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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Rosa Lachenmeier präsentiert „Bridges“ im Museumsschiff an der Weseler Werft

Ein Schiff wird kommen …, sang einst Lale Andersen. In Frankfurt am Main ist es bereits angekommen, am Nordufer, an der Weseler Werft (zwischen Flösserbrücke und dem „Oosten“) hat es festgemacht.

Es ist ein besonderes Schiff: die Péniche „Willi“ (vormals „St. Joseph“) des Vereins Historische Binnenschifffahrt, 1909 als antriebsloser Kanal- und Treidelkahn gebaut, 1961 motorisiert, 1983 stillgelegt und anschliessend von der Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschiffahrtsmuseums in Mannheim übernommen, später Museumsschiff des Mannheimer „Technoseums“, seit 2004 im Besitz des Vereins Historische Binnenschifffahrt in Muttenz/Schweiz, der es renovierte und 2007 wieder in Fahrt nahm. Seitdem hat das Schiff in verschiedenen Städten angelegt und über die Funktion eines Museumsschiffes hinaus als Ort kultureller Veranstaltungen eine neue, adäquate Aufgabe gefunden.

Seit Freitag vergangener Woche beherbergt es an der Weseler Werft die leider nur zehntägige Ausstellung „Bridges“ der Schweizer Künstlerin Rosa Lachenmeier. Bereits 2015 „bespielte“ sie den 33 Meter langen ehemaligen Laderaum des damals im Basler Rheinhafen vertäuten Schiffs mit einigen ihrer Werke. Für die aktuelle Ausstellung, zu der der Verein Historische Binnenschifffahrt gemeinsam mit dem Generalkonsul der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Markus Meli, eingeladen hatte, hat Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann die Schirmherrschaft übernommen.

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Oberbürgermeister Peter Feldmann, Schirmherr der Ausstellung, Rosa Lachenmeier und (rechts) Generalkonsul Markus Meli; Bildnachweis: Presse- und Informationsamt Frankfurt, Foto © Schweizerisches Generalkonsulat Frankfurt

Brücken über den Main sind das Thema der aktuellen Ausstellung der Künstlerin, Brücken, historische wie neuzeitliche, die die nördlichen mit den südlichen Stadtteilen der Mainmetropole verbinden, von grossem architektonischen wie zugleich wirtschaftlichem und kulturellem Interesse.

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Rosa Lachenmeier vor ihrer Arbeit „Tanz der Brücken“

„Frankfurt ist eine Stadt der Vielfalt und Gegensätze“, sagt denn auch Oberbürgermeister Peter Feldmann. „Tradition trifft auf Moderne, 180 Nationen bilden ein facettenreiches gesellschaftliches Miteinander und nirgendwo sonst sind unterschiedliche Milieus auf so engem Raum beieinander. Das ist es, was unsere Metropole so einzigartig macht. Dass die Ausstellung auf dem historischen Schiff ‚Willi‘ präsentiert wird, ist nicht nur ein Erlebnis für die Besucher, sondern auch Zeugnis der Jahrhunderte alten Binnenschifffahrt in der Region Frankfurt-Rhein-Main. Ich könnte mir keinen geeigneteren Ort vorstellen“. Und Generalkonsul Markus Meli fügt hinzu: „Das Schweizerische Generalkonsulat in Frankfurt bemüht sich seit Jahren, Brücken zu bauen zwischen schweizerischen Kunstschaffenden und der Rhein-Main-Region – speziell natürlich Frankfurt – und unterstützt zahlreiche Kulturaktionen. Diese seit vielen Jahren existierende fruchtbare Zusammenarbeit funktioniert sehr effektiv, natürlich und ohne feste Regelungen und Vereinbarungen. Sie lebt traditionell in beiden Richtungen und bringt Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet kontinuierlich mit den schweizerischen Regionen zusammen.“

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↑ Alte Brücke – Neue Brücke, Werknummer 1269, 2016, Acryl, Spray und Foto auf Leinwand, 50 x 160 cm
↓ Brückenhaus (Portikus; Ausstellungsansicht), Werknummer 1267, 2016, Acryl, Spray und Foto auf Leinwand, 50 x 160 cm

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Rosa Lachenmeier bedient sich einer von ihr entwickelten besonderen und aufwändigen Technik: Nach umfangreichen Recherchen vor Ort, hier konkret in Frankfurt am Main, fotografiert sie die verschiedenen Brücken über den Fluss. Die Fotografien überlagert sie am Computer und fügt sie kompositorisch zu einem Tableau zusammen, das sie auf die Leinwand druckt. Anschliessend beginnt sie mit den traditionellen Werkzeugen Pinsel, Rolle, Bürste und Spachtel den malerischen Prozess. Malerei und Fotografie bringt sie auf diese Weise in einen spannungsreichen, sich ergänzenden wie auch sich gegenseitig bedingenden Dialog. Erst mit dieser Malerei vertieft, erweitert und vollendet sie ihre künstlerischen Ideen, die sich im fotografischen Ausgangsmaterial angedeutet haben.

Es entstehen dynamisch komponierte, expressive wie zugleich manches Mal zarttönig-verschattete Bilder, in denen sich in Gestalt der Brückenbauwerke historische und neuzeitliche Funktionalität verbinden – hier sichtbare Konstruktion aus Mauerwerk und Stahl aus Gründerzeit und Jahrhundertwende, dort in Beton gegossener kühner Architektengeist der Moderne.

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Bridges – Brücken, Werknummer 1320, 2016, Acryl, Spray und Foto auf Leinwand, 60 x 50 cm

Reizvoll wie symbolträchtig die Idee, in welcher sich alles mit allem verbindet: das Schiff auf dem Wasser, Wasser bedingt Brücken, und diese wiederum finden ihren künstlerisch-reflektorischen Niederschlag und Ausdruck in den Arbeiten im Schiff.

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↑ Bridges – Brücken (Ausstellungsansicht), Werknummer 1264, 2016, Acryl, Spray und Foto auf Leinwand, 50 x 130 cm, Leihgabe Privatbesitz
↓ Tanz der Brücken, Werknummer 1268, 2016, Acryl, Spray und Foto auf Leinwand, 50 x 160 cm

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Rosa Lachenmeier, 1959 in Basel geboren, studierte Fotografie, Malerei und Kunstgeschichte an der dortigen Hochschule für Gestaltung und Kunst. Seit 1983 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. Sie bestritt mit ihren Arbeiten zahlreiche Ausstellungen und nahm an der ART Frankfurt, der ART Karlsruhe und der ART Bodensee teil. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Birsfelden bei Basel.

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Ausstellungsansicht im Laderaum

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Museumsschiff „Willi“ unter der Flagge der Schweizerischen Eidgenossenschaft an der Weseler Werft in Frankfurt am Main: rund 40 Meter lang und fünf Meter breit, knapp 310 Tonnen Tragkraft

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Rosa Lachenmeier: „Bridges“, Museumsschiff an der Weseler Werft, nur noch bis 10. Juli 2016

Abgebildete Werke © Rosa Lachenmeier; Fotos (soweit nicht anders angegeben): FeuilletonFrankfurt

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