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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Karl-Ströher-Preis für Tamara Grcic

Zum 14. Mal verlieh jetzt die Karl-Ströher-Stiftung in Darmstadt den Karl-Ströher-Preis zur Förderung der Kunst, insbesondere der „zeitgenössischen bildenden Kunst unter Berücksichtigung junger Künstlerinnen und Künstler“, die bereits ein „gefestigtes Werk“ vorzuweisen haben. Wie erinnerlich bildet die Sammlung Ströher den Grundstock des Museums für Moderne Kunst Frankfurt (MMK) und nicht zuletzt den Anlass zu dessen Gründung.

1950 begründete der Darmstädter Unternehmer und Kunstmäzen Karl Ströher (1890-1977, Wella-Konzern) den nach ihm benannten „Ströher-Preis“ für Malerei. Zu den Preisträgern gehörten seinerzeit Künstler wie Ernst Wilhelm Nay, Fritz Winter oder Heinz Trökes. Seit 1986 vergibt die nach seinem Willen eingerichtete Stiftung den „Karl-Ströher-Preis“ in seiner heutigen Form. Die mit mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung teilt sich auf in ein Preisgeld von 10.000 Euro für das bisherige künstlerische Wirken des Preisträgers und einen gleichen Betrag für den Ankauf einer von ihm neu geschaffenen Arbeit. Dem Stiftungs-Kuratorium gehören zur Zeit Ulrike Crespo, Rainald Pohl (der auch die Preisurkunde überreichte) und MMK-Chefin Susanne Gaensheimer an. Preisträger der letzten Jahre waren Tobias Zielony (2011), Cyprien Gaillard (2009), Melvin Moti (2007), Marc Brandenburg (2005), Tobias Rehberger (2003), Michael Kalmbach (1999), Miriam Cahn (1997), Udo Koch (1995), Heiner Blum (1993), Andreas Slominski (1991), Rosemarie Trockel (1989), Christa Näher (1987) und Dieter Krieg (1986).

Preisträgerarbeit ist dieses Jahr die Installation „Numbers“ von 2014, die die Frankfurter Künstlerin Tamara Grcic eigens für die aktuelle Ausstellung „Boom She Boom“ im MMK 2 entwickelte. Sie geht als Dauerleihgabe der Stiftung in den Bestand des MMK über.

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Numbers, 2014, Glaszylinder, Herrenstrümpfe, Holzkonstruktion, 16 Lautsprecher, 2 Verstärker, Sound, Installationsansichten und Details

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Auf einer Holzplattform stehen dicht gedrängt rund einen Meter hohe Glaszylinder, deren Köpfe abgebrochen sind, so dass sie scharfkantig nach oben ragen; auf dem Boden liegen schwarze Herrenstrümpfe. Die Assoziation an die Frankfurter Bankentürme – in einem Hochhausturm mitten im Bankenviertel logiert auch das MMK 2 – und an klassische Fussbekleidung von „Bankern“ liegt auf der Hand und scheint von der Künstlerin intendiert zu sein. Zerbrechlich und verletzbar die „Hochhaus-Köpfe“: Warnung vor finanzkapitalistischer Hybris – aber auch die Apokalyptik des „9/11“ bleibt in Erinnerung. Aus den Lautsprechern intoniert eine gleichförmige Stimme Ziffern der geheimnisvollen, unendlichen Kreiszahl π (Pi). Dazwischen werden Gebote einer Auktion ausgerufen, wieder und wieder schlägt der Hammer für den Zuschlag auf den Tisch. Was wird hier versteigert? Immobilien verschuldeter und insolventer Eigner, Vermögensgegenstände aus Konkursen? Oder Kunstwerke im preisorgiastischen Kunstbetrieb?

Die bemerkenswert klare, wohlformulierte und mit auf das Publikum überspringender Verve und Leidenschaft vorgetragene Laudatio auf Tamara Grcic, die Leben und Werk der Künstlerin würdigte, hielt Carolin Köchling: solche Laudationes möchten wir gern öfter hören!

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Laudatorin Carolin Köchling und Tamara Grcic bei der Preisverleihung

Tamara Grcic, 1964 in München geboren, studierte zunächst in Wien Kunstgeschichte, anschliessend an der Frankfurter Goethe-Universität Kulturanthropologie und schliesslich an der Städelschule in der Filmklasse von Professor Peter Kubelka. 2010 hatte sie eine Gastprofessur an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg inne. Seit 2014 lehrt Grcic als Professorin für Bildhauerei an der Kunsthochschule Mainz. Die Künstlerin, die mehrfach Auszeichnungen erhielt und zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen bestritt, lebt und arbeitet in Wien und Frankfurt am Main.

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Karl-Ströher-Preisträgerin Tamara Grcic am 2. Juni 2015 im MMK 2

Fotos: FeuilletonFrankfurt

→ Tamara Grcic: “outside-here” auf dem Frankfurter Rossmarkt

→ Karl-Ströher-Preis 2011 an Tobias Zielony
→ Karl-Ströher-Preis an Cyprien Gaillard

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