home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Städelschule: Rundgang 2019

Die Hundejahre sind vorbei

Von Erhard Metz

Das Lichtkunstwerk von Professor Michael Krebber hängt zwar schon seit einigen Jahren im Rektorat, seit Jahresbeginn aber gewinnt es eine besondere aktuelle Bedeutung: Die „Hochschule für bildende Künste – Städelschule“ – so ihr neuer, leicht modifizierter Name – gehört nun offiziell zum Kreis der Hochschulen des Landes Hessen (FeuilletonFrankfurt berichtete). Vorbei ist es seitdem mit der früheren, von Jahr zu Jahr prekärer gewordenen finanziellen Situation. Seit langem notwendige Investitionen in die materielle Infrastruktur und die Fakultät mit ihren Klassen konnten begonnen und können nunmehr weitergeführt werden.

Bereits seit 2016 steigerte das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst seine vor allem finanzielle Unterstützung für die Städelschule sukzessive auf insgesamt 3 Millionen Euro; weitere 3 Millionen Euro erhielt die Stadt Frankfurt am Main als seinerzeitige Trägerin der Hochschule. Ab 2019 erhält die Städelschule nunmehr über 4,2 Millionen Euro jährlich. Die Pensionskosten sowie der Portikus werden auch künftig von der Stadt getragen. Unbeschadet dessen bleibt die historisch bedingte Sondersituation der Städelschule mit ihrer spezifischen Lehr- und Diskurskultur, ihrem kosmopolitischen Hintergrund und ihrer Gender- und Migrationsfragen berücksichtigenden, gleichwohl quorumunabhängigen Offenheit gewahrt.

„Die Städelschule ist als traditionsreiche Institution von Weltrang ein bedeutender Gewinn für die hessische Hochschullandschaft, über den ich sehr glücklich bin und an dem wir lange gearbeitet haben“, so der damalige Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein. „Mit der Städelschule wird das Lehrangebot in der ‚Freien Kunst‘ großartig ergänzt. Hier treffen internationales Flair und intensive Lehre aufeinander: Die geringe Anzahl von etwa 115 Studierenden der Bildenden Kunst, etwa 60 Studierenden der Architektur und etwa 30 Studierenden der Curatorial Studies ermöglichen eine sehr direkte Auseinandersetzung mit den Lehrenden. … Doch Kunst braucht Freiheit und deshalb werden wir an bewährten Strukturen nicht rütteln: Die Autonomie der Städelschule bleibt selbstverständlich erhalten“, so Boris Rhein weiter.

Und Städelschulrektor Professor Philippe Pirotte pflichtet bei: „Wir sind sehr froh darüber, dass die Autonomie der Städelschule mit dem Trägerwechsel im Hessischen Hochschulgesetz verankert worden ist. Denn um offene Räume zu schaffen, in denen freie Kunst passiert oder unterrichtet wird, braucht es eine absolute administrative Autonomie. Ich bin davon überzeugt, dass diese Autonomie nicht bloß kosmetisch gewährleistet werden kann. Sie bedeutet Eigenständigkeit im Sinne von Selbstverwaltung. Deshalb brauchen wir Strukturen, die das garantieren. Künstlerische Autonomie in der Hochschule bleibt eine leere Phrase, solange die Bedingungen ihrer Existenz nicht rechtlich definiert sind.“

Im Pressegespräch: Professor Philippe Pirotte, Rektor der Städelschule, am 14. Februar 2019 (dem „Valentinstag“, natürlich mit Blumen)

Heute lehren an der Hochschule neben dem Rektor Philippe Pirotte die Professorinnen und Professoren Johan Bettum, Daniel Birnbaum, Isabelle Graw, Judith Hopf, Hassan Khan, Tobias Rehberger, Willem de Rooij, Amy Sillman, Theodore Spyropoulos und Haegue Yang. Honorarprofessoren sind Kasper König und Wolfgang Tillmans, zu den Gastprofessorinnen und Gastprofessoren zählt derzeit unter anderen Bunny Rogers, die derzeit mit einer fulminanten Ausstellung im ZOLLAMTMMK vertreten ist.

Drei erste Impressionen vom diesjährigen Rundgang der Städelschule vorab:

Will hoch hinaus in den Himmel der schönen Künste und des internationalen Kunstmarkts: Lisa Gutscher baut eine Leiter in der Lichthalle des Haupthauses Dürerstraße.

Die Künstlerstudentin Nadja Büttner in ihrer Installation „Bezugsfrage“ mit acht Objekten aus Stahl und Stoff: Sie belegt die Liege mit Sessel vor dem Rektorat, vor langem geschaffen vom einstigen Städelschul-Professor Enric Miralles, mit acht nachgebildeten Kissen der unbequemeren Art, nämlich aus mit Stoff überzogenem Stahl. Die Installation erinnert an das Mobiliar der Psychoanalyse. Würden wir uns trotz der Unbequemlichkeit mal zu Nadja Büttner als Therapeutin auf die Couch legen? Warum nicht?

Samantha Lasko (Rundgangpreis 2019) kreiert in ihrer Installation „The T in the O“ ein Konvolut von Objekten aus Keramik und Stahl: kleine Landschaften mit Häusern, Schornstein, Büschen und Bäumchen, einem Auto und manch anderem.

DAS DIESJÄHRIGE PROGRAMM ZUM RUNDGANG

Freitag, 15. Februar
11:00 Fake cappuccino coffee contain no fortune teller, Atelier H13
Pancake station, served fresh or cold for free. Sad pancakes towers can bring us all together
Performance von Thuy Tien Nguyen
11:00 Bootshuttle
Performance von Alexis Gautier zwischen Dürerstraße, Daimlerstraße und zurück (11–17 Uhr)
Treffpunkt Dürerstraße: Lichthalle, OG, Treffpunkt Daimlerstraße: Atelier 103, 1. OG.
12:00 Willem‘s Classroom, Atelier I7 (12, 15, 16 Uhr)
Settled and time-based pieces coming together with a possibility of change
12:00 Sensual Inconsistency: Demanding Empathy, Granting Attention, Atelier I2
Performance von Luis Einhauser und Valerie Franco (30 min.)
14:00 Pure Fiction Mausoleum Johanne (14–17 Uhr)
The re-animated corpses of Pure Fiction‘s pasts will perform their last lap of honor in memory of the writing class.
15:00 Magnum opus, Daimlerstraße, Feuertreppe (hinten)
Performance von Gabriele Rendina Cattani (30 min.)
15:00 Water Cooler Talks: Das globale Museum – Revision einer Revision, Aula
Mit Clémentine Deliss (HfG Karlsruhe) und Melanie Roumiguière (daadgalerie, Berlin), moderiert von Philipp Lange und Carlotta Wald (Curatorial Studies), auf Deutsch
16:00 Städelschule Lectures 1, Lichthalle, OG, Buchveröffentlichung
17:00 The Unknown, The Uncertain, The Unseen, and The Unexpected, Aula
Vortrag von Jakob Brugge

Samstag, 16. Februar
11:00 Fake cappuccino coffee contain no fortune teller, Atelier H13
Performance von Thuy Tien Nguyen
11:00 Bootshuttle
Performance von Alexis Gautier zwischen Dürerstraße, Daimlerstraße und zurück (11–17 Uhr) Treffpunkt Dürerstraße: Lichthalle, OG, Treffpunkt Daimlerstraße: Atelier 103, 1. OG.
12:00 Willem’s Classroom, Atelier I7 (12, 15, 17 Uhr)
Settled and time-based pieces coming together with a possibility of change
12:00 Sensual Inconsistency: Demanding Empathy, Granting Attention, Atelier I2
Performance von Luis Einhauser und Valerie Franco (30 min.)
15:00 Teknolust (2002), Lynn Hershman Leeson, Aula, Filmvorführung (82 min.)
15:00 Magnum opus, Daimlerstraße, Feuertreppe (hinten)
Performance von Gabriele Rendina Cattani (30 min.)
16:00 Pure Fiction Mausoleum Johanne (16–19 Uhr)
The re-animated corpses of Pure Fiction‘s pasts will perform their last lap of honor in memory of the writing class.
16:30 Water Cooler Talks, Aula, Mit Lynn Hershman Leeson und Philippe Pirotte
17:00 Glendower a Séance, Lichthalle
Performance mit Frank Lloyd Wright’s Ennis House, Daniel Voigt & Robin Stretz (20 min.)
18:00 Water Cooler Talks: Art on the blockchain, Aula, Künstlergespräch mit Harm van den Dorpel, moderiert von Seda Pesen und Anna-Lisa Scherfose (Curatorial Studies)
20:00 Performance by François Pisapia as part of SOUNDBATHING, ffffriedrich, Alte Mainzer Gasse 4–6

Sonntag, 17. Februar
11:00 Bootshuttle
Performance von Alexis Gautier zwischen Dürerstraße, Daimlerstraße und zurück (11–17 Uhr) Treffpunkt Dürerstraße: Lichthalle, OG, Treffpunkt Daimlerstraße: Atelier 103, 1. OG.
12:00 Daimler Matinée: Brunch, drinks & live music, Daimler Mensa
12:00 Willem’s Classroom, Atelier I7 (12, 15, 17 Uhr), Settled and time-based pieces coming together with a possibility of change
12:00 Sensual Inconsistency: Demanding Empathy, Granting Attention, Atelier I2
Performance von Luis Einhauser und Valerie Franco (30 min.)
13:00 The Unknown, The Uncertain, The Unseen, and The Unexpected, Aula, Vortrag von Jakob Brugge
14:30 Fake cappuccino coffee contain no fortune teller, Atelier H13, Performance von Thuy Tien Nguyen
15:00 Magnum opus, Daimlerstraße, Feuertreppe (hinten), Performance von Gabriele Rendina Cattani (30 min.)
15:30 Pure Fiction Mausoleum Johanne (15.30 – 18:30 Uhr)
The re-animated corpses of Pure Fiction‘s pasts will perform their last lap of honor in memory of the writing class.
18:00 Rejection Letters, Filmklasse Küche, Performance von Gästen
19:00 Glendower a Séance, Lichthalle
Performance von Frank Lloyd Wright’s Ennis House, Daniel Voigt & Robin Stretz (20 min.)

Allgemeine Informationen
Öffnungszeiten: Fr–So, 10–20 Uhr
Soweit nicht anders angegeben finden die Veranstaltungen in der Dürerstraße 10, 60596 Frankfurt statt.
Weitere Adressen:
Daimlerstraße 32, 60314 Frankfurt
Johanne und SAC, Dürerstraße 24, 60596 Frankfurt
Kostenloser Shuttlebus zwischen Dürerstr. 10 und Daimlerstr. 32 Fr, 13–21 Uhr und Sa–So, 11–20 Uhr
Programm im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum
Schaumainkai 41, Freier Eintritt, Freitag: 12:00 und 16:15 Uhr, Samstag: 14:00 und 16 Uhr, Sonntag: 11:00 und 13 Uhr
Öffentliche Führungen
Dürerstraße 10, Treffpunkt: Lichthalle (F), Freitag: 15 und 16 Uhr, Sa–So: 15, 16 und 17 Uhr; Daimlerstraße 32, Treffpunkt: Mensa (F), Sa–So: 15 und 16 Uhr
Mensa in der Dürerstraße 10 und in der Daimlerstraße 32
Studentensekretariat
Informationen und Beratung zum Studium Freie Bildende Kunst, Fr– Sa, 14–16 Uhr
Bibliothek der Städelschule
Informationen zum Rundgang, Verkauf von Studierendeneditionen und -publikationen., Täglich, 10–18 Uhr
FKK Filmklasse Küche
Regelmäßige Uhrzeiten, unregelmäßige Veranstaltungen
Städelschule Portikus e.V.
Happy Hour in der Filmklasse Küche, Informationen zum Förderverein und dem Verkauf von Künstlereditionen, Sa–So, 15–17 Uhr
Portikus Alte Brücke 2
Tala Madani: Oven Light, Langer Samstag zum Rundgang, 11–20 Uhr
Weitere Veranstaltungen in Frankfurt
Bluebar Alte Gasse 34
Night of Sleaze and Sorrow, A delightful evening at the beloved afterhours establishment; Bluebar starring Bogdan Ablozhnyy, Stefan Cantante, Valerie Franco, Isis, K-K, Gabi von Lindenberg, Federica Partinico, François Pisapia, Andrew Wagner, Alicja Wysocka, Seyoung Yoon. Invited by Sebastjan Brank and Stefan Cantante, Eröffnung: Sa, 20 Uhr
ffffriedrich Alte Mainzer Gasse 4-6
SOUNDBATHING with listening sessions every hour on the half hour. Ada RÄczka, François Pisapia, Kristin Reiman, and Shaun Motsi. Organized by Ben Livne Weitzman Öffnungszeiten: Sa–So, 18–22 Uhr
TheTip Oppenheimer Landstraße 85H
Pam Virada: engineered ruin, Besondere Öffnungszeiten während des Rundgangs, 10–19 Uhr

Fotos: Erhard Metz

→ Städelschule: Rundgang 2019
→ Rundgang Städelschule 2019: Neue Welten und Architektur, die über das Bauen von Häusern hinausgeht
→ Städelschule: Rundgang 2019 – Rundgangpreise mit Besuch der Ministerin
→ Städelschule: Rundgang 2019 – eine Nachlese (1)
→ Städelschule: Rundgang 2019 – eine Nachlese (2)
→ Städelschule: Rundgang 2019 – eine Nachlese (3)

 

 

Comments are closed.