home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Kabinett-Schau „Metzler 1674-2024. Bankiers in Frankfurt“ im Historischen Museum

Erfolgreiche Banker und engagierte Mäzene

Von Hans-Bernd Heier

Die B. Metzler seel. Sohn & Co. AG ist Deutschlands älteste Privatbank, die sich noch vollständig in Familienbesitz befindet. Die beeindruckende Geschichte des Bankhauses Metzler ist eng verbunden mit der des Finanzplatzes Frankfurt. Die Prinzipale des angesehenen Bankinstituts waren nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern engagierten sich gesellschafts- und kulturpolitisch in der Stadt. In keiner der im 19. Jahrhundert gegründeten großen wissenschaftlichen und kulturellen Vereinigungen Frankfurts fehlte der Name Metzler. Das Historische Museum Frankfurt widmet aus Anlass des 350-jährigen Bestehens der Privatbank der Familie und dem Unternehmen die kleine, aber feine Kabinettausstellung „Metzler 1674-2024. Bankiers in Frankfurt“.

Friedrich Metzler – unter seiner Leitung wurde Metzler endgültig eine Privatbank; Kopie nach Felix Maria Diog, Öl auf Leinwand; ©Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz

„Die Geschichte des Bankhauses Metzler und der Stadt Frankfurt sind eng miteinander verknüpft, seit 350 Jahren. Eine solche historische Kontinuität ist in der deutschen Geschichte eine große Ausnahme“. Mit diesen Worten würdigte Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig die langjährige Bedeutung des Bankhauses für Frankfurt. Bis heute sei die Verbindung der Bank und der Metzler-Familie mit der Mainmetropole erhalten. „Die stadthistorische Bedeutung schlägt sich auch im vorbildlichen Wirken ihrer Vertreterinnen und Vertreter im Sinne des Frankfurter Stifter- und Mäzenatentums nieder. Im Namen der Stadt möchte ich mich sehr herzlich für die Großzügigkeit bedanken, die in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte in der Frankfurter Kulturlandschaft erst möglich gemacht hat. Damit wird eine der ehrenwertesten Traditionen dieser Stadt fortgeschrieben.“

Historische Villa Metzler vor dem Umbau 1862; Foto: Historisches Archiv B. Metzler seel. Sohn & Co

Der Name „B. Metzler seel. Sohn & Co“ leitet sich von den Söhnen des Firmengründers Benjamin Metzler her, die durch diese Namensgebung an ihren verstorbenen (seligen) Vater erinnern wollten. Benjamin Metzler hatte 1674 in Frankfurt ein Handelsunternehmen für Kleidung und Tuchwaren aus Wolle, Leinen und Flachs gegründet – ein sehr erfolgreiches „Start-up“ wie es heute neudeutsch heißen würde. Im Rahmen des Fernhandels spielten zunehmend auch Geldgeschäfte eine Rolle. Aufgrund eines fehlenden Bankensystems übernahmen die Metzlers die Finanzierung der Warengeschäfte selbst. Sie gaben den Lieferanten Vorschuss auf die Waren und gewährten der Kundschaft Kredite. Im Laufe der Zeit wurde das Warengeschäft zunehmend vom Geld- und Wechselgeschäft abgelöst. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war der Wandel vom Handels- zum Bankhaus vollzogen – eine für Privatbanken typische Entwicklung.

Ausstellungsansicht mit Stammbaum der Metzler-Familie und dem berühmten Gesellschaftskleid von Maria (von) Metzler; ©Historisches Museum Frankfurt, Foto: Stefanie Kösling

Nach dem Ersten Weltkrieg litt auch das Bankhaus Metzler unter Inflation und Wirtschaftskrise. Viele Privatbanken verschwanden in dieser Zeit, und auch das Bankhaus Metzler musste das Geschäft verkleinern und Mitarbeiter entlassen. Im März 1944 wurde das Bankgebäude bei einem Luftangriff zerstört und viele Geschäftsunterlagen vernichtet. Bei einem Umzug im Jahr 2014 wurden bis dahin unbekannte Dokumente aus der NS-Zeit entdeckt, die neuen Forschungen Erkenntnisse zur Rolle der Bank im Nationalsozialismus lieferten.

Die Zeit nach dem Zweiten Krieg war für das Bankhaus zunächst eine Phase der Konsolidierung. 1972 wurde erstmals nach 298 Jahren ein Geschäftsbericht vorgelegt. Der eigentliche Aufschwung erfolgte Ende der 1970er Jahre mit der Expansion der Wertpapiermärkte. 1986 änderte das Unternehmen seine Rechtsform zu einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) und schuf eine Holdingstruktur nach angelsächsischem Vorbild. Im Jahr 2021 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Heute konzentriert sich das Bankhaus auf individuelle Kapitalmarktdienstleistungen für Institutionen und Privatkunden.

Foto der Belegschaft des Bankhauses im März 1934; © Historisches Archiv B. Metzler seel. Sohn & Co

In der gut strukturierten Schau im 13. Sammlerraum im Altbau des Historischen Museums wird mit bisher nie gezeigten Objekten aus Firmenarchiv und Museumssammlung die 350-jährige Firmengeschichte nachgezeichnet: Krisen und Kriege, die erste Frankfurter Bankerin, die Entwicklung des Bankenbetriebs zwischen Staatsanleihe, Finanzdienstleistung und Vermögensverwaltung. Am Frankfurter Hauptgeschäftssitz war seit 1742 stets ein Mitglied der Gründerfamilie in der Leitung der Börse vertreten.

Die Kabinett-Ausstellung gliedert sich in vier Themen und zeigt neben Objekten aus der Sammlung des Museums zahlreiche Dokumente und Bilder aus dem Historischen Metzler-Archiv. Das Thema „Merchand Banquiers“ (Händlerbankiers) bildet schlaglichtartig die wechselvolle Geschichte des Bankhauses ab. Vom Bürgerbrief des Gründers Benjamin Metzler aus dem Jahr 1676 über den allmählichen Wandel vom Handels- zum Bankhaus bis hin zu einem erst 2014 entdeckten Schreiben aus der NS-Zeit. Eine Infografik dokumentiert anschaulich in Zahlen die Entwicklung der Mitarbeitenden von 1900 bis in die Gegenwart.

E_4_05, Christina Barbara Metzler (1703-1793)

Christina Babara Metzler – Frankfurts erste Bankerin; ©Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz

Unter dem Stichwort „Bürgersinn“ wird das große gesellschaftliche und kulturelle Engagement der Familie mit den präsentierten Schenkungen der Familie an die Stadt aufgezeigt, so beispielsweise mit dem goldenen Prunkbecher, aus dem Kaiser Wilhelm II. bei seinem Frankfurt-Besuch 1903 trank. Im selben Jahr erhielt Carl von Metzler den Adelsbrief. Das Thema „Frauen“ rückt die weiblichen Familienmitglieder in den Fokus, wie etwa die „erste Bankerin Frankfurts“, Christina Babara Metzler, die 1757 als unverheiratete Frau die Geschäftsleitung übernehmen musste. Unter ihrer erfolgreichen Leitung wurden Finanztransaktionen immer bedeutender.

Medaille auf das 200-jährige Bestehen des Bankhauses Metzler; ©Historisches Museum Frankfurt, Foto: Horst Ziegenfusz

Fotografien und Skizzen der Standorte des Bankhauses und auch der repräsentativen Anwesen, die die Familie seit dem 19. Jahrhundert in und um Frankfurt erwarb und erbaute, werden im Thema „Orte“präsentiert. Darunter das Haus Metzler in Bonames, der Badetempel in Offenbach oder die Historische Villa Metzler am Schaumainkai.

Themen-Tour: Wie eng die Metzler’sche Familien- und Firmengeschichte mit der Stadtgeschichte verknüpft ist, belegt die zusätzlich und begleitend zu der sehenswerten Kabinettausstellung angebotene Themen-Tour durch die ständige Museumssammlung. Um den Besuchern bei der Suche der Exponate behilflich zu sein, liegt eine gedruckte Broschüre zum Mitnehmen aus, die zu 18 thematisch relevanten Objekten der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung „Frankfurt Einst?“ im Ausstellungshaus führt. Die handliche Broschüre bietet darüber hinaus nützliche  Hintergrundinformationen.

Die Kabinett-Ausstellung „Metzler 1674-2024. Bankiers in Frankfurt“ ist bis zum 23. Juni im 13. Sammlerraum im Altbau des HMF am Saalhof 1 zu sehen; weitere Informationen unter:

www.historisches-museum-frakfurt.de

Comments are closed.