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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Ernst Ludwig Kirchner: Sensationeller „Fund“ in Frankfurt am Main, Kirchner-Premiere in Berlin

Die grossartige Ernst Ludwig Kirchner-Retrospektive im Frankfurter Städel-Museum (nur noch bis zum 25. Juli 2010!) fand und findet verdiente Resonanz landauf, landab von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen und noch heuer fast täglich in der FAZ. Da überrascht eine heutige Meldung des Hauses: Eine vermutlich in den 1930er Jahren in das Städel-Depot gelangte, bislang als eine Fälschung erachtete doppelseitig bemalte Leinwand wurde unlängst als Kirchner-Original identifiziert! Namhafte Kirchner-Forscher und -Experten Europas bezeugen es mit ihren guten Namen. Was bleibt uns anderes, als ihnen Glauben zu schenken.

Die von der Fachwelt auf das Jahr 1910 datierte Leinwand zeigt auf der – signierten – Vorderseite eine Waldszene (Moritzburger Teiche bei Dresden) und rückseitig – unsigniert – einen Akt in Kirchners Dresdner Atelier. Die Waldszene hat der Künstler, wie Infrarotaufnahmen zeigen, grossflächig überarbeitet und – Kirchner-typisch wie die doppelseitige Bemalung – nachträglich signiert und vordatiert. Der rückseitige Akt hingegen erfuhr keine spätere Überarbeitung – ein Glücksfall für die Kirchner-Forschung.

„Mit der Untersuchung des Gemäldes“, so Städel-Direktor Max Hollein, „konnten wir in einem ersten Schritt die Frage der Zuschreibung beantworten. Damit ist der Forschung ein wichtiges Gemälde Kirchners zugänglich gemacht worden. Darüber hinaus werden wir alle Spuren verfolgen, die sich durch die Veröffentlichung des Werkes erschliessen könnten, um dessen Entstehungsgeschichte und Provenienz zu klären.“

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Ernst Ludwig Kirchner, Szene im Wald, 1910, © Städel Museum Frankfurt am Main

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Ernst Ludwig Kirchner, Akt im Atelier, 1910, © Städel Museum Frankfurt am Main

Nun fügt es sich, dass wenige Stunden vor der Nachricht aus dem Städel das Berliner Brücke-Museum vermeldete, drei ihm vor kurzem aus einer Privatsammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellte Werke Ernst Ludwig Kirchners erstmals gemeinsam der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Haus habe damit seinen Bestand an Kirchner-Werken um weitere hochkarätige Exemplare auf insgesamt rund 400 Exponate erweitern können – eine der grössten Sammlungen, wenn nicht die grösste weltweit, von Arbeiten des Meisters.

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Ernst Ludwig Kirchner, Mädchenporträt, 1910,  © Brücke-Museum Berlin

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Ernst Ludwig Kirchner, Selbstbildnis mit Modell, 1910, © Brücke-Museum Berlin

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Ernst Ludwig Kirchner, Strassenszene mit grüner Kokotte, 1914,  © Brücke-Museum Berlin

Was denkt der staunende Journalist und Rezipient ob dieses zeitlichen Zusammentreffens? Zufall? Konkurrenz unter Kollegen? Honi soit qui mal y pense! Zumal die Städel-Retrospektive auch Werke des Brücke-Museums umfasst. Und: Konkurrenz belebt ja angeblich ohnehin das Geschäft!

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