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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Theater

„Vergnügen und Verlust“, „Begegnungen“ und … Shakespeare bei den Ruhrfestspielen

2024, Juni 13.

Angela Winkler liest und das delian::quartett spielt dazu

Von Simone Hamm

Hinreißend. Es war ein ungewöhnlicher, ein außergewöhnlicher Abend bei der Ruhrestspielen. Angela Winkler rezitiert Shakespeare und das delian::quartett spielt dazu die großen Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch (Nr. 8) und Felix Mendelssohn Bartholdy (Nr.6). Die Musiker untermalen die Lesung nicht einfach nur. Bei der gemeinsamen Arbeit sind sie und die Rezitatorin vielmehr von der Musik ausgegangen. Nicht zuletzt deshalb fügten sich Musik und Text organisch zusammen. „Begegnungen“ heißt der Abend dann auch.

Angela Winkler rezitiert musikalisch und mitreißend, Foto: Joachim Gern / Ruhrfestspiele

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Wagners „Ring des Nibelungen“ an der Staatsoper Unter den Linden Berlin

2024, März 27.

„Siegfried“ und „Götterdämmerung“

Ohne Drachen, ohne Zauber – einfach zum Niederknien

von Simone Hamm

Dmitri Tcherniakov kommt ohne Drachen und Zauber aus. Seine Inszenierungen des „Rheingolds“ und der „Walküre“ sind bewegend und überzeugend. Mit demselben kühlem Blick durch die Laborfenster auf die Versuchsobjekte geht es weiter in „Siegfried“ und der „Götterdämmerung“. Die Probanden zeigen große Emotionen. Bei Dmitri Tcherniakov zerlegt Siegfried mit dem Schmiedehammer sein einstiges Kinderzimmer. Das ungeliebte Kind, zugemüllt mit riesigen Playmobilsteinen, zündet sein zerstörtes Spielzeug an und verbrennt es. So entsteht das Schwert Nothung.

Andreas Schager (Siegfried), Stephan Rügamer (Mime) Foto: © Monika Rittershaus

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Erinnern für Jetzt und die Zukunft – ein Abend von Oper und Schauspiel in der Paulskirche

2024, Februar 1.

Ein hochkarätiger Abend anlässlich des bundesweiten – internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar 2024

Von Renate Feyerbacher

Fotos:  Jessica Schäfer / Schauspiel Frankfurt

Am 27. Januar 1945 haben Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager von Auschwitz befreit. Millionenfachen Mord, Folter, Menschenversuche gab es seit seiner Gründung 1940. Eine Vernichtungsfabrik perfidester Art. Antisemitismus, Hass, Menschenverachtung geschehen in Deutschland, das einmal versprach: „Nie wieder“, erleben derzeit eine Renaissance. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler waren dem Aufruf der Intendanten Bernd Loebe  (Oper) und Anselm Weber (Schauspiel) gefolgt,  sich Hass, Hetze, Antisemitismus und Rassismus mit Texten und Musik entgegenzustellen.


Erinnern für jetzt und die Zukunft. Eine Veranstaltung von Oper und Schauspiel Frankfurt in der Paulskirche:Tanja Merlin Graf, Sarah Grunert, Christoph Bornmüller, Christoph Pütthoff
Foto: Jessica Schäfer

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Jubiläumsprogramm – Gauthier dance mit „15 Years Alive“ im Leverkusener Forum

2023, Dezember 19.

Ansteckende Lebensfreude pur

von Simone Hamm

Als Eric Gauthier vor fünfzehn Jahren ausgerechnet in Stuttgart „Gauthier Dance“  gründete, glaubte keiner, dass hier neben dem großen Stuttgarter Ballett eine zweite Ballettkompanie bestehen könnte. Gauthier wollte sowohl dem neoklassischen Ballett als auch dem von ihm als zu ernst empfundenen Tanztheater etwas entgegensetzen, wollte ein Publikum gewinnen, dass nicht ballettaffin war. Er ging aus dem Theatersaal raus in Schulen, Krankenhäuser, Pflegestätten. Er rief zu Flashmobs auf und hunderte tanzten auf Stuttgarts Straßen. „Gauthier Dance“ ist Kult.

 Fifteen Years alive / Gauthier dance, hier: Minus 16 von Ohad Nahrain, Foto: Jeanette Bak 

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75 Jahre Das Festival international d’art lyrique von Aix-en-Provence

2023, Juni 30.

Così fan tutte und die Folgen

Von Petra Kammann

1948 hatten die Comtesse Lily Pastré und Gabriel Dussurget in der Cour de l’Archevêché das damals noch kleine Klassik-Festival mit Mozart aus der Taufe gehoben. Die Stadt sollte ein „Salzburg Frankreichs“ mit internationaler Ausstrahlung werden. Was daraus wurde? Mozart wird 75 Jahre später in diesem Sommer „umspielt“… Drei Wochen lang werden große internationale Orchester, berühmte Dirigenten, Regisseure, Choreografen und Sänger an den verschiedenen Spielstätten wie u.a. dem Grand Théâtre de Provence und dem Jeu de Paume die provenzalische Stadt zum Klingen bringen. Geleitet wird das Festival (4. bis 24. Juli) von dem französisch-libanesischen Regisseur Pierre Audi.

Im Hof des Erzbischöflichen Palais (Cour de l’Archevêché ) in der Aixer Altstadt finden traditionell einige der Veranstaltungen statt, Foto: Petra Kammann 

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„Rage und Respekt“ bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen

2023, Juni 6.

Flammende Phädra, spöttischer Richter, fliegende Artisten

von Simone Hamm

Im eisigen Nachkriegswinter 1946/47 standen die Hamburger Theater vor der Schließung, denn es gab keine Kohle zum Heizen. Sie baten die Zechen im Ruhrgebiet um Hilfe. Die Bergarbeiter luden Kohle auf LKWs, umgingen schlau die Kontrollen durch die Besatzungsmächte. In Hamburg wurde Theater gespielt. Im Sommer 1947 dankten es 150 Schauspieler der Hamburger Bühnen den Recklinghausern. Sie gaben kostenlose Gastspiele „Kunst für Kohle“. Die Ruhrfestspiele waren geboren. Jahr für Jahr kommen Schauspieler, Tänzer, Akrobaten, Schriftsteller und bildende Künstler aus aller Welt nach Recklinghausen. Sechs Wochen lang. Jedes Jahr haben die Ruhrfestspiele ein Motto. In diesem Jahr ist es: „Rage und Respekt“.

„Tempest Project”, Peter Brook und Marie-Hélène Estienne, Théâtre des Bouffes du Nord /Ruhrfestspiele, Foto: Marc Brenner

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Giulio Cesare in Egitto an der Oper Köln

2023, Juni 2.

Das Spiel von Macht und Schönheit in exquisiten Roben

von Simone Hamm

An diesem Abend harmonierte alles miteinander: Die ausdrucksstarken Sänger, das phantastische Gürzenich Orchester unter Rubén Dubrovsky, die opulenten Kostüme von Christian Lacroix, das kühle Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann mit den schwarzen Schiebepannelen, dahinter die digitalen Palmen, Ibise, Monde von Nicolas Hurtevent, alles perfekt ins Licht gesetzt von Andreas Grünter.

Adriana Bastidas-Gamboa (Cornelia), Anna Lucia Richter (Sesto) © Karl & Monika Forster, Oper Köln

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Johan Simons inszeniert in Bochum und Leipzig  „Der Würgeengel“ nach Luis Buñuel

2023, März 8.

Paralysierte Gesellschaft: No way out

Von Simone Hamm

Auf der Bühne im Bochumer Schauspielhaus passiert erstmal: nichts. Und dann: nichts. Die Schauspieler haben den Kopf auf kleine Schulbänke gelegt, liegen darunter, hängen über Kinderstühlen, blicken reglos und starr geradeaus.

Marius Huth, Foto: © Armin Smailovic

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Swan Lakes von Gauthier Dance oder was man aus „Schwanensee“ alles machen kann

2022, Mai 1.

Eric Gauthier, Leiter der gleichnamigen Tanzkompanie am Stuttgarter Theaterhaus, zeigt Schwanensee im Schauspiel Köln. Doch es ist nicht Tschaikowskis Ballett in der Version von Marius Petipa, die Sage von der in einen Schwan verzauberten Prinzessin Odette, wie sie die großen Ballettkompanien tanzen. Tanz. köln hatte ins Kölner Schauspielhaus eingeladen. Gauthier wiederum hatte vier Choreografen, Cayetano Soto, Marie Chouinard, Marco Goecke und Hofesh Shechter eingeladen, ihre Version des Ballettklassikers zu zeigen: Swan Lakes (im Plural). Ein Beitrag von Simone Hamm

Swan Lakes. Eine Produktion von Theaterhaus Stuttgart, Mit Uraufführungen von Marie Chouinard, Marco Goecke, Hofesh Shechter, Cayetano Soto, Künstlerischer Leiter: Eric Gauthier, Foto: Jeanette Bak

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Berlin und seine Theater in den Zeiten von Corona

2022, März 31.

Noch immer. Auch im März 2022.

von Simone Hamm

Am Deutschen Theater fielen gleich zwei Premieren ins Wasser, „Auslöschung“ nach Thomas Bernhard und „Werther“ nach Goethe. Bei der Schaubühne fielen Stücke mit Joachim Meyerhoff aus und man setzte auf „Peer Gynt“ und „Richard III.“ mit Lars Eidinger. Doch selbst diesen Berserker hielt es nicht auf den Beinen. Auch diese Aufführungen fanden nicht statt. Barrie Koksys Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“ sollte noch ein paar Mal gespielt werden. Keine der geplanten Aufführungen war zu sehen. Das Berliner Ensemble setzte in diesen Tagen auf Matthias Brandt und Kosksys „Dreigroschenoper“.

Adam Benzwi, Barrie Kosky und Oliver Reese im Berliner Ensemble Foto: © Moritz Haase /BE

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