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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Schauspiel

„Frankfurt liest ein Buch“ – Irmgard Keun. Nach Mitternacht

2022, Mai 17.

Naiv, frech und witzig zur falschen Zeit

von Petra Kammann

Einige bleibende Eindrücke von ein paar gelungenen Veranstaltungen des 13. Frankfurter Lesefestivals „Frankfurt liest ein Buch“, bei dem Irmgard Keuns Exil-Roman „Nach Mitternacht“ im Zentrum steht und der 1936 in Frankfurt spielt. Eine teils naive, teils komische und auch bitterböse Schilderung des Alltags im Nationalsozialismus. Über 80 Veranstaltungen (Lesungen, Gespräche, Vorträge, Stadtrundgänge und vieles mehr) beschäftigten sich mit dem Roman. Zum Abschluss gab es eine Veranstaltung bei sommerlichsten Temperaturen am helllichten Tag in der Alten Oper mit Cécile Schortmann, Regina Ziegler und Désirée Nosbusch. Da strahlten im leicht abgedunkelten Mozart-Saal drei starke, selbstbewusste und attraktive Frauen auf der Bühne, die über Irmgard Keun debattierten oder sich lebhaft an Szenen mit ihr während der Dreharbeiten der Verfilmung von „Nach Mitternacht“ erinnerten.  Zum Festival gehörte auch ein besonderer Abend mit der Schriftstellerin Ursula Krechel in der Stadtbücherei, moderiert von Anita Djafari, sowie eine Lese-Performance mit der Schauspielerin Ricarda Klingelhöfer im Frankfurter Volkstheater …

v.l.n.r.: Sabine Baumann, Regina Ziegler, Cécile Schortmann, Martina Keun-Hurtig und Désirée Nosbusch; Foto: Petra Kammann

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Die Ruhrfestspiele auf dem „grünen Hügel“

2022, Mai 14.

Das älteste deutsche Theaterfestival lebt

von Simone Hamm

Alle atmen auf. Denn die Ruhrfestspiele auf dem „grünen Hügel“ von Recklinghausen können in diesem Jahr wieder mit Präsenzaufführungen stattfinden. „Haltung und Hoffnung“ lautet das Motto. Die Ruhrfstespiele wollen sich nicht nur an Theatersüchtige wenden, sollen auch an all die, die kein Theaterabonnement haben, die nicht in experimentelle Tanzaufführungen gehen. Das ist der Geschichte geschuldet. Im kalten Winter 1946/7 hatten Kohlelieferungen aus Ruhrgebietszechen  den Hamburger Theatern geholfen, ihre Räume zu beheizen. Zum Dank kamen die Schauspieler ins Ruhrgebiet, um Theater zu speilen. Die Ruhrfestspiele, das älteste deutsche Theaterfestival, waren geboren. „Kunst für Kohle“ lautete das Motto.

William Kentridge in Aktion; Foto: Stella Olivier

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York Höllers Oper „Der Meister und Margarita“

2022, April 11.

Eine Höllenfahrt: Kunterbunt und Tiefschwarz

Inszeniert als aufregendes Spektakel von Valentin Schwarz an der Kölner Oper im Staatenhaus

von Simone Hamm

David Howes, Guido Sterzl, Julian Schulzki, Mine Yücel, Michael Terada, Artjom Korotkov, Sung Jun Cho © Bernd Uhlig Oper Köln

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Berlin und seine Theater in den Zeiten von Corona

2022, März 31.

Noch immer. Auch im März 2022.

von Simone Hamm

Am Deutschen Theater fielen gleich zwei Premieren ins Wasser, „Auslöschung“ nach Thomas Bernhard und „Werther“ nach Goethe. Bei der Schaubühne fielen Stücke mit Joachim Meyerhoff aus und man setzte auf „Peer Gynt“ und „Richard III.“ mit Lars Eidinger. Doch selbst diesen Berserker hielt es nicht auf den Beinen. Auch diese Aufführungen fanden nicht statt. Barrie Koksys Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“ sollte noch ein paar Mal gespielt werden. Keine der geplanten Aufführungen war zu sehen. Das Berliner Ensemble setzte in diesen Tagen auf Matthias Brandt und Kosksys „Dreigroschenoper“.

Adam Benzwi, Barrie Kosky und Oliver Reese im Berliner Ensemble Foto: © Moritz Haase /BE

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Preis der Literaturhäuser 2022 für Sasha Marianna Salzmann

2022, Februar 27.

Ein Preis zur rechten Zeit

In ihrem Roman Im Menschen muss alles herrlich sein, der im vergangenen Jahr auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis, auf der ORF-Bestenliste sowie auf Platz 1 der SWR-Bestenliste stand, erzählt Sasha Marianna Salzmann von Umbruchzeiten, von der „Fleischwolf-Zeit“ der Perestroika bis ins Deutschland der Gegenwart. Sie erzählt, wie Systeme zerfallen und Menschen vom Sog der Ereignisse mitgerissen werden. Dabei folgt sie vier Lebenswegen und spürt der unauflöslichen Verstrickung der Generationen nach, über Zeiten und Räume hinweg. Bildstark, voller Empathie und mit großer Intensität.

Sasha Marianna Salzmann bei den 50. Römerberggesprächen; Foto: Uwe Kammann

Zum Achtzigsten der Filmemacherin Margarethe von Trotta

2022, Februar 18.

„In Deutschland geboren, in Europa sozialisiert, und in der Welt angekommen.“

Die Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin Margarethe von Trotta feiert am 21. Februar ihren 80. Geburtstag, wozu ihr FeuilletonFrankfurt herzlich gratuliert. Seit den 70er Jahren gehört sie zu den großen deutschen Regisseurinnen, schrieb und inszenierte weit mehr als 20 Filme, darunter auch international gefeierte. In ihren Filmen stellt die Regisseurin mehrfach komplexe Frauenfiguren ins Zentrum. Damit gab sie auch großartigen Schauspielerinnen – wie etwa Barbara Sukowa – die Gelegenheit, die nicht immer einfachen Rollen mit Leben zu füllen. Etliche ihrer Filme erhielten bedeutende Preise, wie 2019 den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises für „Hannah Arendt“, um die es u.a. in dem folgenden Gespräch mit Petra Kammann ging. In Frankfurt erhielt Trotta zuletzt 2018 den Theodor W. Adorno-Preis in der Paulskirche, wo der Film- und Fernsehproduzent Dr. Günter Rohrbach ihre persönliche als auch professionelle Vita in seiner Laudatio differenziert nachzeichnete.

Margarethe von Trotta bei der Verleihung des Theodor W. Adorno-Preises der Stadt Frankfurt in der Paulskirche, am 21.9.2018, Foto: Petra Kammann

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„Jeder soll von dort, wo er ist, einen Schritt näher kommen. Fragen nach Gott“. Navid Kermani im Schauspiel Frankfurt

2022, Februar 7.

Ach, Du lieber Gott! Reden über Unsagbares

von Petra Kammann

Friedenspreisträger, Kriegsreporter, Poet und Orientalist Navid Kermani spricht allabendlich mit seiner heranwachsenden ungläubig-kritischen Tochter über Gott und was es für ihn als gläubigen Muslim bedeutet. Er hat es dem sterbenden Vater versprochen, seiner Tochter etwas von Opas Religion zu vermitteln. Darum geht es im neuen Buch von Kermani (Hanser). Im Schauspiel Frankfurt las der Schauspieler Isaak Dentler im Wechsel mit Kermani Passagen daraus, über die im Anschluss mit dem Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach diskutiert wurde, moderiert von der Wissenschaftsjournalistin und Astrophysikerin Sibylle Anderl. Hat das Theater die Kirche ersetzt?

Lesung mit Diskussion: v.l.n.r.: Martin Mosebach, Sibylle Anderl, Navid Kermani, Isaak Dentler; Foto: Petra Kammann

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Rhein-Main: KulturRegion macht sich stark für Kulturvielfalt – Themen, Projekte und Programme 2022

2022, Januar 20.

Die Corona-Krise ist für die Kultur mit großen Herausforderungen verbunden, gleichzeitig liegt in ihr auch die Chance für Veränderung, gerade durch den Zuwachs an neuem Wissen.  So freut sich die KulturRegion 2022 über den neuen Beitritt zum kulturellen RheinMain-Netzwerk der Stadt Michelstadt. 

Sabine von Bebenburg, Geschäftsführerin der KulturRegion, Dr. Tobias Robischon, Bürgermeister von Michelstadt, (unten)  Thomas Will, Aufsichtsratsvorsitzender der KulturRegion und Landrat des Kreises Groß-Gerau, Dr. Ina Hartwig, Aufsichtsratsvorsitzende der KulturRegion FrankfurtRheinMain und Kultur- und Wissenschaftsdezernentin der Stadt Frankfurt (oben) präsentierten das Programm

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Akram Khans „Outwitting the Devil – den Teufel überlisten“ bei Tanz.Köln

2021, Dezember 11.

Inspiriert vom Gilgamesch-Epos

von Simone Hamm

An diesem Abend stimmt einfach alles. Tanz. Musik. Licht. Bühnenbild.

Zunächst ist es stockfinster im Depot, dem Kölner Schauspielhaus. Im Düsteren erklingen einzelne elektronische Töne. Dass dies keine fröhliche Veranstaltung werden sollte, ist spätestens jetzt klar.

OUTWITTING THE DEVIL, Künsterischer Direktor und Choreograf: Akram Khan; Foto: Klaus Tummers / Schauspiel Köln

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Katja Kabanowa an der Komischen Oper Berlin

2021, Dezember 3.

Ein spannendes, psychologisches Kammerspiel mit überragenden Sängern

von Simone Hamm

Eine unglückliche Frau, ein schwacher Ehemann, eine biestige Schwiegermutter, ein strahlender Liebhaber – das sind die Hauptpersonen in dem  Drama “Das Gewitter” des russischen Dramatikers N. Ostrowski aus dem Jahre 1859. Es spielt in der russischen Provinz. Vor hundert Jahren nahm Leon Janacek es zur Vorlage für seine nicht minder dramatische Oper Katja Kabanowa.

Katja Kabanowa, Auf dem Bild: Stephan Rügamer (Tichon), Karolina Gumos (Varvara), Annette Dasch (Katja) und Doris Lamprecht (Kabanicha); Foto: Jaro Suffner

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