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Eine Reise ins Innere der Mongolei (Folge 1)

8. Februar 2010

Eine Reise ins Innere der Mongolei

Text und Fotografien: © Ingrid Malhotra

Vor einiger Zeit hatte ich einmal Gelegenheit, eine Gruppe durch die Innere Mongolei zu begleiten. Nun bin ich nicht gerade der Typ für Gruppenreisen, aber wie war das noch: Einem geschenkten Gaul …

Und es stellte sich doch auch als recht interessant heraus, zu sehen, welche Pflichten ein Reisebegleiter so hat, und die Gruppe zu beobachten. Angefangen bei der Erschöpfung, mit der die Teilnehmer unmittelbar nach der Ankunft mit gewaltigem Jetlag und bei glühender Hitze durch den Sommerpalast und den Himmelstempel stolperten (ich war selbst überrascht, wieviel ich bei meinem ersten Besuch unter ebensolchen Bedingungen nicht gesehen hatte – zumindest dieser Reiseveranstalter mutet das seinen Kunden jetzt nicht mehr zu!), über den Bayern, der auf der Fahrt nach Datong ungeduldig auf die hohen Berge wartete (die leider ganz woanders sind!) bis zu den Damen, die gegen Ende der Reise grosse Mühe hatten, ihre gegenseitigen Abneigungen mit einiger Höflichkeit zu überspielen.

Gruppendynamik ist schon etwas sehr Interessantes!

Aber noch interessanter war die Reise selbst.

Denn die Innere Mongolei steht in totalem Kontrast zum Osten Chinas.

Hier quirliges Leben, Moderne, phantastische Restaurants, Kulturleben, Chic – selbst beim Radfahren tragen die Chinesinnen gerne Hut und die höchsten Absätze der Welt!

Dort, ja, Mao-China wie aus dem Bilderbuch – grauer Städte Mauern, Parolen auf Wänden und Spruchbändern, Lautsprecher auf den Hauptplätzen der Städte, aus denen abwechselnd martialische Musik und martialische Sprüche ertönen, und viele tragen noch immer die Mao-Uniform mit Schlabberhose und Tunika.

Gleichzeitig ist unübersehbar, wieviele Spuren uralter Kultur es hier gibt, und durchaus nicht nur Spuren der Han-Chinesen. Hier haben viele Völker ihren Fingerabdruck hinterlassen …

Aber zurück zur Fahrt. Von Beijing ging es mit einem kleinen Bus zunächst zur Grossen Mauer, wo es regnete und erstaunlichweise fast alle Chinesen mit dem gleichen hellblauen Plastikregencape herumwanderten … Gab ein interessantes Bild.

Mauer im Regen-360

Regenlandschaft-430

Und die Mauer ist auch wirklich sehr fotogen, wie sie Berge hinauf- und hinunterklettert, mit Türmen und Stufen und breiter Mauerkrone und immer wieder Öffnungen, durch die man in die Landschaft und gelegentlich auch auf die Seitenansicht der Mauer selbst schauen kann

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Auch interessante Souvenirs gab es – alles made in China, aber zum Glück nicht alles aus Plastik. Liu, unser Führer, trank Tee, in dem eine Blüte lag, die während des Trinkens aufging – sehr eigenartig.

Teeblüte-430

Dann ging es weiter, eine lange eintönige Fahrt. Die chinesischen Autobahnen sind gut, aber sie ziehen sich in diesem unendlichen Land. Liu erklärte uns, was wir sehen würden, die Raucher klärten, wie oft es Zigarettenpausen geben würde, der Bayer wurde immer hibbeliger, weil keine grossen Berge in Sicht kamen, nur eine endlose Reihe von grauen, felsigen Hügeln zog sich neben der Autobahn entlang.

Entlang der Autobahn-430

Schliesslich gab es einen willkommenen Aufenthalt in einer Fabrik, in der Schmuck aus Süsswasserperlen hergestellt wurde. Das hat uns Frauen natürlich sehr viel Spass gemacht.

Dann ging es weiter. Auf der Gegenfahrbahn kam ein Kohlenlaster nach dem anderen entgegen. Sie würden sich am Stadtrand von Beijing aufreihen und nach Büroschluss in die Stadt fahren, damit der Energiebedarf für den kommenden Tag gedeckt werden konnte. Unser Fahrer wies schon jetzt darauf hin, dass wir bei der Rückkehr schnell sein müssten, damit wir vor den Kohlenlastern in die Stadt kämen …

Endlich erreichten wir Datong. Regen, Plattenbauten, bedrückende offizielle Gabäude – schon ein Vorgeschmack auf den Westen Chinas.

Datong-430

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Aber Datong ist Ausgangspunkt zu zwei ganz grossen Sehenswürdigkeiten, dem Hängenden Kloster und den Yun-Gang-Grotten. Zunächst fuhren wir über den Huang-Ho,

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den Gelben Fluss, zum Hängenden Kloster.

In einem, dank einer hohen Staumauer hufeisenförmigen Tal quetscht sich dieses äusserst schmale Kloster an eine steile Felswand, die selbst nicht übermässig stabil wirkt.

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Nach dem Aufstieg, der trotz glühender Hitze nicht so anstrengend ist, wie zunächst befürchtet, quetscht man sich durch einen schmalen offenen Gang mit phantastischen Ausblicken, insbesondere auch zur Staumauer, der man sich durch ein weit aufgerissenes Drachenmaul nähern kann,

H.Kloster 3-430

H.Kloster 7-600

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vorbei an Altären und engen Zugängen ins, wie ich zunächst erwartete, finstere Innere des Berges – es waren aber nur schmale dunkle Räume auf Stelzen. Altäre gibt es hier nicht nur für den Buddha, sondern auch für Tao-Gottheiten, die in China durchaus noch nicht vergessen sind. Fotografieren ist leider verboten, aber mit den kleinen Digitalkameras kann man trotzdem hie und da unauffällig ein Foto machen. Dann wird man halt von der Aufseherin ein bisschen beschimpft …

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Über unseren Köpfen chinesisch geschwungene Dächer mit Schutzgöttern auf den Ecken.

H. Kloster 4-430--

Ehe wir wieder in den Bus steigen, noch einmal einen Blick hinauf, zu den Stangen, auf denen dieses fragile Nest ruht.

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Und weiter geht es.

Nach einer Weile entlang der ewig gleichen Hügelkette ändert sich die Landschaft. Wir kommen in einer weiten, leicht welligen Lösslandschaft an, in welche der Regen tiefe Schluchten gegraben hat, und fahren vorbei an von der Moderne weitgehend unberührten Dörfern zur nächsten Zigarettenpause.

Löss-430

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Dort wachsen urplötzlich Männer, Frauen und Kinder aus dem Boden, die sich eifrig bemühen, uns selbstgebastelte Souvenirs zu verkaufen: gestrickte und gehäkelte Figuren, selbstgeschnitzte Buddhafigürchen – ich glaube, keiner von uns geht ohne eine Neuerwerbung in den Bus zurück.

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Wieder geht es durch Datong, wo uns im Vorüberfahren ein überaus heroisches Monument auffällt,

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dann kommen wir zu den Yun-Gang-Grotten.

Wer immer eine China-Rundreise gemacht hat, kennt die Long-Men-Grotten und vielleicht auch die von Dazu; diese hier sind nicht sehr bekannt; aber mir scheinen sie bei weitem die eindrucksvollsten zu sein. Beim Eingang sieht alles noch bescheiden aus: ein troddelgeschmücktes Kamel hier,

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Ballons dort, und wenn man dann auf die Anlage zugeht, sieht man, dass schmale Häuser halb in die Grotten hineingebaut sind. Dort wohnen bis heute buddhistische Mönche. Und dann steht man vor dieser immensen Felswand

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voller Löcher und Höhlen, mal schimmert es bunt aus dem Dämmerlicht des Inneren,

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mal schaut von weit oben ein gewaltiger Buddha auf mich herab.

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In manchen Höhlen findet sich nur eine schlichte Stele, in anderen wimmelt es von Figuren und Reliefs.

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Manche Grotten sind flach und von aussen ganz schlicht, andere haben kunstvolle Säulen vor der Pracht des Inneren. Die Anlage ist riesig und absolut überwältigend …

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Aber es geht schon wieder weiter. Unterwegs besuchen wir einen Bauernhof – darüber fühlte ich mich jetzt natürlich sehr erhaben, aber es half alles nichts. Ich musste mit, und ich durfte auch nicht darüber sprechen, wie stark sich die Ansichten chinesischer Bauern zum Thema Hygiene von den meinen unterscheiden – schliesslich sollte den anderen die Illusion erhalten bleiben, dass dies ein spontanes Intermezzo sei und dass alle Bauern dort gastfeundlich sind und sich gewaltig über den Besuch einer Horde Langnasen freuen.

Naja, ich schäme mich ein bisschen! Die Leute haben sich tatsächlich gefreut, haben erklärt, wie sie ihre Arbeit machen, die Teegläser waren blitzsauber poliert, und das kleine Mädchen, das so bereitwillig für unsere Fotos posierte, war entzückend.

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(Fortsetzung folgt)

Die Frankfurter Künstlerinnengruppe “Labyrinth”: Evelyne Brotfeld

3. Februar 2010

In einem ersten Teil des Beitrags über die jüngste Ausstellung der Frankfurter Künstlerinnengruppe “Labyrinth” Ende Januar 2010 stellten wir die Malerinnen Inge Braun, Liia Kängsepp und Elena Primavera sowie die Zeichnerin und Modelliererin Denise Graf vor.

Die Bildhauerin Evelyne Brotfeld, 1952 in Paris geboren, gehört der Gruppe ebenfalls seit dem Jahr 2000 an, in dem sie zugleich ihre künstlerische Ausbildung an der Städel-Abendschule begann. Darüber hinaus besuchte sie Workshops bei dem bekannten Frankfurter Bildhauer Michael Siebel. Zuvor hatte sie in Paris und Straßburg Philosophie studiert. Seit 1977 ist sie als freie Dozentin und Übersetzerin für Französisch sowie in den Bereichen Couching und Sprachvermittlung in Wirtschafts- und Handelsunternehmen tätig.

Brotfeld erhielt im Jahr 2000 den Künstlerpreis der Frankfurter Heussenstamm-Stiftung, in deren Galerie sie 2003 ausstellte. Ihre Arbeiten waren ferner unter anderem in der grossen Ausstellung “Die Abendschule der Städelschule” im Jahr 2008 vertreten.

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Trauernde, 1997, Sandstein

Evelyne Brotfeld ist sich, wie sie es nennt, des Widerspruchs zwischen der verbalen Auseinandersetzung mit Menschen unterschiedlicher Kulturen und Tätigkeitsfelder und der stummen Beschäftigung mit der Materie Stein bewusst. Doch gerade in diesem – kontrapunktischen – Hin und Her verflechten sich die Gegensätze: Beides bewegt sich, sagt sie, beides spricht, beides lebt.

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Nad, 1997/2000, Sandstein

Die Bildhauerin lässt ihre Figuren aus dem natürlichen Stein gleichsam herauswachsen. Mitunter bestimmt sogar das Material im laufenden schöpferischen Prozess den Charakter einer Figur. Skulpturen und Material – Evelyne Brotfeld bevorzugt den warmtönigen Sandstein – stehen in einem inneren und äusseren Einklang.

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Das Schatzkästlein, 2009, Elbsandstein

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Lesende, 2006, Sandstein

Die meisten der ausgestellten Skulpturen stellen Menschen in einem verinnerlichten Gestus dar: Die Trauernde verbirgt im Schmerz ihr Gesicht in den Händen, eine mollige Figur umschliesst in ihren Armen wie ein Kleinkind ein Schatzkästlein, die Lesende ist der Welt abgewandt in ihr Buch vertieft und  “Nad” blickt selbstverloren in eine unbestimmte Ferne.

Am morgigen 4. Februar 2010 eröffnet das Institut Français Mainz eine Ausstellung mit Skulpturen der Künstlerin; die Werkschau läuft bis zum 31. März 2010.

(abgebildete Werke © Evelyne Brotfeld; Fotos aus der Ausstellung “Labyrinth”: FeuilletonFrankfurt)


Die Frankfurter Künstlerinnengruppe “Labyrinth”

2. Februar 2010

In ihrer inzwischen neunten Gemeinschaftsausstellung zeigte die Frankfurter Künstlerinnengruppe “Labyrinth” unlängst in den nun schon zum vierten Mal zu einer veritablen Ausstellungshalle aufgeräumten Atelierräumen in der Frankfurter Borsigallee vorwiegend aktuelle Arbeiten von Inge Braun, Evelyne Brotfeld, Denise Graf, Liia Kängsepp und Elena Primavera, die sozusagen den “harten Kern” der Gruppe bilden.

Diese Künstlerinnen treffen seit dem Sommer 2000, als sie sich in der Städel-Abendschule kennenlernten, regelmässig zum Gedankenaustausch über ihre Arbeiten und Fragen der Kunst sowie zu gemeinschaftlichen Ausstellungen und Unternehmungen – dazu zählen auch Studienreisen zu gemeinsamem Malen, Zeichnen und Fotografieren – zusammen. Zu der Gruppe gehören beziehungsweise gehörten ferner Elizabeth Dorazio, Brigitte Hein, Anna Horneff und Brigitte Puhl.

Auch die diesjährige Ausstellung der Gruppe Labyrinth unterstreicht erneut den hohen Qualitätsanspruch dieser Künstlerinnen. Sie besuchten, wie erwähnt,  allesamt die Städel-Abendschule, sie nahmen grossenteils an der in Frankfurts Kulturkreisen hochgeschätzten Ausstellung “Die Abendschule der Städelschule” im Jahr 2008 in der Frankfurter Sparkasse 1822 teil.

Apropos Städel-Abendschule: Im vergangenen Jahr gelang es noch, Bestrebungen gewisser Kreise abzuwehren, die der traditionsreichen, 1947 von den Max Beckmann-Schülern Theo Garve und Walter Hergenhahn gegründeten Schule, einer Einrichtung der als Städelschule bekannten Staatlichen Hochschule für bildende Künste, den Garaus machen wollten. Wie immer wurden finanzielle Gründe vorgeschoben, obwohl es doch eher um die Frage ging, ob die Abendschule kulturpolitisch noch erwünscht sei. Und auch heute wieder macht die Sorge die Runde, die Existenz der Abendschule stehe nach wie vor auf dem Spiel.

Doch zurück zur Künstlerinnengruppe Labyrinth:

Elena Primavera wurde 1957 in Dortmund geboren. Von 1963 bis 1967 lebte sie in Jesi und in Rom, anschliessend übersiedelte sie nach Bad Vilbel. In Frankfurt am Main studierte sie Kunstgeschichte, Philosophie und Romanistik, von 2000 bis 2005 besuchte sie die Städel-Abendschule.

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Elena Primavera, o.T. (blase violett), 2010, Öl auf Holz, 52 x 47 cm

Die Künstlerin beschäftigt sich mit Momentaufnahmen von flüchtigen Dingen wie Schäumen oder Blasen. Ihren Malarbeiten liegen selbstgefertigte Fotografien zugrunde. Die malerische Umsetzung nimmt jedoch gegenüber dem fotografischen Akt einen oft langen Zeitraum in Anspruch, wobei sich neue Eindrücke, Einsichten und Reize ergeben.

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Elena Primavera, o.T. (banner blau gelb), 2009, Öl auf Holz, 45 x 61 cm

Natürlich denken wir an Peter Sloterdijks Trilogie “Sphären”, seine Geschichte der Menschheit, an die Metaphern der Blasen und Schäume. Auch an Befruchtung und Zellteilung, Wachstum und Entwicklung. Und an die Vergänglichkeit irdischen Seins.

Denise Graf, 1967 in Frankfurt am Main geboren, überrascht uns, wie früher schon Gesine Götting, mit immer noch ungewöhnlichem Zeichen- beziehungsweise Malgerät: dem Kugelschreiber. Die Künstlerin beschäftigt sich mit linearen Strukturen, die auf  Zeichnungen beruhen. Indem sie bestimmte Flächen des Papiers wiederholt mit dem Kugelschreiber bearbeitet, treten die Linien zu dreidimensional anmutenden Strukturen aus der Fläche heraus. Die Papiere sind jeweils hinter gerahmtem Glas fixiert.

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Denise Graf, raumgitter, 2010, Kugelschreiber auf Papier, Din A5

Ihre Arbeit “raumgitter” lässt Kraftlinien erahnen, wie wir sie aus naturwissenschaftlichen Darstellungen von Gravitationsfeldern und Raumkrümmung kennen. Virtuos ihre Verknüpfungen und Verschaltungen von Nervenbahnen assoziierenden Arbeiten.

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Denise Graf, o.T., 2010, Kugelschreiber auf Papier, Din A6

Auch Grafs Figurationen aus Modelliermasse oder gebranntem Ton sind verräumlichte, mal sich verdickt und wieder verdünnt windende, mal sich, der Schwerkraft folgend, in die Tiefe hinabziehende Gebilde, die im Linearen ihren Ausgang nehmen.

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Denise Graf, o.T.  2010, Modelliermasse

Die 1967 in Frankfurt am Main geborene Künstlerin studierte nach dem Besuch der Modeschule der Stadt Wien an der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität Völkerkunde, Philosophie und Kunstgeschichte. Von 2000 bis 2004 erhielt sie an der Städel-Abendschule bei Nicole van den Plas und Vroni Schwegler ihre künstlerische Ausbildung.

Inge Braun, 1952 in Darmstadt geboren, besuchte von 1996 bis 2001 die Städel-Abendschule mit dem Schwerpunkt Malerei ebenfalls bei Nicole van den Plas.

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Inge Braun, Frucht, 2009, Öl/Textil, 30 x 30 cm

In der jüngsten Ausstellung der Gruppe Labyrinth zeigte sie Malerei in Öl auf ausgewählten oder mitunter vorgefundenen Textilien wie Möbel- und Dekorationsstoffen. In “Frucht” sehen wir, vor üppigem Blüten- und Blätterwerk, zwei an die hinduistische Durga oder an Kontorsionskünstler erinnernde, spiegelbildlich einander verhaftete androgyne Gestalten vor wiederum zwei im Hintergrund verdeckten, jene vielleicht gebärenden Frauen.

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Inge Braun, Prinzessin Katharina, 2009, Öl/Textil, 24 x 24 cm

Eigenwillig und ironisch die Reihe von Stuhlszenen der Künstlerin. Diesen Stuhl soll es tatsächlich geben, wer aber mag wohl die Prinzessin Katharina sein? Eine unter diesem Namen durch facebook geisternde junge Dame? Oder die wiederholt exilierte, einem so wechselhaften Schicksal unterworfene Katharina von Griechenland, Lady Brandram, letzte Urenkelin von Königin Victoria? Verfügte sie über kein bequemeres Sitzmobiliar?

Und: Wer mag auf dem “Roten Stuhl” in schönster Paisley-Umgebung Platz nehmen wollen? Stühle als Metapher für Sitzen und Beharren, Stühle in allen Lebenslagen, aber wo sind die Menschen?

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Inge Braun, Roter Stuhl, 2009, Öl/Textil, 75 x 55 cm

Die Malerin Liia Kängsepp, 1976 im estländischen Kaagjärve geboren, pflegt das grosse Format. In expressivem Malstil und mit kräftigen, kontrastreichen Farben setzt sie sich mit dem Thema der menschlichen Figur und der Existenz in urbanisierten Lebensräumen auseinander.

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Liia Kängsepp, gran canaria, 2010, Acryl/Öl auf Leinwand, 175 x 190 cm

Rotbraun ist der Sand, bestückt mit den üblichen Urlaubsgerätschaften wie Liegestühlen, Badelaken und Sonnenschirmen. Eine illusionistisch-kitschige Welt, vom Alltag rasch wieder eingeholt.

Liia Kängsepp absolvierte nach dem Besuch der Städel-Abendschule ein reguläres fünfjähriges Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste, der Städelschule, bei Professor Christa Näher. 2005 war eine Auswahl ihrer Arbeiten in der traditionellen Absolventenausstellung der Städelschule vertreten. Im gleichen Jahr stellte sie auch in der Frankfurter AusstellungsHalle 1A aus.

Der Bildhauerin Evelyne Brotfeld widmen wir einen anschliessenden Beitrag.

(abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen;
Fotos: FeuilletonFrankfurt)


Das Museum für Moderne Kunst Frankfurt im Jahr 2010

30. Januar 2010

Die Frankfurter Museen haben einen Ausstellungsetat, der auch Erwerbungen ermöglichen soll. So ähnlich verlautete es aus dem Mund der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth in der Pressekonferenz zur Vorstellung des “neuen Hilmar Hoffmann”, gemeint ist dessen in der Tat eine Lücke in jeder Bibliothek schliessendes Buch “Das Frankfurter Museumsufer”. Anschliessend erfuhren wir jedoch authentisch, wie sich die Situation jedenfalls beim Museum für Moderne Kunst – kurz MMK – darstellt: Der von der Stadt zur Verfügung stehende Ankaufsetat dieses Hauses für 2010 beträgt 0,00 Euro.

So macht Susanne Gaensheimer, die Direktorin des MMK, aus der bekannten Not eine schon mit der Ausstellung “Yellow and Green” unter Beweis gestellte Tugend: Sie schöpft in der nächsten, am 19. Februar 2010 beginnenden Ausstellung “Radical Conceptual” ein weiteres Mal aus dem Vollen, will sagen aus den so reichen Beständen des Hauses, um die so manche in Europa und der Welt konkurrierenden Museen für kontemporäre Kunst das MMK beneiden.

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MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer in der Jahrespressekonferenz 2010; Foto: FeuilletonFrankfurt

Nicht weniger als 22 Seiten umfassen die Presseinformationen über die für 2010 geplanten Aktivitäten des MMK: Aus diesen Fleissarbeiten seien einige Aspekte herausgegriffen:

Standen in “Yellow and Green” grosse Arbeiten der Pop-Art und des Minimalismus im Fokus, so konzentriert sich “Radical Conceptual” auf die amerikanische und europäische Konzeptkunst von den 1960er Jahren bis zur Gegenwart und die entsprechende, herausragend bestückte Sammlung des MMK.

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On Kawara, 24.APR.1989, 1989, MMK; Foto: Axel Schneider

Manche dieser Arbeiten wurden, wie etwa die Installation On Kawaras mit den berühmten “Date Paintings” oder Lawrence Weiners Wandarbeit “Stones found and broken sometimes in the future” speziell und exklusiv für das Haus entwickelt. Unter den grossen Namen wären weiter Alighiero Boetti zu nennen, der bedeutende Konzeptkünstler der italienischen Arte Povera, ebenso Hanne Darboven mit einem ihrer Hauptwerke “Ein Jahrhundert – Johann Wolfgang von Goethe gewidmet”. Und weiter aus der anschliessenden Künstlergeneration: Francis Alÿs, Jonathan Borofsky, David Hammons, Candida Höfer, Cady Noland, Rirkrit Tiravanija, Rosemarie Trockel oder Ai Wei Wei. Prominent die Neuerwerbung des raumbezogenen Werkes “…rinsed with mercury…” des Briten Cerith Wyn Evans aus dem Jahr 2009.

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Alighiero Boetti, I mille fiumi più lunghi del mondo, 1976-78, MMK; Foto: Axel Schneider

Einen wichtigen Punkt bilden in diesem Zusammenhang die Filmarbeiten “Yellow Movies” von Tony Conrad (vorgestellt auf der letztjährigen Biennale in Venedig), von John Baldessari “6 Colorful Inside Jobs” oder von Paul Sharits “Frozen Film Frames: N.O.T.H.I.N.G.”. Und es wird auch etwas zum Hören geben: eine Akustische Installation für das MMK von Florian Hecker (ab 8. Mai 2010) aus Tönen und Klängen, die er mit modernsten digitalen Programmen generiert und zu hochkomplexen Klangkompositionen und mehrkanaligen Rauminstallationen verdichtet.

Ab dem 28. März 2010 zeigt das MMK zum ersten Mal konzeptuelle Kunst auch auf Papier, ebenfalls aus seiner reichhaltigen entsprechenden Sammlung: Arbeiten von Carl Andre, Robert Barry, Alighiero Boetti, Stanley Brown, Dan Flavin, Ilya Kabakov, On Kawara, Joseph Kosuth, Gary Kuehn, Barry Le Va, Robert Morris, Claes Oldenburg, Blinky Palermo, Tobias Rehberger, Andreas Slominski, Nedko Solakovaber, Franz Erhard Walther oder Lawrence Weiner. Die meisten der Zeichnungen stehen in einem direkten Zusammenhang mit skulpturalen oder konzeptuellen Werken dieser Künstler. Eine gesonderte Präsentation wird – über deren bereits erwähntes Opus magnum hinaus – den Papierarbeiten von Hanne Darboven gewidmet sein.

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Hanne Darboven, Ein Jahrhundert – Johann Wolfgang von Goethe gewidmet, 1971 – 1982, MMK; Foto: Axel Schneider

Im MMK-eigenen Doppelgänger des “Kabinetts für aktuelle Kunst Bremerhaven” von Gregor Schneider wird die Reihe “Double” fortgeführt – nun mit Arbeiten unter anderem von Marina Abramovich/Ulay, Wolfgang Laib, Andreas Slominski und Luc Tuymans.

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Im “Double”: Isa Genzken, 3 Vollellipsoide Skulpturen, 1978; Foto: Axel Schneider

Vom 25. September 2010 an zeigt das MMK internationale Gegenwartsfotografie: Unter dem Titel “staying home/going out” wird es erstmalig seine Räume ausschliesslich mit fotografischen Werken aus seiner über 1500 Arbeiten umfassenden (und damit einer der weltweit grössten) Sammlung bestücken.

Zu ihr zählen Werkgruppen von Nobuyoshi Araki, Lothar Baumgarten, Bernd und Hilla Becher, Anna und Bernhard Blume, Christian Boltanski, Günther Förg, Ryuji Miyamoto, Thomas Ruff, Beat Streuli und Jeff Wall sowie von Peter Fischli und David Weiss, aber ebenso Konvolute mit Reportagefotografien von Paul Almasy, Barbara Klemm, Anja Niedringhaus, Abisag Tüllmann oder Sebastião Salgado – allesamt Sternstunden der Fotografie des 20. Jahrhunderts.

Aktuell konnte das MMK Werkgruppen von Taryn Simon und Miroslav Tichy sowie eine so herausragende Auftragsarbeit wie das fünfteilige Werk “Klause” von Thomas Demand erwerben, das speziell für dieses Haus entstanden ist.

Begleitet wird die Schau internationaler Gegenwartsfotografie von einer Ausstellung “The Purple Generation. Mode und Fotografie in den 90er Jahren”. Künstler, Modefotografen und Modedesigner wie Vanessa Beecroft, Walter van Beirendonck, Bernadette Corporation, Bless,  Mark Borthwick,  Susan Cianciolo, Maria Cornejo, Anders Edström, Jason Evans, Inez van Lamsweerde, M/M (Paris), Kostas Murkudis, Richard Prince, Terry Richardson, Collier Schorr, Jürgen Teller, Wolfgang Tillmans oder Yohji Yamamoto werden die zentralen Räume bespielen. Das MMK will, als erstes der Museen für Gegenwartskunst, den wechselseitigen Einfluss der unterschiedlichen Disziplinen Mode, Fotografie und Kunst in den 1990er Jahren sichtbar machen.

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Ai Wei Wei/Serge Spitzer, Ghost Valley coming down the Mountain, 2005-2006, MMK; Foto: Axel Schneider

Vielversprechend scheint uns eine ins Auge gefasste Kooperation des MMK mit dem Frankfurter Kunstverein und dem Portikus, der Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst auf der Frankfurter Maininsel, zu werden. Für den 8. Dezember 2010 ist der Beginn einer Ausstellung “New Frankfurt Internationals” mit Arbeiten von Künstlern vorgesehen, die in Frankfurt am Main und Umgebung leben oder hier studiert haben (an der Städelschule, an der Akademie für Bildende Künste in Mainz oder an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach). Frankfurt am Main mit über 1000 in der Stadt lebenden Künstlerinnen und Künstlern und über 200 Atelierräumen bildet einen Brennpunkt künstlerischen Potentials, das bislang noch allzu oft im Verborgenen blüht. Das MMK stellt dafür seine Dependance “MMK Zollamt” zur Verfügung.

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Pressekonferenz mit Sophie von Olfers, Mario Kramer, Susanne Gaensheimer und Klaus Görner; Foto: FeuilletonFrankfurt

Last not least - bei so vielen Anglizismen im Angebot des MMK kommt es auf diesen einen nun auch nicht mehr an – baut das MMK sein Bildungs- und Vermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche weiter aus: mit “Kunst entdecken”, mit “Show Up!” als kuratorischem Projekt in Kooperation von Schule und Museum sowie mit “MMK Plattform”, einem Online-Magazin von Kindern und Jugendlichen zur Kunst im MMK. Denn: Ein junges Publikum ist nicht erst das Publikum von morgen, sondern schon jetzt das Publikum von heute!

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Jugendführung im MMK; Foto: Axel Schneider

Übrigens: Jetzt am 30. und 31. Januar 2010 findet im Frankfurter Museum für Moderne Kunst das “Familienwochenende” statt. Zwei Tage lang gehört das Museum Kindern und Familien.

Die Grossküche in Stenkelfeld oder: bis ans Ende der Nahrungskette

29. Januar 2010

Wir haben längere Zeit nichts mehr aus Stenkelfeld gehört. Hier nun eine spannende Reportage aus der berühmten Stenkelfelder Grossküche:

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(mit Quicktime-Player; Audionachweis: ndr2; Foto:っ/wikimedia commons GFDL)