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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Benefizkonzert mit dem Pianisten Burkard Schliessmann in Bad Homburg

Für die Sanierung der Schlosskirche und der Bürgy-Orgel

Von Petra Kammann

Der vielfach – auch international – ausgezeichnete Pianist Burkard Schliessmann, der u.a. gelernter Organist ist, bannte mit seinem virtuosen Pianospiel das Publikum mit einem ebenso umfangreichen wie anspruchsvollen Programm: mit Bachs „Piano Partita No. 2 In C Minor, BWV 826“ sowie der „Chromatischen Fantasie und Fuge MWV 903“,  Felix Mendelssohn Bartholdys „Variations sérieuses, op. 54“ , Robert Schumanns „Fantasie C-Dur, op. 17“ sowie mit Frédéric Chopin „Ballade Nr. 4 f-moll, op. 52“. Ein Abend, der für Nachhall sorgen dürfte! Der gesamte Erlös des Konzertes, das am 2. Dezember stattfand, kommt der Sanierung der Schlosskirche wie auch der Bürgy-Orgel zugute.

Burkard Schliessmann, Official Artist of Steinway & Sons in der Bad Homburger Schlosskirche, Foto: Petra Kammann

Jede Menge Bad Homburger Prominenz hatte an diesem Abend den Weihnachtsmarkt hinter sich gelassen und sich in der Schlosskirche zum Benefiz-Konzert eingefunden: Angefangen von der Stadtspitze Bad Homburgs, Oberbürgermeister Alexander W. Hetjes (CDU), über den für Finanzen zuständigen Staatssekretär Dr. Martin J. Worms, von der Fachbereichsleiterin für Kultur und Bildung, Dr. Bettina Gentzcke, die sich für das Konzert stark gemacht hatte, bis hin zu Kirsten Worms, der Direktorin der hessischen Schlösser- und Gärtenverwaltung, sowie Karl-Heinz Krug, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Bad Homburger Schloss e.V., der die Details erläuterte, die beim Sanierungsbedarf zu berücksichtigen sind.

Kirsten Worms, Direktorin der hessischen Schlösser- und Gärtenverwaltung hielt das Grußwort, s.u., Foto: Petra Kammann

Allein das Bad Homburger Schloss ist eine Kostbarkeit der Region, das gerade aufwändigst restauriert wurde und auch noch weiter renoviert wird. Die dazugehörige barock-klassististische Schlosskirche ist es ebenso. Erbaut wurde sie im Zuge des Neubaus der Schlossanlage durch Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (1633-1708). Schon vor mehr als 30 Jahren hatten sich geschichtsbewusste Bürger aus dem Rotary Club Bad Homburg-Schloss der vergessenen Kleinodien aus dem landgräflichen Erbe angenommen, um das vernachlässigte Gebäude wieder in Erinnerung zu rufen, und es allen wieder zugänglich zu machen. 1989 war es dann soweit.

Heute kann die 300 Jahre alte Schlosskirche, in der sich die Landgrafengruft des Hauses Hessen-Homburg befindet,  übrigens bei der Führung durch den Elisabethenflügel und während der „Literarischen Führung“ durch das Bad Homburger Schloss auch besichtigt werden. Abgesehen von der Verleihung des renommierten Hölderlin-Preises, die alljährlich im Juni in der Schlosskirche stattfindet, bietet dieser traditionsreiche Ort schon allein wegen der Holzeinbauten einen hervorragenden Resonanzraum und hat sich damit bestens für Orgelmatineen bewährt, die das Kuratorium Bad Homburger Schloss e.V. in Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten veranstaltet, aber auch für Konzerte schlechthin. Ein besonderes Schmuckstück ist dabei das Orgelgehäuse von Johann Conrad Bürgy (1721 bis 1792) auf der hinteren Empore.

Dr. Bettina Gentzcke erläutert die Schäden an den bemalten Holzeinbauten, Foto: Petra Kammann

Zwar war die Schlosskirche vor über 30 Jahren umfassend saniert worden, nun ist aber nicht zuletzt die Heizungsanlage auch unter energetischen Aspekten in die Jahre gekommen. Insbesondere die hölzernen Einbauten und Vertäfelungen im Innenraum leiden darunter und müssen restauratorisch überarbeitet werden. Ebenso besteht Erhaltungsbedarf an der historischen Bürgy-Orgel. Um die Sanierung der Holzeinbauten, die den Temperaturschwankungen unterliegen, voranzutreiben ebenso wie die Reinigung der besonderen Orgel und ihrer Pfeifen, bedarf es größerer Summen.

Blick auf die Bürgy-Orgel in der Schlosskirche, Foto: Petra Kammann

So wurde zwar im Rahmen der Sanierung 1989 auch die Orgel rekonstruiert, die im Jahre 1787 vom Homburger Orgelbauer Johann Conrad Bürgy erbaut worden war, und von der eben nur noch der Prospekt erhalten war. Heute dient sie immerhin als eines der Instrumente des internationalen Orgel-Festivals „Fugato“ in Bad Homburg. Bemerkenswert ist deren Echowerk, dessen Windladen und Pfeifen im unteren Teil des Orgelgehäuses untergebracht sind. Das alles muss nun für eine Weile noch einmal auseinandergenommen und gereinigt werden.

Rund 250 000 Euro müssen also insgesamt durch Spendengelder eingeworben werden, auch wenn sich hier die Stadt wie auch die Hessischen Schlösser- und Gärtenverwaltung zusammentun, Gelder teilen und Hand in Hand arbeiten. Die Einnahmen des Benefiz-Konzertes am 2. Dezember stellten in gewisser Weise den Auftakt für die Spendenaktion dar. Und die Eintrittserlöse fließen in das Projekt.

An diesem Abend steht aber auch prächtig ein von Daniel Brech, der sonst in der Alten Oper in Frankfurt die hochwertigen Konzertflügel vorbereitet, bestens präparierter und auf den Raum einjustierter Konzertflügel Steinway&Sons D-274 auf der Bühne. Es war zweifellos das Verdienst der engagierten Kulturbeauftragten Dr. Bettina Gentzcke, den international agierenden Pianisten und Steinway-Botschafter Burkard Schliessmann für das Benefiz-Konzert gewonnen zu haben. Er spielte ein anspruchsvolles und zur Historie des Ortes passendes Programm, beginnend mit dem Barockkomponisten Johann Sebastian Bach und seiner zweiten Partita BWV 826 und endend mit den Romantikern Schumann und Chopin.

Ein starker Aufschlag, da diese reiche Komposition unter den sechs Bach’schen Partiten als einzige mit sechs Sätzen ausgestattet ist. Denn hier ersetzte der Komponist die üblichen Suite-Sätze Allemande-Courante-Sarabande-Gigue durch eine festliche Sinfonia und erweiterte seine Komposition durch ein Rondeau und Capriccio, um die ganze Palette seines Könnens vorführen zu können.

Hochkonzentriertes Spiel, Foto: Petra Kammann

Also ein ambitioniertes Programm gleich zu Beginn, auch mit Bachs Chromatischer Fantasie, mit deren Interpretation Schliessmann fast, wenn nicht in die Moderne, so doch zur Romantik überleitete. Dem folgte eines der komplexen und wichtigsten Klavierwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy aus dem Jahre 1841: die Variations sérieuses op. 54, die, wie es in der Anweisung heißt „Durchaus phantastisch und liedenschaftlich“ vorzutragen seien.

Ausgehend vom  Andante sostenuto des Themas führen die fünf ersten Variationen ins Agitato. Die Zusatzbemerkung „sérieuses“ in Bezug auf die Variation hat Mendelssohn Bartholdy bewusst gewählt, weil zur selben Zeit die so beliebten „Variations “ auch durchaus etwas Oberflächlich-Dekoratives haben können, weil sie sich nur allzu oft in reinem Virtuosentum erschöpfen. In dem Reichtum an Modifikationen, den Mendelssohn hier ausbreitet, konnte Schliessmann seine ganze Virtuosität voll ausleben und erhielt dafür auch einen entsprechenden Applaus.

In der Pause stellte der Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Bad Homburger Schloss e.V  Karl Heinz Krug dann detailliert das Sanierungsprojekt mit den entsprechenden Kostenvoranschlägen vor, bevor nach der Pause die Fantasie C-Dur op. 17 von Robert Schumann erklang diese 1839 veröffentlichte Klavierkomposition, die neben den Kreisleriana und Kinderszenen zu Schumanns bedeutendsten Werke wie zum Grundbestand romantischer Klavierliteratur zählt. Schumann hatte sie dem verehrten Virtuosen Franz Liszt gewidmet, der ihm im Gegenzug seine große h-Moll-Sonate zueignete. Der literarisch versierte Schumann hatte die von der Natur inspirierte Strophe Friedrich Schlegels als Motto über seine Komposition gestellt:

„Durch alle Töne tönet
Im bunten Erdentraum
Ein leiser Ton gezogen
Für den, der heimlich lauschet.“

Auch hier wieder ein anspruchsvolles Klavierwerk voller visionärem Schwung, das Schliessmann wie alles andere auch frei aus dem Gedächtnisvortrug, bei dem man sich jedoch noch etwas mehr Schwingend-Schwebendes gewünscht hätte. Das kam dann stärker zum Tragen bei der sich anschließenden romantischen „Valse cis-Moll, op.64 Nr. 2“ von Frédéric Chopin, die der Komponist seiner bedeutenden Klavierschülerin Baronin Charlotte de Rothschild gewidmet hatte. Man spürte deutlich, dass der Schwerpunkt von Schliessmanns Repertoires auf den Komponisten der Romantik (Liszt, Schumann, Chopin) liegt, die er mit großer Tiefe immer wieder neu interpretiert und dem Publikum vermittelt. Schon mit Schumann, vor allem aber mit Chopin hatte er sich warm und komplett freigespielt und war ganz in seinem Element. Hinzukommt, dass die „Valse cis-Moll“ mit ihrer melancholischen Seufzermotivik heute zum pianistischen Kernrepertoire gehört und sicher zurecht zu einer der beliebtesten Klavierstücke Chopins wurde. Das Publikum dankte dem Pianisten das Spiel mit starkem Applaus. Und der Pianist verbeugte sich als Geste der Dankbarkeit vor dem Instrument, das ihn getragen hat.

Burkard Schliessmann

Der Pianist Burkard Schliessmann ist bereits in vielen großen Konzerthäusern Deutschlands (z.B. Alte Oper Frankfurt, Elbphilharmonie Hamburg) sowie in der Welt (z.B. Carnegie Hall New York, Esplanade Concert Hall Singapore) aufgetreten.

Schliessmann lebt und arbeitet in der Rhein-Main-Region sowie in den USA. In den Vereinigten Staaten wird er als „most compelling artist of the modern era“ bezeichnet. 2019/2020 erhielt er für seine Verdienste in der Musik die „Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main“.

2022 wurde er u. a. für sein Album „At the Heart of the Piano“ mit gleich zwei Nominierungen für den „Opus Klassik Award“ in den Kategorien ‚Instrumentalist des Jahres‘ und ‚Solistische Einspielung Instrument‘ bedacht.

Burkard Schliessmann ist „Official Artist of Steinway & Sons“ 

Johann Sebastian Bachs „Goldbergvariationen“ gehören zu den wenigen Meisterwerken der Musikgeschichte, deren Einspielungen immer neue Facetten der Musik offenbaren. Schliessmann legte in diesem Jahr auf zwei SA CDs seine persönliche Sichtweise auf diesen Variationszyklus vor und berücksichtigt dabei alle Wiederholungen.

Das Benefiz Konzert war eine Veranstaltung des Magistrats der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe, des Fachbereichs Kultur und Bildung, in Kooperation mit dem Kuratorium Bad Homburger Schloss e. V. und den Staatlichen Schlössern und Gärten Hessen.

 

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