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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Archiv für September, 2014

Galerie Gisela Heier feiert 20jähriges Jubiläum

2014, September 11.

Kleinere und grössere Schätze – fast im Verborgenen
Grosse Übersichtsschau der bisher präsentierten Künstler

Es ist eine ungewöhnliche und allein deshalb bereits überaus bemerkenswerte Galerie. Der nicht nur aus Frankfurt am Main, sondern aus allen möglichen Regionen erwartungsvoll in die Wiesbadener Holzstrasse, zur Hausnummer 29 Anreisende findet sich dort, nicht wenig staunend, vor der Pförtnerloge der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden wieder. Das geschulte Auge der freundlichen Beamten erkennt jedoch alsbald, dass der Fremde sich nicht zum Antritt einer Strafhaft meldet, sondern dem Kunstgenuss entgegenstrebt, und die bereits geöffnete Tür zur Galerie – sie befindet sich im ehemaligen Freigänger- und heutigen Gästehaus der Strafanstalt – lädt zum willkommenen Besuch ein.

Auch dort aber staunt der Jünger der schönen und bildenden Künste nicht schlecht: Die Künstlerin Maria Kühnen-Lusch hat in der Galerie – einem wohnzimmerähnlichen grossen Raum und einem langen Flur mit Türen links und rechts, die zu den vormaligen „Zellen“ der Freigänger führen – eine farbige Lichtinstallation kreiert. Seit Beendigung dieser Unterbringung wohnen heutzutage temporär in Wiesbaden beschäftigte Justizbedienstete in diesen Räumen und sogar gelegentlich – während ihres Aufenthalts in der Landeshauptstadt – Künstler!

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Die Galeristin Gisela Heier im Galerieflur mit der Lichtinstallation von Maria Kühnen-Lusch

In diesen Tagen und Wochen blickt die Galeristin Gisela Heier auf 20 Jahre Wirken und Leben für die Kunst zurück Weiterlesen

Fides Becker und Bea Emsbach in der Oberfinanzdirektion Frankfurt

2014, September 10.

„human traces“

Von Brigitta Amalia Gonser
Kunstwissenschaftlerin

Unter dem gemeinsamen Motto „human traces“ stellen in der Oberfinanzdirektion in Frankfurt am Main zwei außergewöhnliche Frankfurter Künstlerinnen und empirische Kulturanthropologinnen – Fides Becker (geb. 1962) und Bea Emsbach (geb. 1965) – im Tandem ihre Aufzeichnungen menschlicher Spuren in ihren neuesten Werken vor.

Kulturanthropologen untersuchen den Menschen im Verhältnis zu seiner Kultur. Sie erforschen empirisch, problemorientiert und gegenwartsbezogen soziale Geflechte und deren Sitten und Bräuche. Mit Hilfe vergleichender Methoden zeigen sie Konstanz und Wandel des Alltagslebens in Vergangenheit und Gegenwart auf.

Bea Emsbach widmet ihr gesamtes Werk der Erforschung der menschlichen Natur, der zwischenmenschlichen Beziehungen und der gegenseitigen Abhängigkeiten. Ihr spezifisches Medium ist die Zeichnung, wobei neben ihren roten linearen Tintenzeichnungen vor allem ihre Kolbenfülleraquarelle der letzten Jahre zusehends malerischer werden und sie auch größere Formate wagt.

Für Bea Emsbach ist Zeichnen ein sowohl intuitiver als auch in hohem Grade gesteuerter Prozess: „Zeichnen als Ringen um die Bilder aus dem Bodensatz des allgemeinen Unterbewussten und der Mythen, aber aus einer bewussten Beschäftigung mit Anthropologie und Psychologie. Es ist der Versuch, sie zu bergen im Bewusstsein, dass das meiste unsagbar bleibt. Was der Betrachter schließlich zu sehen bekommt, sind die Forschungsergebnisse eines subjektivistischen Naturstudiums, anthropomorphe Pflanzen und Protagonisten eines inneren Naturvolkes, dessen Riten ein Stück weit rätselhaft bleiben und zugleich eine Vielzahl an Assoziationen hervorrufen.“

Der Mensch mit seinen Befindlichkeiten spielt auch im Œuvre von Fides Becker eine zentrale Rolle. In ihrer reinen Malerei auf Leinwand reflektiert sie alltägliche Gegenstände, Räume und Landschaften, die kulturell konnotiert sind. Sie lädt sie psychologisch mit Emotionen auf und verleiht den toten Dingen ein eigenständiges Leben, wodurch sie etwas Organisches, Wesenhaftes erhalten und gelegentlich auch eine ambivalente Bedeutung dazu. Dabei entwickelt und verfolgt sie ihre malerischen Strategien im illusionistischen Bildraum. Sie liebt das große Format. Die Auseinandersetzung mit dem Raum hatte somit immer eine wichtige Bedeutung“, sagt Fides Becker, „und mit der Malerei direkt in den Raum zu gehen, war somit eine natürliche Konsequenz. In der ortsbezogenen, raumgreifenden Malerei entfaltet sich für mich eine neue Dimension.“

Während Bea Emsbach mit der Omnipräsenz der menschlichen Figur arbeitet, leben Fides Becker neueste Arbeiten von der gänzlichen Absenz derselben, trotzdem ist darin das Menschliche immer noch anwesend. Die Bildwelten der beiden Künstlerinnen ergänzen sich so komplementär. Wobei Natur für beide Zuflucht bietet: sie kann bergen und verbergen.

Parallele Studienzeiten und -plätze verbinden die beiden Künstlerinnen. Fides Becker absolvierte ihr erstes Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Thomas Bayrle, während Bea Emsbach bei Manfred Stumpf an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main studierte. Beide Künstlerinnen kamen in den Genuss des Atelierstipendiums des Künstlerhauses Schloss Balmoral in Bad Ems und zählen zu den aktiven Mitgliedern der Darmstädter Sezession.

Durch Stipendien geförderte Arbeitsaufenthalte führten Bea nach Venedig und Südkorea und Fides nach Rotterdam, Amsterdam, New York, Salzburg und Paris, nach ihren Zusatzstudien in Berlin und Rotterdam. Außerdem bekam Bea u.a. den Maria Sybilla Merian-Preis und den Marielies Hess-Kunstpreis.

Bea Emsbach entwickelt ein strukturalistisches, imaginäres, kulturanthropologisches Weltbild. Sie animiert es durch ein „primitives“ soziales Gefüge eines inneren Naturvolkes, das sich über wechselseitige Beziehungen zwischen archetypalen Agenten definiert.

Sie ist geprägt von Claude Lévi-Strauss‘ strukturaler Anthropologie und vor allem von seinem Buch „Das wilde Denken“, dessen Thesen ihr Œuvre sichtbar beeinflusst haben (La pensée sauvage, dt. v. Hans Naumann, Das wilde Denken, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973).

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Nest, 2014, Tusche auf Leinwand, 150 x 200 cm; Foto: FeuilletonFrankfurt
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Medardo Rosso und On Kawara: Bedeutende Neuerwerbe für Städel Museum und MMK

2014, September 9.

Von Erhard Metz

Die Sammlung eines Museums sollte in gewisser Weise einem Organismus ähneln: leben, sich entwickeln und erweitern. Wie schon in vergangenen Zeiten und besonders heutzutage ist sie dabei auf vielfältige Unterstützung angewiesen, in Gestalt von Vermächtnissen, Schenkungen, Spenden und sonstige Formen von Zuwendungen. Jüngste Beispiele sind Ankäufe des Städel Museums und des Museums für Moderne Kunst MMK, die durch derartige Initiativen ermöglicht wurden.

Dank der grosszügigen Spende einer dem Haus besonders verbundenen Mäzenin konnte das Städel Museum in diesem Frühjahr die Skulptur „Aetas Aurea“ von Medardo Rosso, neben Auguste Rodin und Aristide Maillol einem der bedeutenden Vertreter der modernen Skulptur, für seine Sammlung erwerben.

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Medardo Rosso (1858–1928), Aetas Aurea, ca. 1902, Bronze, H 60,1 cm (mit Sockel), Städel Museum, Frankfurt am Main; Foto: Städel Museum – ARTOTHEK Weiterlesen

ATELIERFRANKFURT rüstet sich für die Wiedereröffnung

2014, September 5.

Benefiz-Auktion zu Gunsten des Umbaus von

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Von Erhard Metz

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Eingang zum ATELIERFRANKFURT

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Der Brunnen im Hof muss sein Wasser noch eine Zeitlang für den Um- und Ausbau des geschichtsträchtigen, 1912 errichteten ehemaligen Lagerhauses im Frankfurter Ostend liefern, in dem das Kunst- und Ausstellungshaus ATELIERFRANKFURT sein nächstes Zuhause haben wird. 130 Künstlerateliers nebst Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen wird es haben Weiterlesen

MMK 1 eröffnet mit Subodh Gupta

2014, September 3.

MMK 1? Sie haben, liebe Leserinnen und Leser, richtig gelesen: MMK 1. Denn es gibt künftig das MMK 1, das MMK 2 und das MMK 3!

Immer wieder begegnen wir, zumal in Frankfurt am Main, dem allgegenwärtigen Goethe:

„Du mußt versteh’n!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei laß geh’n,
Und Drei mach gleich,
So bist Du reich …“

Natürlich werden Sie sich an den Beginn des Hexen-Einmaleins erinnern, aus der Szene „Hexenküche“ im Drama „Faust I“. Dass es künftig drei MMK’s geben wird, ist nun allerdings keine Hexerei, sondern dem unermüdlichen Engagement der MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer zu verdanken.

Das berühmte „Tortenstück“ an der Domstrasse, das Haupthaus des Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Main MMK, wird künftig als MMK 1 zum einen der permanenten Präsentation der Spitzenwerke der Sammlung vorbehalten sein: Werken von Andy Warhol etwa, von Claes Oldenburg, Roy Lichtenstein, Walter de Maria, Hanne Darboven, Alighiero Boetti, On Kawara, Blinky Palermo, Joseph Beuys, Gerhard Richter, Rosemarie Trockel, Douglas Gordon, Isa Genzken oder Wolfgang Tillmans. Zum anderen werden wie bisher in grossen Wechselausstellungen und Retrospektiven die Arbeiten international bedeutender Gegenwartskünstler vorgestellt werden.

Im künftigen MMK 2 – der demnächst im September eröffnenden Dependance des Museums im TaunusTurm – werden Wechselausstellungen aus Werken der Sammlung des MMK zu aktuellen Themen der Gegenwart gezeigt, wobei auch Aspekte von Architektur, Urbanismus, Arbeit, Design und Mode ebenso wie sozialpolitische Fragestellungen thematisiert werden.

Das bisherige MMK Zollamt wird das künftige MMK 3. Präsentiert werden dort die aktuellsten Positionen der Gegenwartskunst, ferner die  Ausstellungen der Absolventen der Städelschule oder der Stipendiaten der Jürgen Ponto-Stiftung.

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Subodh Gupta; Bildnachweis MMK, Foto: Dia Bhupal Weiterlesen

Forschungen zum Kosmos und im Ich: die Frankfurter Künstlerin Elizabeth Dorazio

2014, September 1.

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Elizabeth Dorazio in ihrem Atelier, im Hintergrund ihre Arbeit „mundos da vitalidade“, Foto: FF

Ein wenig gewundert haben wir uns schon, als wir Elizabeth Dorazio in ihrem Atelier besuchten: im schicken „WestendCarree“ mit Empfangshalle nebst Pförtnerin, die uns freundlich den Weg wies. Einen Flur ging es entlang, die von ihm abzweigenden Räume sind temporär Künstlern und Schaffenden der „Kreativwirtschaft“ überlassen. Das Entgelt dafür erscheint erstaunlich moderat. Demnächst jedoch wird der Komplex sozusagen „ordentlich“ vermietet, Künstler und Kreative werden also ausziehen müssen. Weiterlesen