Intervention von Jan Muche im Kabakov-Raum des Museums Wiesbaden
„Ein Schritt vor, zwei Schritt zurück“
Die Kunst von Jan Muche (*1975, Herford) thematisiert gesellschaftliche, linke Utopien. In dem Ilya Kabakov gewidmetem Künstlerraum treten im Museum Wiesbaden seine konstruktivistischen Skulpturen und Bilder in einen kontrastreichen Dialog mit Kabakovs raumgreifender Installation „Der Rote Waggon“. Die spektakuläre Intervention mit dem Titel „Ein Schritt vor, zwei Schritt zurück“ ist bis zum 4. April 2027 zu sehen.
Ausstellungsansicht; Foto: Hans-Bernd Heier
Für den in Berlin lebenden Künstler Jan Muche stand von Anfang an fest: Eine künstlerische Intervention im Landesmuseum könne für ihn nur im Kabakov-Raum stattfinden. Ilja Kabakow – geboren am 30. September 1933 in Dnipro, Ukraine, verstorben am 27. Mai 2023 in New York City – war ein Maler und Konzeptkünstler ukrainisch-jüdischer Herkunft. Während seiner Schaffensperiode in der Sowjetunion war er ein bedeutender Vertreter des „Moskauer Konzeptualismus“. Er emigrierte 1988 aus der UdSSR nach New York, wo er fortan den Großteil seines Lebens ansässig war.
Neben einer stilistischen Nähe verbindet die beiden Künstler die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Utopien. Ilya Kabakov thematisiert eine solche Utopie am Beispiel des Aufstiegs und Niedergangs der Sowjetunion, die er in der chaotischen Installation „Der Rote Waggon“ künstlerisch verarbeitet hat. „Auch Muches Schaffen ist geprägt von der Beschäftigung mit gesellschaftlichen Illusionen, genauer mit linken gesellschaftlichen Utopien. Dabei thematisiert er soziale Fragen, Missstände und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten“, erläutert Kurator Dr. Peter Forster. „Durch seinen Bezug zu russischen Künstlern in der avantgardistischen Formensprache wird eine Verbindung zu Kabakov möglich, der den euphorischen Aufbruch von Kunst und Politik in Russland an den Anfang seiner Installation gestellt hat. Muche greift den Geist Kabakovs auf und führt ihn weiter, indem er dessen Installation mit Bildern, Skulpturen und Objekten erweitert“.
„Auch Muches Schaffen ist geprägt von der Beschäftigung mit gesellschaftlichen Illusionen, genauer mit linken gesellschaftlichen Utopien. Dabei thematisiert er soziale Fragen, Missstände und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten“, erläutert Kurator Dr. Peter Forster. „Durch seinen Bezug zu russischen Künstlern in der avantgardistischen Formensprache wird eine Verbindung zu Kabakov möglich, der den euphorischen Aufbruch von Kunst und Politik in Russland an den Anfang seiner Installation gestellt hat. Muche greift den Geist Kabakovs auf und führt ihn weiter, indem er dessen Installation mit Bildern, Skulpturen und Objekten erweitert“.

Jan Muche; Foto: © Christian Angl
Muches gemalte Stahlbaukonstruktionen sind Zeugnisse der Industrialisierung, ihrer unendlichen Möglichkeiten und zugleich der entbehrungsreichen Arbeit, die dafür aufgebracht werden musste. „Auf den Staffagen, die an Bauschilder erinnern, befinden sich zukünftige Darstellungen, die von harter Arbeit zeugen. Sie sind Visionen einer anderen, besseren Zukunft,“ so der Kurator. Arbeit, Gerechtigkeit, Verteilung und Teilhabe verbinden sich in der gemalten Stahlarchitektur zu den gesellschaftlichen Fragen, mit denen Muche den Besucher konfrontiert. Die Intervention zeigt, wie Arbeiter ausgebeutet und der Begriff der Arbeit missbraucht werden können.
Wenn Muche Lenins grundlegende Schrift „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“ von 1904 als Headline seiner Ausstellung zitiert, jedoch das »e« in »Schritte« bewusst streicht, weist er sehr subtil darauf hin, dass sich die Zeiten und unsere Einstellungen geändert haben. (hbh)
Weitere Informationen unter:
https://museum-wiesbaden.de/jan-muche

