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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Friedenspreis-Ermutigung: Recht und Gesetz statt belastendem Schweigen

2026, Oktober 13.

Friedenspreisträger Philipp Sands setzt auf die internationale Verständigung im Zeichen der Moral

Von Uwe Kammann

Musik am Anfang, Musik am Ende – das hat es bei der Feier des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels noch nie gegeben. Und es war wie ein Fanal, wie ein Programm. „Erbarme Dich“, die vielleicht berührendste Alt-Arie aus Bachs Matthäus-Passion, die vor drei Jahrhunderten zum ersten Mal erklang und die bis heute erschüttert. Für Rilke ein „wahres Schmerzgebirge“, für den Widerstandskämpfer Klaus Bonhoeffer der letzte Trost vor seiner Hinrichtung. Und dann, am Schluss, berühmte Verse des Songwriters und Dichters Leonhard Cohen: erst vorgetragen vom Friedenspreisträger selbst, Philippe Sands, dann als Ganzes gesungen vom französischen Bassbariton Laurent Naouri, begleitet vom Jazzpianisten Guillaume de Chassy: „There is a crack in everything“.

Ungewöhnlicher Beginn der Friedenspreisfeier für Philipp Sands (li) mit der Arie „Erbarme Dich“ aus Bachs Matthäus-Passion, Foto: Petra Kammann

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Rund um die Welt der Bücher zur Frankfurter Buchmesse – Open Books

2026, Oktober 12.

Was für ein Medium – das offene Buch mit Autor:innen live !

Ganze 145 Veranstaltungen und rund 200 Autorinnen und Autoren aller Sparten war beim städtischen, vom Kulturamt der Stadt Frankfurt organisierten und von Sonja Vandenrath verantworteten Lesefest zur Frankfurter Buchmesse zu Gast. Die Säle rund um den Römer waren so voll wie noch nie. Gezählt wurden insgesamt 18.000 Besucher:innen. Shida Bazyar, die neue Buchpreisträgerin las gleich drei Mal aus ihrem Gewinnerroman „Die Lücken“.

Shida Bazyar, die neue Buchpreisträgerin bei der Buchpreisverleihung im Römer, Foto:Linda Deutsch Weiterlesen »

„Einst war ich älter – Johannes Heisig im Dialog mit Wolfgang Hilbig“ im Museum Giersch

2026, Oktober 9.

Brüche deutscher Geschichte, die bei Hilbig zu Literatur und bei Heisig zu Bildern werden

von Hans-Bernd Heier

Anlässlich des 85. Geburtstags von Wolfgang Hilbig zeigt das Museum Giersch der Goethe-Universität unter dem Titel „Einst war ich älter – Johannes Heisig im Dialog mit Wolfgang Hilbig“ die mehr als drei Jahrzehnte währende künstlerische Auseinandersetzung Johannes Heisigs mit dem Werk des Schriftstellers. Im Zentrum der bereits am 18. Oktober 2026 endenden Schau stehen elf neue Arbeiten, die 2026 entstanden sind und erstmals präsentiert werden.

Johannes Heisig: „Einst war ich älter“, aus der „Serie: Einst war ich älter“, 2026; DIE GALERIE Frankfurt am Main; © VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: Lars Wiedemann

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Caroline Wahl lesen – Über Empathie und das Gewicht von literarischen Texten

2026, Oktober 4.

Thema schwer, Sprache leicht

Von Ulrike Damm

Ich lese Caroline Wahl. Ich lese nicht zu Ende, denn ich verstehe, warum jemand erschöpft ist oder nicht, warum jemand nicht mehr kann oder erst recht, warum eine Mutter trinkt oder Arbeit krank macht, warum die Dunkelheit dunkel und die Enge eng ist, warum jemand sich nach eisblauen Augen … ich verstehe. Und will es nicht mehr wissen.

Die Autorin und Künstlerin Ulrike Damm, Foto: Danylo Torbovskyi, 2026

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Mozarts „Zaide“ in einer Frankfurter Inszenierung: Urbild grausamer Herrschaft

2026, Oktober 3.

Regisseur David Hermann verzichtet auf direkte politische Anspielungen und Bezüge – Großartige Musik als Trost

Von Uwe Kammann

Wie verschieden doch die Reaktionen ausfallen können! Fade sei die Regie, dem Tiger hätten die Krallen gefehlt, es mangele an aktuellen Bezügen, politisches Potential werde damit verschenkt, das war nach der Premiere des Mozart-Singspiels „Zaide“ aus dem Publikumskreis zu hören, auch an kritischer Stelle zu lesen. „Eiskalte Funktionalität“ bescheinigt hingegen ein anderer Kritiker dem 1780 entstandenen Stück, das ein Fragment geblieben ist, von manchen als Vorläufer der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ eingeordnet, also mit türkischer Historie verwoben.

Peter Marsh (Soliman), Karolina Bengttson (Zaide) Pete Thanapat (Osmin), Foto: Barbara Aumüller

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Rheingauer Literaturpreis 2026 für einen vielschichtigen „Wenderoman“ an den Schriftsteller Lukas Rietzschel

2026, Oktober 3.

3 Generationen Lausitzer Weltbürgerfiguren

Von Petra Kammann

Der mit 111 erlesenen Flaschen Wein aus den Kellern des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter(VDP) Rheingau und mit 11.111 Euro dotierte Rheingau Literatur Preis 2026 ging in diesem Jahr an den Romanschriftsteller Lukas Rietzschel für seinen Roman „Sanditz“ (dtv). Die Auszeichnung wurde im Rahmen des diesjährigen Rheingau Literatur Festivals zum 33. Mal verliehen, diesmal im Fürst-von-Metternich-Saal auf Schloss Johannisberg. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie das Rheingau Musik Festival e.V. stifteten je 5.000 Euro des Preises, der vom Relais & Chateaux Hotel Burg Schwarzenstein um 1.111 Euro ergänzt wird. Die so kenntnis- wie anspielungsreiche Laudatio hielt Andreas Platthaus, stellvertretender Feuilletonchef der FAZ.

Rheingau Literatur-Preisträger 2026 Lukas Rietzschel, Foto: Petra Kammann

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Soundwalks und Aufforderung zum Hinhören im Museum-Sinclair-Haus in Bad Homburg v.d. Höhe

2026, September 29.

TIERSTIMMEN. Kontakt durch Klang

Von Corinne Elsesser

Nach „Nachtleben“ und „Vogelperspektiven“ nimmt die neue Ausstellung im Museum Sinclair Haus in Bad Homburg nun die Stimmen der Tiere in den Blick. „Tierstimmen“ zeigt ein breites Spektrum an Kommunikationsformen, an „Kontakten durch Klang“ anhand einer großen Bandbreite an künstlerischen wie auch naturwissenschaftlichen Exponaten.

Ylla, Kamel, 1936, Fotografie, © Pryor Dogde, Foto: Ylla

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More is now! Das Haus Tugendhat in Brünn und 28 innovative Architekturen in Tschechien im DAM

2026, September 26.

Ressourcen städtischer Räume, historische Gebäude und Materialien der Umgebung

Von Petra Kammann

Die von Helena Huber-Doudová  (Nationalgalerie Prag) kuratierte Ausstellung „More is Now“,  die anlässlich des Gastlandauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse im Deutschen Architekturmuseum (DAM) gezeigt wird, bietet die Gelegenheit, die bislang wenig bekannte junge tschechische Architekturszene kennenzulernen. Neben der Villa Tugendhat, erbaut 1928–1930 vom bedeutenden Architekten der Moderne Mies van der Rohe werden im DAM innovative Projekte junger Architektinnen und Architekten aus der sogenannten Millennial-Generation präsentiert. Mit dem Slogan „less is more“ (Weniger ist mehr) wollte Mies van der Rohe sich auf das Wesentliche konzentrieren. Heute heißt es in Tschechien „More ist now“. Gezeigt werden 28 verschiedenartige zeitgenössische architektonische Positionen.

Das Haus im Haus im DAM, entworfen von Oswald Mathias Ungers, beherbergt derzeit die Fotografien, die von der Villa Tugendhat – die Ikone der Moderne des Architekten Mies van der Rohe nach der sorgfältigen Renovierung entstanden, Foto:Moritz Bernoully

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Der große Irrtum. Das Juridicum auf dem Kulturcampus als Planspiel

2026, September 24.

Analog zur Theaterdoppelanlage: Die Stadt kämpft mit blockierten Drehtüren

 Kommentierende Anmerkungen von Uwe Kammann

JURIDICUM WAS NUN? Doch trotz der Versalien auf einer Bildtafel im typischen Aktivistenstil vor dem Festsaal des Studierendenhauses auf dem alten Uni-Campus in Bockenheim wandelte sich nichts in ein Ausrufezeichen. Das „Zukunftslabor“ mit dem programmatischen Untertitel „Baukultur, Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung gemeinsam gedacht“ brachte auch im letzten Schritt weder Klarheit noch eine einheitliche Empfehlung, was denn nun mit der seit drei Jahren leerstehenden Hochhausscheibe auf diesem Gelände geschehen sollte.

Das Fragezeichen blieb. Bildtafel im Studierendenhaus des alten Uni-Campus in Bockenheim, Foto: Uwe Kammann 

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Im Labyrinth der Macht – „Der Prozess“ am Staatstheater Wiesbaden erschreckend aktuell

2026, September 23.

Miniatur des gesamten „Prozesses“

Von Walter H. Krämer

Mikheil Charkvianis Inszenierung von Franz Kafkas „Der Prozess“ am Hessischen Staatstheater Wiesbaden zeigt, wie ein undurchschaubares Macht- und Kontrollsystem in den Alltag eines Menschen eindringen kann. „Unterdrückung und Ungerechtigkeit betreffen jeden, ganz gleich, wie fügsam jemand ist, ganz gleich, ob er das Regime unterstützt, ganz gleich, ob er sich dafür entscheidet, den politischen Prozess gänzlich zu meiden und nur innerhalb der Grenzen seines eigenen Lebens zu leben.“ Mikheil Charkviani

v. l. n. r. Lasse Boje Haye Weber, Abdul Aziz Al Khayat, Jonas Grundner-Culemann; in der Projektion: Evelyn M. Faber (li.), Laura Talenti, Foto: Max Borchardt

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