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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Douglas Gordon im Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main (1)

Der Künstler beim Presserundgang

MMK: „Douglas Gordon“

Er zählt zu den wichtigsten und einflussreichsten Künstlern seiner Generation, schreibt das MMK zur Eröffnung seiner grossen Ausstellung „Douglas Gordon“ – und dem ist nichts hinzuzufügen. Im Gegenteil: Der Name des bekannten Städelschul-Professors ist schon per se Programm. Das MMK hat dem Künstler fast die gesamte erste und die beiden grossen Ausstellungsflächen der zweiten Ebene gewidmet. Zu sehen sind zum einen seine grossen Film- und Videoinstallationen „Play Dead; Real Time“ aus dem Sammlungsbestand des Hauses, „k.364“, benannt nach Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia Concertante, Köchel-Verzeichnis 364, „Zidane: A 21st Century Portrait“ (in Zusammenarbeit mit Philippe Parreno) und „Henry Rebel“ (in Zusammenarbeit mit James Franco und Henry Hopper). In Ebene 1 überrascht eine über 600 Fotografien, Drucke und Objekte umfassende Installation „Straight to Hell“. Ferner sind dort die Installation „No Way Back“ und eine Anzahl von Arbeiten aus der Spiegel-Serie „Self-Portrait of You + Me“ zu sehen. Eine Reihe weiterer Video-, Wand- und Spiegelarbeiten runden die Präsentation ab.

Douglas Gordon – wir berichteten in anderem Zusammenhang über den Künstler-Professor – geht es in der Serie „Self-Portrait of You + Me“ oder in der Installation „Straight to Hell“ – wie prinzipiell auch in seinen anderen Arbeiten – um grundsätzliche Fragen der Wahrnehmung. Er bedient sich dabei der Spiegelungen und Doppelungen, der Fragmentierung und Zersplitterung mit dem Ziel der Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis.

Es war eine der wesentlichen – und dramatischen – Erfahrungen der Ur-Menschheit, sich selbst in einem Spiegelbild (in einer reflektierenden Wasserfläche etwa) zu erkennen, das eigene physische Ich zu erblicken und zu verstehen, sich selbst mit den eigenen Augen anblicken zu können – als eine Voraussetzung auch für die Erkenntnis der eigenen Innerlichkeit, der eigenen Psyche. Sobald sie dazu technisch in der Lage waren, stellten die Menschen später spiegelnde Oberflächen her, Spiegel aller Art wurden zu einem wesentlichen Gegenstand menschlicher Kultur. Dem Spiegelbild folgte das – vor allem künstlerische – Bedürfnis einer bewussten Selbstdarstellung, im weitverbreiteten Selbstporträt der Zeichner, Maler und Bildhauer. Es liegt auf der Hand, dass sich in diesem Prozess Fragen nach dem Wesen der Spiegelung, der Doppelung wie auch der Wiederholung und Wiederholbarkeit stellen.

Nicht von ungefähr also bedient sich Gordon in seinen Arbeiten der auch und gerade in der US-amerikanischen Pop Art massenhaft verbreiteten Bilder prominenter Idole wie eines Elvis Presley, einer Jackie Kennedy oder Marilyn Monroe, gar des Künstlers Andy Warhol selbst. Er verändert und verstümmelt diese Bilder mit Verbrennungen und appliziert die Fragmente auf Spiegel, die nun das Umfeld abbilden und in denen sich auch der jeweilige Betrachter abgebildet sieht. Er kann sich auf diese Weise in einem neuen Kontext auch zur Kultur- und zur Kunstgeschichte mit seinem Selbstbild auseinandersetzen.

In der Installation „Straight to Hell“ konfrontiert Gordon den Betrachter mit über 600 sorgsam gerahmten Bildern und Objekten, von denen angenommen werden kann, dass sie – wiewohl ungeordnet und ohne erkennbares System präsentiert – alle im Leben des Künstlers eine Rolle gespielt haben. Auch eine Reihe kleiner und kleinster Spiegel befindet sich in diesem Konvolut. Auf diese Weise entsteht ebenso ein „Spiegelbild“, ein „Selbstporträt“ des Künstlers, wie es in anderer und konventioneller Form ein Maler auf seine Leinwand bringt. Auch der Betrachter wird angesichts der verschiedenen Motive und im Prozess der Auseinandersetzung mit ihnen zu einer Erinnerung seiner selbst und damit im Hier und Heute zu seinem imaginierten wie realen „Selbst“ finden können.

MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer, MMK-Kurator Klaus Görner und Städelschul-Rektor Nikolaus Hirsch in der Pressekonferenz am 17. November 2011

(Fotos: FeuilletonFrankfurt)

–  Douglas Gordon im MMK – Teil 2

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