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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

”Mit meinem 3. Auge” – Fotografien von Horst Thürling im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs

Als Horst Thürling 1989 nach rund 25jähriger Tätigkeit als Kamera- und Chefkameramann des Hessischen Rundfunks die Fernsehkamera gegen den Fotoapparat tauschte, machte er eine aufregende Wiederentdeckung: das Hochformat! Es nahm ihn fortan in Beschlag, ebenso wie die Möglichkeiten der Standbildfotografie. Aus dem Chefkameramann entwickelte sich der Fotokünstler mit seither über zwanzig Ausstellungen in Deutschland und in Italien (dort liebevoll Oreste Thuerling genannt).

Thürling blieb und bleibt – wie alle ersthaften Fotokünstler – der analogen Technik verpflichtet. Eine nachträgliche Bearbeitung des Aufgenommenen findet nicht statt. Nur einen einzigen kleinen Trick wendet er hin und wieder an: Er lässt mitunter Schwarz-Weiss-Filme im Farblabor entwickeln – durchaus legitim und mit nur dem Kennerauge erschliessbarem, aber faszinierendem Ergebnis. Umgekehrt fotografiert er Motive mit Farbfilm – und sie erscheinen, zumal im Gegenlicht, dem ungeübten Betrachter schlichtweg schwarz.

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Farbe spielt für Horst Thürling, der von der Schwarz-Weiss-Filmtechnik kam und erst 1967/68 den überhaupt ersten Farbfilm für das deutsche Fernsehen drehte (”Von Mäusen und Menschen” nach dem Roman von John Steinbeck), eine zentrale Rolle: Aber insoweit, als er mit Farbe äusserst sparsam umgeht. “Bunte” Fotografie kommt für ihn nicht in Frage. Auch sieht er das Schwarz und das Grau in allen seinen Schattierungen als Farben an. “Wer damals von der Schwarz-Weiss-Technik kam”, erzählt er, “hatte eine bestimmte ‘Angst’ vor der Farbe, die bei vielen ins ‘Bunte’ abglitt”. Oft werden seine Motive wesentlich nur durch eine Farbe geprägt – zu dominieren scheint zuweilen das Blau. Porträts – als Ergebnis langer Sitzungen und Interwiews – nimmt er grundsätzlich in Schwarz-Weiss auf. Ergreifend in der Ausstellung das Porträt “Frau Dr. M.” – die Augen einer Chirurgin nach einer offensichtlich erfolglosen Operation mit vermutlich letalem Ende.

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Thürling fotografiert – und er erzählt damit von – Landschaften, Menschen, Begegnungen, Trennungen. Er schildert Reisende, Wartende, Verharrende, in sich versunken Erscheinende. Aber auch Eitelkeiten, Modisch-Zeitgeistiges. Oft mit Humor, menschlich-allzumenschliche Schwächen dekuvrierend, nie aber verletzend. Kinder spielen eine Rolle – nicht selten schauen sie mit dem Blick des wissenden, des im Bedrückenden erfahrenen Erwachsenen. Besonders interessieren ihn Spiegelungen und Puppen: dem Menschen nachgebildete, oft ihn verzerrende Schaufensterpuppen. Das verpfuschte Abbild, die verleumderische Pose. Das Gegenüber von Echt und Falsch, Sein und Schein. Die dazwischen zu verschwimmen scheinenden Grenzen.

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Horst Thürling hat den Blick des professionellen Fotografen, des den entscheidenden Sekundenbruchteil Erfassenden. Gleichwohl sind seine Fotografien von einer strengen Komposition. Und sie muten, obgleich nie das Dokumentarische verleugnend, in manchem malerisch an. Es sind allesamt Unikate: Mehr als der Originalabzug ist nicht erlaubt. Thürling signiert ihn.

Am kommenden Sonntag, den 29. Juni 2008, endet die Ausstellung im Nebbienschen Gartenhaus des Frankfurter Künstlerclubs. Kein Geringerer als der berühmte Frankfurter Maler und Zeichner Ferry Ahrlé hatte zur Eröffnung in sie eingeführt.

Frankfurter Künstlerclub im Nebbienschen Gartenhaus, Bockenheimer Anlage (gegenüber dem Hilton-Hotel)

(Bildnachweis: Frankfurter Künstlerclub; © Horst Thürling)

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