home

FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Opelvillen-Ausstellung „Frida Kahlo. Ihre Fotografien“ wird verlängert

Großartige Schau auf Rekordkurs – Vermittlungsprogramm wird ausgebaut

von Hans-Bernd Heier

Aufgrund des großen Publikumsinteresses wird die vielbeachtete Ausstellung »Frida Kahlo. Ihre Fotografien« in den Opelvillen um einen Monat bis zum Sonntag, den 3. März 2024, verlängert. Perla Labarthe, Direktorin des Frida Kahlo Museums in Mexiko-Stadt, lobte die Präsentation in Rüsselsheim als sehr gelungen und freut sich, dass der fotografische Nachlass von Frida Kahlo einen derartig starken Zuspruch mit bereits weit über 10.000 Gäste bislang erfährt. In den zusätzlichen vier Wochen wird laut Dr. Beate Kemfert, Kuratorin und Vorstand der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen, „das umfangreiche Vermittlungsprogramm weiter ausgebaut, so dass sich Jung und Alt auf den Februar 2024 freuen können“.

Frida Kahlo, fotografiert von Guillermo Kahlo, 1932; © Diego Rivera & Frida Kahlo Archives, Bank of Mexico, Treuhänder im Diego Rivera and Frida Kahlo Museum Trust

Die Opelvillen präsentieren in der aktuellen Schau über 200 ausgewählte Fotografien aus der umfangreichen Bildersammlung von Frida Kahlo (1907–1954), die der Ausnahmekünstlerin als Erinnerung, Inspirationsquelle und Arbeitsmaterial dienten. Die Mexikanerin wurde durch ihre besondere Malerei zwischen Naiver Kunst, Surrealismus und Neuer Sachlichkeit zur bekanntesten Malerin des 20. Jahrhunderts, nicht zuletzt durch ihre autobiografischen Themen und die Verarbeitung ihres äußerst bewegten Lebens – ihre Krankheit, ihre Leiden, ihre Ehen mit Diego Rivera.

Nach einem Verkehrsunfall ist Frida für längere Zeit ans Bett gefesselt und beginnt ihre Erfahrungen, Schmerzen und Fantasien künstlerisch zu verarbeiten. „Ich bin nicht krank, ich bin zerbrochen, aber ich bin glücklich am Leben zu sein, solange ich malen kann“, so Frida selbst. Ihr aufregendes Leben fasste sie lapidar zusammen: „Ich habe in meinem Leben zwei Unfälle erlitten, bei einem wurde ich von einem Bus überfahren – der andere Unfall war Diego“; s. auch Bericht vom 18. November 2023 in FeuilletonFrankfurt.

Nickolas Muray und Frida Kahlo, fotografiert von Nickolas Muray, 1939; © Diego Rivera & Frida Kahlo Archives, Bank of Mexico, Treuhänder im Diego Rivera and Frida Kahlo Museum Trust

Erst fünfzig Jahre nach Kahlos Tod kam aufgrund einer testamentarischen Verfügung Diego Riveras ihr immenses privates Fotoarchiv ans Licht, das neue Einblicke vermittelt. In der beeindruckenden Ausstellung in den Opelvillen sind eine Reihe von Bildern ihres fotografischen Nachlasses zu sehen, die bis vor kurzem völlig unbekannt waren.

Bei der Sichtung des umfangreichen Archivs wurden von dem Fotohistoriker Pablo Ortiz Monasterio 241 Aufnahmen ausgewählt, um neue Erkenntnisse zum Verständnis einer Ikone des 20. Jahrhunderts aufzudecken. Dank Fridas Sammlung ist es möglich, die ureigene Geschichte dieser starken, faszinierenden Persönlichkeit offenzulegen und ihr Land in der Zeit zu zeigen, in der sie lebte.

Highlights des Rahmenprogramms im Februar

Frida Kahlo hatte eine ganz besondere Beziehung zur Fotografie: Sowohl ihr Vater Guillermo, der aus Pforzheim stammte, als auch ihr Großvater waren professionelle Fotografen. Guillermo Kahlo war ebenso ein genialer Fotograf und Dokumentarist der modernen Architekturentwicklung in Mexikos Hauptstadt wie der entfernten Landschaften und verwunschenen Orte. Seine Herkunft blieb lange Zeit im Dunkeln, auch weil Frida Kahlo diese sehr fantasievoll erfand, wie so viele Legenden, die sich um ihr eigenes Leben rankten.

Das Rahmenprogramm in den Opelvillen beleuchtet zum ersten Mal, welche Bedeutung die Fotografien des Vaters für das künstlerische Schaffen seiner berühmten Tochter hatte. Zu verdanken ist das Wissen um Guillermo Kahlo dem deutschen Forscherpaar Gaby Franger und Rainer Huhle aus Nürnberg, die in jahrelanger Archivrecherche neue Erkenntnisse lieferten. In ihrem Vortrag »Der geheimnisvolle Vater« am Sonntag, den 4. Februar um 18 Uhr, werden die Experten von ihrer Spurensuche nach bislang unbeachteten Urkunden zur Geburt, Taufe, Heirat oder Erbschaften berichten.

 Guillermo Kahlo, Selbstporträt ohne Jahresangabe, © Gaby Franger und Rainer Huhle 

An die handschriftlichen Widmungen von Guillermo Kahlo auf der Vorderseite seiner Porträtaufnahmen knüpft Dr. Beate Kemfert in ihrem Vortrag »Fridas Worte« am Montag, den 5. Februar um 17 Uhr an, wenn sie offenlegt, wie auch Frida Kahlo den Stift an Fotografien ihres Familienalbums und an ihre eigenen Bilder anlegte. Ihr dabei ganz eigener sprachlicher Ausdruck spiegelt ein Höchstmaß an Individualität. Allein ihre Beschriftungen der ausgestellten Fotografien verblüffen mit Wortschöpfungen und Sprachspielerei. Inwieweit Frida Kahlo nicht nur malerisches, sondern ebenso literarisches Talent hatte und auch die deutsche Sprache in ihren Texten integrierte, wird Beate Kemfert mit verschiedenen Beispielen weiterer Texte, Briefe und Schriften von Frida Kahlo näher beleuchten.

Ein besonderes Highlight ist das inklusive Konzert der BASISten des BASIS e.V. Mainspitze gemeinsam mit den „Glorias“, einem Schulchor der Johannes-Gutenberg-Schule Gernsheim, das am Sonntag, den 25. Februar um 18 Uhr im Ausstellungshaus stattfindet. Erwartet wird auch ein »special guest«, der laut Ankündigung im Rüsselsheimer Ausstellungshaus kein Unbekannter ist.

Das Orchester der BASISten; Foto: Marius Schmitt

Das Orchester die BASISten gibt es seit 2008. Jugendliche und junge Erwachsene mit mehrfachen Behinderungen bringen anhand einer speziellen Notation durch Farbpunkte verschiedene Instrumente zum Klingen. Das Repertoire wird stets erweitert und reicht mittlerweile von klassischen Highlights bis hin zu aktuellen Songs.

Die Zusammenarbeit mit den Glorias steht ganz im Zeichen des Ehrenamtes und der Inklusion. Das Konzert in den Opelvillen soll die Botschaft der gemeinsamen Freude an der Musik unterstreichen, die über alle Grenzen hinweg verbindet und Vorurteile gegenüber beeinträchtigten Menschen aus dem Weg räumt. Für das Ziel »ein Ort für alle zu sein« entwickelt das Opelvillenteam um Kuratorin Dr. Beate Kemfert beeindruckende neue Vermittlungs- und Veranstaltungsformate.

Karten sind ab sofort im Vorverkauf erhältlich unter termine@opelvillen.de oder telefonisch unter 06142 835 907. Das Ticket kostet 15 EUR und schließt den Besuch der Ausstellung ein.

Weitere Informationen zum Begleitprogramm unter:

www.opelvillen.de

Comments are closed.