Adler, Orden, Wahlurne. Redesigning Democratic Representation im Museum Angewandte Kunst
Aus Alt mach Neu – Demokratie auf dem Prüfstand
Von Walter H. Krämer
Nicht nur bei Wahlen – aber da in besonderem Maße – steht unser Verhältnis zur Demokratie und deren Repräsentant*innen auf dem Prüfstand. Da öffnet der Blick auf Zeichen unserer Staatsform – Mülltonnen als Wahlurne, ein Raubvogel als Staatswappen und ein Orden (Bundesverdienstkreuz) in der Formensprache militärischer Tradition – eine etwas andere Perspektive.

Schlichter Bundesadler, Foto: Walter H. Krämer
Die Ausstellung lädt dazu ein, vertraute Zeichen des demokratischen Gemeinwesens neu zu betrachten und zu fragen, ob sie noch zu dem passen, was wir heute unter Demokratie verstehen. Kuratiert von Prof. Dr. Friedrich von Borries setzen sich bereits etablierte Künstler*innen als auch Studierende mit diesen drei Zeichen der Demokratie in einem Redesigning-Prozess auseinander und versuchen, Bestehendes durch gezielte Eingriffe besser zu machen.

Natali-Lina Pitzer, Prof. v.l.n.r.: Matthias Wagner K. und Kurator Prof. Dr. Friedrich von Borries, Foto: Walter H. Krämer
In vielen deutschen Kommunen ist man daran gewöhnt, den Stimmzettel in eine umfunktionierte Mülltonne zu werfen. Daher wird in der Ausstellung die Frage aufgeworfen, ob dieser äußerliche Rahmen der Würde des demokratischen Wahlaktes gerecht wird und denkt über Alternativen nach.

Sind Wählerstimmen für die Tonne? Bestimmt nicht, Foto: Walter H. Krämer
Der Adler ist ein Raubvogel, der historisch gesehen für Gewalt und Dominanz steht. Diese Zuordnung wurzelt in vordemokratischen Gesellschaften und spiegelt kaum wider, wer wir heute sein wollen. Auch hier versucht die Ausstellung, andere Möglichkeiten aufzuzeigen.

Wie bedrohlich wirkt der Bundesadler auf den Verdiensten?, Foto: Walter H. Krämer
Ähnliches gilt für das Bundesverdienstkreuz. Mit dieser Auszeichnung ehrt der Staat zivilgesellschaftliches Engagement seiner Bürger*innen. Zu fragen ist aber, ob dies in Form eines Ordens geschehen soll, der in sowohl christlicher Bildbedeutung als auch in militärischen Traditionen verortet ist.

Arbeit für die Ehre kann auch süß sein, Foto: Walter H. Krämer
Das Forschungsprojekt Re-De-Re untersucht die Wechselwirkungen von Gestaltung und politischer Repräsentation und fragt, wie Design dazu beitragen kann, demokratische Selbstverständlichkeiten neu zu verhandeln. Ein kluger Ansatz und eine sinnlich erfahrbare Ausstellung. Gehen Sie hin und lassen sie sich überraschen.

Das Museum Angewandte Kunst zeigt noch bis zum 21. Februar 2027 die Ausstellung „Adler, Orden, Wahlurne. Redesigning Democratic Representation“.
