Handwerksfest in der Neuen Frankfurter Altstadt
Traditionelle Metiers, Zünftiges und moderne Produktionsweisen
Bekannt ist die Mainmetropole vor allem als florierende Messe-, Banken- und Handelsstadt. Wenige aber wissen, dass ihr Wohlstand über Jahrhunderte nicht zuletzt vom Handwerk geprägt war. Diese Tradition haben inhabergeführte Geschäfte im wiederaufgebauten Quartier der Neuen Altstadt aufgegriffen. Voller Stolz zeigen sie nun vom 18. bis 20. September am „Fest des Handwerks“ in ihren Läden ihr Können. Darüberhinaus bietet die *IGNA sowohl ansässigen Betrieben als auch denen aus dem Umland die Möglichkeit, in der neuen Altstadt ihr Handwerk zu präsentieren, um Menschen dafür zu begeistern. pk
Entspannen in der Weinbar & Vinothek der traditionsreichen Winzerfamilie Balthazar Ress, Foto: Petra Kammann
Einst waren die Gassen der Altstadt oft einem Beruf gewidmet. Die zünftig organisierten Nachbarschaften klingen heute noch in Bezeichnungen wie Schirn und Bendergasse nach. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs hatten die gewachsene Struktur der Altstadtgassen zunichte gemacht. Aber die kreativen Eigentümer der Läden beleben diese Tradition nun neu.
Extravagante Kopfbedeckungen

Im Hutladen von Cornelia Plotzki entstehen extravagante Hüte, Foto: Coy – art to wear
Im Spannungsfeld zwischen Kunst und Handwerk entstehen am Markt 38 bei der Inhaberin Cornelia Plotzki Hüte aus hochwertigem Material, die dem Zeitgeist gerecht werden und eine moderne Interpretation finden! Gut behütet kann man sich mit diesen Kreationen durchaus auch auf exquisiten Veranstaltungen wie Pferderennen oder Hochzeiten sehen lassen.
Gleich, ob individuelle Goldschmiedearbeiten, extravagante Hüte, genähtes und bedrucktes Modedesign, passgenaue Schuhe, technisches Knowhow mechanischer Uhren, aber auch vor Ort geröstete Kaffeespezialitäten, besondere Weine oder hausgemachte Nudeln, – dies und vieles mehr herzustellen und zu vertreiben, gehört zum Alltag der Gewerbetreibenden in der Neuen Altstadt.
Handwerk mit Präzision und Zeit
Jede Uhr erzählt ihre eigene Geschichte, davon ist Uhrmachermeister Andreas Triffterer überzeugt
Wer wissen möchte, was in einer mechanischen Uhr steckt, kann beim Uhrmachermeister Andreas Triffterer am Römerberg 10 vorbeischauen. Da lädt Meister Triffterer zu Einblicken in das Uhrmacherhandwerk ein und beantwortet Fragen wie: Was macht eigentlich ein Uhrmacher? oder: Wie funktioniert eine mechanische Uhr? Warum braucht eine Uhr eine Revision? Wie funktioniert eine Unruh? Wie genau läuft Ihre Uhr? Er erläutert, wie man eine Uhr in Einzelteile zerlegt oder wie ein geschmeidiges Lederband den Charakter einer Uhr verändern und auch, wie man das Band wechseln kann. Mit Leidenschaft für das traditionelle Uhrmacherhandwerk und einem geschulten Blick für Details kümmert er sich besonders um kostbare Uhren, die er auch fachmännisch repariert. Daneben verkauft er Vintage-Uhren und stilvolles Uhrenzubehör.
Frankfurt als Inspiration –Trend[geschick]
Im hübschen Ladenlokal Trend[geschick] entwirft und schneidert Modedesignerin Antje Parra Mora
Frankfurt mit seinen Hochhäusern, Brücken und historischen Orten, aber auch die dort anzutreffende Natur und Pflanzen können inspirierend sein. Die Entwürfe der Modedesignerin Antje Parra Mora in der Boutique Trend[geschick] am Markt 30 entstehen aus dem, was sie in ihrem Alltag wahrnimmt: Was ihre trendigen Modestücke außerdem verbindet, sind eigene Schnitte, handgefertigte Siebdrucke und nachhaltige Stoffe. Und bei ihr kann man sich sein Lieblingshoodie schneidern lassen und live erleben, wie zum Beispiel ein Muster professionell zugeschnitten wird, welcher Stoff sich dafür besonders eignet und was am Ende darauf zu sehen ist. Beeindruckend zu erleben, wieviel Arbeit in so einem Hoodie stecken und dabei gute Laune machen kann. Und gleich ob Motive wie ikonische Hochhäuser mal aus anderer Perspektive oder filigrane Blüten. Sie machen aus jedem Kleidungsstück ein Unikat. Die dazu verwendeten Siebdrucke kann man sich sogar auch an die Wand hängen.
Blick in das Goldschmiede & Meisteratelier FEINFORM
Auch die Goldschmiedearbeiten von Rena Jarosewitsch verlangen höchste Präzision an ihrer Werkbank, Foto: FEINform
Von der Idee über den Entwurf zur Umsetzung. Wenn man sich durch das Atelier am Markt 28 a führen lässt, dann erläutert die Goldschmiedin und Schmuckdesignerin Rena Jarosewitsch Details zu Edelsteinen und Edelmetalllegierungen und lässt die erforderlichen Schritte zur Entstehung einzelner Schmuckstücke lebendig werden. Natürlich werden die individuell gefertigten Schmuckstücke über die Tage hier auch verkauft. Also Portemonnaie nicht zu Hause liegen lassen!
Aphery Schuhatelier
Richard Aphery in seinem hochwertigen Schuhatelier, Römerberg 8-10, Foto: Aphery
Apherys Name steht für verantwortungsbewussten Konsum und Leidenschaft für Handwerkskunst. In seinem Schuhatelier werden ausschließlich nachhaltige Materialien verwendet. Jedes einzelne Paar Schuhe wird in fachmännischer Beratung, liebevoller Handarbeit und mit höchster Sorgfalt maßangefertigt. Daneben kann man in seinem Laden auch handgemachte Lederschuhe in Konfektionsgrößen erwerben. Und die Reperaturen, die sind auf jeden Fall hier erstklassig.
Auch im Struwwelpeter-Museum, Hinter dem Lämmchen 2-4, gibt es etwas zu sehen und zu erleben: Hier versucht die Friseur- und Kosmetik-Innung über die Tage nicht nur Struwwelpeters Haarpracht kunstvoll Herr zu werden, sondern lädt auch ein, Haarflecht-Techniken zu erlernen, um das Spektrum des natürlichen Haars durch kunstvolle Flechtfrisuren und farbige Extensions zu erweitern.

Seht einmal , da steht er … Blick auf das Struwwelpeter-Museum (links), Foto: Petra Kammann
Aber auch externes Handwerk ist an diesem Wochenendeim Altstadtquartier zu Gast! Ob Vorführungen zu Zimmerei oder zu Mitmach-Aktionen. Die Schornsteinfeger werden ebenfalls vor Ort sein und von ihrem Handwerk berichten und für Glück sorgen!
Um die Mittagszeit kann man dann beim Café Bistro Troisi am Markt 44 zuschauen, wie frische Pasta selbst gemacht wird. Des weiteren wird es Führungen zum Thema „Lehrling, Geselle, Meister – Historische Zünfte im alten Frankfurt“ geben und vielleicht tauchen ja auch zwei reale Wandergesellen auf, die an diesem Wochenende über ihr Leben auf der Walz als Handwerksgeselle zu berichten.
Für das leibliche Wohl sorgen die Gastronomiebetriebe in der Altstadt, beim alten Rheingauer Familienbetrieb Balthasar Ress im Haus Grüne Linde, Markt 13a, kann man nicht nur den Unterschied eines ökologisch angebauten Weins erschmecken, auch hier kann man das ein oder andere traditionell hergestellte Häppchen verkosten.

Auf jeden Fall lädt das umfangreiche Programm in der neuen Altstadt dazu ein, den Handwerkenden über die Schulter schauen. Und das alles bei kostenlosem Eintritt! Da ist die aufgeregte Welt für eine Weile wieder ein bisschen in Ordnung!
*IGNA ist die Interessengemeinschaft Neue Altstadt




