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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Städelschule: Rundgang 2014 (5)

Die „Speisung der 5000“?
Gegen Masslosigkeit, Verschwendung, Exzess?
Performance „Cooking Show” von Mike Bouchet und Paul McCarthy in „Filmküche“ und Lichthalle

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Eine Tonne – das sind 1000 Kilogramm – Rippchen (Sparerips), geschätzte 100 und mehr Flaschen Mississippi-Barbecue-Sauce: angeliefert, zubereitet und – wirklich alles? – verzehrt in der Städelschule, am Schlusstag der Rundgangsveranstaltung 2014. Blieb aber nicht doch etwas übrig? Und wer kriegte dann den Rest: die Frankfurter Tafel, oder „Weser 5“, oder vielmehr der Mülleimer?

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Eine Performance der weltweit bekannten und geschätzten Künstler Paul McCarthy und Mike Bouchet – veranstaltet im Aussenhof, der „Filmküche“ und der Lichthalle der Städelschule anlässlich ihrer zeitgleich mit dem Rundgang eröffneten Ausstellung „Powered A-Hole Spanish Donkey Sport Dick Drink Donkey Dong Dongs Sunscreen Model“ im Frankfurter Portikus. Ziel und Motiv der Performance liegen eigentlich auf der Hand: Anklage gegen die Dekadenz, die Masslosigkeit, die Verschwendungssucht, die Exzessivität in einer Welt von Konsum und ungezügeltem globalem Kapitalismus.

Denn halt: Fast eine Milliarde Menschen weltweit hungern!

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Passend dazu: Eine Dame spielte auf dem mit Sparerips bedeckten „Küchen“-Flügel, zwei sexy-rouge gekleidete Damen tanzten, zuweilen Sparerips nagend, oder räkelten sich lasziv auf dem unschuldig besseren Zeiten nachtrauernden Instrument. Gespenstig mit Mundschutz versehene und in Atomkraftwerksdress gekleidete Damen und Herren verfrachteten unablässig und fliessbandmässig das im Hof Gebratene in die „Filmküche“, andere zerlegten es dort in mundgerechte Portionen, und wieder andere schoben das solchermassen Bereitete in die Lichthalle.

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Was aber geschah dort? Hunderte und Aberhunderte Besucherinnen und Besucher kamen in die vom Geruch der Sparerips und Barbecue-Sauce geschwängerten Halle der Schule – und assen, was das Zeug hielt. Noch nie habe er eine solch gute Barbecue-Sauce gegessen, verkündete ein Besucher. „Köstlich, sehr gut, ausgezeichnet!“ klang es von anderer Seite. Man ass mit blossen Händen, die Sauce tropfte überall hin – die Performance geriet zu einem Volksfest. Eine Speisung der 5000? (Für Bibelvergessene: bitte mal in den vier Evangelien nachlesen!) Oder einfach das Ausleben des „Mitnahme-Effekts“? Nein, schelten wollen wir nicht.

Ambivalent: der Anblick massenhaft abgenagter Knochen. Und über artgerechte Tierhaltung wollen wir doch im Ernst nicht nachdenken – oder etwa doch?

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Übrigens: Es wurde nach Geheimdienst-(NSA-)Art und damit nach Herzenslust gefilmt und fotografiert!

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Kehren wir Friedrich Schiller wieder einmal um: Heiter ist das Leben und ernst die Kunst! Paul McCarthy und Mike Bouchet schufen durch diese Überfülle eine „skulpturale Komponente, die neben der Konsumkritik auch die zeitgenössische Kunstproduktion und Aspekte ihrer Kommodifizierung kritisch betrachtet. Die Filmküche der Städelschule wird so in eine ‚live‘ Fleisch-Abfertigungs-und Verzehr-Station verwandelt – ein historisches Event“ (Zitat Städelschule). Und ein toller PR-Akt allemal.

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Fotos: FeuilletonFrankfurt

→  Städelschule: Rundgang 2014 (6)

→  Städelschule: Rundgang 2014 (1)

→  Mike Bouchet & Paul McCarthy im Portikus:
“Powered A-Hole Spanish Donkey Sport Dick Drink Donkey Dong Dongs Sunscreen Model”

 

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