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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

„Turm II“ von Werner Pokorny auf dem Campus Riedberg / 1

Grosse Dinge werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Mit grossen Kunstwerken verhält es sich nicht anders. Aber es sind nicht nur diese sprichwörtlichen Schatten, und „gross“ will hier nicht allein im Sinne von grandios, herausragend, epochal verstanden werden, sondern – auch – als hoch, schwer, voluminös. Die Installation einer Grossplastik setzt so manches voraus, über das sich ein zu späterer Zeit Vorüberschreitender kaum Gedanken machen wird.

Um die Errichtung einer grossen Skulptur geht es also, im öffentlichen Raum, unter freiem Himmel, in Frankfurt am Main, im neuen Stadtteil Riedberg und – wir sind jetzt am Ziel – auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität.

Das Kunstwerk? „Turm II“ heisst es.

Der Künstler? Kein anderer als der in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet spätestens seit August dieses Jahres nun wirklich jedem Kunstinteressierten bekannte Bildhauer Werner Pokorny. Die Stadt Mörfelden-Walldorf widmete ihm aus Anlass des 15jährigen Bestehens ihres jährlich stattfindenden Skulpturenparks eine grosse Einzelausstellung.

Am Beginn steht, wie bei allem und jedem, die Bürokratie, hier die Frage, ob zur Errichtung der Plastik „Turm II“, sie soll stolze rund sechseinhalb Meter an Höhe messen, etwa eine Baugenehmigung einzuholen wäre; denn zu den grundsätzlich „baugenehmigungsfreien Vorhaben“ – wir befinden uns bereits inmitten des Normengewirrs der Hessischen Bauordnung – zählen lediglich „Denkmäler, Skulpturen und ähnliche Anlagen“ bis 4 Meter Höhe (die verordnungstechnische Systematik reiht übrigens Skulpturen in die selbe Kategorie ein wie etwa Fütterungs- und Melkstände der Landwirtschaft, Heutrocknungs- und Pflückgerüste, Hochsitze und Wildfütterungsstände oder Schutzhütten für die Wanderschäferei und Imkerei, dies sei hier humoris causa vermerkt). Doch zum glücklichen Ende gab es wohl eine wie auch immer geartete Freistellung von einer Baugenehmigung oder ein Zeugnis der Unbedenklichkeit.

Zunächst galt es, den geeigneten Standort für die Skulptur zu finden, eine grössere, begrünte Freifläche, etliche Meter rechts der Abmarkungsstäbe. Nun benötigt eine Grossplastik ein solides Fundament, das auch frostsicher sein muss, damit im kalten Winter aus „Turm II“ kein „Schiefer Turm von Pisa“ wird. Also musste dafür die Baugrube ausgehobern werden, mindestens 70 cm tief. Ein Bagger rückte an, der erst einmal das Grobe besorgte, bevor zwei Arbeiter Hand anlegten und die Wände der Fundamentgrube fein säuberlich glätteten.

Nach getaner Arbeit sicherten sie, mit aller deutschen Gründlichkeit und allen entsprechenden Vorschriften gerecht, die Baugrube.

Eine Woche später wurde es dann spannend, denn der Beton für das Fundament wurde angeliefert. Und weil der schwere, vierachsige Fahrmischer nicht auf die leicht abschüssige Wiese fahren konnte, war erneut Handarbeit angesagt: Zwei Arbeiter füllten den Fertigbeton in Schubkarren und rannten gegen die Zeit an, um den schnell erhärtenden Betonbrei in die Baugrube zu füllen.

Nach einer Zeitlang Schubkarrenrennen was es dann geschafft: am Ende zeugte ein sauber geglättetes Quadrat vom Betonwürfel im grünen Rasen. Er braucht rund vier Wochen, um endgültig auszuhärten. Und dann, am 14. Dezember 2012, gegen 12 Uhr, wird es erst richtig spannend, wenn die Skulptur angeliefert und montiert wird! FeuilletonFrankfurt wird weiter berichten.

Fotos: FeuilletonFrankfurt

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