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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Städelschule

Städelschule: Rundgang 2018 (4)

2018, Februar 15.

Künstlerdasein im Prekariat –
Sehnsuchtsblick aufs Städel

Von Erhard Metz

Vier wunderbare Arbeiten, denen wir unseren eigenen Preis zugesprochen hätten, greifen wir aus dem diesjährigen Rundgang durch die Städelschule heraus.

Unlängst, Ende Januar, diskutierten der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und drei Mitbewerberinnen um dieses Amt im Ausstellungsraum Eulengasse mit Künstlerinnen und Künstlern über deren existentielle Situation in Frankfurt am Main. Ganz im Vordergrund standen dabei die für die meisten kaum mehr erschwinglich hohe Mieten für Ateliers und Wohnungen, ferner die notwendige Künstlerförderung wie auch eine Gründerhilfe beim Aufbau einer künstlerischen Existenz. Vier Studierende der Städelschule gaben in der jüngsten Rundgangsveranstaltung, so meinen wir, je nach Temperament und Inspiration ungewollt eine künstlerische Antwort darauf – mal deftig-sarkastisch, mal romantisch-poetisch.

Janusch Ertler, Kiste 1

Janusch Ertler baut im Zentrum der Lichthalle ein geniales Künstler-Einraum-Wohnschlaf-Atelier, ein fünf bis sechs Quadratmeter kleines „Zimmer“ (in Frankfurt für wieviel hundert Euro Miete monatlich?) sollte dafür reichen. Das – nicht ohne Ironie – fein säuberlich bezogene Bett fährt in den All-in-one-Atelierarbeitstisch ein, in den Bettschubladen lagern die fertigen wie unfertigen Arbeiten. Wenn er im Herbst sein Studium beendet haben werde, sagt der Künstlerstudent, werde er zunächst in solchen Umständen leben und arbeiten müssen. Und wiederum von feiner Ironie: Das Kunstwerk ist aus wertvollen Materialien handwerklich meisterhaft gearbeitet: aus afrikanischem Mahagonie und sibirischer Lärche.

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Städelschule: Rundgang 2018 (3)

2018, Februar 12.

Rundgangpreise 2018

Von Erhard Metz

Es fügte sich nun einmal, dass die am vergangenen Freitag für 18 Uhr ausgelobte – wie es hieß „feierliche“ – Eröffnung der Rundgangsveranstaltung durch die Städelschule mit der Verleihung der Rundgangpreise dieses Jahr in die „tollen Tage“ der karnevalistisch-närrischen Hoch-Zeit fiel. Und so schöpften wir zunächst einen dahin gehenden Verdacht, dass es angesichts dieses besonderen Umstands zu einem eben karnevalistisch orientierten Ablauf der Feier in der Mensa des Schulgebäudes kommen werde, als gegen 17 Uhr dort noch keinerlei Anzeichen irgendeiner Vorbereitung auf die für Preisstifter wie Städelschulstudierende beidermaßen bedeutsame Veranstaltung getroffen waren – als da wären Aufstellung einer größeren Stuhlreihe für die Repräsentanten von Sponsoren und Hochschule, Einrichtung und zumindest minimale Dekoration eines Podiums für die Ansprachen sowie einer angemessenen Übertragungsanlage (Mikrofon, Verstärker, Lautsprecher), wie dies in all den Jahren zuvor der Fall war. Nun, es wurde bereits 17.30 Uhr und darüber hinaus, die Mensa füllte sich minütlich, aber die erwarteten Anzeichen der erwähnten Art blieben aus. Man fragte sich: War eine künstlerische Aktion geplant, etwa ein Happening guter alter Art? Weiter nun, so gegen 17.45 Uhr, wurden erstmals erkennbar auch die Städelschuloberen des Problems gewahr, dass da irgend etwas nicht stimmte bzw. fehlte. Et voilà, schwuppdiwupp, stürzten hilfreich tätige Personen herbei, das Vermisste zumindest notdürftig zu etablieren, so dass es mit hinnehmbarer Verspätung endlich losgehen konnte. Wie auch immer: eine schöne Slapstick-Einlage – und wie sagt der karnevalistisch gestimmte Kölner: Et hätt noch immer jot jejange!

Das charmante Moderatorenpaar Viviana Abelson und John Ryaner Weiterlesen

Städelschule: Rundgang 2018 (2)

2018, Februar 10.

Von Erhard Metz

Hat eine Rundgangsveranstaltung der Frankfurter Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – nun (endlich) mal einen Skandal?

„Frankfurter Hauptschule (FHS) is an art collective affiliated with the Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt am Main in Germany. Since 2013, they explore the frontiers of art and pain within the public sphere, (social) media and art spaces“ ist auf der Website der „Frankfurter Hauptschule“ zu lesen. Wer sie aufruft, weiß damit sofort, worum es dem Künstlerkollektiv – zumindest auch – geht: um Anstoß zu erregen, um Provokation, um das Ausloten von Grenzen nicht nur der Kunst, sondern auch des Rechtsstaats. Bekannt wurde das Kollektiv bereits durch mehrere spektakuläre Aktionen am Rande der Legalität wie beispielweise die Verbreitung (vielleicht nicht dem einschlägigen Bayreuth-Pubkikum, aber jedem genauer Hinschauenden) erkennbar gefälschter Eintrittskarten für die Bayreuther Festspiele, um ein Zeichen der Kritik zu setzen an manchen als antisemitisch kritisierten Aussagen Richard Wagners. Wer sich also das Kollektiv sozusagen ins Haus holt, muss wissen, was auf ihn zukommt.

Worum geht es? Zunächst um dieses gleich an der Einfahrt zur Städelschule unübersehbar aufgestellte Objekt:

Ein demolierter und ausgebrannter – vermeintlicher – Streifenwagen der Polizei; Foto: Erhard Metz

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Städelschule: Rundgang 2018

2018, Februar 8.

Jahresausstellung der Studierenden der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule –

Von Erhard Metz

Das diesjährige Rundgangsplakat; Design © Mahya Ketabchi, 2018, Bildnachweis: Städelschule

Einmal im Jahr öffnet die 1817 gegründete Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – ihre Ausbildungsräume und Ateliers für die Öffentlichkeit zu den sogenannten Rundgängen, am kommenden Samstag, 10. Februar, und Sonntag, 11. Februar 2018, jeweils von 10 Uhr bis 20 Uhr. Bereits am morgigen Freitag kann das interessierte Publikum noch vor der abendlichen Eröffnungsveranstaltung einen entsprechenden „Schnuppergang“ unternehmen. Die Studierenden der international renommierten Professorinnen und Professoren Monika Baer, Johan Bettum, Peter Fischli, Douglas Gordon, Judith Hopf, Tobias Rehberger, Willem de Rooij, Amy Sillman und Haegue Yang gewähren einen Einblick in ihre Klassenateliers und Praxisräume in den beiden Hauptgebäuden Dürerstraße 10 und Daimlerstraße 32 und präsentieren dazu natürlich ihre aktuellen Arbeiten. Der Studiengang Curatorial Studies hat ein Programm von Vorträgen und Gesprächen in der Aula zusammengestellt. Die Film- und Videoarbeiten werden im Deutschen Filmmuseum gezeigt, der Master-Studiengang Architektur präsentiert aktuelle Projekte in den Klassenräumen im Gebäude Dürerstraße 24.

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Frankfurter Künstlerhilfe startet Auktion „Alle für Alle 2018“

2018, Januar 13.

Von Erhard Metz

Wir tun, was wir können,
damit die Künstler tun können,
was sie können.
Motto der Frankfurter Künstlerhilfe

Am Freitag, 19. Januar 2018, 18 Uhr, veranstaltet der Frankfurter Verein für Künstlerhilfe e.V. seine diesjährige Auktion „Alle für Alle 2018“ mit Werken von Preisträgern der Künstlerhilfe zur Unterstützung junger Absolventen der Städelschule Frankfurt und der HfG Offenbach. Die Versteigerung findet im Frankfurter Kunstverein statt. Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, wird um alsbaldige Anmeldung per Fax oder E-Mail (+49 69 15200520 / anmeldung@kuenstlerhilfe-frankfurt.de) gebeten.

Download Auktionskatalog Weiterlesen

Frankfurt 2017 – Eine Rückblende

2017, Dezember 30.

Ein Jahresreigen und Frankfurts beständiger Auf- und Umbau

Ein kleiner Rückblick auf das Jahr 2017 zeigt, wie vielfältig die kulturelle Szene in Frankfurt / RheinMain einst war und wie sehr sie heute immer noch in Bewegung ist. Typisch für die freie Bürgerstadt, in der die deutschen Kaiser gewählt wurden und viel später dann die erste deutsche Demokratie in der Paulskirche grundgelegt wurde. Die traditionelle Messe- und Geldstadt, die sich als Drehscheibe für Königsbesuche und den Fernhandel empfahl, zeichnete sich daher immer schon durch ihre Internationalität aus und das schon ganz ohne Flughafen.

Text und Fotos: Petra Kammann

                     

Fenster auf die Geschichte im frisch eröffneten Historischen Museum und diskret-pfiffiger Hinweis auf die Magritte-Ausstellung 2017 in der Schirn

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Galerie Perpétuel zeigt: „Städelschule: 200 Jahre – 200 Künstler“ (Folge 1)

2017, Dezember 21.

Von Erhard Metz

Es ist ein besonderes Jubiläumsjahr in der Frankfurter Kunstlandschaft, das mit dem Wechsel von 2017 auf 2018 zu Ende geht: die Frankfurter Hochschule für Bildende Künste – die Städelschule – feiert ihre Gründung im Testament des Johann Friedrich Städel vor 200 Jahren. FeuilletonFrankfurt – in 2017 ist das Magazin immerhin 10 Jahre alt geworden – feiert mit: in der siebenteiligen Reihe „200 Jahre Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – Frankfurt am Main“, insbesondere mit dem dokumentarischen Rückblick „10 Jahre Eindrücke und Streiflichter zu Rundgängen und Absolventenausstellungen der Städelschule“.

Rechtzeitig zu diesem Ereignis entwickelte Milorad Prentovic, Inhaber der im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen angesiedelten, vor 15 Jahren (genauer am 7. September 2002) von ihm eröffneten Galerie Perpétuel, zusammen mit dem Künstler Ekrem Yalcindag im Sommer 2017 die Idee, dem Jubiläum „200 Jahre“ eine Ausstellung zum Thema „200 Künstlerinnen und Künstler der Städelschule“ zu widmen.

Die kleine, feine Galerie Perpétuel in der Oppenheimer Straße

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Absolventenausstellung 2017 der Städelschule (3) – medienübergreifende und installative Arbeiten

2017, November 7.

Von Erhard Metz

Nicht weniger als 38 Studierende verlassen dieses Jahr als Absolventen der Städelschule diese weltweit renommierte Kunstakademie. Leider können im Rahmen unserer streiflichtartigen Reportagen nicht alle Arbeiten aller der angehenden Künstlerinnen und Künstler aufgegriffen werden, obgleich sie es verdient hätten. Hier eine weitere beschränkte – notwendigerweise subjektive – Auswahl aus der nur noch bis zum kommenden Wochenende im MMK1 und MMK3 laufenden, überaus sehenswerten Ausstellung. Neben den „klassischen“ Fachrichtungen Malerei und Bildhauerei treffen wir eine Vielzahl medienübergreifender und installativer Arbeiten an.

↑↓ Natalia Rolón, The lover learns from negation and estrangement, 2017, Öl auf Leinwand, Teppich, Keramik, Stahl, LED-Lampen

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Absolventenausstellung 2017 der Städelschule (2) – Leda Bourgogne, Richard Nikl, Julia Zabowska, Felix Muffin Bolze

2017, Oktober 27.

Von Erhard Metz

Zwei „frischgebackene“ Absolventinnen und zwei ebensolche Absolventen der Städelschule möchten wir heute vorstellen, zwei von ihnen vertreten erweiterte, im Grunde dennoch eher klassische Positionen, die beiden anderen bewegen sich auf dem Feld eher konzeptueller und experimenteller Arbeiten. Allen gemeinsam ist ein kategorien- und spartenübergreifendes künstlerisches Denken und Arbeiten mit zum Teil performativen Elementen: Malerei greift beispielsweise in den Raum, Bildhauerei enthält teilweise malerische Akzente. Wir beginnen mit der diesjährigen Gewinnerin des Absolventenpreises (FeuilletonFrankfurt berichtete) Leda Bourgogne aus der Klasse von Judith Hopf.

Das dreiteilige Ensemble: (links) Ventilation Baby 1, (rechts) Ventilation Baby 2, jeweils gebleichter Samt auf Holz, Acryl, Aluminium; (oben) Polie, Plastik, verchromtes Metall, Aluminium; (ganz rechts) Spinal Cord, Kreide auf handgeschöpftem Papier

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Künstlerduo Daniel Dewar & Grégory Gicquel: „The Mammal and the Sap“ in der Ausstellungshalle Portikus

2017, Oktober 23.

Von Erhard Metz

„Gelsenkirchener Barock“ – ein Spottwort für einen Möbelstil der Wirtschaftswunderzeit der jungen Bundesrepublik, für ein Mobiliar, seinerzeit beliebt bei einer kleinbürgerlich-spießigen Aufsteigerkultur im von der Kohle- und Stahlindustrie geprägten „Kohlenpott“, dem Ruhrgebiet also. Diese Möbel, zum Teil im sogenannten „altdeutschen“ Stil bzw. was man dafür hielt, waren durchaus von oft hoher materieller Qualität, aus Massivholz, vorwiegend Eiche, auch bei industrieller Fertigung aus dem Vollholz gefräst und geschnitzt, sauber verarbeitet und entsprechend teuer. Das Bildungsbürgertum betrachtete schon damals diesen Stil als Kitsch, der vor allem der Bauhaus- und Werkbundkultur ein Greuel war und bis zur Stunde ist.

Was wir – noch bis zum 12. November 2017 – in der zur Städelschule gehörenden Ausstellungshalle Portikus auf der Frankfurter Maininsel sehen und bewundern können, ist vom Künstlerduo Daniel Dewar & Grégory Gicquel sicher nicht als Persiflage auf jenen Möbelstil gedacht, das wäre – auch wenn sich beim Betrachter auf den ersten Blick ein solcher Eindruck einzustellen vermag – wesentlich zu kurz gegriffen. Vielmehr setzen sich die beiden Künstler zum einen mit klassischen Formen der Skulptur und mit traditionellen handwerklichen Techniken – hier der Holzbildhauerei und -schnitzerei – auseinander. Noch mehr geht es ihnen aber, wie bereits der Titel der Ausstellung „The Mammal and the Sap“ (Das Säugetier und der Saft) anklingen läßt, um eine Auseinandersetzung mit dem Menschlichen und dem Tierischen, mit dem Lebenssaft, der beide ebenso wie die Vegetation und damit auch alles lebendige Holz in vielfältiger Weise durchfließt – wobei dies alles als Metapher für das Verhältnis zwischen Bildhauer und bildhauerischem Material verstanden werden kann.

Oak dresser with harnessed oxen, 2017, Eiche, 141 x 135 x 100 cm (Totale und Detail)

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