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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Film

Schöpfer der „Heimat“-Trilogie: Edgar Reitz wird 90

2022, Oktober 31.

Wagnis und Wunder

Von Uwe Kammann 

„Heimat“ ist sein Lebensthema: Mit dem Familienepos aus dem Hunsrück hat Filmemacher Edgar Reitz Filmgeschichte geschrieben. Am ersten November wird er 90.

Ein Wagnis. Denn wer könnte schon den Mut haben, einen kleinen Ort im Hunsrück zum Ausgangspunkt einer Fernseh-Saga zu machen, und das in einem wahrhaft epochalen Maßstab? Aber auch: ein Wunder. Denn wer hätte geahnt, dass ein Filmwerk unter dem großgeschriebenen Titel „Heimat“ ein solch umwerfender Erfolg werden würde, und dies bei Publikum und Kritik gleichermaßen? Und wer hätte vorhergesagt, dass dieses Werk auch im Ausland gefeiert werden würde?

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Podcast // Internationale Stummfilmtage Bonn zu Gast im DFF

2022, August 15.

Bereits zum zweiten Mal kooperiert das DFF mit dem ältesten Stummfilmfestival Deutschlands.Das 38. Bonner Sommerkino–Internationale Stummfilmtage findet vom 11. bis 21. August 2022 in Bonn statt. Sechs ausgewählte Filme aus dem Programm sind aber auch von Mittwoch, 17. August, an in Frankfurt im Kino des DFF zu sehen.

„Blind Husbands“, US 1918 Francelia Billington, Erich von Stroheim (v.l.n.r.)

Eva Hielscher, Sammlungsleiterin am DFF, ist Co-Kuratorin bei den Internationalen Stummfilmtagen. Im Podcast spricht sie über die Magie des Stummfilms, die für sie auch in dem Zusammenspiel von visueller Bildkraft und musikalischer Live-Begleitung liegt, das das Filmerlebnis so besonders macht. Sie stellt einige der Filme vor, darunter die Komödie MORAL (1928, R: Willi Wolff) und der dänische Monumentalfilm ATLANTIS (1913, R: August Blom), und erklärt, warum das Festival für Filmfans jedes Alters etwas zu bieten hat.

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Programmkino im Filmforum Höchst mit Blick nach Spanien

2022, Juni 23.

Und ein Sommer mit Reisen

Ein turbulentes Kinojahr neigt sich der wohlverdienten Sommerpause zu, die sich das Filmforum sich im August, d.h. vom 31. Juli bis zum bis zum 8. September gönnt. Vorher im heißen Sommermonat Juli bietet das Kino aber noch ein paar spannende Filme, die die weniger hitzebeständigen Zeitgenossen vielleicht in das angenehm temperierte, dunkle und kontemplative Kinoambiente locken. Da ist ein wenig Planung für das Juli-Programm angebracht.

Szene aus „Monobloc“; Still:©Salzgeber

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„Frankfurt liest ein Buch“ – Irmgard Keun. Nach Mitternacht

2022, Mai 17.

Naiv, frech und witzig zur falschen Zeit

von Petra Kammann

Einige bleibende Eindrücke von ein paar gelungenen Veranstaltungen des 13. Frankfurter Lesefestivals „Frankfurt liest ein Buch“, bei dem Irmgard Keuns Exil-Roman „Nach Mitternacht“ im Zentrum steht und der 1936 in Frankfurt spielt. Eine teils naive, teils komische und auch bitterböse Schilderung des Alltags im Nationalsozialismus. Über 80 Veranstaltungen (Lesungen, Gespräche, Vorträge, Stadtrundgänge und vieles mehr) beschäftigten sich mit dem Roman. Zum Abschluss gab es eine Veranstaltung bei sommerlichsten Temperaturen am helllichten Tag in der Alten Oper mit Cécile Schortmann, Regina Ziegler und Désirée Nosbusch. Da strahlten im leicht abgedunkelten Mozart-Saal drei starke, selbstbewusste und attraktive Frauen auf der Bühne, die über Irmgard Keun debattierten oder sich lebhaft an Szenen mit ihr während der Dreharbeiten der Verfilmung von „Nach Mitternacht“ erinnerten.  Zum Festival gehörte auch ein besonderer Abend mit der Schriftstellerin Ursula Krechel in der Stadtbücherei, moderiert von Anita Djafari, sowie eine Lese-Performance mit der Schauspielerin Ricarda Klingelhöfer im Frankfurter Volkstheater …

v.l.n.r.: Sabine Baumann, Regina Ziegler, Cécile Schortmann, Martina Keun-Hurtig und Désirée Nosbusch; Foto: Petra Kammann

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Die Natur der Natur. Fukushima Project“ im Museum Angewandte Kunst

2022, Mai 16.

Als die Bilder leuchten lernten. Was verbindet die Romantik und ZEN?

Von Petra Kammann

Der in London lebende Fotograf und Filmemacher Norbert Schoerner fotografierte David Caspar Friedrichs Gemälde „Weidengebüsch bei tiefstehender Sonne“ (1832/1835) ab. Dabei hängt das Original im fast benachbarten Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt. Dieses Abbild im Museum Angewandte Kunst ist  eine Art Auftakt zu seiner besonderen Ausstellung „Die Natur der Natur. Fukushima Project“ und schafft Raum für die Imagination. Schoerne fotografierte Bonsais aus der Aufzucht der japanischen Familie Abe in der Bergregion Azuma Gebirge in der Nähe von Fukushima. In den vier Ausstellungsräumen wechseln romantische Motive in den abgedunkelten Räumen mit Naturbeherrschungsmethoden aggressiver Natur.

Blick in die Ausstellung, Foto: Petra Kammann

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Zum Achtzigsten der Filmemacherin Margarethe von Trotta

2022, Februar 18.

„In Deutschland geboren, in Europa sozialisiert, und in der Welt angekommen.“

Die Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin Margarethe von Trotta feiert am 21. Februar ihren 80. Geburtstag, wozu ihr FeuilletonFrankfurt herzlich gratuliert. Seit den 70er Jahren gehört sie zu den großen deutschen Regisseurinnen, schrieb und inszenierte weit mehr als 20 Filme, darunter auch international gefeierte. In ihren Filmen stellt die Regisseurin mehrfach komplexe Frauenfiguren ins Zentrum. Damit gab sie auch großartigen Schauspielerinnen – wie etwa Barbara Sukowa – die Gelegenheit, die nicht immer einfachen Rollen mit Leben zu füllen. Etliche ihrer Filme erhielten bedeutende Preise, wie 2019 den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises für „Hannah Arendt“, um die es u.a. in dem folgenden Gespräch mit Petra Kammann ging. In Frankfurt erhielt Trotta zuletzt 2018 den Theodor W. Adorno-Preis in der Paulskirche, wo der Film- und Fernsehproduzent Dr. Günter Rohrbach ihre persönliche als auch professionelle Vita in seiner Laudatio differenziert nachzeichnete.

Margarethe von Trotta bei der Verleihung des Theodor W. Adorno-Preises der Stadt Frankfurt in der Paulskirche, am 21.9.2018, Foto: Petra Kammann

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Heinrich Breloer, Meister der ,Offenen Form‘, feiert seinen Achtzigsten

2022, Februar 15.

Der erfolgreiche Fernsehmacher ist ein Herr der Fragmente

Von Uwe Kammann

Das wird keiner, der dabei war, jemals vergessen: Armin Müller-Stahl greift 2002 auf der Marler Fernseh-Bühne des Grimme-Preises zur Geige, ein bezaubernder Moment zur Feier einer grandiosen Fernseharbeit. Der Schauspieler hatte darin den großen Romancier Thomas Mann verkörpert. „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“, so der programmatische Titel des Dreiteilers, der das Publikum und die Profikritiker bei der Ausstrahlung im Ersten Programm gleichermaßen begeisterte. Marcel Reich-Ranicki, sonst eher kein Fernsehfan, lobte die über 300 Filmminuten in überschwenglicher Manier gar als „nationales Ereignis“. Und noch heute ist die DVD-Aufnahme ein Glanzpunkt in den Vertriebskatalogen.

Regisseur Heinrich Breloer 2001, Foto: Petra Kammann

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Alexander Kluge: Der „Teilchenbeschleuniger“ des Kulturuniversums wird 90

2022, Februar 12.

Ein einzigartiger Sinn-Arbeiter

Von Uwe Kammann

Ein Tausendsassa? Nein, völlig falsch. Ein Zehntausendsassa, wenn nicht noch mehr. Alexander Kluge ist ein Intellektueller mit einer unglaublichen Anzahl von Facetten, egal in welcher seiner vielen Rollen: zu denen die des Autors, Filmemachers, Fernsehproduzenten, Medienpolitikers und Universaltheoretikers gehören. Immer zusammengefasst unter einem Obertitel: dem des Erzählers. Mit Frankfurt war und ist dieser in München lebende Großmeister aller Sinn-Arbeit in vielem verbunden, man denke nur an den frühen Film „Die Patriotin“ (1979), der das Westend als Spekulationssopfer zeigt, oder seine große Poetik-Vorlesung (2012) an der Goethe-Universität. Und man muss unbedingt die grundkritische Frankfurter Schule nennen, ein A und O seiner Denkwelt. Jetzt, am 14. Februar, wird Alexander Kluge 90 Jahre alt. Und wirkt jung wie eh und je. Ein einmaliges Phänomen in der Kulturgeschichte der Bundesrepublik.

Alexander Kluge, Filmemacher, Fernsehproduzent, Schriftsteller, Drehbuchautor, Philosoph und Rechtsanwalt; Foto: Petra Kammann Weiterlesen

„Born in Evin“ von Maryam Zaree mit anschließendem Filmgespräch im Naxos-Kino

2021, November 5.

Vom Sprechen und Schweigen in der 2. Generation

Eindrücke von Petra Kammann

In dem Film Born in Evin wird die Geschichte der Regisseurin und Schauspielerin Maryam Zaree erzählt, die sich auf die Suche macht nach den gewaltvollen Umständen ihrer Geburt in einem der berüchtigtsten politischen Gefängnisse im Iran. In ihrem bewegenden Dokumentarfilm begibt sich Maryam Zaree auf Spurensuche nach ihren eigenen Wurzeln. Im Frankfurter Naxos-Kino diskutierten nach der Vorführung des Films die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Irene Rosenkötter mit dem Iran-Experten, dem Journalisten Ali Sadrzadeh, Redakteur bei hr info.

Filmplakat von „Born in Evin“

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„Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?“- Eine Ausstellung im Deutschen Filmmuseum

2021, September 30.

Katastrophen im Film – Panikmacher oder ein Abbild der Realität? 

 von Renate Feyerbacher

Die Katastrophe, ein ursprünglich aus dem antiken Drama kommender Begriff, beschreibt ein elementares Naturereignis, eine „Wendung zum Niedergang“, also keine alltägliche Erfahrung. Dennoch fragt man sich, ob Katastrophen die Zukunft bestimmen, vor allem Naturkatastrophen: angefangen von Erdbeben, Tsunamis, Überflutungen wie durch die Hamburger Sturmflut von 1962, über Dürren, Waldbrände, Vulkanausbrüche –wie derzeit auf La Palma, Einschläge von Himmelskörpern – die vor allem durch den Klimawandel bedingt sind. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Einschläge von Himmelskörpern kann der Mensch nur geringfügig beeinflussen, wohl aber den Klimawandel.

Blick in die Ausstellung „Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?“, Foto: Renate Feyerbacher

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