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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Liebieghaus

Philipp Demandt Direktor auch der Schirn Kunsthalle Frankfurt

2016, September 24.

Von Erhard Metz

Philipp Demandt, bis Ende September 2016 Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin und ab 1. Oktober Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung, übernimmt zum genannten Datum erwartungsgemäss auch die Direktion der Schirn Kunsthalle Frankfurt und folgt damit in allen drei Positionen Max Hollein, seit Juni dieses Jahres Direktor der Fine Arts Museums of San Francisco. Einen entsprechenden förmlichen Beschluss fasste jetzt die Gesellschafterversammlung der städtischen Schirn Kunsthalle GmbH, bestehend aus den Mitgliedern des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main. Sie folgte damit dem gemeinsamen Vorschlag von Oberbürgermeister Peter Feldmann als Vorsitzendem des Aufsichtsrats der Kulturinstitution und der Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Ina Hartwig.

„Philipp Demandt ist ein grosser Gewinn für die Kulturstadt Frankfurt. Seine umfangreichen Erfahrungen als Ausstellungsmacher und Kulturmanager prädestinieren ihn in hervorragender Weise für die Leitung der drei Häuser. Ich bin überzeugt, dass er mit zukunftsweisenden Ideen viele innovative künstlerische Vorhaben umsetzen und die grossen Erfolge von Schirn, Städel und Liebieghaus fortsetzen wird“, erklärte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Und Kulturdezernentin Ina Hartwig betonte: „Die Bestellung von Philipp Demandt als Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt in Verbindung mit der Führung von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung ist eine äusserst erfreuliche Lösung. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem renommierten Kunsthistoriker Philipp Demandt und dem ebenso innovativen wie erfahrenen Team aufregende Ausstellungsformate erwarten können. Die Schirn Kunsthalle zeigt mit ihren publikumswirksamen Präsentationen ein unverwechselbares Profil und hat sich als eines der führenden zeitgenössischen Ausstellungshäuser positioniert. Sie korrespondiert auf eine hervorragende Weise mit den Sammlungsschwerpunkten des traditionsreichen Städel zu Alten Meistern und Werken der klassischen Moderne.“

Frankfurt/Main 23.09.2016 Magistrat bestellt neuen GeschŠftsfŸhrer der Schirn Kunsthalle Frankfurt v.l.n.r. : Inka DršgemŸller ( stellv. Direktorin der Schirn ), Peter Feldmann ( OberbŸrgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Schirn ), Dr. Philipp Demandt ( Direktor der Schirn ), Dr. Ina Hartwig ( Kulturdezernentin )

„Familienfoto“: (v.l.) Inka Drögemüller (stellvertretende Direktorin/Geschäftsführerin der Schirn Kunsthalle, Oberbürgermeister Peter Feldmann (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Schirn Kunsthalle GmbH), Philipp Demandt (Direktor und Geschäftsführer der Schirn Kunsthalle), Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft; Foto: Presse- und Informationsamt Frankfurt am Main, © Alex Kraus Weiterlesen

„Athen. Triumph der Bilder“ im Frankfurter Liebieghaus (2)

2016, Juni 27.

Die Göttin Athena mit Entourage im Fokus einer grandiosen Schau

Von Hans-Bernd Heier

In einer dichten chronologischen Inszenierung werden in der großartigen Sonderschau „Athen. Triumph der Bilder“ im Frankfurter Liebieghaus die zwölf Monate des attischen Kalenders in zwölf Räumen anhand exquisiter Exponate anschaulich präsentiert. Erlesene Bildwerke machen die antiken Feste und deren unmittelbaren Bezug zum Mythos Athens erfahrbar. Die meisten Festlichkeiten des Jahres nehmen Bezug auf die Geschichte von Athena, Poseidon, Erechtheus und Eumolpos. Die Bürger Athens feiern in ihren Heiligtümern, ziehen in Prozessionen durch Stadt und Land und sind umgeben von den Statuen ihrer Götter und Helden.

Im Folgenden möchten wir die Besucher bei ihrem Gang durch die zwölf Themenräume begleiten und die jeweiligen Glanzstücke kurz vorstellen. Der ergänzende 13. Raum erlaubt einen Blick in das „Planungsbüro“ des genialen Architekten und Bildhauers Phidias, der in enger Zusammenarbeit mit dem herausragenden Staatsmann und Kulturpolitiker Perikles Athen nach der völligen Zerstörung durch die Perser glanzvoll wieder aufbaute.

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Ausstellungsansicht; Foto: FeuilletonFrankfurt
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Philipp Demandt neuer Direktor von Städel Museum und Liebieghaus Skulpturensammlung

2016, Juni 24.

Demandt soll in Personalunion auch die Leitung der Schirn Kunsthalle Frankfurt übernehmen

„Die erfolgreiche Arbeit am Städel Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung gemeinsam mit allen Kolleginnen und Kollegen fortzusetzen, ist eine Herausforderung, der ich mit Spannung entgegensehe. Zugleich blicke ich mit grosser Dankbarkeit auf rund fünf erfüllte Jahre an der Nationalgalerie. Auf Frankfurt, das sich zu einem der aufregendsten Kunstzentren Deutschlands und darüber hinaus entwickelt hat, freue ich mich sehr – ganz persönlich auch, da mir Stadt und Region lange vertraut sind.“

Von Erhard Metz

Kein anderer als Philipp Demandt, derzeit Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin und künftiger Direktor von Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung und Schirn Kunsthalle, sagte dies. Am heutigen frühen Vormittag liefen entsprechende Pressemeldungen von Städel Museum und Dezernat Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main ein.

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Philipp Demandt; Bildnachweis: Städel Museum, Foto: Oliver Mark

Philipp Demandt, 1971 in Konstanz geboren (und damit lediglich zwei Jahre jünger als Max Hollein), studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Publizistik. 2001 promovierte er am Institut für Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit „Die historische Mythologie des preußischen Staates im Spiegel des Luisenkults“. Ein Jahr später ging er an das Berliner Bröhan-Museum (ein Museum für Jugendstil, Art Déco und Funktionalismus). 2004 wechselte er als Dezernent zur Kulturstiftung der Länder, wo er unter anderem mit der Beratung und Unterstützung deutscher Kultureinrichtungen beim Erwerb und der Finanzierung von Kunstwerken befasst war. Darüber hinaus arbeitete er als Kurator und Publizist. Demandt entstammt einer kulturhistorisch profilierten Familie: sein Vater ist der Althistoriker Professor Alexander Demandt, sein Grossvater Karl Ernst Demandt, vormals Staatsarchivrat im hessischen Staatsarchiv Wiesbaden und stellvertretender Direktor des Staatsarchivs Marburg.
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„Athen. Triumph der Bilder“ im Frankfurter Liebieghaus (1)

2016, Juni 23.

Die Göttin Athena mit Entourage im Fokus einer grandiosen Schau

Von Hans-Bernd Heier

Keine andere Stadt hat die Entwicklung Europas stärker beeinflusst als Athen. Der Stadtstaat gilt als Geburtsstätte der europäischen Hochkultur. Das ambitionierte Ausstellungsprojekt „Athen. Triumph der Bilder“ im Frankfurter Liebieghaus kreist, wie Kurator Professor Vinzenz Brinkmann, Leiter der Antikensammlung, betont, „um die hochklassischen Bauten der Akropolis und fragt im Besonderen nach den zahlreichen, zum Teil kolossalen Bildern, die die Mythen Griechenlands, aber vor allem das Märchen von der Stadtgöttin Athena und ihrem Sohn erzählen“.

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Professor Vinzenz Brinkmann, Leiter der Antikensammlung, und Max Hollein, bis Ende Mai 2016 Direktor der Liebieghaus Skulpturensammlung (bei seiner letzten Pressekonferenz im Liebieghaus), Fotos: FeuilletonFrankfurt

Die umfangreiche Sonderausstellung lenkt den Blick auf die faszinierende Bilderwelt des antiken Athen und zeigt eindrucksvoll dessen Riten, Opfer, Prozessionen und Feste. „Die Schau stellt das Athen im goldenen Zeitalter des Perikles ins Zentrum. Keine andere Epoche hat den Begriff und die Vorstellungen von der Klassik so stark geprägt wie die Zeit des Wiederaufbaus in Athen nach dem Sieg über die Perser. In der Liebieghaus Skulpturensammlung wird die zum damaligen Zeitpunkt geschaffene, facettenreiche attische Bilderwelt nun in einer völlig neuartigen Weise der Antikenrezeption wieder zum Leben erweckt“, erläuterte Max Hollein bei seiner letzten Pressekonferenz in der Skulpturensammlung. Weiterlesen

Frankfurt am Main im kulturellen Umbruch

2016, Juni 14.

Von Erhard Metz

Der Befund mag zunächst erschrecken:

Max Hollein, vormals in Personalunion Direktor von Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung und Schirn Kunsthalle Frankfurt, dessen Vertrag im Herbst 2014 bis zum Jahr 2018 verlängert wurde, ist vor wenigen Tagen, zum 31. Mai 2016, aus diesen Positionen ausgeschieden.

Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth, dessen Amtszeit bis 31. August 2017 läuft, geht vorzeitig und zu Recht verärgert zum bevorstehenden 1. Juli 2016 in den Ruhestand, nachdem ihm die Frankfurter CDU, der er angehört, nach dem Ergebnis der hessischen Kommunalwahlen vom 6. März dieses Jahres in einer Weise mitgespielt hat, die ihr wahrlich nicht zum Ruhm gereicht. Das Kulturressort fiel im schwarz-rot-grünen Verhandlungspoker künftig der SPD zu, Ina Hartwig, Literaturkritikerin und SPD-Mitglied, wurde bereits zur Nachfolgerin Semmelroths nominiert. So weit, so gut. Hoffentlich.

Oliver Reese, Intendant des so überaus erfolgreichen Frankfurter Schauspiels, kehrt zum 1. August 2017 nach Berlin zurück, um Intendant am weltberühmten Berliner Ensemble zu werden. Sein Nachfolger wird Anselm Weber, hoch angesehener Intendant des Schauspielhauses Bochum. Ebenfalls: so weit, so gut.

Gut zu wissen, dass Intendant Bernd Loebe bleibt, der die Oper Frankfurt mit seiner herausragenden Arbeit mehrfach zum Titel „Opernhaus des Jahres“ und 2013 sogar zum „International Opera Award“ als international bestes Opernhaus geführt hat; sein Vertrag wurde zuletzt bis 2023 verlängert. Das gleiche gilt für Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, dem das Frankfurter Opern- und Museumsorchester den dreifachen (!) Titelgewinn „Orchester des Jahres“ verdankt.

Gut zu wissen ebenfalls – wir müssen uns angesichts der vielfältigen Frankfurter Museumslandschaft in unserer Darstellung auf die bildende Kunst beschränken – , dass Susanne Gaensheimer als Direktorin des Museums für Moderne Kunst MMK bis Ende 2018 und mit einer darüber hinausgehenden Verlängerungsoption der Stadt erhalten bleibt.

Bei dem meisten, wenn nicht bei allem hatte Dezernent Felix Semmelroth seine Hand im Spiel. Die Fussstapfen, die er hinterlässt, sind von beachtlichen Ausmassen.

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Aussenansicht Städel Museum (li.), Foto: Städel Museum; Aussenansicht Liebieghaus Skulpturensammlung (re.), Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung Weiterlesen

Kleine Pause

2016, Mai 30.

WIR MACHEN EINE KLEINE PAUSE – UND SIND BALD WIEDER FÜR SIE DA!

NEHMEN SIE INZWISCHEN ABSCHIED VON MAX HOLLEIN
UND TRÖSTEN SIE SICH: FEUILLETONFRANKFURT BLEIBT!

Quelle: Städel Museum

→ Max Hollein geht nach San Francisco
→ Frankfurt am Main im kulturellen Umbruch

Max Hollein geht nach San Francisco

2016, März 31.

Von Erhard Metz

„Nach über 15 Jahren in Frankfurt am Main beendet Max Hollein seine Arbeit an den von ihm geleiteten Kunstinstitutionen Städel Museum, Liebieghaus Skulpturensammlung und Schirn Kunsthalle Frankfurt. Hollein wird zum 1. Juni 2016 Direktor der Fine Arts Museums of San Francisco (FAMSF), der grössten öffentlichen Kunstinstitution in Nordkalifornien und mit 1,6 Millionen Besuchern in 2014 am vierthäufigsten besuchten Museums der USA.“

Diese Pressemeldung des Städel Museums schlug am 23. März 2016 kurz vor 9 Uhr als kulturpolitische Bombe in Frankfurt am Main ein. Mitgeliefert wurden Statements der Würdigung der Arbeit Holleins sowie des Bedauerns über den für die Stadt bedeutsamen Verlust: von Professor Nikolaus Schweickart, Vorsitzender der Administration des Städel Museums, Oberbürgermeister Peter Feldmann und Professor Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt.

Max Hollein, Museumsdirektor

Max Hollein; Nachweis: Städel Museum, Foto: Gaby Gerster

Und was sagte Max Hollein? Hier dessen Erklärung zu seinem bevorstehenden Wechsel nach über 15 Jahren erfolgsgekrönter Arbeit: Weiterlesen

Gefährliche Liebschaften. Die Kunst des französischen Rokoko im Frankfurter Liebieghaus

2016, Januar 10.

Faszination und Ablehnung, Bewunderung und Unverständnis: Bis heute polarisiert die Kunst des französischen Rokoko. Das Liebieghaus präsentiert zentrale Kunstwerke aus der Epoche Ludwigs XV. und legt dabei den Schwerpunkt auf das neu aufkommende Konzept der empfindsamen Liebe, auf den Zauber der Anmut und auf die Leichtigkeit und Verführungskraft dieser Stilrichtung.

Ein Bericht von Petra Kammann

„Gefährliche Liebschaften“. Der Titel dieser Rokoko-Ausstellung im Frankfurter Liebieghaus ist zweifellos dem Titel des berühmten Romans der Weltliteratur von Choderlos de Laclos entlehnt. Maliziös und raffiniert ist dessen Satire über die Dekadenz der Aristokraten am Vorabend der Französischen Revolution. Dieser Liebesroman in Briefform aus dem Jahre 1782 schildert ein gesellschaftskritisches Sittenbild der korrupten höfischen Gesellschaft Frankreichs gewissermaßen als Fallstudie und psychologische Analyse in einem. Durch den geschickten Wechsel der Perspektiven erhebt der Schriftsteller jedoch nicht den moralischen Zeigefinger. Mit der von ihm gewählten Briefform führt er den Leser durch das undurchdringliche Beziehungsgeflecht der Libertinage und des damit verbundenen psychologisch höchst raffinierten Spiels um Wahrheit und Täuschung. Dabei hält er dessen Aufmerksamkeit ständig in der Schwebe und lässt ihn an der Frage teilhaben, wer hier wem vertraut und von wem hinters Licht geführt wird.

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Ausstellungsansichten; Fotos: Petra Kammann

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Die Libertinage als Lebensform des Hochadels war im ausgehenden 18. Jahrhunderts, dem höfischen Zeitalter des Rokoko, durchaus gang und gäbe. Diesem widmet sich nun auch die Ausstellung im Liebieghaus. Weiterlesen

Binding-Kulturpreis 2015 für Max Hollein

2015, Juli 12.

Kunsthistoriker und Betriebswirt
Ein Botschafter Frankfurts in der Internationalen Kunstszene

Von Renate Feyerbacher

Im Rahmen einer feierlichen, aber auch humorvoll-entspannten Zeremonie im Kaisersaal des Frankfurter Römer, bei der immer wieder auch geschmunzelt wurde, erhielt Max Hollein, Direktor des Städel Museums, der Schirn Kunsthalle und der Liebieghaus Skulpturensammlung, am 11. Juli 2015 den diesjährigen Binding-Kulturpreis. Die Auszeichnung für „herausragende kulturelle Leistungen in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet“ wurde zum 20. Mal verliehen und zählt mit 50.000 Euro zu den höchstdotierten Kulturpreisen Deutschlands. Eine stattliche Geldsumme, die trotz sinkenden Bierkonsums, wie die Vorstandsvorsitzende der Binding-Kulturstiftung, Bergit Gräfin Douglas, humorvoll bemerkte, zum Glück konstant blieb.

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(v.l.) Bergit Gräfin Douglas, Vorstandsvorsitzende der Binding-Kulturstiftung, Max Hollein und Ehefrau Nina Hollein

Die Begründung des Stiftungskuratoriums: „Mit Max Hollein wird ein Museumsdirektor ausgezeichnet, dessen Einsatz der Kunststadt Frankfurt einen Glanz verliehen hat, der weit über Deutschland hinausstrahlt. Dabei gelingt es ihm, mit einem abwechslungsreichen Programm das Fachpublikum und die breite Bevölkerung für die Kunst aller Epochen zu begeistern.“ Weiterlesen

Liebieghaus präsentiert “Die grosse Illusion – Veristische Skulpturen und ihre Techniken” (Folge 2)

2014, Oktober 13.

Lebensnahe Menschenbildnisse mit Glasaugen, echten Haaren und Kleidern

Von Hans-Bernd Heier

In einer spektakulären Sonderausstellung widmet sich das Liebieghaus der faszinierenden Tradition der realistischen Skulptur. Unter dem Titel „Die große Illusion. Veristische Skulpturen und ihre Techniken“ bietet die Skulpturensammlung bis zum 1. März 2015 einen fesselnden Einblick in die über 4000 Jahre alten Bestrebungen von Bildhauern, lebensnahe Menschenfiguren zu schaffen – von der Antike an bis zum Hyperrealismus. Mit Echthaar, Glasaugen und aufwendigen Bemalungen fesseln und irritieren die naturgetreuen, bisweilen schonungslosen und sozialkritischen künstlerischen Darstellungen.

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Jesuskind aus dem Ursulinenkloster St. Joseph in Landshut, Süddeutschland, 16./18. Jh., Gliederfigur aus Holz, originale Fassung, Glasaugen, Wollhaar, Textilien u.a, Ursulinenkloster St. Joseph, Landshut; Foto: Thomas Dashuber, © Diözesanmuseum Freising

Die hyperrealistischen, täuschend echt wirkenden Figuren von zeitgenössischen Künstlern wie Duane Hanson, John De Andrea oder Sam Jinks beeindrucken aufgrund ihrer verblüffend lebensechten Erscheinung. Irritierend illusionistische Effekte von Skulpturen sind allerdings kein neues, sondern ein bereits rund 4500 Jahre altes Phänomen. Doch welche technischen Mittel verwendeten die meist unbekannten Künstler und Handwerker, um möglichst wirklichkeitsnahe Figuren zu schaffen? Schon in der Antike wurden Perücken aus natürlichem Haar, Kleidung aus echten Textilien und Schmuck für die Skulpturen verwendet. Bis heute werden – unabhängig vom Ausgangsmaterial der Skulptur wie Holz, Stein, Metall, Wachs oder Kunstharz – ganz ähnliche Methoden genutzt. Weiterlesen