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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Alle Artikel zu Kultur und Gesellschaft

Festrede von Oberbürgermeister a. D. Andreas von Schoeler bei der Gedenkstunde zur Reichsprogromnacht am 9. November 1938

2022, November 10.

 „Keine von uns wird zurückkehren“ heißt der erste Teil einer Triologie der französischen Widerstandskämpferin und Auschwitz-Überlebenden Charlotte Delbo. Es ist der Versuch, für das Unbeschreibliche Worte zu finden, die „ Verzweiflung jenseits der Verzweifelung spüren“ zu lassen, wie es in „Le Monde“ hieß. Ein Gedicht im ersten Teil dieser Triologie lautet:

Andreas von Schoeler Oberbürgermeister A.D., Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Ereignisse der Pogromnacht am 9. November 1938 in der Frankfurter Paulskirche, Foto: Holger Menzel

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Georg-Büchner-Preis für Emine Sevgi Özdamar

2022, November 6.

1001 Zungen auf der Waage

Von Petra Kammann

Die Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar hat am 5. November im Staatstheater in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung erhalten. Mit der in der Türkei geborenen Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine herausragende Autorin aus, der die deutsche Sprache und Literatur neue Horizonte, Themen und einen hochpoetischen Sound verdanke, so die Jury, der für ihre Wahl auch ein Lob gebührt. Emine Sevgi Özdamar ist die zwölfte Frau, die ausgezeichnet wird. Als Preisträgerin folgte sie dem österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz.

Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung  für Emine Sevgi Özdamar, Foto: Petra Kammann

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Kirchenfenster von Hans Leistikow

2022, November 3.

„Hans Leistikow (1892-1962) Zurück in die Moderne“

Zwei Veranstaltungen im Rahmen der Sonderausstellung

Maria Hilf war 1951 der erste Kirchenneubau der Architektengemeinschaft Alois Giefer und Hermann Mäckler. Er gilt als ein herausragendes Beispiel moderner Nachkriegsarchitektur. Mit seiner schlichten, an moderner Industriearchitektur orientierten Konstruktionsweise und der äußerst reduzierten Dekoration war der Kirchenbau Ort für neue Formen der Liturgie. Für den Chor der Kirche übernahm Hans Leistikow die Fenster- und Wandgestaltung

Kirchenfenster von Hans Leistikow in der Maria Hilf-Kirch im Gallus, Foto; Uwe Dettmar

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Schöpfer der „Heimat“-Trilogie: Edgar Reitz wird 90

2022, Oktober 31.

Wagnis und Wunder

Von Uwe Kammann 

„Heimat“ ist sein Lebensthema: Mit dem Familienepos aus dem Hunsrück hat Filmemacher Edgar Reitz Filmgeschichte geschrieben. Am ersten November wird er 90.

Ein Wagnis. Denn wer könnte schon den Mut haben, einen kleinen Ort im Hunsrück zum Ausgangspunkt einer Fernseh-Saga zu machen, und das in einem wahrhaft epochalen Maßstab? Aber auch: ein Wunder. Denn wer hätte geahnt, dass ein Filmwerk unter dem großgeschriebenen Titel „Heimat“ ein solch umwerfender Erfolg werden würde, und dies bei Publikum und Kritik gleichermaßen? Und wer hätte vorhergesagt, dass dieses Werk auch im Ausland gefeiert werden würde?

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“Teuflische Jahre – PARDON“ – große Jubiläumsausstellung im Caricatura Museum Frankfurt

2022, Oktober 28.

Satire-Zeitschrift mit bissigen Polemiken und leichtfüßigen Parodien

Von Hans-Bernd Heier

Längst ist PARDON, die vor 60 Jahren gegründete „deutsche satirische Monatsschrift“, Legende. Die Ausstellung “Teuflische Jahre – Pardon“ im Caricatura Museum Frankfurt macht höchst unterhaltsam und amüsant nachvollziehbar, warum das Satire-Magazin so erfolgreich war und innerhalb kürzester Zeit mit über 300.000 verkauften Exemplaren zur größten Satirezeitschrift Europas aufstieg. Das Magazin spiegelt prägnant und provokant, dabei respektlos und oft urkomisch, die bewegte Geschichte der Bundesrepublik in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Caricatura-Plakat zur Ausstellung der Satirezeitschrift PARDON, die vor 60 Jahren gegründet wurde; Foto: © CARICATURA/Till Kaposty-Bliss; © B&N

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Theater und Tanz: Premieren in Köln

2022, Oktober 27.

„Der eingebildete Kranke“ von Molière in einer Überschreibung von Barbara Sommer & Plinio Bachmann, Regie: Stefan Bachmann, Foto: Thomas Aurin

Der eingebildete Kranke am Kölner Schauspiel

Anale Köln-Kolonisation und Wokeness

Von Simone Hamm

Sein Nachthemd ist schmutzig, die Chaiselongue, auf der er sich vor Schmerzen krümmt, hat Wasserflecken. Aber eine Louis XIV. Perücke trägt er noch: der eingebildete Kranke, Molières Argan. Auf der ansonsten leeren Bühne sitzen die anderen Schauspieler auf Stühlen um Argan herum, halten sich die Nase zu, wenn er sich auf einen Eimer hockt und – nach langen Einläufen – endlich Stuhlgang hat.

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Die 74. Frankfurter Buchmesse 2022 – Ein Rückblick in Splittern

2022, Oktober 25.

Prominenz, Publikumsmagnet und Randständiges

Subjektive Impressionen von Petra Kammann

„Die Buchmesse ist das Gegenmodell zu einer Echokammer“ hatte Messechef Juergen Boos verkündet. So nahm in den vergangenen Tagen eben auch das Live-Erlebnis Frankfurter Buchmesse eine Eigendynamik an… Sie erwies sich nach den Einschnitten durch die Pandemie erneut als wichtigster internationaler Treffpunkt der Buch- und Medienbranche als stabil. 93.000 Fachbesucher*innen und über 4.000 Aussteller aus 95 Ländern kamen. Folglich gab sich Boos angesichts der weltweiten Krisen optimistisch, weil die Messe wichtige Signale setzte: „Das persönliche Gespräch ist in Zeiten aufgeheizter Debatten ein Gegenmittel zur Polarisierung“ und die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Karin Schmidt-Friderichs ergänzte fast euphorisch: „Die Frankfurter Buchmesse war ein großes Fest der Buchbegeisterung und der Demokratie. In vollen Messegängen und bei lebendigen Debatten spürte man deutlich die Kraft von Büchern, die Freude des Wiedersehens und den Willen zur konstruktiven Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit. Drängende Fragen der Gegenwart standen auf der Tagesordnung – von der Situation in der Ukraine und im Iran bis hin zu Themen wie Diversität und dem Zusammenleben in unserer Gesellschaft…“

Transform minds? Der Frankfurt Pavilion auf der Buchmesse – ein Spiegel des aktuellen Weltgeschehens, Foto: Petra Kammann

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Eindringlich wie nie zuvor: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Serhij Zhadan

2022, Oktober 24.

Unerschrocken, mutig und voller Empathie

Minutenlanger Beifall nach der Dankesrede des Autors

Von Uwe Kammann

Zur Eröffnung der Buchmesse war der Bundespräsident gekommen, zum Abschluss hätte er kommen müssen. Die geplante Reise nach Kiev hatte er zuvor abgesagt, aus Sicherheitsgründen. Was hätte ihm in der Paulskirche passieren können, bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Serhij Zhadan? Nun, nichts Lebensbedrohliches. Wohl aber das, was wohl allen der Gäste an diesem besonnten Sonntag naheging: eine intensive Berührung, vielleicht auch eine Zumutung durch zwei Reden, wie es sie in dieser Form, auch in dieser Kombination noch nie gegeben hatte in der nun schon langen Geschichte des Preises.

Der diesjährige Friedenspreisträger Serhij Zhadan kam aus Charkiw, Foto: Petra Kammann

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Buchmesse-Impressionen Tag 1

2022, Oktober 20.

Schnappschüsse

von Petra Kammann

Fast alles war wie früher in der kleinen weltweiten Buchfamilie in Frankfurt: der Zusammenhalt unter unverbesserlichen Buchfreunden auf jeden Fall…

Cervantes Institut: Adios, Königliche Hoheiten!, Foto: Petra Kammann

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Der Dichter als Augenmensch: Zeichnen im Zeitalter Goethes – Die erste Sonderausstellung des Deutschen Romantik-Museums

2022, Oktober 18.

Sehen – Zeichnen – Begreifen und Erzählen

Seelenlandschaften und Resonanzböden differenzierter Stimmungen

Von Petra Kammann

Zeichnen war im Zeitalter Goethes äußerst beliebt. Im Großen Hirschgraben widmet sich derzeit diesem Thema die erste Sonderausstellung des vor einem Jahr eröffneten Deutschen Romantik-Museums. Ausgehend von Goethes ausgeprägtem Interesse am Zeichnen hat das Freie Deutsche Hochstift seit über 150 Jahren Zeichnungen aus dem Goetheschen Umfeld zusammengetragen. Nun ist eine Auswahl von rund 130 Zeichnungen, Skizzen und Aquarellen von über 60 Künstlern  und Künstlerinnen um 1800 aus einem Pool von insgesamt 3000 Zeichnungen, die im Hause schlummern, zu sehen: u.a. von Füssli und Caspar David Friedrich, von Hackert, Kauffmann und Tischbein, aber auch Salonkunst, anatomische und literarische Illustrationen. Sogar Freundschaftsgaben und Skizzenbücher wurden ausgewertet. Unter den Exponaten befinden sich auch zehn Zeichnungen von Goethe selbst wie etwa der berühmte Farbenkreis. Anhand der Stationen seiner Biographie bildet seine Auseinandersetzung mit der Kunst seiner Zeit und die Illustration seines literarischen Werks den Zusammenhalt in der Schau.

Hereinspaziert in die erste Sonderausstellung des Deutsche Romantik-Museums, Foto: Petra Kammann

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