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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für September, 2021

„Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?“- Eine Ausstellung im Deutschen Filmmuseum

2021, September 30.

Katastrophen im Film – Panikmacher oder ein Abbild der Realität? 

 von Renate Feyerbacher

Die Katastrophe, ein ursprünglich aus dem antiken Drama kommender Begriff, beschreibt ein elementares Naturereignis, eine „Wendung zum Niedergang“, also keine alltägliche Erfahrung. Dennoch fragt man sich, ob Katastrophen die Zukunft bestimmen, vor allem Naturkatastrophen: angefangen von Erdbeben, Tsunamis, Überflutungen wie durch die Hamburger Sturmflut von 1962, über Dürren, Waldbrände, Vulkanausbrüche –wie derzeit auf La Palma, Einschläge von Himmelskörpern – die vor allem durch den Klimawandel bedingt sind. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Einschläge von Himmelskörpern kann der Mensch nur geringfügig beeinflussen, wohl aber den Klimawandel.

Blick in die Ausstellung „Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?“, Foto: Renate Feyerbacher

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„Tempo! Alle Zeit dieser Welt“- Eine zeitgemäße Ausstellung im Sinclair-Haus

2021, September 29.

U(h)r-Zeit und Lebens-Zeit am Puls der Zeit

von Petra Kammann

Eine Ausstellung im Bad Homburger Sinclair-Haus geht dem Phänomen Zeit nach, den Geschwindigkeiten in der Natur und der Rolle des Menschen als Initiator und Opfer der Beschleunigung. Und das in Kunstwerken von Carl Bössenroth, Tega Brain und Sam Lavigne, Johanna Domke, Mark Formanek, Oliver Gather, Jeppe Hein, Tehching Hsieh, Sanja Ivekovic, Simone Kessler, Cesar Kuriyama, Claude Lelouch, Joana Moll, Rachel Sussman und Melanie Wiora sowie in Objekten aus der Kulturgeschichte, dem Alltag und den Wissenschaften…

Blick in den oberen Ausstellungsraum: Wo der Hahn kräht, der Wecker klingelt oder der Flieger gleich abhebt, wenn schlafende Menschen auf dem Flughafen warten wie im Video „Sleepers“, 2017  von Johanna Domke; Foto: Petra Kammann

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Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“

2021, September 28.

Liebe und Tod im untergehenden Brügge

Von Simone Hamm

Ein riesiger Zylinder auf einem Podest, davor Barhocker, auf denen müde Gäste Cocktails schlürfen – Stefan Heynes Bühnenbild wirkt, als habe er ein Bild Edward Hoppers auf die Bühne gebracht. Der Zylinder ist ein Vorhang, in seinem Inneren weitere Vorhänge aus langen Fäden. Bisweilen werden Videos auf den Vorhang projiziert. Das wirkt kühl und karg und soll wohl einen Gegensatz darstellen zur opulenten spätromantischen Musik, zum dramatische Geschehen in Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“, der Opernadaption des symbolistischen Romans „Bruges-la-morte“ von Georges Rodenbach.

Burkhard Fritz, Aušrine Stundyte in „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold, Foto: © Paul Leclaire / Oper Köln

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Besondere Filme im Oktober

2021, September 26.

Von Dänemark über Frankreich bis in die Türkei

Während Mads Mikkelsen in DRUK / DER RAUSCH von Dogma-Filmemacher Thomas Vinterberg dem gelangweilten Dasein in der Midlife-Crisis mit Alkoholexperimenten zu entfliehen sucht, wird er in der schwarzen Komödie RETFÆRDIGHEDENS RYTTERE / HELDEN DER WAHRSCHEINLICHKEIT von Anders Thomas Jensen (ADAMS ÄPFEL) in seiner Trauerarbeit auf ungewöhnliche Weise von seinem Umfeld unterstützt. Im Rahmen der Interkulturellen Wochen diskutiert FeuilletonFrankfurt-Herausgeberin Petra Kammann am 6. Oktober 2021 über Friederike Mayröcker. Anlass: Der Film DAS SCHWEIGEN UND DAS SCHREIBEN vonCarmen Tartarotti über die bis ins hohe Alter kreative österreichische Poetin.

Filmstill aus: „Die Unbeugsamen“

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Briefe des Kritikers, Übersetzers und Publizisten Walter Boehlich, präsentiert im Holzhausenschlösschen

2021, September 24.

Überzeugungstäter mit spitzer Feder

Walter Boehlich,“Ich habe meine Skepsis, meine Kenntnisse und mein Gewissen“. Briefe 1944 bis 2000

Von Petra Kammann

Eine vergnügliche Buchpremiere, bei der ein ganzer Kosmos der Intellektuellenszene der alten Bundesrepublik in Frankfurt wieder auflebte: gleich ob mit Peter Suhrkamp, Siegfried Unseld oder Theodor W. Adorno, mit Autoren wie Ingeborg Bachmann, Max Frisch, Martin Walser oder Wolfgang Koeppen. Nicht zuletzt blitzte ein Ausschnitt aus der Geschichte der Familie Boehlich auf in einem Brief an die „Liebe Mama“ in Theresienstadt. Der stimmte eher nachdenklich und war doch die Grundlage für eine angebrachte Skepsis der Nachkriegsgeschichte.

Der Literaturwissenschaftler und Kritiker Walter Boehlich, Sohn des Schriftstellers Ernst Boehlich, 1953 in Aarhus, wo er von 1951 bis 1954 als Lektor für deutsche Sprache an der Universität tätig war©Familienarchiv

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Klaus Pohl fulminantes Hörbuch und der Roman dazu: Peter Zadek inszeniert Hamlet

2021, September 23.

Im Irrenhaus: Sein oder Nichtsein?

von Simone Hamm

Dieses Buch hätte nie erscheinen sollen. Verlag um Verlag winkte ab, als Klaus Pohl sein Manuskript schickte. Ein Roman über eine reale Theaterinszenierung? Noch dazu einer Inszenierung, die zwanzig Jahre alt ist? Mit Protagonisten, von denen die meisten nicht mehr leben? Und etliche den Lesern allenfalls von Fernsehserien, nicht vom Theater bekannt sind.

 

Klaus Pohl:

Sein oder Nichtsein

287 Seiten

Galiani

23 €uro

 

 

 

 

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40 Jahre Künstlerhilfe – Jubiläumsfeier im Städel

2021, September 22.

Förderung junger Kunstschaffender: Engagement vom Feinsten

Von Uwe Kammann

„Wir tun, was wir können, damit die Künstlerinnen und Künstler tun können, was sie können“: Ein besseres Motto könnte die Künstlerhilfe Frankfurt nicht über ihre Arbeit stellen. Mit der sie seit nun vier Jahrzehnten das tut, was sie als Schwerpunkt in ihrer Jubiliäumsbroschüre so beschreibt: nämlich speziell die jungen Absolventen der beiden Kunsthochschulen der Region – der Städelschule in Frankfurt und der Hochschule für Gestaltung in Offenbach – gerade in der schwierigen Übergangsphase nach dem Ende des Studiums mit Jahresstipendien („eine Art Anschubfinanzierung“) zu fördern.

Städel-Chef Philipp Demandt sprach das Grußwort; Foto: Uwe Kammann

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Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden

2021, September 21.

Narrative Jubiläumsschau mit origineller Hängung

Von Hans-Bernd Heier

Vor hundert Jahren traf Alexej von Jawlensky (1864—1941) spontan die Entscheidung, sich in Wiesbaden niederzulassen. In der Landeshauptstadt wohnte der herausragende Expressionist zwanzig Jahre und erlebte künstlerische wie auch menschliche Höhen und Tiefen. Was in den Jahren bis zu seinem Tod geschah, ist Thema der großen Jubiläumsausstellung „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“. In der Gesamtschau präsentiert das Landesmuseum erstmals den kompletten eigenen Sammlungsbestand.

Alexej von Jawlensky “Selbstbildnis“, Öl auf Karton, 1912; Museum Wiesbaden, Dauerleihgabe der Landeshauptstadt Wiesbaden; Foto: Bernd Fickert

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„Rissa – Ich male wieder“ – Back to painting. Eine erstaunliche Ausstellung

2021, September 20.

Poppig, peppig und vertrackt schön

von Petra Kammann

Die Ausstellung „Rissa – Ich male wieder“ widmet der Ehefrau des 2017 verstorbenen Quadriga-Künstlers  Karl Otto Götz eine umfangreiche Werkübersicht. Die 1938 als Karin Martin in Chemnitz geborene Künstlerin war einst die Studentin des Meisters des Informel, der von 1959 bis 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte. Bereits 1964 hatte sie sich jedoch von Götzens informellen Malstil abgewandt. 1965 wurde sie seine Ehefrau und langjährige Gesprächspartnerin. Mit ihrer figurativen und narrativen Bildsprache entwickelte sie dabei einen ganz eigenen unverwechselbaren Stil. Um die 30 ihrer Gemälde, Papierarbeiten und Zeichnungen sind derzeit in DIE GALERIE zu sehen.

Blick in den unteren Galerieraum – Starke Farbigkeit und kompositorische Strenge dominieren in Rissas Gemälden wie „Von der Erde kommend“, „Die Braut“ und „Schnurren“;  Foto: Petra Kammann

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Manifest des Ephemeren – der verhüllte Arc de Triomphe (3)

2021, September 19.

Deutsche Firmen sind wesentlich beteiligt – und ernten viel Lob

Von Uwe Kammann

Freies Flanieren für Fußgänger am Wochenende, Foto: Vládmir Combre de Sena

Voilà. Das Fest hat begonnen. Staunen über eine Poesie, die kaum jemand für möglich hielte, wenn er nicht einige vorherige Werke des Künstlerpaars Christo und Jeanne-Claude kennen würde – vor allem jene, die mit ihren Ausmaßen verblüfft haben, so der mit einem goldenem Vorhangschimmer verhüllte Pont Neuf in Paris und der silbern verpackte Reichstag in Berlin. Jetzt also der Triumphbogen, eines der Mega-Monumente in der an symbolischen Großbauten ohnehin nicht armen Stadt Paris.

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