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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Musik als Lebenselixir für das Nachwuchstalent Justus Eichhorn

Klavierspielen ist schön, macht viel Arbeit, aber auch riesen Spaß

Schon früh faszinierte der 16-jährige Pianist Justus Eichhorn das internationale Publikum mit seinem technisch brillianten Spiel, seiner enormen Virtuosität und außergewöhnlichen Musikalität, die er auch digital (@justus.pianist) mit mehr als einer halben Million Follower:innen teilt. Mit neun Jahren schon hatte der Jungstudent 2019 an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar als jüngster Teilnehmer den ersten Preis beim Carl Bechstein Wettbewerb in Berlin gewonnen. Und nun kommt sein Debütalbum unter dem Titel „The Source“ bei der Deutschen Grammophon heraus. Er widmet sie Komponisten seiner Heimatstadt Weimar. pk

Das Klavier steht dem blutjungen Pianisten Justus Eichhorn offen und er öffnet es für ein junges Publikum, Foto: Markus Jans

Sein variationsreiches und bisweilen beseeltes Spiel, sein spezieller Sound zwischen verträumt und temporeich, lässt die neue Generation aufhorchen. Er gibt auf den social media-Kanälen durch seine persönlich gefärbte mediale Begleitung einen neuen Wahrnehmungsrhythmus vor. Als Vertreter der Generation Alpha ist Eichhorn schließlich von klein an mit Smartphones, Tablets und digitalen Medien aufgewachsen.

Vor allem aber war der 2009 Geborene in eine Musikerfamilie hineingewachsen. Zuhause hatte ihn schon immer das dort stehende Klavier angelockt, sich darauf zu versuchen, vielleicht, um mit seinen Eltern „mitspielen“ zu können. Denn sein Vater Friedemann Eichhorn, Künstlerischer Leiter der Kronberg Academy und Violinprofessor in Weimar, dürfte im Rhein-Main-Gebiet so manchem Musiklieber vertraut sein. Er und die die bekannte Geigerin und Bratschistin Alexia Eichhorn, Mutter von Justus, haben natürlich die Karriere des begabten Sohnes von früh an unterstützt.

Auf dem medialen Instrument Internet bewegt Justus sich ebenso souverän wie auf der Tastatur des Pianos, auf der er schon von Kind an völlig frei improvisierte. Als er dann mit zehn schon sein Debüt mit Haydns Klavierkonzert D-Dur gab, trat er fortan auch als Solist mit Orchestern auf, nicht zuletzt 2025 während einer China-Tournee.

In seinem gerade erschienenen Album The Source – die Quelle ist für ihn seine Geburtsstadt Weimar – zeichnet er deren reiche Musikgeschichte nun nach. Illustriert an Werken von Komponisten, die mit Weimar verbunden waren – darunter J. S. Bach, Paul Hindemith, Felix Mendelssohn, Friedrich Liszt und Richard Strauss und Carl Czerny (Liszts Klavierlehrer).

Auf der Einspielung ist Schuberts Lied in einer Bearbeitung von Alfred Cortot von Goethes „Heidenröslein“ genauso zu hören – und das äußerst kokett interpretiert – wie auch bearbeitete Werke von Vivaldi und Franz Schubert. Manches Stück wurde vom Jungkomponisten Eichhorn neu arrangiert wie die Czerny–Etude op. 740 Nr. 14.

Die Aufnahme, in der die Doppelbegabung des jungen Musikers als Interpret und Komponist zum Ausdruck kommt, kam gerade digital als auch parallel dazu auf CD heraus, und einige ausgewählte Musiken zudem auf LP, was sich derzeit wohl aus nostalgischen Gründen bei den Jugendlichen großer Beliebtheit erfreut. Das Largo aus Vivaldis Flautinokonzert RV 443 in der Bearbeitung des Pianisten war schon früher als Stream oder Download zu hören. Es folgten Ständchen von Liszt (nach Schubert), aber auch die Komposition Silent Fields von Eichhorn selbst.

Auch inspiriert ihn die Umgebung, in der er spielt, Foto:Markus Jans

Dann ist Bachs Italienisches Konzert (inspiriert durch die von Vivaldi geprägten Gattung) und das Adagio in d-Moll von Bach (nach Marcello, dem Konzertmeister am herzoglichen Hof in Weimar), zu hören. Hinzu kommen ein völlig entkitschter Liebestraum, aber auch der Mephisto-Walzer sowie weitere Werke von Franz Liszt, der 150 Jahre später am selben Hof als Kapellmeister in außerordentlichem Dienst wirkte.

Mendelssohn Barthody wiederum, in Weimar zu Gast bei Goethe, ist mit einem der Lieder ohne Worte (op. 30 Nr. 1) vertreten; Richard Strauss, ein weiterer namhafter Kapellmeister der Stadt, mit Morgen!, und zwar in Regers Klavierbearbeitung. Eichhorn wollte nicht zuletzt auch einen Bezug zum Weimarer Bauhaus herstellen. Das immerhin hatte der Architekt Walter Gropius dort gegründet.

Auf der Suche nach entsprechenden musikalischen Kompositionen war er auf den Klavierzyklus In einer Nacht … von Paul Hindemith, einem Komponisten, der eng mit dem Bauhaus verbunden war, gestoßen. Berückend, geheimnisvoll und undurchdringlich scheinen im ersten Satz alle Konturen zu verschwinden. Woher der junge Musiker nur diese Reife hat, das so zart zu spielen?

Neben der Vivaldi-Bearbeitung enthält The Source zudem drei Ersteinspielungen dreier eigener Kompositionen Eichhorns. Seine eigene Musik, erläutert Eichhorn, entstehe meist aus der Improvisation heraus: „Ausgangspunkt sind dabei innere Bilder, deren Stimmung und Bewegung ich in Klang verwandle.“

Die Etüden wiederum geben Einblicke in Eichhorns tägliches Üben wie seine Clips mit Musik von Czerny, die man schon online hören konnte. Zwei Etüden erscheinen auf dem Album: eine in ihrer Originalfassung, die andere in Eichhorns verlangsamter Version mit einem Twist, den er so begründet: „Ich wollte bei meinen verlangsamten Czerny-Arrangements etwas Neues ausprobieren“, mit dem Ziel,„eine salonartige Atmosphäre zu schaffen und die aufrührerischen Etüden in eine meditative Stimmung umzuwandeln.“

Das Meditativ-Verträumte, manchmal auch Gedämpfte im Falle vom Mephisto-Walzer, an einer anderen Stelle scharf wie auf einem Ritt der Rasierklinge, scheint dem leidenschaftlichen Piano-Spieler ebenso zu liegen wie das fast sportlich Rapide.

In der Saison 2026/27 wird er pünktlich zum Beethovenjahr seinen Zyklus der Beethoven-Klavierkonzerte vollenden und in den unterschliedlichsten Konzerthäusern in ganz Deutschland und im tschechischen Hradec Králové spielen. Darüberhinaus wird es in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Österreich Recitals geben.

Neben seiner pianistischen Ausbildung an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar erhält der so fußballbegeisterte wie auch energiegeladene Pianist Justus Eichhorn noch Unterricht im Dirigieren. Dabei hat er wohl die Zukunft eines Musikers im Blick, der sich auf Dauer nie auf seinen Lorbeeren ausruhen kann.

 

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