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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Keine Überraschung und doch eine am Frankfurter Museum für Moderne Kunst

Dass in aller Regel der zweite Mann (oder die zweite Frau) in der Hierarchie der eigenen Institution aus mehr oder weniger plausiblen Gründen nicht zum(r) ersten „aufsteigen“ kann, ist eine personalpolitische Binsenweisheit. So musste denn die Entscheidung über die Nachfolge des scheidenden MMK-Direktors Udo Kittelmann zugunsten einer Persönlichkeit von „draussen“ fallen. Also keine Überraschung, wenn der Kulturdezernent Felix Semmelroth den städtischen Gremien die 1967 in München geborene Kunsthistorikerin Susanne Gaensheimer zur Berufung an das MMK vorschlägt. Und doch eine Überraschung insoweit, als die Kandidatin in der Frankfurter Kulturszene bislang noch nicht sehr bekannt ist und auch nicht im oberen Bereich der einschlägigen Spekulationsskala „gehandelt“ wurde. Das mag nun eher ein Problem der die Gerüchteküchen anheizenden Personalspekulanten sein.

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(Museum für Moderne Kunst Frankfurt; Bildnachweis: MMK, Foto: Axel Schneider)

Nicht unähnliche Kompetenzabgrenzungsprobleme um den Sammlungsauftrag für Gegenwartskunst, wie sie in jüngerer Zeit am Museumsstandort Frankfurt am Main zu beobachten sind, kennt Gaensheimer aus ihrer Arbeit als Kuratorin für „Kunst nach 1945“ und Sammlungsleiterin an der Münchener Städtischen Galerie im Lenbachhaus, den meisten bekannt durch die Sammlung von Werken der Gruppe „Der Blaue Reiter“, aber auch durch vielbeachtete wechselnde Ausstellungen von Bildern, Objekten und Installationen international bekannter zeitgenössischer Künstler. Und auch die spezifischen Probleme eines letztlich der Kommunalpolitik (samt ihrer unter parteipolitischen Aspekten zusammengesetzten Gremien) unterworfenen Hauses dürften ihr kein Buch mit sieben Siegeln sein.

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(Städtische Galerie im Lenbachhaus München; Foto: Dominik Hundhammer wikimedia commons GFDL)

Die Fussstapfen, in die Susanne Gaensheimer in Frankfurt am Main eintreten wird, sind nach den Direktionen von Jean-Christophe Ammann und Udo Kittelmann gewiss nicht klein. Gerade letzterer hat sich durch eine Reihe spektakulärer Ausstellungen der deutschen wie internationalen Fachöffentlichkeit für höhere Weihen – wie seine Berufung an die Berliner Alte und Neue Nationalgalerie unter Beweis stellt – empfohlen. In Frankfurt baut man wohl auf Susanne Gaensheimers solide Arbeit als Kunstwissenschaftlerin wie Ausstellungsmacherin in München, und man hofft, dass sie die auch im weltweiten Vergleich einzigartigen Bestände des MMK stärker zur Geltung bringt, als dies vielleicht bislang unter der Leitung Kittelmanns der Fall war, der gerne auch das Unerhörte und Provokante in die Frankfurter Dom- bzw. Braubachstrasse holte (denken wir beispielsweise an Teresa Margolles oder jüngst Bernard Buffet).

Die Dominanz des ebenso dynamischen wie erfolgreichen de facto-Generaldirektors Max Hollein (Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung und SCHIRN Kunsthalle) wird für die neue Chefin des eher auf sich selbst gestellten, nicht mit einem überreichen städtischen Budget ausgestatteten, zuletzt in eine Art Defensive geratenen MMK eine Herausforderung sein, die neben viel Überzeugungskraft ein enormes Standing und ein auch Konflikten nicht aus dem Weg gehendes Durchsetzungsvermögen voraussetzt. Vielleicht kann es dabei eher einer Frau gelingen, im Frankfurter, bislang männerweltlichen, von Eitelkeiten nicht freien Kompetenzgerangel Pflöcke einzuschlagen, zumal wenn sie über „Sexualität und Destruktion. Aspekte der Gewalt im Werke Bruce Naumans“ promoviert hat. On verra – man wird sehen!

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