Alle Artikel zu Zeichnung · Druckgrafik
2025, Oktober 7.
Ein schwergewichtiger Band vereint die komplette Druckgrafik
von Uwe Kammann
Bilder des Schreckens, der Gewalt, der Zerstörung, des Todes: überall, auf jedem Gerät, rund um die Uhr. Das Internet hat die visuelle Maschinerie noch gesteigert, hält das bereit, was die bisherigen Medien eher/noch gefiltert haben. Doch wer mag sich die Videos von grausamsten Hinrichtungen durch die Terrorbanden des Islamischen Staates (die Opfer in orangefarbenen Overalls) gerade wegen ihrer Exzessivität mit Lust angeschaut haben? Das Credo des berühmten Kriegsfotografen James Nachtwey: Nicht zurückzuweichen, auch vor dem Schrecklichsten nicht, um zu dokumentieren, was Menschen Mitmenschen antun können. Der ebenso berühmte, gerade verstorbene Fotograf Sebstião Salgado gelangte angesichts der Horrorszenen des Kriegs in Uganda zum Punkt der professionellen Umkehr: Er konnte die Bilder der Hölle nicht mehr ertragen.

Der außergewöhnliche Band über den spanischen Künstler Francisco de Goya ist durch einen aufwändigen Schuber geschützt, Verlag Taschen
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Bildende Künste, Kultur und Gesellschaft, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für Der unverstellte Blick: Goyas Visionen des Ungeheuren
2025, Oktober 2.
Kunst als Akt der Befreiung
Von Hans-Bernd Heier
Die Opelvillen präsentieren die erste museale Ausstellung zum Werk der Malerin Hélène de Beauvoir (1910 – 2001) in Deutschland, der in Vergessenheit geratenen Schwester von Simone de Beauvoir. Ihre Werke reichen von Kupferstichen über Aquarelle bis zu großformatigen Malereien in Öl oder Acrylfarbe. Mit Stichel, Stift oder Pinsel lotete die experimentierfreudige Künstlerin die Möglichkeiten gegenständlicher und ungegenständlicher Kunst aus, bis sie die Trennlinien in den 1960er-Jahren ausdrucksstark auflöste. In der retrospektiven Ausstellung „Hélène de Beauvoir. Mit anderen Augen sehen“ sind rund 170 Exponate versammelt, darunter über 70 Ölgemälde und erstmalig auch Skizzenblöcke, Entwürfe und Vorzeichnungen der Malerin.

Hélène de Beauvoir „Selbstporträt [Autoportrait]“, 1955, Privatsammlung; © Ute Achhammer, APP, Foto: Christian Kempf
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Bildende Künste, Kultur Frankfurt, Kultur regional / Rhein Main, Kultur und Gesellschaft, Kunstszene Frankfurt/Offenbach, Kunstszene Rhein-Main, Malerei, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für „Hélène de Beauvoir. Mit anderen Augen sehen“ – Retrospektive in den Opelvillen
2025, August 27.
Zum 276. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe
Von Erhard Metz
Nur einige Schritte sind die beiden Bauwerke am Hühnerweg auf dem Frankfurter Mühlberg voneinander entfernt: das Willemer-Häuschen und der Goethe-Tempel. Während ersteres fast Weltruhm erlangt zu haben scheint, kennen den Goethe-Tempel wohl nur die wenigsten Frankfurter.

↑ Aussichtstempelchen im Engelbach-Bansa’schen Garten auf dem Mühlberg in Frankfurt-Sachsenhausen, am Hühnerweg 30, in reduzierter Höhe als Goethe-Tempel erhalten; Aquarell von Eugen Peipers, datiert um 1870, Historisches Museum Frankfurt; Quelle: Michael Engelbach, https://engelbach-wwr.de/
↓ Goethe-Tempel unter gleicher Adresse heute; Foto: Erhard Metz

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Architektur und Städtebau, Kultur Frankfurt, Kultur regional / Rhein Main, Offenbach, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für Der Goethe-Tempel auf dem Frankfurter Mühlberg
2025, Juli 28.
Die Risse des Lebens und Nähte als Lebensfäden
Soltaus radikale Vernähungen des verletzten Körpers
Von Petra Kammann
Galt die in Darmstadt lebende Annegret Soltau (*1946) lange Zeit als Geheimtipp, so genießt sie mit ihrer feministisch inszenierten Fotografie und ihrer Body Art in der Kunstwelt inzwischen internationalen Ruhm. Das Frankfurter Städel widmet ihr unter dem Titel „Unzensiert“ noch bis zum 17. August eine Retrospektive mit rund 80 Werken aus mehr als fünf Jahrzehnten. Mutig wurde Soltaus Arbeit allerdings schon 2011 unter dem Titel „Generativ“ in der Goldhalle des Hessischen Rundfunks gewürdigt, die damals alles andere als widerspruchslos hingenommen wurde. Zuvor war sie damals mit dem feinen Marielies-Hess-Kunstpreis ausgezeichnet worden.
Annegret Soltau in der Ausstellung im Städel vor ihrer „Vatersuche“, Foto: Petra Kammann
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Bildende Künste, Fotografie · Video · Film, Installation · Performance · Objektkunst, Kultur Frankfurt, Kultur regional / Rhein Main, Kultur und Gesellschaft, Kunstorte, Städel Museum, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für Annegret Soltaus Retrospektive „Unzensiert“ – noch wenige Tage im Städel zu sehen
2025, Juli 19.
Bilder der Schatten
Von Simone Hamm
Ein Pelikan, ein Blumentopf mit einer Chrysantheme, ein Engel, ein goldener Oscar, Queen Elisabeth, ein Gartenzwerg. Auf mehreren Tapeziertischen drehen sich Nippesfigürchen aus Gips, Porzellan, Plastik auf Platten. Sie werfen lange Schatten auf die weiße Wand dahinter. Sie scheinen zu tanzen. Mit „Schattenspiel“ hat Hans-Peter Feldmann ein magisches Ballett, ein filigranes Schattentheater geschaffen. Denn nicht die Figuren sind wichtig, sondern einzig ihre Schatten.

Gerhard Richter, Fenster 1968, Kunstmuseum Bonn ©gerhard Richter 2025(15042025), Foto: Reni Hansen
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Bildende Künste, Fotografie · Video · Film, Kultur und Gesellschaft, Malerei, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für Die exzellente Ausstellung „From Dawn Till Dusk“ Kunstmuseum Bonn
2025, Juli 18.
Eine einzigartige Schenkung ist zu bewundern: die Sammlung Eduard und Barbara Beaucamp
Von Uwe Kammann
Staatskunst, igitt. Das war, salopp formuliert und zugespitzt, lange Zeit eine gängige Reaktion der westlichen Kunstkritik, wenn es um Maler aus der DDR ging. Dazu kam noch die Vokabel Sozialistischer Realismus, und fertig war das Urteil. Natürlich, wer sich tiefgreifender mit der Kunst befasste, die hinter der Mauer entstand, der korrigierte das Verdikt sofort mit einer Vorsilbe, so dass es sich ganz anders las: Vor-Urteil. Einer, der mit dieser Korrektur unermüdlich beschäftigt war, blieb lange Zeit ein Einzelkämpfer: Eduard Beaucamp, der seit 1966 über viele, viele Jahre das Kunstressort der FAZ leitete.

Dr. Eduard Beaucamp, langjähriger Feuilletonchef der FAZ, Kunstsammler und Kenner der DDR-Kunst, Foto: Petra Kammann
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Bildende Künste, Bildung · Pisa von innen, Buch und Literatur, documenta Kassel, KultTouren, Kultur und Gesellschaft, Kunst Orte, Kunstszene Rhein-Main, Städel Museum, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für Auch im Kleineren das ganz Große: Werner Tübke im Städel Museum
2025, Juli 17.
Rätselhaft: Die Spur der Steine
Von Petra Kammann
Um die rund 6000 Jahre alte Megalithkultur in der Bretagne ranken sich Legenden. Ihre Zentren Locmariaquer, Carnac und Gavrinis stehen seit rund 200 Jahren im Mittelpunkt intensiver archäologischer Recherchen. Auch wenn es bis heute keine eindeutigen Ergebnisse darüber gibt, was diese Steinkulturen bedeuten, so boten sich die bretonischen Megalithen (griechisch: mega = groß, lithos = Stein) viele Jahre als Anwärter auf das Weltkulturerbe der UNESCO an. Nun endlich fiel die Wahl auf sie.

Steinalleen von Carnac: Hinkelsteine (Menhire), soweit das Auge reicht, Foto: Petra Kammann
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2025, Juli 15.
Sprichwörtliches in brillant-komische Gemälde übersetzt
Von Hans-Bernd Heier
Das Caricatura Frankfurt Museum würdigt den renommierten Maler und Illustrator Michael Sowa anlässlich seines 80. Geburtstags mit einer umfassenden Einzelausstellung. Die Retrospektive „Michael Sowa – Fragile Idyllen“ bietet einen repräsentativen Einblick in das vielseitige Werk eines Künstlers, der sich damit in das kollektive Bildgedächtnis der Bundesrepublik Deutschland eingeschrieben hat. Insgesamt sind 287 Werke aus allen Schaffensperioden in der großartigen Schau versammelt. Dank der Leihgaben von knapp 50 privaten Sammlerinnen und Sammlern ist eine Zusammenstellung gelungen, die es so noch nie zu sehen gab.

Lieber Lesen“; © Michael Sowa
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Autoren, Autorinnen und Autoren, Bildende Künste, Buch und Literatur, Design, Kultur Frankfurt, Kultur und Gesellschaft, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für Michael Sowas „Fragile Idyllen“ im Caricatura
2025, Juni 30.
Am Hochufer des Mains in Aschaffenburg
von Paulina Heiligenthal
„In das fröhliche Treiben, in blühende Fülle des Lebens
Griff erstarrend die Hand plötzlichen Todes hinein,
Das ein ganzes Geschlecht vertilget im Keime geworden,
Zeige im kleinen hiermit einstens der Menschheit Geschick.“
Erster Vers aus der „Pompeja. X. Elegie.“ Von Ludwig I, König II von Bayern (1786-1868)

Aschaffenburg am Main, die Gedanken schweifen in die Ferne, Foto: Paulina Heiligenthal
Kaum hat man die ersten Stufen unterhalb des Johannisburgschlosses betreten, öffnet sich eine herrliche Kulisse mit Blick über rotgefärbte Dächer auf pralles Ufergrün des Flusses Main, der sich sanft spiegelnd einen Weg durch die wellige Landschaft von Aschaffenburg bahnt. In malerischer Schönheit. In friedlicher Atmosphäre. Auch beschaulich.
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Bildende Künste, Bildung · Pisa von innen, KultTouren, Kultur regional / Rhein Main, Kultur und Gesellschaft, Malerei, Reisen & Lebensart, Skulptur, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für Mediterrane Architektur und Natur nach römischer Art
2025, Juni 11.
Eine Würdigung des mit 95 Jahren gestorbenen Künstlers
Die Villa Hügel, hoch über Essen gelegen, lockt derzeit mit einer Ausstellung, welche die Kunstlandschaft an der Ruhr feiert. 21 Museen der Metropolregion haben jeweils vier, fünf ihrer interessantesten Exponate nach Essen geschickt, wo sie nun den holzgetäfelten Prachtträumen der historisierenden Villa ihre Modernität entgegenhalten. Zwei Objekte könnten kämpferischer und stacheliger nicht sein: ein Kubus-Fernsehgerät vom Anfang der 60er Jahre, thronend auf einem runden Couchtisch Marke Gelsenkirchener Barock, zur Hälfte benagelt, ganz wie ein damals so beliebter Käse-igel. Und daneben ein Objekt, das einem Sandwich gleicht: zwischen zwei Flachbildfernsehern steckt eine Kindermatratze, das Ganze zuisammengehalten von großen Nägeln, die in den Rücken der Apparate getrieben sind.

Günther Uecker wurde durch seine Nagelreliefs bekannt, Foto: Petra Kammann
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Bildende Künste, Installation · Performance · Objektkunst, Kultur und Gesellschaft, Kunstorte, Kunstszene überregional, Skulptur, Zeichnung · Druckgrafik | Kommentare deaktiviert für Günther Uecker: die reinste und intensivste Präsenz