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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für November, 2014

Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen auf dem Campus Riedberg der Frankfurter Goethe-Universität (2)

2014, November 15.

40 Stelen auf 60 Metern
Über den Werdegang eines Kunstwerks

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Wir befinden uns auf dem Gelände der Johann Wolfgang Goethe-Universität (heute leider nur noch Goethe-Universität genannt, so viel Zeit für den vollen Namen des grössten Sohnes Frankfurts hätte durchaus sein dürfen), genauer gesagt auf dem den Naturwissenschaften vorbehaltenen Campus Riedberg. Derzeit und in den kommenden Wochen entsteht dort – wie wir bereits in erster Folge berichteten – auf einem Stück freier Natur und folglich unter freiem Himmel ein Kunstwerk – und wir erweisen dem grössten Sohn der Stadt mit dem Beginn eines seiner wunderbaren Gedichte unsere Reverenz: Weiterlesen

Deutscher Fairness-Preis 2014 an Claus Fussek

2014, November 14.

Es kommt auf jeden zu – das Alter

Von Renate Feyerbacher

Am 25. Oktober 2014 wurde in Frankfurt am Main Claus Fussek mit dem Fairness-Preis, der erstmal 2001 verliehen wurde, geehrt. Es ist ein nicht dotierter Preis.

Als die Fairness Stiftung 2013 den Preisträger bekannt gab, hatte sich Kabarettist Dieter Hildebrandt, der in seinen Sendungen immer wieder den Pflegenotstand gegeisselt hatte, sofort zur Laudatio bereit erklärt. Er starb jedoch am 20. November 2013 – mit 86 Jahren. Claus Fussek, der ihn einen seiner besten Freunde nannte, begleitete ihn beim Sterben. 

Dann hatte sich Georg Schramm, geboren 1949, einer der schärfsten Vertreter des politischen Kabaretts, Psychologe, zur Laudatio für seinen Freund Fussek bereit erklärt. Er kennt sich aus. Zornig, wie immer, war sein letztes Projekt „Meister Yodas Ende – über die Zweckentfremdung der Demenz“. Darin denkt der verrentete Genosse Dombrowski, Schramms Lieblingsfigur, darüber nach – das ist gelinde gesagt – besser er wütet darüber, wie mit der alternden Gesellschaft umgegangen wird. Leider musste Schramm absagen, weil eine nahe Angehörige schwer erkrankt war und er nicht von ihrer Seite weichen wollte.

Maria Peschek, ebenfalls Kabarettistin, Schauspielerin und Buchautorin, sprang ein. „Ex und Hopp“ hatte sie eines ihrer Kabarettprogramme genannt. Mit ihren Geschwistern pflegte sie die Mutter. In ihrer Laudatio beklagte sie jetzt das „kollektive Verdrängen“.

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Claus Fussek, Ehefrau Ute, Kabarettistin Maria Peschek

Zwei Drittel der alten und kranken Menschen werden zu Hause gepflegt. Aber oft nicht gut. Überforderung, Streit in der Familie, Streit unter den Erben machen das Leben pflegebedürftiger Menschen in der Familie oft unerträglich. Es ist sogar Gewalt im Spiel. Weiterlesen

Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen auf dem Campus Riedberg der Frankfurter Goethe-Universität (1)

2014, November 10.

Granitstelen weisen den Weg zum Wissenschaftsgarten
Über den Werdegang eines Kunstwerks

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Habent sua fata lapides … auch Steine haben ihre Schicksale (frei nach Terentianus Maurus, Carmen heroicum). Zumal es sich um besondere Steine handelt: Granite. Nicht irgendwelche, sondern ältere, die bereits ihre eigene Geschichte haben. Wir erzählen sie:

Im Sommer dieses Jahres wurde auf dem Campus Riedberg der Frankfurter Goethe-Universität, der die naturwissenschaftlichen Lehr- und Forschungseinrichtungen umfasst, für den Fachbereich Biowissenschaften ein Wissenschaftsgarten eingerichtet mit allerlei Anpflanzungen im Freien, einem Arzneipflanzengarten und drei modernen Gewächshäusern, ein Areal, dass am Tag auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich ist und sich hervorragend für eine Ausstattung mit Kunstwerken unter freiem Himmel eignet. So lag es nahe, dass der Kunstkurator der Universität, Carsten Siebert, die Anlagen gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten der Goethe-Universität, Robert Anton, nicht zuletzt unter diesem Aspekt in Augenschein nahm. Siebert hatte zu diesem Rundgang die international renommierte Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen eingeladen, über ihr eigenes und das Œuvre ihres verstorbenen Ehemannes hinaus bekannt durch die Fondation Kubach-Wilmsen mit einem Steinskulpturenmuseum nebst Steinskulpturenpark in Bad Münster am Stein (auf die Fondation werden wir bei späterer Gelegenheit noch zurückkommen). Weiterlesen

Die Insel Neuwerk – einmalig auf der Welt!

2014, November 9.

Hoch auf dem gelben (Watt)Wagen

Von Elke Backert

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Bei Watt ist die zu Hamburg gehörende Insel Neuwerk von Cuxhaven-Sahlenburger Strand zu Fuß, hoch zu Ross und mit einem Pferdewagen zu erreichen. Ein erlebnisreicher Tagesausflug!

Halt, wie wollen Sie denn da aufsteigen? Ohne Leiter geht’s nicht.“ Der bärtige Kutscher macht nicht viel Worte. Zuerst einmal zündet er sich eine Zigarre an und pafft ein paar Züge. Dann holt er eine schwere Holzleiter vom Pferdewagen herunter, während die Zugpferde kräftig Wasser lassen. Dreimal muss er die Leiter ansetzen, um alle Passagiere platzieren zu können. Weiterlesen

„Everything is Inside“: Subodh Gupta im MMK

2014, November 7.

Gesellschaft und Individuum, Armut und Reichtum, Essen und Trinken – und „heilige“ Kühe

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Subodh Gupta vor seiner Installation „This is not a Fountain“, 2011-2013

Indien: über 1,2 Milliarden Einwohner. Ein Land krasser Gegensätze. Von Überschwemmungen wie Dürren heimgesucht. Bitterste Armut auf der einen Seite und auf der anderen die meisten Super-Milliardäre weltweit – letzteres noch vor den USA, Russland und China. Über 40 Prozent der Menschen „verdienen“ – welch Zynismus liegt in diesem Wort – weniger als einen Dollar am Tag. Über ein Viertel der Bevölkerung ist zu arm, um sich auch nur einigermassen ernähren zu können. Die Kindersterblichkeit ist hoch, die sogenannte Schuldknechtschaft an der Tagesordnung. Das Kastenwesen verweist weit über ein Zehntel der Bevölkerung in den Status der „Unberührbarkeit“. Trotz aller modernen Gesetzgebung schlimm bis auf den heutigen Tag: die Situation der Frau Weiterlesen

Schweizer Nobelort Gstaad und alpine Echtheit im Saanenland

2014, November 4.

„Last paradise in a crazy world“

Von Elke Backert

„Last paradise in a crazy world“ hat einer der vielen Stammgäste über den international bekannten und mit Luxus und High-Society verknüpften Schweizer Nobelort Gstaad gesagt. Es war die Schauspielerin Julie Andrews. Gstaad ist der Magnet der Region Saanenland im Berner Oberland mit den Orten Saanen, Saanenmöser, Schönried, Lauenen, Gsteig, Turbach, Abländschen und Zweisimmen. In der verkehrsfreien Promenade, übrigens der ersten der Schweiz, reihen sich Luxus-Boutiquen, exklusive Restaurants und Bars aneinander. Der Bau der Montreux Oberland Bahn (MOB), der heutigen in edlem Gold und Blau gehaltenen Golden Pass Line, erleichterte Anfang des 20. Jahrhunderts die Erreichbarkeit und leistete somit einen zentralen Beitrag zur Entwicklung des Tourismus. Das Gstaad Palace, Flaggschiff unter den Schweizer Nobel-Hotels, gilt dank der extravaganten Architektur als weithin sichtbares Wahrzeichen der Destination.

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↑ Unübersehbar – das Gstaad Palace
↓ Das Grand Hotel Bellevue in Gstaad

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Einen ganz eigenen Weg geht das Grand Hotel Bellevue am Ortseingang von Gstaad. In Anlehnung an die Belle Epoque, in der das Gebäude errichtet wurde, gestaltet sich das Interieur mit klassischem zeitgenössischen Design Weiterlesen

FeuilletonFrankfurt ist international

2014, November 2.

FeuilletonFrankfurt freut sich:

über seine Internationalität!

Ein Blick auf den Oktober 2014:

Rund 80 % der Einschaltungen kamen aus Deutschland, ziemlich genau 10 % aus den USA und ebenso fast genau 2 % aus der VR China. Auf Platz 4 lagen Frankreich und auf Rang 5 die Schweiz (dicht gefolgt von Österreich). 43 andere Länder machten den Rest aus.

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Wer Lust hat, kann die Website auch über die russische Suchmaschine Yandex (Яндекс) komplett in Kyrillisch erreichen (Russland lag im Oktober auf Platz 11).

Es gibt zumindest eine Reihe von Beiträgen auch in Chinesisch, erreichbar über die China-Suchmaschine Baidu. Das gelingt nicht immer auf den ersten Versuch, auch sind die Ladezeiten oft lang. Dennoch hier ein entsprechender Link, der – jedenfalls zu dieser Stunde – funktionierte. Wenn nicht, hier ein Screen shot:

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Wir gehen davon aus, dass es sich um maschinelle Übersetzungen handelt, die mitunter auch Kurioses produzieren – sei’s drum!

 

„Body Talks – 100 Jahre BH“ im Museum für Kommunikation Frankfurt

2014, November 1.

Vom Körperpanzer zum transparenten „Nichts“

Von Hans-Bernd Heier

Mode ist Kommunikation und manche Kleidungsstücke sind dabei besonders wirksam. Seit dem frühen 20. Jahrhundert prägt ein neues Kleidungsstück die weibliche Silhouette: der Büstenhalter, den die Amerikanerin Mary Phelps Jacob vor 100 Jahren erfunden hat. Diese Innovation wird am 3. November 1914 patentiert und befreit die Frau von den engen Schnürungen des Korsetts. Der Ursprung des Büstenhalters liegt also im Korsett. Seitdem erlebt der BH eine wechselvolle Geschichte, und wie kaum ein anderes Kleidungsstück spiegelt dieses politische und kulturelle Umbrüche wider.

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In den 1960er Jahren zeigt die Werbung zunehmend Frauen in selbstbewussten Posen, Werbeanzeige 1966; © Triumph

Zum Jubiläum des Patents widmet sich das Museum für Kommunikation Frankfurt in der Ausstellung „Body Talks – 100 Jahre BH“ der Geschichte des BHs als Inszenierungsinstrument und Kommunikationsmedium von seiner Erfindung bis in die Gegenwart. Im Vordergrund der vielseitigen Schau steht der kommunikative Aspekt, aber auch die gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Seiten dieses den Busen – mehr oder weniger – verhüllenden Wäschestücks werden thematisiert: von den frühen Frauenrechtlerinnen im Kampf gegen das Korsett über Hollywoods Busenwunder bis hin zu BH-Verbrennungen der 68er oder Oben-ohne-Proteste von heute. Die facettenreiche, von Julia Bastian kuratierte Präsentation im Forum des Museums ist bis zum 15. Februar 2015 zu sehen. Weiterlesen