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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Frankfurter “Amt für Umbruchsbewältigung” eröffnet

27. Januar 2012

Die Stadt Frankfurt am Main hat eine neue Behörde: das “Amt für Umbruchsbewältigung”!

Nun leben wir ja bekanntlich in Zeiten knapper öffentlicher Kassen. Deshalb hat die Stadt einen recht ökonomischen Weg gewählt: Das bisherige Presse- und Informationsamt, das PIA, wurde aufgelöst beziehungsweise mit der neuen Behörde verschmolzen. So spart man Sach- und Personalkosten. Die feierliche Eröffnung des neuen Amtes nebst der dazugehörigen Übergabe des Schlüssels für die Amtsstuben fand gestern Nachmittag im Konferenzsaal des PIA statt.

Feierliche Schlüsselübergabe am 26. Januar 2012 (von links: Holger Kube Ventura, Klaus Günther und Nikolaus Münster)

Ex-PIA-Chef Nikolaus Münster nahm’s gelassen: Mit dem neuen Amtsleiter, Professor Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters “Die Herausbildung normativer Ordnungen” an der Frankfurter Goethe-Universität, lässt’s sich verträglich auskommen. Und Holger Kube Ventura, Direktor des Frankfurter Kunstvereins, steht im Zweifel moderierend zur Seite.

Schlüssel zum neuen “Amt für Umbruchsbewältigung”: ziemlich unhandlich, aber ohne ihn kommt man nicht hinein

Irgendwie kommt Ihnen das Ganze, liebe Leserinnen und Leser, etwas merkwürdig vor? Kommen Sie einfach zu den Öffnungs- und Sprechzeiten des neuen Amtes:

Freitag (heute), 27. Januar 2012, 21 bis 23 Uhr;
Samstag, 28. Januar, von 15 bis 19 Uhr und
Sonntag, 29. Januar, von 16 bis 19 Uhr.

Sie sollten sich möglichst eine Stunde vor Beginn der Spechzeiten beim benachbarten Frankfurter Kunstverein anmelden. Sie erhalten dort einen Ausweis mit Numerierung, der zum Eintritt in das Amt berechtigt, und begeben sich in einen Warteraum, bis Sie aufgerufen und zu ihrem Gesprächspartner, einem von 38 im Amt anwesenden Experten und Wissenschaftlern, zu einem 20minütigen Gespräch geleitet werden. Eine Liste der Themen des Tages hängt am Informationsschalter im Frankfurter Kunstverein aus. Alles klar?

(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

 

Tamara Grcic und die Wunden der Stadt

26. Januar 2012

Stetig schreitet die Zeit voran, des Gestern mag sich mancher kaum noch erinnern. Nein, Krieg hatten wir in jüngster Zeit keinen in Frankfurt am Main. An dessen Stelle jedoch die Logik von bauen, abschreiben, abreissen, neu bauen, neu abschreiben und so weiter und so fort …

Unaufhaltsam ticken Tamara Grcics Uhren auf dem Frankfurter Rossmarkt den Takt zum Geschehen, vermessen die Wunden der Stadt.

Tamara Grcic, “outside here” auf dem Rossmarkt, am 26. Januar 2012.

(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

⇒⇒⇒ Tamara Grcic: “outside-here” – 16. November 2011
⇒⇒⇒ Tamara Grcic: “outside-here” auf dem Frankfurter Rossmarkt

 

Von Döner-, Bratwurst- und Frittenbuden in der neuen Frankfurter Altstadt

25. Januar 2012

“Keine Dönerbuden in der Altstadt” – sagte Oberbürgermeisterin Petra Roth am 23. Januar 2012 bei der Grundsteinlegung zur neuen Altstadt in Frankfurt am Main. Gut so – dann aber bitte auch keine Bratwurst- und Frittenbuden! Das zumindest muss ja wohl angemerkt sein.


(Foto: Ute Pelz / pixelio.de)

Und auch keine Fortsetzung dieser elenden, die Stadt schon bis zum Überdruss überschwemmenden Burger- und “Coffee to go”-Unkultur!


(Foto: Rolf van Melis / pixelio.de)

Und dann weiter bitte auch keine “Handy-Shops”, von denen wir in der Stadt schon 100 oder 300 oder wer mag sie zählen haben!

Und überhaupt: Die neue Altstadt darf kein Tummelplatz für Architektur-Wildwuchs-Hallodris sein. Dann hätten wir uns umsonst vom Klotz des Technischen Rathauses und vom Beton-Schandfeck des Historischen Museums befreit. Da müssen wir dem Liberalfanatiker Matthias Alexander von der FAZ entschieden widersprechen.

Neujahrskonzert der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen

23. Januar 2012

Es gab schon unfreundlichere Tage in diesem viel zu milden Winter als den gestrigen Sonntag – und dennoch freuten sich die Besucher des Holzhausenschlösschens, die zum vollständig ausgebuchten Neujahrskonzert und -empfang der Frankfurter Bürgerstiftung angereist kamen, über das Spalier der frühlingsbunten, in freundlich-gelbem Krepppapier gekleideten Primelchen zu beiden Seiten entlang der Brücke über den Wassergraben. Denn bekanntlich handelt es sich bei der Heimstatt der Stiftung um ein veritables Wasserschloss, das einzige “intra muros” überkommene der Stadt Frankfurt am Main.

Holzhausenschlösschen (Foto: Frankfurter Bürgerstiftung © Barbara Staubach)

Und dann stand da noch am Aufgang zur Brücke ein strahlend-weisser Kleintransporter, mit einer breiten roten Schleife geziert – aber darauf kommen wir später zurück.

Nach feierlichen Präliminarien, in denen Geschäftsführer Clemens Greve auch seine aus drei Personen bestehende hauptamtliche Mitarbeiterschar, die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie einige Förderer und Unterstützer der Frankfurter Bürgerstiftung vorstellte, begann das Neujahrskonzert – heuer musikalisch gestaltet überwiegend mit jungen Künstlerinnen und Künstlern der Frankfurter Musterschule, mit der die Stiftung seit langem zusammenarbeitet.

Künstlerinnen und Künstler? Aber ja – obwohl es Schülerinnen und Schüler sind, die das Abitur noch vor sich haben. Um es vorweg zu sagen – die Leistungen der jungen Musikerinnen und Musiker überraschen und überwältigen die Zuhörerschaft. So mancher selbst instrumental praktizierende Musikliebhaber im gespannt lauschenden Auditorium mag sich gefragt haben, was diese so überaus virtuos aufspielenden Solisten noch in einer Musikhochschule lernen sollen; manche der Neunt- bis Elftklässler sind dort bereits eingeschrieben, andere sehen einem entsprechenden Hochschulstudium entgegen.

Anita Arakilian fiel die – in mancherlei Hinsicht eher undankbare – Aufgabe zu, das Konzert einzuleiten.  Die junge Pianistin brillierte inspiriert und empfindungsreich mit dem zauberhaften Allegro con spirito der siebten Klaviersonate von Wolfgang Amadeus Mozart und schickte ihm die noch vielfach virtuosere – in einem Gemisch von wohl schwarzem Humor und Understatement “La Leggierezza” genannte – Konzertetüde in f-Moll von Franz Liszt an.

Pianistin Anita Arakilian (Foto: Renate Feyerbacher)

Maria Ließ, auf der Violine nicht minder glänzend disponiert und auf dem Klavier kompetent von Henriette Büsing begleitet, schloss mit Claude Debussys anspruchsvoller dreisätziger Violinsonate g-Moll an, die – dem Komponisten zufolge virtuoser “Zigeunergeige” huldigend – für den Solisten durchaus “Halsbrecherisches” bereithält.

Geigerin Maria Ließ (Foto: Renate Feyerbacher)

“Halsbrecherischer” als in Franz Liszts in dunklem, “schwarzem” h-Moll stehender, sich nach donnerhalligem Bass-Tastenwirbel zu manch lyrischen Passagen wie alsbald zu wahnwitzigen Tempi steigernder Ballade Nr. 2 kann es ein Pianist wohl schwerlich antreffen – vor und nach der perfekten Darbietung entrang es dem “Tastenlöwen” Lan Phien Pham denn auch einen leise gehauchten Seufzer. Das begeisterte Auditorium feierte in zu Recht stürmisch.

Pianist Lan Phien Pham (Foto: Renate Feyerbacher)

Gleichsam korrepetitorisch von Tobias Fandel am Klavier anstatt einem Orchester begleitet zelebrierte Cellistin Larissa Nagel  ebenso souverän wie feinfühlig den zweiten und dritten Satz (Adagio und Allegro) aus Joseph Haydns erstem Cellokonzert in C-Dur. Stürmischer Beifall auch ihrer Leistung.

Cellistin Larissa Nagel (Foto: Renate Feyerbacher)

Zum Schluss gab es noch ein kleines Überraschungs-Schmankl: Lisa Zanaboni und André Straußberger, am Klavier von Musiklehrerin Kristin Voigt begleitet, bereiteten mit zwei kessen Chansons den Übergang zum Büfett vor.

Alles in allem: ein von Musiklehrer Micha Häckel kenntnisreich moderierter, glanzvoller musikalischer Start in das Jahr 2012.

Schlussapplaus im Holzhausenschlösschen für die jungen Künstlerinnen und Künstler (Foto: Frankfurter Bürgerstiftung)

Als hessenweit einziges “Zentrum zur Förderung musikalisch Begabter” bietet die Musterschule Frankfurt ihren herausragenden Schülerinnen und Schülern mit dem Solistenpodium einmal pro Schuljahr eine besondere Gelegenheit, ihre musikalischen Fähigkeiten zu präsentieren. Die Frankfurter Bürgerstiftung unterstützt das Solistenpodium als Kooperationspartner seit 2007 und stellt mit dem Holzhausenschlösschen einen attraktiven und prominenten Konzertort für diese jungen Talente zur Verfügung.

Wir kommen auf den eingangs erwähnten weissen Kleintransporter mit roter Schleife zurück: der Mercedes Vito ist eine grosszügige Spende der Borchert-Stiftung an die Frankfurter Bürgerstiftung. In einem feierlichen Akt durchschnitt Dierk Borchert im Rahmen des Neujahrsempfangs das rote Schleifenband und übergab das Fahrzeug förmlich der Bürgerstiftung. Diese wird es gut gebrauchen können, stehen mit dem geplanten Umbau des Holzhausenschlösschens, verbunden mit der Verlagerung der Darbietungen an externe Orte zahlreiche Transportaufgaben an, die nunmehr ohne Anmietung von Fremdkapazitäten bewältigt werden können.

Übergabe des Stiftungsfahrzeugs: Clemens Greve, Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung, mit Maren Görg und Dierk Borchert, Borchert-Stiftung (Foto: Frankfurter Bürgerstiftung)

Die Borchert-Stiftung wurde 2004 von Dierk und Angelika Borchert errichtet. Sie verfolgt den Zweck, Kultur, Wissenschaft und Bildung zu fördern, insbesondere das Städelsche Kunstinstitut und den Städelschen Museumsvereins e. V., die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft – Landesverband Hessen – sowie die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und ihre Universitätsstiftung.

Skulpturen im Bergpark Bad Salzhausen (2)

18. Januar 2012

Vom 24. August bis zum 3. September 2011 fand in Bad Salzhausen, einem Stadtteil von Nidda, das 3. Internationale Bildhauersymposium “Plastische Perspektiven” statt und setzte damit die Tradition des 1. und 2. Symposiums der Jahre 2007 und 2009 fort. Zuvor und in den Jahren dazwischen, also 2006, 2008 und 2010, veranstaltete der Verein “Kunst:Projekt Nidda-Bad Salzhausen” im Parksaal des Kurorts ferner jeweils Werkschauen.

Der 2006 gegründete Verein will “einem breiten Publikum Kunst nahe bringen, Sprachrohr und Diskussionsgrundlage für künstlerische Aktivitäten und Aktionen sein” und “eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit regionaler und überregionaler, aber auch internationaler zeitgenössischer bildender Kunst ermöglichen”.

Bad Salzhausen, dessen Salzquellen 1446 erstmals urkundlich dokumentiert wurden und dessen historisches Soleförderungssystem als ein technisches “Kunstwerk” noch heute bewundert werden kann, blickt auch als kleiner und beschaulicher Kur- und Badeort auf eine lange Tradition zurück. Der zweiteilige Kurpark, der zu den ältesten Parkanlagen dieser Art in Deutschland zählt, wurde zwischen 1824 und 1826 begründet und in den 1950er Jahren erweitert. Er beherbergt über 300 verschiedene Gehölzarten und geht von allen Seiten fliessend in die natürliche Landschaft über: eine ideale Kulisse für Skulpturen unter freiem Himmel.

Die Fotos unserer zweiteiligen Bilddokumentation entstanden im Juli und Oktober 2011. Aus der Vielfalt der Kunstwerke konnte in diesem Rahmen wiederum nur eine Auswahl getroffen werden. Während sich viele der Künstlerinnen und Künstler mit der Situation des Parks und seiner waldreichen Umgebung sowie den vorfindbaren Materialien (Holz, Tuffstein) auseinandersetzen, gehen Hans Albrecht, Dierk Berthel, Nadja Iseli und Rudolf Tschudin in besonderer Weise auf die Spezifika Bad Salzhausens als früherem Soleförder- und späterem Badeort (Sole-Quellwasser, Soleleitung, Schwimmflügel, “Götz trifft den Roland beim Baden”) ein. Und wiederum sollen die Kunstwerke in der freien Natur unkommentiert für sich sprechen.

(im Hintergrund: ULRICH KUHLMANN, “Ohne Titel”, Corten-Stahl, Bildhauersymposium 2009)

Kurzbiografien

Hans Albrecht
1953 in Bad Harzburg geboren, Staatliche Akademie der bildenden Künste Karlsruhe, Studium der Germanistik an der Universität Karlsruhe, Ecole des Beaux-Arts Angers, lebt und arbeitet in Zell unter Aichelberg

Dierk Berthel
geboren 1963 in Schweinfurt, Lehre als Steinmetz, Ausbildung zum Bildhauer, Meisterschüler, seit 1986 eigenes Atelier

Siegfried Böttcher
geboren 1966 in Kaiserslautern, Studium der Freien Kunst an der Kunsthochschule Kassel, lebt und arbeitet seit 1989 in Kassel

Stephan Guber
1965 in Bad Nauheim geboren, Studium an der Fachhochschule Wiesbaden und Selbststudium, lebt und arbeitet in Nidda

Nadja Iseli
1954 in Zürich geboren, seit 1995 eigenes Bildhaueratelier in Luzern

Ulrich Kuhlmann
geboren 1966 in Bottrop, Kunstschmiedelehre, Studium der Bildhauerei an der Alanus-Kunsthochschule in Alfter, seit 1992 freischaffender Künstler in Velen

Michael Siebel
1951 in Frankfurt am Main geboren, Ausbildung zum Steinmetz und Bildhauer, Studium der Bildhauerei an der Städelschule, künstlerischer Leiter der Frankfurter Bildhauerwerkstatt Gallus

Ortrud Sturm
geboren 1959 im hessischen Altheim, Ausbildung zur Holzbildhauerin, Studium der Bildhauerei an der Werkkunstschule Flensburg

Axel Wilisch
Vorsitzender und Kurator von KUNST:PROJEKT e. V.

(abgebildete Werke © jeweilige Künstler; Fotos: FeuilletonFrankfurt)