Mitternacht“ erinnerten.  Zum Festival gehörte auch ein besonderer Abend mit der Schriftstellerin Ursula Krechel in der Stadtbücherei, moderiert von Anita Djafari, sowie eine Lese-Performance mit der Schauspielerin Ricarda Klingelhöfer im Frankfurter Volkstheater …

v.l.n.r.: Sabine Baumann, Regina Ziegler, Cécile Schortmann, Martina Keun-Hurtig und Désirée Nosbusch; Foto: Petra Kammann

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Die Ruhrfestspiele auf dem „grünen Hügel“

2022, Mai 14.

Das älteste deutsche Theaterfestival lebt

von Simone Hamm

Alle atmen auf. Denn die Ruhrfestspiele auf dem „grünen Hügel“ von Recklinghausen können in diesem Jahr wieder mit Präsenzaufführungen stattfinden. „Haltung und Hoffnung“ lautet das Motto. Die Ruhrfstespiele wollen sich nicht nur an Theatersüchtige wenden, sollen auch an all die, die kein Theaterabonnement haben, die nicht in experimentelle Tanzaufführungen gehen. Das ist der Geschichte geschuldet. Im kalten Winter 1946/7 hatten Kohlelieferungen aus Ruhrgebietszechen  den Hamburger Theatern geholfen, ihre Räume zu beheizen. Zum Dank kamen die Schauspieler ins Ruhrgebiet, um Theater zu speilen. Die Ruhrfestspiele, das älteste deutsche Theaterfestival, waren geboren. „Kunst für Kohle“ lautete das Motto.

William Kentridge in Aktion; Foto: Stella Olivier

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York Höllers Oper „Der Meister und Margarita“

2022, April 11.

Eine Höllenfahrt: Kunterbunt und Tiefschwarz

Inszeniert als aufregendes Spektakel von Valentin Schwarz an der Kölner Oper im Staatenhaus

von Simone Hamm

David Howes, Guido Sterzl, Julian Schulzki, Mine Yücel, Michael Terada, Artjom Korotkov, Sung Jun Cho © Bernd Uhlig Oper Köln

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Berlin und seine Theater in den Zeiten von Corona

2022, März 31.

Noch immer. Auch im März 2022.

von Simone Hamm

Am Deutschen Theater fielen gleich zwei Premieren ins Wasser, „Auslöschung“ nach Thomas Bernhard und „Werther“ nach Goethe. Bei der Schaubühne fielen Stücke mit Joachim Meyerhoff aus und man setzte auf „Peer Gynt“ und „Richard III.“ mit Lars Eidinger. Doch selbst diesen Berserker hielt es nicht auf den Beinen. Auch diese Aufführungen fanden nicht statt. Barrie Koksys Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“ sollte noch ein paar Mal gespielt werden. Keine der geplanten Aufführungen war zu sehen. Das Berliner Ensemble setzte in diesen Tagen auf Matthias Brandt und Kosksys „Dreigroschenoper“.

Adam Benzwi, Barrie Kosky und Oliver Reese im Berliner Ensemble Foto: © Moritz Haase /BE

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