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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Albrecht Dürer – der „moderne“ Künstler der Renaissance

Ausstellung des druckgraphischen Werkes im Städel Museum Frankfurt am Main

Wer kennt ihn nicht, Albrecht Dürer … die Betenden Hände und den Feldhasen in den Andenkenbuden und Postkartenlädchen … sein berühmtes Selbstbildnis von 1498 im Prado, die vier Apostel in der Alten Pinakothek München, die Bildnisse der Elsbeth Tucher und des Jakob Fugger …

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Jetzt können wir den anderen Albrecht Dürer kennenlernen: Nach über 35 Jahren haben die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger sowie die Besucher des Städel Museums von fern und nah die Möglichkeit, die bedeutendsten, rund 130 Blätter seines druckgraphisches Werkes zu sehen. Aus konservatorischen Gründen kann dieses Opus lediglich in gewissen zeitlichen Abständen präsentiert werden; zuletzt wurde es im Sommer dieses Jahres im Guggenheim Museum Bilbao zu dessen 10jährigem Bestehen gezeigt. Mit über 330.000 Besuchern erzielte diese vom Städel Museum konzipierte Ausstellung einen überzeugenden Erfolg.

Das Städel Museum besitzt – in zumeist ausgezeichneter Qualität – nahezu sämtliche Kupferstiche, Holzschnitte und Radierungen dieses herausragenden Künstlers der Renaissance in Deutschland. Das Werk kann, auch im Vergleich zu dem Oeuvre Dürers als Maler und Zeichner, in seiner künstlerischen Qualität und seiner Bedeutung für die nachfolgende Entwicklung der deutschen und europäischen Kunst nicht hoch genug eingeschätzt werden.

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Adam und Eva
(Bildnachweis: Städel Museum; Foto: Peter McClennan)

Albrecht Dürer, im Jahre 1471 als drittes von 18 Kindern eines erfolgreichen Nürnberger Goldschmieds geboren, erlernte zunächst das väterliche Kunsthandwerk sowie das Gravieren. Sein malerisches und druckgraphisches Rüstzeug erwarb er sich in der Werkstatt des Nürnberger Malers Michael Wolgemut. Anschliessend begab er sich auf eine vierjährige Wanderschaft. 1494 brach er nach Venedig auf, einem der wichtigen Handelspartner Nürnbergs. Dort begegnete er der italienischen Renaissance – ein Zusammentreffen mit weitreichenden Folgen für seinen eigenen künstlerischen Werdegang und in dessen Ausstrahlung für die kulturelle Entwicklung in Deutschland im Spannungsfeld der herannahenden Reformation und der mit ihr verbundenen religiösen und gesellschaftlichen Verwerfungen.

In seinem druckgraphischen Werk erweist sich Dürer als ein in seiner Zeit aussergewöhnlich „moderner“ Künstler und Schrittmacher in der Anwendung der damals neuen Technik der Verfielfältigung: Gemälde wie Zeichnungen waren in aller Regel Unikate, die in den Besitz der Auftraggeber übergingen und meist nur in öffentlichen Räumen wie beispielsweise in Kirchen der Allgemeinheit zugänglich waren. Erst die Druckgraphik, die es erlaubte, von der Abbildung einige hundert Exemplare herzustellen, ermöglichte es dem Künstler, eigene, individuelle Vorstellungen und Inspirationen bildnerisch und gestalterisch umzusetzen und sie einem grösseren interessierten Publikum verfügbar zu machen.

Dürer nutzte diese Möglichkeiten von Anfang an: Mit dem gleichsam „neuen Medium“ der Holzschnitt- und insbesondere der Kupferstichtechnik schuf er ein neben seinen Gemälden und Zeichnungen eigenständiges künstlerisches Werk. Er vertrieb seine – zudem leicht transportablen – Blätter über die Handelswege in Deutschland und den Nachbarländern. Die Inspirationen, die Dürer von seiner Reise nach Italien empfangen hatte, gelangten auf diesen Wegen, in Gestalt ihrer künstlerischen Umsetzung in seinen gedruckten Arbeiten, auch wieder nach Italien zurück. Nicht zuletzt war die neue Technik die Grundlage für seinen beachtlichen materiellen Erfolg, der ihm Wohlstand und Ansehen sicherte. Ein grosszügiges Angebot des Antwerpener Magistrats zum Verbleib konnte Dürer ausschlagen – er kehrte als geachteter Künstler in seine Heimatstadt Nürnberg zurück, wo er 1528 verstarb.

 

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Das Liebespaar und der Tod
(Bildnachweis: Städel Museum; Foto: Peter McClennan)

Die ausserordentlich fein ausgeführten graphischen Arbeiten Dürers veranlassen den Betrachter zu genauem Hinsehen. Er wird sich dazu die notwendige Zeit nehmen müssen. Die Werke sind diese Zeit allemal wert: Zum einen lassen sie in besonderer Weise und sinnlicher Erfahrung die hohe künstlerische und handwerkliche Meisterschaft Dürers nachvollziehen; zum anderen vermitteln sie dem Betrachter einen geradezu minutiösen Einblick in die materiellen und sozialen Umstände sowie die Lebensgewohnheiten der Menschen in jenen Jahrzehnten seines Schaffens. Zugleich spiegeln sie die gewaltige Umbruchssituation wider, in der sich die Gesellschaft am Ausgang des Spätmittelters in der Berührung mit der neu entdeckten Antike, den Natur- und Geisteswissenschaften, dem Humanismus und dem reformatorischen Umfeld befand.

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Melencolia I
(Bildnachweis: Städel Museum; Foto: Peter McClennan)

Als Höhepunkte des – wie ausgeführt eigenständigen – druckgraphischen Werkes hat man vielfach neben zahlreichen Einzeldarstellungen die Zyklen Die Apokalypse und Das Marienleben sowie die Passionen (Grosse, Kleine und die Kupferstichpassion) bezeichnet. Spektakulär mutet der Grosse Triumphwagen des Kaisers Maximilian an. Geheimnisvoll bleibt die „Melencolia I“, eine allegorische Darstellung der Melancholie, einer der vier Charaktere der antiken Temperamentenlehre. Über kaum ein anderes Werk der Kunst ist bis in die heutige Zeit hinein so viel interpretiert, gerätselt, fantasiert und spekuliert worden. Der Faszination des jetzt in Frankfurt ausgestellten Originals wird sich kaum jemand entziehen können.

Das druckgraphische Werk Albrecht Dürers gehörte von Anfang an zum Kernbestand des Städel Museums. Es gründet massgeblich auf der Sammlung des Stifters Johann Friedrich Städel.

Zur Ausstellung erschien ein inhaltlich wie gestalterisch ausgezeichneter Katalog „Albrecht Dürer. Die Druckgraphiken im Städel Museum“, herausgegeben von Martin Sonnabend, dem Kurator der Werkschau.

Die Ausstellung lief bis zum 6. Januar 2008.

→  Städel Museum zeigt „Dürer. Kunst – Künstler – Kontext (1)

2 Kommentare zu “Albrecht Dürer – der „moderne“ Künstler der Renaissance”

  1. Joachim Franz
    4. Oktober 2007 04:46
    1

    Ganz besonders freue ich mich darüber, dass hier mir noch nicht bekannte Zeichnungen Dürers – nicht der zu genüge bekannte Hase – wiedergegeben werden. Dank dafür, denn bis in die Ausstellung selbst werde ich es aus Zeitmangel wohl nicht schaffen

  2. kikki
    2. November 2007 21:54
    2

    Die Bilder sind einfach nur fantastisch. Dürer war ein großer Künstler, wenn man seine Werke nicht gesehen hat, verpasst man wirklich etwas.

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