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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Bildung · Pisa von innen

Petra Kammann: Streng vertraulich! Was hätte Marcel Proust wohl dazu gesagt?

2020, April 7.

Der Proust’sche Fragebogen (1)

Auch das Team von FeuilletonFrankfurt denkt in Zeiten von Corona über sich selbst nach und stellt sich dem berühmten Fragebogen zur Person, der vor allem durch den französischen Schriftsteller Marcel Proust populär wurde. In den Pariser Salons zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es ein beliebtes Spiel, ein jeu à la mode, die Fragen, die als Herausforderung an Geist und Witz galten, zu beantworten. Proust selbst hat ihn in seinem Leben zweimal, vielleicht sogar dreimal ausgefüllt.

Petra Kammann

 

Was ist für Sie das größte Unglück? Der Verlust eines mir nahen Menschen

Wo möchten Sie leben? In einer Stadt am Rhein, am Main oder am Meer

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Lothar Schirmer über obdachlose Bücher, die Absage des Sachbuch-Preises undund…

2020, April 5.

„Alles, was jetzt nicht sichtbar wird, ist enttäuschend und auch existenzgefährdend für uns Verleger und unsere Autoren“

„So stehen unsere Bücher nun als Obdachlose vor verschlossenen Türen“ – mit diesem „offenen Brief an unsere Freunde im Buchhandel“ hatte sich Lothar Schirmer in der vergangenen Woche zu Wort gemeldet. Das war für Christian von Zittwitz, den Herausgeber des Branchenmagazins Buchmarkt, Anlass, bei dem Münchner Verleger Lothar Schirmer noch einmal nachzufragen:

Lothar Schirmer (rechts) auf der Frankfurter Buchmesse 2019, Foto: Petra Kammann

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Die Bibel der Armen, für Reiche und für Alle

2020, April 2.

Lasst Bilder sprechen im Buch der Bücher

Von Petra Kammann

„Bleib in Gottes Wort, bleib gesund, bleib zuhause“. So heißt es oft in dieser schwierigen Corona-Zeit. Wer Angst vor dem Virus hat, der kann sich von einem 7-Tages-Leseplan ermutigen lassen, in dem er die Quelle der Bibel stückweise (wieder) entdeckt. Die sogenannte Wiedmann-Bibel illustriert nämlich das komplette Alte und Neue Testament in 3.333 aufeinanderfolgenden handgemalten Bildern auf 19 Leporello-Büchern mit einer Gesamtlänge von 1,17 km. Benannt wurde die Bibel nach dem Stuttgarter Künstler Willy Wiedmann (1929-2013), der 16 Jahre an dem Werk gearbeitet hat, das Bilder sprechen lässt. Wurden im Mittelalter mit der ,Biblia Pauperum‘ in der Kirche die Menschen mit illustrierten Szenen an den Wänden der Kirche angesprochen, die nicht des Lesens und Schreibens mächtig waren, so spricht die visuelle Interpretation der Wiedmann-Bibel heute Menschen in der ganzen Welt an. Mit der ästhetischen Vermittlung der Bibel war der Künstler seiner Zeit weit voraus.



Gemalte Streifen aus der Wiedmann-Bibel: das Paradies mit Adam und Eva, die Arche Noah und der Kreuzweg

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Corona macht erfinderisch – Museen laden zu virtuellem Rundgang ein

2020, März 27.

Internetangebote als Appetizer für Kunstfreunde

Von Hans-Bernd Heier

Aufgrund der schrecklichen Corona-Pandemie müssen die realen Türen der Museen und Galerien zubleiben. Dabei haben mit Beginn der Frühjahrssaison einige Museen erst kürzlich hochkarätige Präsentationen eröffnet beziehungsweise planten, langjährig vorbereitete Ausstellungen in diesen Tagen zu zeigen. Dazu kommt es aber zunächst nicht, obwohl die Bilder bereits an den Wänden hängen und die Skulpturen aufgestellt sind. Kunstinteressierte müssen sich deshalb in Geduld üben. Viele öffentliche Kultureinrichtungen in der Rhein-Main-Region sind bis mindestens zum 10. April 2020 geschlossen.

Marianne von Werefkin, „Zirkus (vor der Vorstellung)“, um 1910, Tempera auf Pappe, 55 x 90 cm, Leopold-Hoesch-Museum Düren; Foto: Peter Hinschläger

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Norgall-Preis an Dr. Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels, verliehen vom IWC in der Villa Bonn

2020, März 16.

„Ich habe eine Stiftung gegründet und wurde Feministin“, Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels

Ein Bericht von Renate Feyerbacher 

Dr. Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels, Foto: Petra Kammann

„Ich bin sehr bewegt, durch das, was hier geschieht – lch habe selbst schon viele Preise vergeben – aber noch nie einen erhalten“, so beginnt Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels ihre Rede.

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„Ich sollte…“ Ingrid Godons Porträts laden ein zum Weiterdenken

2020, März 12.

Zurück ins Dunkel? PKs Überlegung aus aktuellem Anlass 

Eigentlich hätte ich gerade über die Frankfurter Luminale berichten wollen und Klanginstallation im Museum Angewandte Kunst anhören … Dann kam am späten Vormittag die Nachricht: „Die Messe Frankfurt hat sich in enger Abstimmung mit dem Frankfurter Gesundheitsamt entschieden, kurzfristig die Luminale abzusagen“. Eine Minute später folgte die Mail des Museums Angewandte Kunst: „während der Ausstellungslaufzeit von „Ingrid Godon. Ich wünschte…“ wird das Haus mit der Klanginstallation sound 48H silence (d.o.o.r.) bespielt, die vom 13. März bis zum 15. März in einer abschließenden Live-Performance mit 12 Klangkünstler*innen und Musiker*innen aus unterschiedlichen Ländern (Großbritannien, USA, Österreich, Italien) enden sollte. Aufgrund der aktuell schwierigen Einreisesituation findet die Veranstaltung nicht statt“.  Es folgte also auch das Aus für diese kommunikativen öffentlichen Veranstaltungen wie so oft in den vergangenen Tagen. Da kamen mir wieder Ingrid Godons eigenwillig-geheimnisvolle Bilder aus der Ausstellung in den Sinn…

Zeichnung von Ingrid Godon, noch bis zum 15. 3. im Museum Angewandte Kunst, Foto: Petra Kammann

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10 Jahre DFG-Preis – Staffelübergabe an die künftige Generation

2020, Februar 7.

„Sous les yeux de Charlemagne et ses copains“

Ein denkwürdiger Tag vor der Nacht des Brexit. Bekräftigung der deutsch-französischen Freundschaft

von Petra Kammann

Pünktlich zum britischen EU-Exit wurde am 31.1. der 10. DFG-Preis an die besten Französisch-Schüler aus dem Grund- und Leistungskurs aus Frankfurt und Umgebung unter der Schirmherrschaft der französischen Generalkonsulin Pascale Trimbach und „sous les yeux de Charlemagne et ses copains“ (O-Ton Bürgermeister Becker) verliehen, der seine Ansprache in Teilen auf Französisch hielt. Einigkeit herrschte im Kaisersaal des Römer darüber, dass die Deutsch-französische Freundschaft leben möge.

Die Spannung im Kaisersaal ist groß, für Schüler, Eltern und Lehrer. Wer bekommt den Preis? Fotos: Petra Kammann

KulturRegion Rhein-Main 2020

2020, Januar 16.

Das Glück der Region liegt in der Kultur – dank hervorragender Netzwerkarbeit 

„Willst du immer weiter schweifen?/ Sieh, das Gute liegt so nah./ Lerne nur das Glück ergreifen / Denn das Glück ist immer da….“ Frankfurts Dichter aus dem Großen Hirschgarten empfiehlt sich tatsächlich in vielen Lebenslagen…

Stadt und Land, Hand in Hand. Die Aufsichtsratsvorsitzenden: Kulturdezernentin Ina Hartwig (Mitte) und Landrat des Kreises Groß-Gerau Thomas Will (re) und Geschäftsführerin der KulturRegion Sabine von Bebenburg (re); Matthias Wagner K, Hausherr Museum Angewandte Kunst (li) und Kuratorin Magdalena Zeller (li), Foto: Petra Kammann

Wer also wissen möchte, wo und wann er im Umkreis von etwa 100 km Interessantes findet, kann getrost die relevanten Informationen in den Programmheften der Rhein-Main-Region zu Rate ziehen. Mit ihren Programmen und Projekten macht sie vielfältige kulturelle Angebote einer breiten Zielgruppe zugänglich. Dabei setzt sie 2020 den Fokus auf aktuelle Themen wie z. B. Nachhaltigkeit.

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Besondere Momente des Jahres 2019

2019, Dezember 27.

Bilder aus der Kulturwelt der Mainmetropole

Gesehen und aufgelesen von

Petra Kammann

Zum Auftakt des Bauhausjahres: Die „Moderne am Main“ im Museum Angewandte Kunst

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Kulturtipps: Was FeuilletonFrankfurt-Autoren empfehlen und was sie inspiriert

2019, Dezember 20.

Schauen, Entdecken und Staunen

Für Petra Kammann sind die Schätze des Städel Museums ein steter Quell neuer Seherfahrungen. 

Klar, in Sonderausstellungen wie „Making van Gogh“. Aber auch bei den alten Meistern der 2. Etage. Die Kostbarkeiten der italienischen und flämisch-niederländischen Renaissance stellen für mich einen großen Reiz dar wie zum Beispiel die „Lucca-Madonna“ des Jan van Eyck. Betörend allein ihr leuchtend rotes Gewand mit dem natürlichen Faltenwurf, die schützende Intimität des Innenraums, in dem Licht auf einzelne Gegenstände fällt, das sie ganz plastisch erscheinen lässt. Welch Detailreichtum lässt die feine Maltechnik des flämischen Meisters hier aufscheinen! Gleich ob im kostbar gewebten Baldachin, in den goldschimmernden Löwen an ihrer Seite oder in der nackten Existenz des Kleinkindes, dem sich die Mutter mit innigem Blick zuwendet. Frankfurt kann sich glücklich schätzen, ein Werk von einem der bahnbrechendsten Künstler seiner Zeit zu besitzen. 2020 wird Flandern ganz im Zeichen Jan van Eycks stehen, nicht nur die frisch renovierten Außentafeln seines berühmten Genter Altars. Und wir haben eines seiner Meisterwerke vor der Haustür…

Jan van Eyck, Lucca-Madonna, ca. 1437, 65,7 x 49,6 x 0,8 cm, Städel Museum Frankfurt am Main© Städel Museum 

Hans-Bernd Heier ist begeistert von der Jugendstil-Sammlung im Landesmuseum Wiesbaden.

Der ehemalige Kunsthändler Ferdinand Wolfgang Neess hat seine einzigartige Kollektion dem Museum geschenkt – die größte Schenkung, die das Haus je erhalten hat.

Ein Riesenglücksfall für Wiesbaden und für Jugendstil-Freunde! Zum 90. Geburtstag des Mäzens wurde die grandiose Dauerausstellung im Juni 2019 eröffnet. Um eine adäquate Inszenierung der hochkarätigen Artefakte als Gesamtkunstwerk zu erreichen, wurde eigens der Südflügel des Museums umgebaut.

An dem Umbau beteiligte sich Neess mit einem Millionenbetrag. Zu bewundern sind rund 500 Preziosen allerhöchster Qualität – mit „Überwältigungsgarantie“, so der Kurator Dr. Peter Forster.

Ausstellungsansicht; Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Renate Feyerbacher empfiehlt die Ausstellung Maximilian Schell im Deutschen Filminstitut / Filmmuseum

Über 100 prall gefüllte Kartons mit dem filmbezogenen Nachlass kamen seinerzeit ins DFF. Sieben Monate sichtete der Archivar Schrift-, Bild-, Ton- und 3D-Dokumente des 2014 verstorbenen Maximilian Schell. Er ist einer der wenigen deutschsprachigen Schauspieler, die zu Weltstars wurden. Aber er war nicht nur ein großer Schauspieler im Film und auf der Theaterbühne, sondern auch Produzent, Opernregisseur, Maler, Zeichner, Autor, Kunstexperte und Pianist – ein Multitalent. Früh in seiner Karriere erhielt er den Oscar für „Judgment at Nuremberg“ (Das Urteil von Nürnberg – 1961.) Eine Starbesetzung, zu der auch Marlene Dietrich gehörte. Mit 52 Jahren macht er sich an das Projekt „Marlene“ – ab 1982. Der Dokumentarfilm über die  legendäre Marlene Dietrich, die nicht gefilmt werden wollte, aber intensiv mit  Maximilian Schell redete, wurde vielfach ausgezeichnet und für den Oscar nominiert.  Einige Tondokumente sind im Marlene-Separée zu hören.

Abbildung: Ausstellung Maximilian Schell im Deutschen Filminstitut / Filmmuseum

Erhard Metz schätzt Maria Magdalena, die „Schöne Ulmerin“: zunächst des Ulmer Bildschnitzers Michel Erhart (um 1475-1480) und dann der wunderbaren Frankfurter Malerin Barbara Feuerbach (2004). 

Maria Magdalena, die starke, neben der Mutter Jesu bedeutendste Frau im Neuen Testament, verehrt als Gefährtin des Erlösers, die unter dem Kreuz stand, als die Jünger-Männer längst geflohen waren, die am offenen Grab als erste dem Heiland begegnete und die Kunde von der Auferstehung in die Jüngerrunde trug. Heilige, dann aber von einem männerbündischen Klerus (Papst Gregor I.!) noch bis in die Neuzeit als Prostituierte und Sünderin verfemt. Auch bei Meister Erhart steht die modische burgundische Hoftracht mit der riesigen Haube, das reich geschmückte Stirnband und der aufwändig ausgebreitete Schleier für eitlen, lasterhaft-sündigen Lebenswandel. Barbara Feuerbach überträgt das Bild dieser Magdalena ins Hier und Heute – nun als selbstbewusste, kesse wie zugleich sinnend-nachdenkliche junge Frau. Und mit ihrer provokanten Schleife gibt sie noch einem jeden Widersacher Kontra!

Michel Erhart, Reliquienbüste der Hl. Maria Magdalena, Ulm, um 1475-80, Lindenholz, spätgotische Fassung mit neueren Ergänzungen, Ulmer Museum, Bildnachweis: Rufus46, wikimedia commons/Creative commons CC 3.0/Barbara Feuerbach, Maria Magdalena, 2004, Acryl auf Holz, Foto: Erhard Metz

Simone Hamm war von Mircea Cartarescus neuem Roman „Solenoid“ tief beeindruckt

Bei dem rumänischen Autor Mircea Cartarescu muss man sich einlassen auf Wahn und Irrsinn, auf die abgedrehtesten Erinnerungen, auf Halluzinationen, auf eine morbide Erotik, auf psychedelische Träume.
In „Solenoid“ (Zsolnay) erzählt er auf über 900 Seiten die phantastische Geschichte eines Lehrers.
Mircea Cartarescu steigert die Wahrnehmungskraft seiner Protagonisten ins Unermessliche – sie sind wie in Trance, wie in einem visionären Traum. Hyperrealistisch.
Und er erzählt er von einem zerfallenen Bukarest, das sich in den Himmel erhebt. Für Cartarescu ist Bukarest immer eine mysteriöse Stadt geblieben, eine, die er sich selbst erträumt haben könnte. Ernest Wichner hat das grandios ins Deutsche übertragen.

   

Mircea Cartarescu, Foto: Simone Hamm