MMK-Zollamt zeigt Amel Bashiers „Essence of Life“
Frauen als Symbol für Stärke, Leben und Hoffnung
Von Hans-Bernd Heier
Die Bedeutung der Frau im Sozialen, in den Ökonomien oder auch in politischen Auseinandersetzungen wird weltweit – wenn überhaupt wahrgenommen – häufig unterschätzt und wenig gewürdigt. Würde man die Leistung von Frauen anerkennen, gäbe es keine Gründe mehr für Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit. Diese Auffassung vertritt die sudanesische Künstlerin Amel Bashier (* 1981) und bringt dies in ihren farbkräftigen, narrativen Werken deutlich zum Ausdruck. Die Schau „Essence of Life“ im MMK-Zollamt in Frankfurt ist Amel Bashiers erste institutionelle Einzelausstellung, für die sie zahlreiche neue Arbeiten geschaffen hat.

Amel Bashier „Women of the Cotton (Ausschnitt)“, 2026, © Amel Bashier, Foto: Matthieu Samadet
Für mich verkörpert die Frau die Essenz des Lebens. Sie ist ein Symbol für Stärke, Widerstandskraft, Erinnerung und Großzügigkeit. Nachdem ich schon früh meinen Vater verloren hatte, erfuhr ich durch meine Mutter und meine Schwestern, wie viel Kraft und Durchhaltevermögen in Frauen steckt. Später wurde mir durch meine Beobachtungen von Kriegen und gesellschaftlichen Konflikten im Sudan, in Afrika und auf der ganzen Welt bewusst, wie Frauen selbst angesichts von Not oder als Opfer von Gewalt und Ungerechtigkeit ihre Stärke und Würde bewahren. In meinen Werken sind Frauen nicht nur Zeuginnen des Leidens; sie sind Schöpferinnen des Lebens, Trägerinnen der Erinnerung und Symbole der Hoffnung und des Friedens“, sagt Amel Bashier
„Bashiers Werke würdigen Frauen weltweit und geben ihnen den Raum und den Respekt, den sie verdienen. Frauen allein, zu dritt, in Gruppen, bei der Arbeit, zu Hause, strahlend, stark und visionär – zugleich aber auch einsam, zart und fragil“, so MMK-Direktorin Prof. Susanne Pfeffer, die auch die beeindruckende Schau kuratiert hat. „In leuchtenden, kontrastreichen Farben, symmetrisch und flächig, mit großen Händen und Füßen lassen Bashiers Malereien an nubische, assyrische wie auch an indische Formenbewegungen denken und verleihen ihren gegenwärtigen Themen die historische Bedeutung, die ihnen zusteht“.

Amel Bashier „Letters from Exile II“, 2026; © Amel Bashier, Foto: Axel Schneider
In einem Gespräch mit der MMK-Direktorin sagte Amel Bashier: „Da ich zwischen dem Sudan und Saudi-Arabien aufgewachsen bin, habe ich ein reiches kulturelles Fundament erhalten, das meine künstlerische Arbeit tiefgreifend geprägt hat. Ich habe beide Länder immer als meine Heimat empfunden – ich empfinde eine tiefe Sehnsucht nach beiden Orten. Da ich aus verschiedenen Regionen des Sudans stamme und unterschiedliche Traditionen, Sprachen, Kleidungsstile, Speisen, Düfte und Rituale kennengelernt habe, wurde meine Vorstellungskraft schon von klein auf bereichert. Diese Vielfalt hat meine Sensibilität für Erinnerung, Identität und die menschliche Erfahrung geprägt und beeinflusst bis heute die Art und Weise, wie ich an meine Arbeit herangehe“.
Die Künstlerin sieht sich selbst nicht als Teil einer bestimmten Maltradition. Ihre Arbeit sei vielmehr von persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen und den verschiedenen Kulturen geprägt, denen sie im Laufe ihres Lebens begegnet sei. „Ich betrachte meine künstlerische Sprache als Ergebnis dieser vielfältigen Einflüsse – als Zusammenfluss, wenn man so will, vieler Geschichten, Orte und menschlicher Erfahrungen. Anstatt einer bestimmten Kunstschule anzugehören, interessiert es mich, einen Raum zu schaffen, in dem Erinnerung, Identität und gemeinsame menschliche Emotionen aufeinandertreffen können“.

Amel Bashier „Home 1“, 2025; © Amel Bashier, Foto: Axel Schneider
Dies wird besonders in dem großen Gemälde „Essence of Life“ deutlich, das die Künstlerin speziell für die farbprächtige Ausstellung im Zollamt geschaffen hat, weil sie der Meinung war, dass dieser Ausstellungsort ein Werk dieser Größenordnung und Intensität verdient habe. „Ich habe es aus tiefer Wertschätzung für Frauen überall auf der Welt geschaffen – für Frauen als Friedensstifterinnen und Lebensspenderinnen. …Mit diesem Werk möchte ich Frauen auf der ganzen Welt ehren, die trotz Kriegen, Konflikten und der vielen Herausforderungen des Lebens – auch angesichts der alltäglichen Kämpfe, die sich still und leise zu Hause abspielen – weiterhin Hoffnung wecken, Erinnerungen bewahren, Familien pflegen und das Leben erhalten“.
Die Schau „Amel Bashier. Essence of Life“ ist noch bis zum 10. Januar 2027 im ZOLLAMT MMK zu sehen.
Weitere Informationen unter: www.mmk.art
