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Ellen Poppy – Preisträgerin des ZONTA Art Contemporary 2010

8. März 2010

Ellen Poppy heisst die Preisträgerin des ZONTA Art Contemporary 2010. FeuilletonFrankfurt gratuliert herzlich!

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Ellen Poppy auf dem Weg zur Preisverleihung im Frankfurter MMK (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Im Rahmen eines Festaktes im Vortragssaal des Frankfurter Museums für Moderne Kunst MMK verlieh der ZONTA Club Frankfurt II Rhein-Main Anfang März 2010 zum zweiten Mal den Preis ZONTA Art Contemporary, in diesem Jahr an die Malerin Ellen Poppy.

Die 1972 in Frankfurt am Main geborene Künstlerin schlug zunächst den Berufsweg einer Industriekauffrau ein. Seit 2003 widmete sie sich in der Ateliergemeinschaft Römerberg in der Alten Ziegelei Igstadt gänzlich der Vorbereitung auf ein Kunststudium, das sie 2005 an der Akademie für bildende Künste Mainz im Studiengang freie Kunst mit Schwerpunkt Malerei aufnahm.

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o. T., 2006, Öl auf Leinwand, 185 x 110 cm, © Ellen Poppy

“Meine malerische Arbeit konzentriert sich”, erläutert Ellen Poppy, “auf eine Bildfindung, die langen Prozessen unterworfen ist. Einige Arbeitstage im Wald können der Beginn eines Bildes sein. Manchmal begleiten mich Menschen oder Dinge, die sich in den Waldraum integrieren lassen. Bei der Weiterarbeit im Atelier kann vieles von der Bildfläche wieder verschwinden, oft bleibt nur ein Bruchteil vorhanden. Im Atelier fliessen weitere Dinge in den Aufbau des Bildes mit ein, die ich fotografischem Bildmaterial entnehme oder die selbständig auf der Leinwand entstehen”.

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o. T., 2008, Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm, © Ellen Poppy

“An einem zweiten Bereich – den ungegenständlichen Teil meiner Malerei – arbeite ich parallel zu dem vorher beschriebenem”, teilt uns die Künstlerin weiter mit. “Ein wenig an den Waldlandschaften angelehnt, jedoch unter Verzicht auf den Gegenstand, konzentriere ich mich als Ausgangspunkt hier auf eine empfindende Vorstellung. Im Vergleich zu dem gegenständlichen Bereich, der sich bisher meistens auf Mittelformaten abspielt, sind hier die Formate grösser, was sich aus einer gestischeren und bewegteren Arbeitsweise, die sich stärker im Ausdruck meines Körpers entwickelt, begründet.”

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o. T., 2009, Öl auf Leinwand, 90 x 50 cm, © Ellen Poppy

Ellen Poppy stellte unter anderem im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden aus und gehört dem Berufsverband bilden Künstler Wiesbaden an. Sie lebt und arbeitet in Wiesbaden, wo sie im Alten Zollamt ihr Atelier unterhält.

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o. T., 2009, Öl auf Leinwand, 60 x 120 cm, © Ellen Poppy

Der vom ZONTA Club Frankfurt II Rhein-Main auf Initiative der freischaffenden Frankfurter Künstlerin Jutta Heun eingerichtete ZONTA Art Contemporary ZAC möchte das Wissen und Denken über aktuelle weibliche Positionen in der Kunst fördern. Er vergibt im Zusammenwirken mit dem Verein der Freunde des ZONTA Clubs Frankfurt II alle zwei Jahre an junge, vorzugsweise im Rhein-Main-Gebiet ansässige Künstlerinnen einen Förderpreis mit einem Preisgeld von 2.400 Euro.

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Renate von Köller, Präsidentin des ZONTA Clubs Frankfurt II Rhein-Main, Preisträgerin Ellen Poppy und Jutta Heun, Begründerin der ZONTA Art Contemporary, bei der diesjährigen Preisverleihung (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Der vorschlagenden Jury gehörten dieses Jahr Professor Andreas Bee, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und vormals Stellvertretender Direktor des Frankfurter MMK, Elisabeth Claus, Leiterin des Neuen Kunstvereins Aschaffenburg und Jutta Heun an, der auswählenden Jury die MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer, die Frankfurter Galeristin Brigitte Maurer, das ZONTA-Vorstandsmitglied Silke Schuster-Müller sowie die erste ZAC-Preisträgerin Anke Röhrscheid.

Auf dem jährlichen Programm des ZONTA Art Contemporary ZAC stehen über die Preisverleihungen hinaus Museums-, Galerie- und Atelierbesuche, bei denen auch Begleiter und Gäste der Damen willkommen sind.

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o. T., 2009/2010, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm, © Ellen Poppy

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o. T., 2009/2010, Öl auf Leinwand, 80 x 130 cm, © Ellen Poppy

Frankfurt am Main, Liebfrauen, Hof der Stille, 5. März 2010, 12.21 Uhr

6. März 2010

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Der ganz normale Alltag.
Oder war Andreas Slominski hier?

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(Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Begegnung mit dem Sänger Johannes Martin Kränzle

4. März 2010

“Sich auf die Suche machen”
Begegnung mit dem Sänger Johannes Martin Kränzle

Text und Fotografien: Renate Feyerbacher

Sonntag ist er noch in São Paulo, Mittwoch in Kairo, um in der “Fledermaus“ den Eisenstein zu singen, dazwischen in Frankfurt am Main bei seiner Familie. Beim Gespräch mit der Journalistin in seiner Küche, das er spontan ermöglicht, ist er entspannt und aufgeschlossen, ab und zu lacht er herzlich. Feiner Humor blitzt immer wieder auf, keine Spur von Hektik, aber von grosser Energie. Jung und dynamisch wirkt er.

Seit 12 Jahren Ensemble-Mitglied der Oper Frankfurt

Vor 12 Jahren sang er an der Frankfurter Oper den Lescault aus Henzes “Boulevard Solitude”, seine erste Premierenrolle an dieser Bühne. Seitdem gehört er zum Ensemble. “Ich finde es schön, einen Bezugspunkt zu haben, sowohl, was das Persönliche betrifft, als auch dass man die Kollegen kennt, insofern bin ich gerne hier.” Er lobt das Niveau, das Orchester, die Produktionen. Er gebraucht die Worte “toll” und “wunderbar”. Nun wird der Sänger Kränzle national und international immer mehr gefragt, und es wird nach Lösungen gesucht, ihm diese Freiheiten des ausserfrankfurterischen Engagements zu ermöglichen.

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Johannes Martin Kränzle in seinem Musikzimmer

1999 überzeugte Johannes Martin Kränzle mit einer grandiosen Darstellung des Lenz in Wolfgang Rihms Kammeroper “Jakob Lenz”. Sie stützt sich auf Georg Büchners psychologische Novelle “Lenz”, die von der Krankheit des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz erzählt. Dieser hatte Angst- und Wahnvorstellungen, die ihn immer wieder zu Suizidversuchen trieben. Die Erinnerung an diese erschütternde Interpretation durch den Bariton Johannes Martin Kränzle ist heute noch hellwach.

Er sang und spielte eindrucksvoll echt. Es ist zu vermuten, dass Wolfgang Rihm von Kränzles Interpretation auch begeistert war. Denn nun vertraut ihm der Komponist erneut die Rolle eines psychisch Kranken an, und zwar in seiner Oper “Dionysos”, die Nietzsches letztes Werk “Dionysos-Dithyramben” zur Grundlage hat. Noch sitzt der Komponist an der Partitur der Oper, die bei den diesjährigen Salzburger Festspielen im Juli zur Uraufführung kommen soll. Johannes Martin Kränzle wird die Partie singen. Er wartet auf die Noten, was ihm im Augenblick ganz recht ist. In der Regel rechnet er mit zwei, drei Monaten für die Probenarbeit. “Das wird so eine Situation sein, dass man sich vornehmen muss, man springt gerade in so was rein”. Denn zur Zeit käme er nicht zum Einstudieren, da er im März an der Kölner Oper sein Rollendebüt in Bartoks “Herzog Blaubarts Burg” (Premiere am 12. März) gibt und im Mai in Mailand am Teatro alla Scala sein Rollen- und Hausdebüt als Alberich in Wagners “Das Rheingold” (aus dem Zyklus “Der Ring der Nibelungen”). Rund um die Uhr habe er nach Mailand zu proben.

Aber zunächst an die Kölner Oper: September 2009 wurde Wagners Oper “Die Meistersinger von Nürnberg” neu inszeniert. Die Kritiken betreffend Regie waren verheerend. Nur Johannes Martin Kränzle als Beckmesser wird höchstes Lob zuteil. “Herausragend  … darstellerisch überzeugender Beckmesser, der die Rolle einmal nicht als Karikatur anlegt, sondern – bei aller Detail-Differenzierung – mit Würde und Tragik ausstattet”, heisst es im Kölner Stadt-Anzeiger.

Im Gespräch darauf angesprochen, betont Kränzle den “ernsten Kern”, der jeder Figur innewohnt. “Der Mensch möchte ja kein Clown sein, sondern möchte ja auch verstanden werden. Durch die Situation ergibt sich dann die Komik und nicht dadurch, dass ich jetzt rauskomme und der grosse Spassmacher sein möchte”. Er beruft sich auf Charlie Chaplin und Buster Keaton, die in ihrem Ernst komisch waren. Aber nachahmen, kopieren kommt für ihn nicht infrage, er will “aus sich selbst arbeiten und Ideen entwickeln”. “Sich auf die Suche machen” ist seine Devise bei der Entwicklung einer Rolle. Er schätzt die Zusammenarbeit mit Regisseur Christof Loy, der an der Oper Frankfurt “Cosi fan tutte” inszenierte. Ein psychologisches Regie-Meisterstück, in dem Johannes Martin Kränzle den Don Alfonso singt (5. März 2010). Geschickt wickelt er die Frauen ein, die lange Zeit sich nicht verführen lassen und ihren Männern treu sein wollen. Aber Don Alfonso lässt nicht nach, weil es ja um eine Wette geht: “Cosi fan tutte” … “So sind sie alle”, die Weiber. Frauenfeindlich?

Nein, sagt der Sänger. Mozart behandele ja die Frauen viel liebevoller als die Männer, die seien ja wohl schön dumm, so eine Wette einzugehen. Und humorvoll fügt er hinzu: “Wenn die Männer die Frauen auf die Probe stellen würden, dann wäre das ganze Stück viel schneller zu Ende, denn die Männer würden nicht so lange durchhalten.”

Der einzige, der als Sänger wie als Schauspieler völlig souverän wirkt an diesem Abend, ist Johannes Martin Kränzle als “Beckmesser”, so wird in WDR 5 nach der Premiere in Köln berichtet. Er wird als der einzige gefeiert, der seinen Part zu entwickeln versteht. Als Sensation, als “Sänger, der vor Kraft und Sinnlichkeit vibriert, der mit der Stimme zu agieren versteht” (Kölner Stadt Anzeiger) wird er gefeiert.

Das fasziniert an Johannes Martin Kränzle: er überzeugt sängerisch wie darstellerisch und das nicht nur als Beckmesser, sondern auch als Don Alfonso, als Don Pizarro, als Graf Almaviva, als Papageno, als Figaro, als Eisenstein, als Lenz und und und. Über sechsunddreissig Rollen verfügt sein aktives Repertoire derzeit. Theaterspielen hat ihn schon immer interessiert, am Anfang mehr als das Singen. “Ich gehe privat fast öfter ins Schauspiel als in die Oper, da ich da mehr Innovation fürs eigene Spiel finden kann”, bekennt er. Professor Andreas Meyer-Hano von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt hat ihm während des Studiums die Schauspielkunst nahe gebracht.

Werdegang

Aber nun zurück zu den Anfängen des in Augsburg geborenen Sängers. Die Mutter war Musiklehrerin an einem Gymnasium. Er und seine beiden jüngeren Geschwister lernten ein Instrument. Er lernte die Geige. Dieses Instrument beherrscht er so gut, dass er in der szenischen Aufführung von Schuberts “Winterreise” ein Geigensolo spielt, ebenso manchmal in Offenbachs “Orpheus in der Unterwelt”. Und gelegentlich macht er mit Kollegen des Orchesters Kammermusik.

Nach der Schule, wo er hin und wieder ein Solo sang, studierte er in Hamburg ein Jahr Musiktheaterregie. Das fand er irgendwann langweilig, zu theoriebelastet, weil man von den spannenden Persönlichkeiten wie Götz Friedrich nur Referate hörte. Wie kam er zum Gesang? Durch Zufall. Johannes Martin Kränzle machte in Frankfurt am Main die Aufnahmeprüfung für Schulmusik, ohne Schulmusiker werden zu wollen, sondern um sich eine umfassende, musikalische Ausbildung anzueignen. Der Musikpädagoge Martin Gründler, der vor sechs Jahren verstarb, sass zufällig an diesem Tag in der Prüfungskommission. Er hörte den Studenten und sagte “Sie werden Sänger! Kommen Sie wieder und machen in einem halben Jahr die Gesangsaufnahmeprüfung”. So hat es Kränzle dann gemacht. Nach fünf Jahren hat Gründler sein Versprechen wahr gemacht und ihm ein erstes Engagement in Dortmund vermittelt.

“Da war jemand so überzeugt von mir. Ich bin ihm heute noch sehr sehr dankbar“.

Neue Lied-CD

2009 erhielt die CD-Aufnahme von Aribert Reimanns Oper “Lear”, die 2008 an der Oper Frankfurt Premiere hatte, den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Johannes Martin Kränzle bietet als ausgenutzter, gefolterter Gloster ein berührendes Portrait.

Nun ist 2009 eine Lied-CD des Sängers erschienen, die seine sängerische Bandbreite voll zur Entfaltung kommen lässt.

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Cover der CD „Die Mitternacht zog näher schon” (Bildnachweis: Oehms Classics München)

Es sind dramatische, witzige, nicht nur romantische Balladen von Carl Loewe, Robert Schumann, Hugo Wolf, Franz Schubert, Gustav Mahler sowie Ferruccio Busonis „Flohlied“ von Johann Wolfgang Goethe. Mephisto präsentiert es in “Faust I”, um die Gäste in Auerbachs Keller zu Leipzig zu erheitern.

Zu einer Hörprobe bitte hier anklicken
(alle Rechte bei Oehms Classics München)

“Es war einmal ein König,
Der hatt’ einen grossen Floh,
Den liebt’ er gar nicht wenig,
Als wie seinen eig’nen Sohn.
Da rief er seinen Schneider,
Der Schneider kam heran:
Da, miss dem Junker Kleider
Und miss ihm Hosen an!

In Sammet und in Seide
War er nun angetan,
Hatte Bänder auf dem Kleide,
Hatt’ auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister,
Und hatt’ einen grossen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch grosse Herrn.

Und Herrn und Frau’n am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.”

Johannes Martin Kränzle lässt im „Flohlied“ wie auch in Mahlers “Des Antonius von Padua Fischpredigt” und Schumanns “Die beiden Grenadiere” feine Ironie hören. Sein lyrischer Bariton kann sich in diesen Liedern wunderbar entfalten. Loewes Balladen singt er wie die alten Barden, nicht immer die Basstiefen genügend ausschöpfend, aber wirklich dramatisch. Schuberts “Erlkönig” gefällt, weil er eine übertriebene Darstellung, wie sie früher üblich war, vermeidet. Auch Hugo Wolfs “Gutman und Gutweib” sowie “Der Feuerreiter” sind lebendig und Schuberts “Revelge” äusserst berührend. Seine Texte sind gut zu verstehen. Hilko Dumno, Dozent für Liedform an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt, preisgekrönter Klavierbegleiter grosser Interpreten, unterstützt den Sänger am Klavier: vorzüglich, markant und einfühlsam. Seine Vor-, Zwischen -und Nachspiele lassen ein bedeutendes pianistisches Können spüren.

Ein engagierter Mensch

1991 gewann der 28jährige Johannes Martin Kränzle in Rio de Janeiro bei einem Gesangswettbewerb den ersten Preis. Damals hatte er gerade das Dortmunder Engagement mit einer kleinen Rolle angenommen und konnte das Angebot der Oper von Rio, als Leporello zu debütieren, nicht wahrnehmen. Er hatte wohl noch die Zeit, in Nordbrasilien herumzureisen und ein paar Konzerte zu geben. Aber das war den Musikprofessoren von João Pessoa nicht genug. Sie wollten, dass er den Studenten etwas beibringe. Blitzschnell organisierten sie einen Simultandolmetscher und einen Pianisten, und der junge Sänger fand sich sofort in der Rolle des Musikpädagogen.

Es machte ihm Spass. Schnell sprach sich seine Tätigkeit in Nordbrasilien herum. Im Jahr darauf meldete sich die Musikschule von Recife, dann von Natal, wo er im Januar 2010 unterrichtet hat. Einigen seiner Teilnehmer konnte er in diesen 19 Jahren, die er nun dort aktiv ist, helfen, in Europa einen Studienplatz zu finden.

Ehrenamtlich ist er natürlich tätig. Wobei das Geld, das er diesmal bekam, seine Flugkosten deckten. “Ich fände es eigenartig, wenn ich als Besserverdienender Kapital daraus schlagen würde.” Die Tatsache, dass er die Sonne und den Strand geniessen kann und vor allem ein anderes Lebensgefühl erlebt, ist für ihn Lohn genug. Es macht ihm Spass, nicht nur an grossen Häusern in Japan, USA und Deutschland zu singen (”da ist manchmal alles zu saturiert, gemachte Nester”), sondern auch zum Beispiel in Tiflis, wo die Proben erst zu Ende sind, wenn das Licht ausgeht, oder wie Ende Januar in Kairo.

Johannes Martin Kränzle, dem kein Alter anzusehen ist, ist auf dem Sprung in die Weltkarriere. Publikum und Fachwelt sind gespannt auf seine Interpretation des Alberich, den er im Mai am Teatro alla Scala singen wird und im Oktober an der Deutschen Oper Berlin. Wie wird er dessen Bösartigkeit, aber auch Verzweiflung – auch er hat ja einen “guten Kern” – gestalten?

Die Termine des Sängers, auch die Konzertermine von Mendelssohn-Bartholdys “Elias” in Darmstadt und Mainz, stehen auf seiner Internet-Seite .

Im Juni und Juli 2010 singt er wieder an der Oper Frankfurt Hans Pfitzner. Dann kommen die Salzburger Festspiele, dann Berlin. Das Jahr beendet er als Graf Danilo in “Die Lustige Witwe” im Grand Théâtre de Genève. 2011 steht das berühmte Glyndebourne Opernfestival südlich von London auf seinem Terminkalender.


Wer wagt sich auf’s Wasser mit Barbara Feuerbach?

2. März 2010

Barbara, Barbara, komm’ mit mir nach Afrika, sang einst die heute legendäre Sängerin und Schauspielerin Evelyn Künneke.

In der Frankfurter Galerie ARTE GIANI verhält es sich derzeit eher umgekehrt: Barbara – natürlich handelt es sich um die grossartige Frankfurter Malerin Barbara Feuerbach – lädt uns ein, mit ihr in’s Boot zu steigen. Wollen wir der Einladung folgen? Uns mit Barbara auf’s Wasser wagen? Wasser hat keine Balken, das wissen wir doch …

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Aber ganz sicher nicht nach Afrika, schon gar nicht in diesen Nussschälchen, Bottichen, Badezubern, winzigen Bötchen, nein, so weit ginge, auch bei all unserer Anfälligkeit für diese sirenenhaften Lockbilder, unser Reisemut denn doch nicht. Auch wenn unsere Barbara nicht wirklich eine jener Sirenen zu sein scheint, gezeugt vom Meeresgott Acheloos mit einer der verführerischen Musen Melpomene, Terpsichore oder gar der schönen Kalliope, nach der Version des Euripides gar mit Erdmutter Gaia, eine jener Sirenen also, die mit ihrem betörenden (Bilder)Gesang die sich auf’s Wasser Wagenden in Verderben und gar Tod reissen.

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Doch schau, was ist das, wer klammert sich da wie ein Putzerfisch so frech an’s Boot? Hat sie ihn denn noch nicht bemerkt? Oder ist es ihr am Ende ganz recht?

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Ja, und was sind das für Herrschaften mit den Kanalschwimmerbrillen, die ihr den Hof machen wollen mit Muckibuden-Armen bei doch unübersehbarem Bauchansatz, den Banker- und Börsenmaklerdress haben sie am Ufer abgelegt. Da taucht man als Meerfrau, mit fein grün lackierten Fussnägeln und filigranen Schwimmhäutchen, doch am besten gleich elegant ab. Sollen die Kerle das Nachsehen haben! Mehr als ein paar dümmlich dreinschauende Fische werden sie heute nicht fangen.

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Dieser fiese, sich selbstgefällig hinflegelnde Boss – natürlich auch er mit Kanalschwimmerbrille – hat es geschafft: Sein schönes Blondchen hat er erobert, schon etwas gelangweilt aber spielt sie mit ihrer ins Algenmeer herabhängenden Perlenkette, doch da kommt der Frosch … Willst du einen Prinzen finden, musst du viele Frösche küssen, heisst es. Will er nicht unbedingt und um alles in der Welt geküsst werden, dieser Frosch? Ob er dann aber wirklich zum Prinzen wird, wer will es wissen?

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Zufrieden und doch skeptisch betrachten die Matrosen ihren Fang: Ist das die Beute, die sie wirklich machen wollten? Die rote Mütze will uns sagen: Diese Meerjungfrau kehrt in ihr heimisches Element Wasser zurück – in das Wasser als Quelle allen Lebens, aus dem sie erneut aufsteigen wird, Matrosen und ähnliche Irdische in Verwirrung zu stürzen.

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Unsere kleine Reise mit Barbara Feuerbach über’s Wasser neigt sich ihrem Ende zu … ein dicker Fisch hat sich im kleinen Bötchen eingerichtet, er scheint sich dort gar nicht unwohl zu fühlen. Der Blick der Dame mit den blauen Hans Albers-Augen aber schweift in eine unbestimmte Ferne …

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Und am Ende unserer Reisebetrachtungen stellen wir erleichtert fest: Barbara Feuerbach ist, dem Himmel sei es gedankt, weder als Sirene noch als Meerfrau noch als Nixe unterwegs, und schon gar nicht will sie im kleinen Bötchen über’s Wasser nach Afrika fahren, sondern als ganz reale Malerin in Frankfurt am Main bleiben. Ihre sehenswerten Meeresreisebilder sind in der Galerie ARTE GIANI – leider – nur noch bis zum kommenden Freitag, den 5. März 2010, zu sehen. Diese Ausstellung sollte man wirklich nicht versäumen.

Ach halt, wer kommt denn hier noch angekrabbelt, die Damen wollten eigentlich schon nach Hause gehen. Aber ist es nicht süss, das kleine Fabeltierchen Hieronymus?

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(alle abgebildeten Arbeiten Acryl/Papier und Acryl/Papier/Holz in verschiedenen Formaten; © Barbara Feuerbach; Fotos: Horst Ziegenfusz)

Susanne Gaensheimer auf der Biennale Venedig 2011 oder: Frankfurt am Canal Grande

1. März 2010

Frankfurt am Canal Grande müsste es heissen statt Frankfurt am Main: Die Stadt und die Kunst-Biennale in Venedig werden spätestens seit der letztjährigen Biennale 2009 in einem Atemzug genannt. Städelschulrektor Professor Daniel Birnbaum war deren Direktor, ein weiterer Städelschulprofessor, Tobias Rehberger, Gestalter der legendären Cafeteria im Palazzo delle Esposizioni, räumte den Goldenen Löwen als bester Biennale-Künstler ab.

Den Weg, auf dem man in herausgehobene Funktionen der Weltschau kontemporärer avantgardistischer Kunst gelangen kann, haben wir anlässlich der Berufung von Direktor sowie Kurator und Künstler des deutschen Pavillons zur Biennale 2009 dargestellt. Nun hat das insoweit zuständige Auswärtige Amt unlängst Susanne Gaensheimer, die Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, zur Kuratorin (”Kommissarin”) des deutschen Beitrags zur 54. Biennale von Venedig 2011 berufen. Wir gratulieren auch von dieser Stelle aus noch einmal herzlich!

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MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer (Bildnachweis: MMK; Foto: Maruricio Guillén)

“Seit ihren Anfängen am Ende des 19. Jahrhunderts”, sagte Susanne Gaensheimer zu ihrer Ernennung, “ist die Biennale in Venedig – bis auf die Zeit zwischen 1934 und 1942 – einer der wesentlichen, international wahrgenommenen Orte, an denen die avantgardistischsten Positionen der zeitgenössischen Kunst präsentiert und im Diskurs mit Interessierten aus der ganzen Welt verhandelt werden. Das Publikum und die Künstler erwarten von dieser Biennale, mit den progressivsten künstlerischen Positionen konfrontiert zu werden. Gerade die Ausstellungen im Deutschen Pavillon haben hierfür meiner Ansicht nach Massstäbe gesetzt, denkt man an die Beiträge von Joseph Beuys, Gerhard Richter, Hans Haacke oder Isa Genzken. Ich freue mich darauf, diese Möglichkeit zu nützen und gemeinsam mit einem oder mehreren Künstlern den Deutschen Pavillon zu gestalten.”

Und Frankfurts Dezernent für Wissenschaft und Kultur, Professor Felix Semmelroth, freute sich: “Die Berufung von Susanne Gaensheimer als Kommissarin für den Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig 2011 ist eine Auszeichnung ihrer Person und ihrer Arbeit im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. Susanne Gaensheimer hat in ihrem ersten Jahr ein konsistentes Programm für das MMK entwickelt, in dessen Zentrum die intensive und publikumswirksame Auseinandersetzung mit der Sammlung des Hauses steht. Ihre bisherigen Sonderausstellungen zum Beispiel über Sarah Morris, Jack Goldstein oder Peter Roehr haben gezeigt, dass sie einen äusserst profunden Zugang zur Gegenwartskunst hat. Wir können auf den Deutschen Pavillon der Biennale 2011 sehr gespannt sein.”

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Die Säulenvorhalle des Deutschen Pavillons in den Giardini Pubblici (Foto: FeuilletonFrankfurt)

Nun, gespannt darauf sind natürlich auch wir. Und wir konnten uns der naheliegenden Frage an Susanne Gaensheimer nicht enthalten, ob sie denn – zumindest klammheimlich – ähnliche Gelüste hege wie etwa Isa Genzken, Nicolaus Schafhausen oder Liam Gillick, den deutschen Pavillon oder wenigstens den ungeliebten Säulenvorbau der Abrissbirne auszuliefern. Sie lächelte. Wir denken: Nein, ganz so gewalttätig wird sie mit dem Bauwerk nicht umgehen wollen. Und bis zum Mai 2011 wird die Zeit für solch rabiate Massnahmen gewiss nicht ausreichen.