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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Jutta Heun: Spektrum mit der „schönen Dunklen“

Ein Farbenrausch in grauen Corona-Zeiten

Von Erhard Metz

Jutta Heun, die begnadete und besonders für ihre großformatigen Zeichnungen weit bekannte Frankfurter Künstlerin, legte wieder einmal Graphit- und Farbstifte beiseite und griff zu Farbtöpfen, Pinsel, Papier und Leinwand. Mit der Präsentation ihrer – bereits seit 2019 entstandenen – Arbeiten setzt sie jetzt im grauen Corona-Winter im Rahmen einer Gruppenausstellung in der Galerie Söffing ein markantes Signal für Hoffnung und Zuversicht auf eine Zukunft nach Überwindung der Pandemie.

Spektrum, acht Aquarellarbeiten auf Papier, Fixativ, 237 x 39,5 cm

Begonnen hatte alles vor vielen Jahren in Giverny, in Claude Monets legendärem Garten. Besonders angetan war die Künstlerin dort von den Schwertlilien (Iris), und wiederum besonders von der dunkelpurpur-violett-schwarzen „Black Night“ oder Ritter-Schwertlilie, die Künstlerin gab ihr den Namen „schöne Dunkle“. Zurück in Frankfurt, hielt die „schöne Dunkle“ alsbald Einzug in die Blumensammlung in Jutta Heuns Zaubergarten neben ihrem Künstlerhaus am Fuß des Lohrbergs mit seinem pittoresken Weinberg.

Vincent van Gogh übrigens variierte das Motiv der Schwertlilie auch auf vielfältige Weise – besonders liebte er die blaublühenden Sorten -, im Wind sich wiegend in Beeten und am Rand von Getreidefeldern oder in verschiedenartigen Vasen arrangiert. In der „Blumensprache“ steht die Lilie für Kreativität und Energie, für Positives und Beständigkeit, für Weiblichkeit und Liebe, aber auch für Vergänglichkeit. Eine große Rolle spielt die Lilienblüte in der Heraldik und der bildenden Kunst und natürlich als Wappenzeichen der einzigartigen Kunstmetropole Florenz.

Die schöne Dunkle, Aquarell auf Papier, 39,5 x 30 cm, Ausschnitt

Kein Wunder also, dass die Lilie – bei Jutta Heun in Gestalt der „schönen Dunklen“ – zum Gegenstand einer Studie über den „perfekten Abstand“, über Licht und Farbe wurde. Was hat es nun mit dem „perfekten Abstand“ auf sich? Nun, als Künstlerin befasst sich Jutta Heun mit dem sichtbaren Licht und dem Lichtspektrum, das schon Johann Wolfgang Goethe faszinierte und zu seiner berühmten Farbenlehre inspirierte. Und dieses Farbspektrum ergibt sich aus dem „perfekten Abstand“ zwischen Sonne und Erde von rund 150 Millionen Kilometern. Auf einem der Sonne näheren oder einem ihr ferneren Planeten verschöbe sich das Spektrum sichtbaren Lichts jeweils entweder hin zum infraroten oder zum ultravioletten Bereich. Ein Betrachter auf diesen Planeten bekäme also lediglich einen eingeschränkten Farbenbereich zu sehen. Wie glücklich können wir Menschen auf der Erde uns also über den Reichtum an sichtbaren Farben im Lichtspektrum schätzen!

Jutta Heun umgab verschiedene Darstellungen der „schönen Dunklen“ mit einer Auswahl an Farben aus dem Lichtspektrum, wobei sie für die Blüte jeweils exakt die gleiche Farbe verwendete. Wir können dabei erkennen, wie sich unser Eindruck von der Blütenfarbe je nach derem farbigen Umfeld verändert.




Folgt man nun der Blüte durch den Farbenkreis, stellen wir fest, dass sich auch diese selbst verändert: sie beginnt zu altern und zu welken, die Pracht ihres Formenreichtums schwindet. Die achte Farbtafel bleibt deshalb leer: die „schöne Dunkle“ ist gestorben. Die Lilie – hier auch, wie schon eingangs erwähnt, als Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens.

die schöne Dunkle, Aquarell auf Papier, 39,5 x 30 cm

Am Schluß noch eine von Farben strahlende Arbeit im mittleren Format: das irdische Farbspektrum in der Ansicht einer blaßgelben Schwertlilie gebündelt.

central, Acryl/Aquarell auf reinem Leinen, Fixativ, 80 x 80 cm

Eine Gemeinschaftsausstellung in der Galerie Söffing mit Werken von Franz Konter, Thorsten Larbig und Ruth Luxenhofer, bis 31. Januar 2021

Fotos: Christof Heun

→ Jutta Heun: „Giantesses Landfall“ in der Frankfurter Galerie Söffing
→ Jutta Heun: „Riesinnen leben länger“ – Zeichnungen in der Gießener Galerie Unterer Hardthof
→ Jutta Heun und der Genius loci

 

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