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FeuilletonFrankfurt

Das Online-Magazin von Erhard Metz

Kai Teichert: „Teufelssee“ im Kunstverein Familie Montez

24. Mai 2016

Wer seinerzeit bei „Familie Montez“ nach weidlicher Betrachtung des 3,20 mal 9,90 Meter messenden Werkes „Pfaueninsel“ zwar mit durchgeschwitztem Hemd, aber ansonsten seelisch aufgerüstet und charakterlich gefestigt die heiligen Brückenhallen verlassen und sich wieder in das mainmetropolische gesellschaftliche Gefüge eingliedern konnte, der wird auch Kai Teicherts neue Arbeit „Teufelssee“ zwar mit leichten Schwindelgefühlen, aber ohne therapiebedürftige Nachwirkungen geniessen können. Gegenüber der ohnehin bereits monumentalen „Pfaueninsel“ geriet dieses (bisherige, in allerlei Wortsinn) Opus magnum mit Ausmassen von 2,60 mal 36 Metern in den Bereich des Absoluten, so dass Mirek Mackes wahrlich riesige Ausstellungswand in der rechten Halle unter der Honsellbrücke nicht ausreichte, um all das fröhliche Gewimmel im Battle Wood und Dragon Wood und noch weniger dasjenige am Venus Beach oder Shiva Shakti Beach aufzunehmen, ganz zu schweigen von dem, was sich auf dem „Float“ abspielt. Also mussten zusätzlich die beiden seitlichen Wände für die Bespannung mit dem mit Kohlezeichnungen versehenen Nesseltuch herhalten.

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Oben: Linke Seite, Mittelteil, rechte Seite

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Kai Teichert bevorzugt es, seinen Werken erläuternde Texte beizugeben, wir empfehlen deren Lektüre und ersparen zugleich uns und unserer geschätzten Leserschaft lästige Redundanzen:

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Man könnte in der Tat vielleicht zunächst eher an Shakespeare denken denn an Goethes „Osterspaziergang“ („Hier bin ich Mensch, hier darf ich ’s sein“) aus Faust I, „Vor dem Tor“: an den Zauberwald im „Sommernachtstraum“, an Oberon und Titania, das Königspaar der Elfen, an die Elfen Bohnenblüte, Spinnweb, Motte und Senfsamen, der Schlegelschen Übersetzung folgend, an Puck und die Fee, an all das Gewimmel und Getümmel bei Neumond und Vollmond – und doch geschieht hier alles bei hellem Tageslicht in einer wohl paradiesisch zu nennenden Vielfalt und Friedfertigkeit.

Natürlich sind alle nackt – alle Menschen, versteht sich – , das kleine Viechlein im Arm des Stoppelbärtigen muss jedoch sein Borstenfell tragen wie auch zwei andere Geschöpfe der Fauna, auf die wir noch zurückkommen werden, ihr Kurzhaarfell.

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Auch das Credo des freiheitlich-freizügigen Lebens, Webens und Strebens am Teufelssee hat der Künstler in eine zeitungsähnliche Publikation geschrieben und zum Gegenstand seiner Arbeit gemacht:

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Im Mittelpunkt der Kolossalarbeit schwimmt das berühmte Floss, begehrter Platz für Männlein und Weiblein, Jung und Alt, Dick und Dünn, Hetero und Homo, Hässlich (gibt es das ?) und Schön, selbstverständlich wiederum allesamt nackt wie Gott sie schuf.

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Wer unter den Betrachtern der Monumentalarbeit noch „etwas“ vernisst haben sollte, muss noch einmal sehr genau hinschauen, um dann doch fündig zu werden: Im wild-friedlichen Treiben versteckt findet er Rap und Gabi, des Hausherrn unter der Honsellbrücke geliebte Boxerhündinnen, natürlich berlinisch-preussisch-ordentlich mit Halsband und Leine, und wer den Leinen auf einer gedachten optischen Linie folgt, trifft auf Mirek Macke – ohne Hut zwar, aber natürlich mit Vollbart.

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Kai Teichert „Teufelssee“, Kunstverein Familie Montez, bis 29. Mai 2016

Parallel wird – allerdings bis 18. Juni 2016 – in der Galerie Mühlfeld + Stohrer Kai Teicherts Arbeit „auditorium“ gezeigt.

Abgebildete Werke © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ Kai Teichert im Kunstverein Familie Montez

 

Jens Andres: „Troublemakers“ auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität (3)

21. Mai 2016

Vorsicht Kunst! Vorsicht Kunst-Falle!
Einweihung beim Frühlingsfest auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität

Also jetzt schlägt ’s abermals und endgültig dreizehn! Ein Parkplatz anstatt für ein Automobil für eine Kuh?

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Noch dazu neben zwei Parkplätzen für „Fliegende Untertassen“, genannt Ufos (Unbekannte Flugobjekte)? Nicht irgendwelchen Parkplätzen, sondern solchen „Nur für Berechtigte mit Parkausweis der Dekanate“ nahe dem Wissenschaftsgarten der Universität! Wir machten unserer Empörung bereits in Folge 1 und Folge 2 unseres Reports über solch unerklärliche Geschehnisse Luft! Weiterlesen

Daniel Libeskind: „One day in life“ in Frankfurt am Main

19. Mai 2016

Der Musiker, Architekt und Stadtplaner mit seinen Operationen am Herzen der Stadt

Petra Kammann im Gespräch mit dem Künstler-Architekten

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Mit dem Konzertprojekt „One Day in Life“ von Daniel Libeskind und der Alten Oper Frankfurt wird die Stadt Frankfurt am Main am 21. und 22. Mai 2016 an 18 Spielstätten in mehr als 75 Konzerten zur Begegnungsstätte mit Musik und mit „Grunddimensionen des menschlichen Daseins“.

Die Erfahrungen des 1946 in Polen geborenen und in New York lebenden und arbeitenden Architekten Daniel Libeskind, seine Erfahrungen in Ost und West, in den Metropolen, fließen nicht nur in seine ungewöhnliche Architektur ein, sondern auch in ein ungewöhnliches musikalisches Konzept in Frankfurt am Main.

1957 emigrierte die Familie nach Israel, drei Jahre später in die USA. 1965 wurde Libeskind US-Bürger. Er studierte Musik in Israel und New York und verdiente sein Geld als professioneller Musiker, bevor er sich der Architektur widmete.

1999 wurde der langjährige Architekturtheoretiker mit seinem ersten Gebäude, dem Jüdischen Museum Berlin, schlagartig weltbekannt. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2003 in New York gewann Libeskind den Wettbewerb um den Masterplan für die Wiederbebauung von Ground Zero. Sein Masterplan bildete die konzeptionelle Basis und den inhaltlichen Rahmen für die Neu-Entwicklung des gesamten Komplexes.

Als einer der international renommiertesten Architekten hat Daniel Libeskind mit seinen Studios in New York, Mailand und Zürich in den vergangenen Jahren zahlreiche bedeutende Projekte unter anderem in Manchester, Denver, San Francisco, Dresden, Las Vegas, Warschau, São Paulo, Manila, Toronto, Düsseldorf, Kopenhagen und London geplant und realisiert.

Vom 9. Mai bis zum 14. Juni 2016 verweist außerdem eine 289 m² große Installation des Architekten Daniel Libeskind auf dem Frankfurter Opernplatz auf dieses Konzertevent und macht als begehbares Kunstwerk die Grundidee des Projektes im wahrsten Wortsinn zugänglich. Petra Kammann sprach mit Daniel Libeskind in Düsseldorf und in Frankfurt: Weiterlesen

Granada: das Paradies auf Erden

19. Mai 2016

Von Elke Backert

Auf die Frage eines Fluggastes in der Iberia-Maschine nach Madrid, ob sie rechtzeitig lande, denn er müsse den Anschluss nach Granada erreichen, antwortet der Steward: „Oh, Sie wollen nach Gran Canaria.“ – „Nein, nach Granada“, und er erläutert auf Spanisch: „en Andalucía“. Ein anderer Fluggast hört das Gespräch mit und sagt: „Wir wollen auch nach Gran Canaria.“

Da wundert man sich schon, wie wenig bekannt Granada ist. Wo doch die zum UNESCO-Kulturerbe erklärte Alhambra, die größte und wohl weltberühmte Sehenswürdigkeit der Stadt zu besichtigen ist. Jenes Bauwerk – nein, jene Stadt in der Stadt -, von den Mauren mit Festung, Wohnhäusern für die hohen Beamten – der Medina -, Palästen und grandiosen Innenhöfen, den Patios, für den Sultan von Al-Andalus und Emir von Granada, seine Familie samt Haremsdamen und mit einer riesigen wasserreichen Parkanlage, dem Generalife, im 13. Jahrhundert erbaut. Jahrhundertelang war die Alhambra Palast, Zitadelle, Festung und Residenz der nasridischen Sultane, die die „Rote Burg“ in ein majestätisches Kunstwerk verwandelten, von den Flüssen Genil und Darro eingerahmt. Nur das gemeine Volk hatte dort nichts zu suchen, es musste draußen bleiben.

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↑ Blick auf die Alhambra
Der Patio de los Leones in der Alhambra

Patio de los Leones Alhambra 2015-11-07 Foto Elke Backert-670 Weiterlesen

Starke Stücke im Schauspiel Frankfurt (10)

17. Mai 2016

Spielzeit 2015 / 2016 – eine Auswahl
Vorstellung der Spielzeit 2016 / 2017 – die letzte von Intendant Oliver Reese

Von Renate Feyerbacher
Fotos: Birgit Hupfeld/Schauspiel Frankfurt

„Die Geschichte von Franz Biberkopf mit The Tiger Lillies“
„Der Sturm“
„Schuld und Sühne“
„Die Netzwelt“

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Martina Droste, Jan Fischer, Oliver Reese, Sibylle Baschung, Professor Felix Semmelroth, Clara Topic-Matutin; Foto © Jessica Schäfer

Etwas Wehmut lag über der Pressekonferenz von Schauspiel Frankfurt Ende April 2016, als der – seinerseits scheidende – Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth eine Lob- und Dankesrede auf Oliver Reese hielt, die bereits wie eine Rede zur Verabschiedung klang. „Ungeahntes wurde ermöglicht“, war einer seiner Sätze. In der Tat. Aber noch ist Intendant Reese da und leitet für ein Jahr die Geschicke des Frankfurter Schauspiels. Zwölf Premieren sind vorgeshen: im Schauspielhaus – Beginn am 10. September mit „Königin Lear“ des belgischen Autors Tom Lanoye – und in den Kammerspielen am 9. September „Iphigenie“ von Ersan Mondtag nach Motiven von Goethe, Euripides und Hauptmann. Mehrere Ur- und Erstaufführungen – nur von „lebenden Autoren“ – also keine Romanadaption sind dabei. Weiterlesen