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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

8. Internationaler Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in der Alten Oper Frankfurt

28. März 2017

Spannendes Halbfinale, spannendes Finale

Von Renate Feyerbacher

Drei der zehn Halbfinal-Teilnehmer, darunter eine Frau, konnten sich für das Finale in der Alten Oper Frankfurt im Februar 2017 qualifizieren. Bereits hoch war das Niveau dieser Vorrunde in der Oberurseler Stadthalle, aber die Favoriten liessen sich bereits vermuten. Der Gewinner des Finales und des Publikumspreises ist der russische Dirigent Valentin Uryupin. Bereits beim Halbfinale geht der geschätzt Zwei-Meter-Mann gelassen an seine Aufgabe heran, schiebt das Dirigentenpult beiseite und begrüsst alle freundlich. Der 16jährigen Solistin Anna Luisa Kramb, die an der hiesigen Musikhochschule und der Kronberg Akademie studiert und in diesem Jahr das Abitur ablegt, ist er immer wieder zugewandt: Fünf Mal muss sie Ausschnitte aus dem Violinkonzert von Jean Sibelius spielen. Uryupin gibt dem Orchester die kürzesten Anweisungen und schliesst vor der Zeit, die ihm gegeben wurde. Souverän. Fast das gleiche Ritual folgt dann beim Finale in der Alten Oper.

Valentin Uryupin, Gewinner des 8. Dirigentenwettbewerbs Sir Georg Solti; Foto: Tibor Pluto, Solti Wettbewerb

Alle zwei Jahre findet der Solti-Dirigentenwettbewerb statt, der mittlerweile ein grosses Ansehen hat, was die Karrieren der früheren Finalisten bestätigt. Den Vorsitz der hochkarätig besetzten Jury beim öffentlichen Finalkonzert hatte Lady Valerie Solti, die Witwe des 1997 verstorbenen Dirigenten Georg Solti, der von 1952 bis 1961 Generalmusikdirektor in Frankfurt am Main war und diese Zeit als „überaus glücklich und künstlerisch fruchtbar“ bezeichnet hatte. Das ist auch der Grund, warum Lady Solti gerne hier in der Stadt weilt und die Schirmherrschaft für den von Karl Rarichs 2002 initiierten Dirigentenwettbewerb übernahm. Valerie Solti, in den 1950er Jahren eine bekannte Kultur-Moderatorin bei der BBC (damals mit Namen Valerie Pitts), konnte die letzten Male zum Wettbewerb aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen. Nun aber war sie wieder dabei und steckte alle mit ihrer herzlichen Art, ihrer Natürlichkeit, ihrer Offenheit an. Sie lobte die hohe Qualität der jungen Dirigenten und des hr-Sinfonieorchesters, das diesmal das Abschlusskonzert übernommen hatte (letzteres geschieht abwechselnd mit dem Frankfurter Opern- und Museumorchester, das in diesem Jahr die Vorrunden begleitete).

Ihr Mann wäre sicher von diesen jungen Dirigenten begeistert gewesen. Von sich selbst hatte sie in einem Interview vor einigen Monaten in England gesagt: „I was a sort of musical idiot but Georg showed me orchestral gems“.

(v.l.) Valentin Uryupin (1. Preis), Wilson Ng (2. Preis, hier mit Bonnie Ng Cho Ying) und Farkhad Khudyev (3. Preis); Fotos: Renate Feyerbacher

Die drei Finalisten hatten im Finale „La Valse“ von Maurice Ravel zu dirigieren. Der in der UIkraine geborene Russe Valentin Uryupin hatte das beste Taktgefühl für diese schwierig-schöne Komposition. Zuvor hatte er die Aufgabe, den „Zauberlehrling“ von Paul Dukas zu interpretieren und als Preisdirigat „Pomp and Circunmstance March No.1“ von Edward Elgar. Etwas Londoner Proms-Stimmung kam auf. Schon im Halbfinale dirigierte Uryupin meist ohne Taktstock. Beim Finalkonzert flog dieser plötzlich in hohem Bogen ins Publikum. Er soll auf einem prominenten Schoss gelandet sein. Das beeinflusste weder die Entscheidung der Jury noch des Publikums, das ihm ebenfalls seinen Preis, ein Original-Dirigentenstab von Georg Solti, zuerkannte. Den darf er aber nicht fortfliegen lassen.

2016 erreichte Uryupin bereits den 3. Platz im Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg, ein Jahr zuvor gewann er den Allrussischen Dirigentenwettbewerb und übernahm die künstlerische Leitung des Philharmonischen Orchesters Rostov am Don. Er gastiert heute europaweit. Der 31 Jahre alte Dirigent schloss zunächst sein Musikstudium als Klarinettist 2009 ab und gewann mit diesem Instrument 25 Preise bei internationalen Wettbewerben. Drei Jahre später hatte er in Moskau seinen Dirigenten-Abschluss bestanden. Seine Lehrer waren unter anderem Gennady Rozhdestvensky und Kurt Masur. Seine grosse Musikalität ist zu spüren und reisst mit, seine Ausstrahlungskraft fesselt, sein musikalisches Handwerk überzeugt. Präzise und klar ist sein Schlag. Ausser der Prämie von 15.000 Euro gibt es nun Einladungen der beiden beteiligten Klangkörper und anderer renommierter Orchester. Gleiches betrifft auch den 2. und 3. Preisträger, die 10.000 beziehungsweise 5.000 Euro mit nach Hause nehmen konnten.

Der zweite Preisträger kommt aus Hong Kong. Der 27jährige Wilson Ng wechselte erst vor drei Jahren von der Flöte zum Dirigieren und gewann 2016 als erster Chinese den bedeutenden James Conlon Conductor Prize im amerikanischen Aspen – benannt nach dem renommierten amerikanischen Dirigenten, der 13 Jahre lang, von 1989 bis 2002, Generalmusikdirektor des Gürzenich Orchesters und der Kölner Oper war. Übrigens arbeitete Hugh Wolff, der ehemalige Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters, in Aspen mit Wilson Ng zusammen. Seit Beginn seiner Dirigentenkarriere konzertiert er mit internationalen Spitzen-Orchestern und ist künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Gustav Mahler Orchestra in Hong Kong. Auch er ein charismatischer, musikalisch-handwerklich sehr gut geschulter Orchester-Leiter.

Zugeteilt worden war ihm die Konzertouvertüre „Le Carnaval Romain“ von Hector Berlioz, die er fulminant präsentierte.

Auf den dritten Platz kam Farkhad Khudyev aus den USA. Der ursprünglich aus Turkmenistan stammende Dirigent studierte zunächst Geige und Komposition. Von weltberühmten Lehrern geschult ist er heute international engagiert und künstlerischer Leiter der Youth Music Monterey Orchestras. Romantisch-grazil, dann sich steigernd gestaltete er die Ouvertüre zur Oper „Oberon“ von Carl Maria von Weber. Beim Walzer von Ravel brauchte er etwas Zeit, um richtig in Schwung zu kommen.

Lady Valerie Solti gratuliert Wettbewerbssieger Valentin Uryupin; Foto: Tibor Pluto, Solti Wettbewerb

293 Bewerber aus 58 Ländern im Alter zwischen 19 und 35 Jahren hatten sich zum diesjährigen Wettbewerb angemeldet, darunter 39 Frauen, von denen drei zur Teilnahme am 8. Wettbewerb zugelassen wurden: die Italienerin Daniela Musca, die unter die letzten zehn Teilnehmer kam, die Russin Anna Rakitina und die Deutsche Corinna Niemeyer. Mit ihr kam ich beim Halbfinale in Oberursel ins Gespräch. Seit ihren Preisen in Paris und Tokio wird sie von grossen Klangkörpern eingeladen. Heute ist sie künstlerische Leiterin und Dirigentin der Studentenorchester von Straßburg und Paris, wo sie nun auch  zusätzlich ein Kinderorchester übernommen hat. Bis 2016 assistierte sie François-Xavier Roth beim SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, das mit dem Radio Sinfonieorchester fusionieren musste. Seit zwei Jahren ist der Franzose Generalmusikdirektor der Stadt Köln und Gürzenich-Kapellmeister, und Corinna Niemeyer wird ihm bei der Neuproduktion von Mozarts „Figaros Hochzeit“ in Köln erneut assistieren und zweimal selbst im Mai den Taktstock in die Hand nehmen. Der ungarische Dirigent Ivan Fischer lud sie vor kurzem zur Assistenz ins Berliner Konzerthaus ein. Die junge, sympathische Frau, die zuerst Schulmusik studierte, wurde für ihre Kinder- und Familienkonzerte, die sie selbst moderiert, gefeiert. Sie wird ihren Weg machen.

Zum Final-Konzert war Corinna Niemeyer in die Alte Oper gekommen. Danach war es wie eine grosse Solti-Famileinfeier: die Finalisten und sie umstanden Lady Solti, deren Ausführungen sie intensiv lauschten.

Es war musikalisch, aber auch gesellschaftlich ein aussergewöhnliches Ereignis.

Fotos: Renate Feyerbacher

→ 7. Internationaler Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti
→ 6. Internationaler Sir Georg Solti Dirigentenwettbewerb

 

Megalopolis Los Angeles

27. März 2017

Von Elke Backert

Los Angeles, L. A., Metropole der Filmindustrie, der Oscar-Verleihung – die Souvenir-Shops haben Tausende herumstehen in allen Größen -, Hollywood, Beverly Hills, Filmstars und -sternchen, Sunset Strip, Walk of Fame, Stadtmonster. Flächenmäßig ist L. A. eine der größten Städte der Welt, eine Megalopolis. Wer im Mietwagen ohne Navi fährt, ist verloren. Wir nahmen sogar unser in Deutschland gekauftes Navi mit, und es tat gute Dienste. Allein die unterschiedlichen Namen für Straße und ihre Abkürzungen: Road (Rd), Street (St), Drive (Dr), Road Drive, Avenue (Ave), Boulevard (Blvd), Strip, Place (Pl), Highway (Hwy), Freeway (Fwy), Interstate. Sehr verwirrend, wenn es einen Lincoln Blvd gibt, eine Lincoln Road, einen Lincoln Drive und eine Lincoln Ave. Und dann gibt es noch die Historic Route 66, die groß mit Schildern angekündigt ist. Wer wollte nicht schon immer mal auf ihr fahren …

Das Hollywood Sign vom Flugzeug aus

Wir wohnten auf dem Santa Monica Boulevard West Hollywood, wo wir auch das beste Restaurant fanden, „La Bohème“. Man ist mittendrin im Geschehen. Selbst um das Hollywood Sign am Berg zu sehen, braucht man nicht aus der Stadt rauszufahren. Man spaziert einfach die lange Rolltreppe am Chinese Theatre hoch. Oben angekommen, sieht man es superdeutlich und hat einen tollen Ausblick dazu, und es kostet mal nichts, keine Parkgebühren von 20 Dollar die Stunde.

Ich komme wieder, schreibt Schwarzenegger 1994 noch zu seinen Hand- und Fußabdrücken

Hier sind auch Hand- und Fußabdrücke einiger Stars für alle Zeiten in Beton gemeißelt – zum Vergnügen der Besucher. Jane Fonda verewigte sich da, Henry Fonda, Bruce Willis, Tom Hanks, Eddie Murphy, Jack Nicholson, Clint Eastwood, Eva Gardner, Dean Martin und viele andere. Arnold Schwarzenegger gab 1994 noch seinen Kommentar ab: „I`ll be back“, ich komme wieder.

Walk of Fame

Viel Trubel gibt es am Walk of Fame, egal zu welcher Tageszeit. Beim Stern von Mickey Mouse steht sie leibhaftig und lässt sich mit Fans fotografieren – gegen ein entsprechendes Entgelt natürlich. Genauso Michael Jackson. Perfekt gestylt präsentiert er sich seinen Fans, und die zahlen gern für ein Selfie mit ihm. Natürlich muss auf dem Foto auch der entsprechende Stern zu sehen sein. Aber Michael weiß sich in Positur zu stellen. Er verdient ja seinen Lebensunterhalt damit.

Ruhig und wunderschön ist es in den Wohnbezirken Hollywood und Beverly Hills. Wer aber glaubt, einen Star oder Prominenten zu entdecken, hat sich getäuscht. Die Wohnhäuser sind von derart hohen Mauern oder Grünanlagen regelrecht eingeschlossen, dass kein Einblick möglich ist. Man kann dennoch immer wieder durch die schmalen Seitenstraßen hindurchfahren und sich kaum satt sehen.

Auch über kalifornischen Palmen leuchtet er … L. A. hat Palmen satt

Viele Wolkenkratzer bekommen Charme, spiegelt sich doch alles in ihnen

Das krasse Gegenteil kann man in Downtown erleben, bevor der Fashion District beginnt. Zuerst die Wolkenkratzer, und dann glaubt man, seinen Augen nicht zu trauen, Zelte auf den Bürgersteigen, zum Teil zusammengebrochen, oft auch nur Planen, Rumlungernde und Schlangen von Menschen, die für ein kostenloses Essen anstehen. Ziemlich bedrückend.

Üppige Kostüme beim Tanz der mexikanischen Truppe

Belebend dagegen ist das mexikanische Viertel El Pueblo bei der Union Station, vor allem am Sonntag. Dann ist zwar die Kirche ein Mittelpunkt, alle gehen hinein, bekreuzigen sich ehrfürchtig, um gleich wieder hinauszutreten und sich an den vielen Buden zu bedienen und zur Musikkapelle zu tanzen und die Hüften zu schwingen. Es wird gelacht und palavert, man hört nur Spanisch, eine Tanzband in opulenten Folklore-Kostümen tritt auf, alle applaudieren, nur freudige Gesichter rundherum. Immerhin verkauft ein Stand sogar Devotionalien, und – außergewöhnlich – ein schwarzer Christus hängt am Kreuz.

Krustyland in Springfield und den UniversalStudios Hollywood

Selbst wer die UniversalStudios Hollywood-Tour macht, sieht zwar die Studios und vielleicht auch einmal einen Dreh, aber Filmstars kommen einem da nicht vor die Linse. Aber er erfährt bei einer Vorführung, wie die Geräusche gemacht werden, ob beim Zweikampf oder beim Türen Zuschlagen, wie die Stuntmen die Treppe hinunterstürzen, ohne sich zu verletzen, und vieles mehr. Für mich waren die UniversalStudios Hollywood zu Anfang etwas enttäuschend, sind da aus Comic-Filmen wie die Simpsons ganze Städte, Filmkulissen und mehr aufgebaut, in diesem Fall Springfield. Homer und Marge stehen plötzlich vor einem. In einem der Häuser, hier in „Krustyland“ läuft ein Film, der so gemacht ist, dass man sich mitten im Geschehen befindet und umgerannt wird oder einem der Kopf abgeschlagen. Kann ganz schön gruselig werden. Und dann muss es natürlich auch den Crusty-Burger geben, besonders teuer, aber man kann sich als Simpsons-Fan rühmen, einen solchen Burger gegessen zu haben. In Hollywood weiß man, wie Geld zu verdienen ist.

„It`s fun to be a Minion“ ist ebenfalls ein Comic-Film, den man bisher nicht bei uns im Fernsehen gezeigt hat. Die Minions waren mir bis dahin völlig unbekannt.

Mit irgendeiner der Figuren muss man ja abgelichtet sein

Filmkulissen sind aufgebaut, aus Bates Motel kommt der Mörder, um die Leiche im Kofferraum seines Wagens zu deponieren, der gelbe Sponge Bob ist unterwegs, der grüne Shrek natürlich ebenfalls, bei „Bubba Gump“ gibt`s die echten Film-Shrimps, irgendwo läuft traurig ET herum, King-Kong baumelt einem vor dem Kopf, der Weiße Hai erschrickt einen, die Schrecklichen Figuren aus Star Wars und Star Trek stehen zum Anfassen da, in Jurassic Park findet man – na, was wohl. Man kann auch von einem Vampir-Biss überrascht werden. Aber am besten sind die „Rides“, ob „Fast and Furious“, „Revenge of the MUMMY“, „Transformers – the Ride in 3D“ oder ein Erdbeben mit Überflutung, während man mitten drin ist. Die Simulationsfilme sind einfach perfekt gemacht. Die Studios nennen sich nicht zu Unrecht im Untertitel „The Entertainment Capital of L.A.“

Walt Disney Concert Hall

Anaheim wartet mit ebensolchem Erlebnispark auf, allerdings geht es hier um die von Walt Disney geschaffene Welt. Disneyland Resort in L. A. ist der erste und älteste Park dieser Art, aus dem Jahr 1955. Er ist zwar auf den ersten Blick umwerfend, aber dann zumindest langweilig für Leute, die mit Disney nichts anfangen können. Die sollten sich den teuren Eintritt sparen. Aber die nach Walt Disney benannte Concerthall ist schon von der extravaganten Konstruktion einen Besuch wert. Übrigens wird in all diesen Parks kein Alkohol ausgeschenkt.

Vom Flugzeug aus sieht man die Ausmaße von L. A. sehr schön

Ein Rundflug über L. A. zeigt besonders gut die schönen kilometerlangen feinsandigen Badestrände und Buchten, Santa Monica und Venice Beach im Norden, Laguna Beach im Süden. Auch Malibu und Long Beach sind zu sehen, letzteres eine eigene Stadt, wo auch die „Queen Mary“ als Schiffshotel liegt und besucht werden kann.

Wer anschließend Venice zu Fuß aufsucht, wird überrascht nicht nur von den Hippie-Klamotten in den Schaufenstern, auch von den irren Typen, die sie tragen. In Greenage Village ist das ähnlich. Hier wird offensichtlich die achtundsechziger Zeit noch gelebt.

Nicht vergessen darf man, eines der vielen Museen zu besuchen, etwa das MOCA, Museum of Contempory Art. Auf jeden Fall unglaublich beeindruckend ist das Getty Center, das Kunstmuseum des J. Paul Getty Trusts in Brentwood, einem Stadtteil im Westen von Los Angeles. Es beherbergt seit 1997 den größten Teil der Sammlung des Milliardärs J. Paul Getty (1892-1976) und des gleichnamigen Museums. Noch bis 2. April 2017 ist eine seltene Bouchardon-Ausstellung zu sehen. Edmé Bouchardon (1698-1762) war ein französischer Zeichner, Bildhauer, Medailleur und Architekt und Wegbereiter des Klassizismus. Wie im Schloss des Sonnenkönigs fühlt man sich in den Räumen mit Mobiliar von Ludwig XIV. Den riesigen Gebäudekomplex, der sechs Jahre Bauzeit brauchte, entwarf der US-amerikanische Architekt Richard Meier. Ganz in Weiß gehalten, fühlt man sich wie in einer neuen Welt. Eingebunden sind große und außergewöhnlich gestaltete Parkanlagen. Hier kann man mehr als einen Tag verbringen. Vom Parkplatz aus bringt einen eine Bahn hin. Eintritt wie Führung sind kostenlos.

Getty Center

Wer ausgefallene Restaurants sucht, wird ebenfalls in L. A. fündig. Da gibt es den Nachbau einer Ranch, die Saddle Ranch, die bis zwei Uhr nachts geöffnet hat. Sie birgt ein Rodeo, und auf den Balkonen warten üppig ausgestattete „Saloon-Damen“ – nur Figuren – auf Freier.

Die Saddle Ranch

In einem Eisenbahnwaggon kann man speisen und von einer Schaffnerin bedient werden. Mexikanische Taco-Läden sind fast ebenso reichlich vorhanden wie die Burger-Imbisse und -Restaurants. Auch die Erlebnisparks und die Museen bieten Cafés und Restaurants, leider besonders teuer. Nur ein Beispiel: eine Portion Pommes Frites kostet neun Dollar. Aber überall dort spenden Trinkwasserbrunnen Durst löschendes Nass.

Am Venice Beach

Verrücktes Venice Beach

Wer Live-Musik mag, könnte am Abend den Kultladen „Whiskey à GoGo“ aufsuchen, in dem bis zu drei Bands spielen und der in den sechziger Jahren berühmt wurde durch die Auftritte der „Doors“, „Iggy Pop“, „David Bowie“ und anderer Musik-Größen.

Zwei Wochen Los Angeles sind zu kurz, also müssen wir wiederkommen, aber dann nicht im Winter.

Fotos: Elke Backert

→ Meine ersten Eindrücke von Kalifornien
→ San Francisco – die Hippie-Stadt der achtundsechziger Jahre

Tanguy Viel und „Le silence de la mer“ – Eine Buchhandlung

24. März 2017

Von Petra Kammann

Mitten im Zentrum des bretonischen Städtchens Vannes, in einem alten windschiefen Fachwerkhaus gegenüber der Kathedrale, nennt sich eine kürzlich eröffnete Buchhandlung: „Le silence de la mer“. „Das Schweigen des Meeres“ ist nicht nur die Übersetzung des Namens der Librairie. Der Name ist auch Programm. So steht er für den ersten Titel des literarischen Untergrundverlags Edition de Minuits, der 1942 die Novelle des französischen Autors Jean-Marcel Bruller im von Deutschen besetzten Paris unter dem Pseudonym Vercors veröffentlichte. Sie wurde zum Standardwerk der französischen Résistance und wegen ihres Erfolgs auch gleich zweimal verfilmt, 1949 von Jean-Pierre Melville und 2004 von Pierre Boutron.

Die Buchhandlung „Le silence de la mer“ in der Altstadt von Vannes

Dieser Titel könnte aber auch genauso gut über dem neuen Roman „Code Pénal 353“ des französischen Autors Tanguy Viel stehen. Weiterlesen

„Rigoletto“ von Giuseppe Verdi an der Oper Frankfurt

23. März 2017

Ein Narr in der Welt des Irrsinns, bewohnt von Elenden –
Gilda, zur Madonna stilisiert

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Monika Rittershaus / Oper Frankfurt und Renate Feyerbacher

Rigoletto“, ein Renner auf den Opernbühnen, hatte am 19. März 2017 an der Oper Frankfurt eine umjubelte Premiere – durchsetzt durch einige Buhrufe für das Regieteam.

Bei der Ouvertüre kniet Rigoletto auf einer Betbank vor einem kleinen Hausaltar. Massig mit wuchtigem Umhang und tiaraförmiger Narrenkappe. Er steht auf, nimmt das Marien-Bild aus dem vor ihm stehenden Rahmen und verspeist es. Masslosigkeit und Herrschaftsanspruch sind spürbar. Dramaturg Zsolt Horpácsy nennt Rigoletto einen „Beauftragten Gottes“, und für Regisseur Hendrik Müller ist er ein „selbsternannter Mann der Kirche“ (Oper extra). Arrigo Boito, Komponist und Librettist, bezeichnet seinen Freund Giuseppe Verdi als grossen Christen „im idealen, moralischen und sozialen Sinn“, nicht aber „im strengen Wortsinn theologischer Hinsicht als Katholik“ (Zitat Programmheft).

Dieser Sicht ist das kathedrale Bühnenbild geschuldet, das gleichzeitig die Mauer um den Herzogpalast bedeutet und durch das Lichtspiel von Jan Hartmann verändert wird. Käfigähnliche „Aufzüge“ rechts und links bewegen sich auf und ab und transportieren sowohl den Herzog als auch die weiblichen Opfer. Es bleibt nicht bei dem Einheitsbühnenbild, das Bühnenbildner Rifail Ajdarpasic ablehnt. In einer Sackgasse liegt Rigolettos Wohnung, wo er seine Tochter Gilda versteckt hält, bewacht von einer verräterischen Gouvernante (Nina Tarandek). Das Wohnungs-Plateau schwebt in das kathedrale Bühnenbild hinein, hat grosse gläserne Flügeltüren, die aufklappbar sind. Gilda steht zunächst die Hände an die Scheiben gepresst und blickt nach draussen. Ein starkes Bild ihres Gefangenseins. Als der Vater erscheint, wird eine Treppe herabgelassen und wieder hochgezogen. Später gelangen der vermeintliche Student alias Herzog und die Entführer über eine eilig herangeschobene Wendeltreppe in Rigolettos Wohnung. An diesem Vorgängen haben sich nach der Aufführung einige Kritiker gestört – dennoch ist das eine Lösung. Auch das christliche Stilleben verstörte und lenkte von Rigolettos starkem Auftritt ab.

oben v.l.n.r. Nina Tarandek (Giovanna) und Brenda Rae (Gilda), vorne v.l.n.r. Iurii Samoilov (Marullo), Mikołaj Trabka (Ceprano), Michael McCown (Borsa) und Quinn Kelsey (Rigoletto) sowie im Hintergrund Ensemble; Foto © Monika Rittershaus Weiterlesen

„Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren“ im Museum Giersch

19. März 2017

Wirtschaftswunder, Kalter Krieg und Aufbruchstimmung in der Adenauer-Ära („Keine Experimente“), da wächst der Wunsch der Kreativen, sprich der Künstler, die Grenzen des Realen zu überschreiten. Eine Ausstellung im Museum Giersch zeigt die befreiende Rolle der abstrakten Malerei im Nachkriegsdeutschland, die an die Avantgarde der 1920er Jahre anknüpft und schon bald den Rahmen des Regionalen sprengt. Die Sehnsuchtsblicke der Künstler gingen nach Westen, in die USA und nach Frankreich … Die Künstler entwickelten einen eigenständigen Stil – sowohl  in der Auseinandersetzung mit den internationalen Strömungen als auch mit den Konservativen. Eine Schau im Museum Giersch zeigt bis zum 9. Juli 2017, wie sich in den 50er Jahren verschiedene Künstlergruppen formierten. Die Schau präsentiert drei Zentren der Avantgarde im Westen Deutschlands: München, Recklinghausen und Frankfurt. Ausgestellt wurde zunächst in kleinen Galerien, debattiert wurde in Darmstadt. Mit der documenta 2 in Kassel hat sich 1959 die abstrakte Malerei entgültig etabliert und internationalisiert.

Von Petra Kammann

Ausstellungskonzeption und Forschung gehen im Museum Giersch seit Kurzem Hand in Hand: Die Präsidentin der Goethe-Universität, Professor Birgitta Wolff, schlug in ihrer Einführungsrede einen Bogen zum Ausstellungsthema,  indem sie die zunehmende Bedeutung der Freiheit heute erörterte, die sie als Beleg für die Aktualität der Ausstellung hervorhob.

Die Kuratoren: Stellvertretende Museumsleiterin des Museum Giersch, Brigitte Sander und  Christian Spies, Professor der Kunstgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main  bei der Ausstellungseröffnung, Foto: Petra Kammann
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