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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Absolventenausstellung 2012 “Zauderberg” der Städelschule im MMK-Zollamt (3)

18 Absolventen der Staatlichen Hochschule für bildende Künste – Städelschule – aus den Klassen der Professoren Douglas Gordon, Judith Hopf, Michael Krebber, Tobias Rehberger, Willem de Rooij und Simon Starling präsentieren im MMK-Zollamt ihre Abschlussarbeiten aus den Bereichen Installation, Malerei, Skulptur, Film und Performance.

Während im vergangenen Jahr die Malerei im Vordergrund stand, fällt in diesem Jahrgang eine genreübergreifende Arbeitsweise der jungen Künstlerinnen und Künstler auf. Auf das Medium Fotografie spezialisierte Studierende integrieren beispielsweise performative Elemente in ihre Werke, oder Absolventen der Bildhauerklassen präsentieren malerische Arbeiten, wie auch umgekehrt Studentinnen und Studenten der Malerklassen Ausflüge in die Welt der Skulptur und der Installation unternehmen.

„Die Absolventen dieses Jahres zeigen einmal mehr, warum die Städelschule zu den besten Kunsthochschulen der Welt zählt. Von der Kunstakademie ins Museum für Moderne Kunst – dieser Ortswechsel markiert eindrucksvoll den Übergang vom Status des Kunststudenten zum Künstler“, sagt denn auch Städelschulrektor Nikolaus Hirsch.

Aus der Fülle der Werke können hier wiederum nur einige wenige Positionen näher betrachtet werden, wobei alle Auswahl wie stets subjektiv ist. Und wir sind, wie in Folge 2 bereits ausgeführt, nicht überrascht, ganz überwiegend konzeptuelle Arbeiten anzutreffen, die dem Betrachter einen weiten Assoziations- und Interpretationsrahmen einräumen.

Eloise Hawser, 1985 in London geboren, aus der Klasse von Tobias Rehberger, bezaubert und irritiert mit einer Papierarbeit auf einem metallenen Unterbau, einem von jalousieartigen Lamellen umschlossenen Korpus. Natürlich ist der Schwan ein „Hingucker“ beim Publikum, das auch unbedingt wissen will, was das Wagnerianern bestens bekannte Tier auf seinem Rücken trägt, wo ihm schon der Blick in das Innere des „Rolladenkastens“ verschlossen bleibt. Aber auch die Ansicht von oben auf den Schwan liefert keine Gebrauchsanweisung für den Eiligen.

Eloise Hawser, Untitled, 2012, Skulptur, Papier, galvanisierter Stahl, 117 x 40 x 120 cm

Handreichungen zur verständigen Betrachtung gewährt uns ebensowenig Florian Auer, 1984 in Augsburg geboren, dafür umso mehr ein ganzes Konvolut hintergründiger wie verhalten-witziger Arbeiten. Das Mehrzweckgerät vor der verklinkerten Hauswand gibt Spielraum für allerlei Fantasien, die messerbewaffnete Hummerzange kann uns, da im Glaskasten sicher verwahrt, nichts anhaben, und in das Räderwerk der Sushi-Maschine muss man ja nicht hineingreifen, wenn man an der Kurbel dreht. Einen neugierig machenden Kontrast bilden die sich übermütig in den Raum drehenden Spiralen mit der geometrischen Strenge des ihnen verhafteten Hintergrunds. Eine gelungene Abschlussarbeit in der Klasse von Tobias Rehberger.

Florian Auer
↑  Not Yet Titled (surf and turf), 2012, Installation, verschiedene Materialien, Dimensionen variabel;
↓  Not Yet Titled (Sushi machine), 2012,Installation, verschiedene Materialien, Dimensionen variabel

Hannes Michanek aus der Malerei-Klasse von Michael Krebber, 1979 im schwedischen Kristianstad geboren, gehört zu den Künstlern, die bereits während ihres Studiums zu einer unverwechselbaren Palette und Bildsprache gefunden haben und gleichwohl stets um neue Ausdrucksmöglichkeiten ringen. Seine oft grossformatigen, detailreichen, sowohl figurativen wie abstrakten Bildelemente und -kompositionen fanden bereits im Sommer in einer Gruppenausstellung im Frankfurter Kunstverein grosse Aufmerksamkeit.

Hannes Michanek (rechts) und Kurator Bernd Reiß vor: Shattered bits and pieces, 2012, Öl auf Leinwand, 200 x 380 cm

Der heiter-ironischen Arbeit „Autist im Nebel“ von Othmar Farré, 1985 in Brig geboren, Schüler von Tobias Rehberger, begegneten wir bereits beim diesjährigen Städelschul-Rundgang. In seiner Absolventenarbeit kombiniert er das Bild mit einem Ensemble aus einem weissen Sofa und zwei Bildtafeln, die er jeweils sauber und faltenfrei mit einer transparenten PVC-Folie überzog. Kühl, steril, aseptisch die Atmosphäre. Das von der Einschweissung in Folie verschont gebliebene wandhängende Bild will nun jedoch nicht so recht zu dem genannten und überzeugenden Ensemble passen.

Othmar Farré, Amerikanische Lösung, 2012, Malerei, Sofa, PVC-Folie, 280 x 190 x 100 cm

Der Ire Timothy Furey, 1981 in Cork geboren, baut uns (Klasse Michael Krebber) ein Büro oder Atelier, vielleicht eines Designers in der Werbe- oder Automobilindustrie, das obligatorische Grün in Gestalt einer Zimmerpalme darf nicht fehlen. Aber dem inspirativen Geist des Abwesenden scheint es an Beflügelung zu mangeln: Uralt-Karosserien in blassem Ausdruck an den Wänden, das weisse Zeichenblatt lust- und ideenlos bekritzelt, ein hässlicher Farbklecks auf der Arbeitsplatte, da hilft auch der Fön nichts mehr, der zur Ausstellungseröffnung noch fehlte.

Timothy Furey, Enter Through The Gift Shop, 2012, Installation, Inkjet und Siebdruck auf Papier, Dimensionen variabel

Und wo wir schon vom Grün handeln, begeben wir uns zu einer nachdenklich stimmenden Installation von Veit Laurent Kurz, 1985 in Erbach geboren, ebenfalls aus der Klasse von Michael Krebber. Das Grün ist nur noch künstlich, virtuell. Eine Webcam beobachtet die Modellbahn-Szenerie im transparenten Würfelquadrat, doch deren USB-Anschluss liegt ebenso kontaktlos auf dem Boden wie derjenige der „Interfacepaintings“ an der Wand. Selbst Spielzeug- und virtuelle Welt kommen nicht zusammen, und die Natur ist sowieso längst im Cyberspace des World Wide Web verschwunden. Ist Rettung noch möglich?

Veit Laurent Kurz, Wald und Wiesen Sculpture („Wald und Wiesen“-series 4), 2012, Holz, Metall, Spachtel, Modellgras, Plastik, Modellbäume, Steine, Stative, Lack, Sprühfarbe, Webcam, USB-Kabel, 150 x 60 x 70 cm

Veit Laurent Kurz, Interfacepainting # 1 of 2 und # 2 of 2 („Wald und Wiesen“-series 4), 2012, jeweils Acryl auf Leinwand, USB-Stick, 70 x 50 x 2 cm, präsentiert auf tft-Wandstativ

An der wiederum gelungenen, einfalls- und ideenreichen Ausstellung nehmen ausserdem – mit nicht minder beachtlichen Arbeiten – die Städelschulabsolventen Logi Bjarnason, Helen Demisch, Samuel Forsythe, Edgars Gluhovs, Lars TCF Holdhus, Aki Nagasaka, Charlotte Simon, John Skoog und Stewart Uoo teil.

Ausstellung „Zauderberg. Absolventen der Städelschule 2012“, Museum für Moderne Kunst Frankfurt – Zollamt, bis 11. November 2012

(abgebildete Werke © jeweilige Künstlerinnen und Künstler; Fotos der Installationsansichten: FeuilletonFrankfurt)

→   Absolventenausstellung 2012 „Zauderberg“ der Städelschule im MMK-Zollamt (1)
→   Absolventenausstellung 2012 „Zauderberg“ der Städelschule im MMK-Zollamt (2)

→  Absolventenausstellung 2013 der Städelschule “say my name, say my name” im MMK-Zollamt (1)

 

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