Museum Angewandte Kunst zeigt „On Display. Wie Grafikdesign uns gestaltet“
Die Wirkmacht von Grafikdesign in Zeiten politischer und technologischer Umbrüche
Grafikdesign ist allgegenwärtig. Ob Lebensmittelverpackungen, digitale Interfaces auf Smartphones oder Werbeflächen und Leitsysteme im öffentlichen Raum – alles, was uns an visuellen Medien umgibt, ist grafisch gestaltet und intendiert eine Wirkung. So prägt Grafikdesign, wie wir wahrnehmen, verstehen, fühlen und handeln – oft ohne, dass wir uns dessen bewusst sind. Die Ausstellung „On Display. Wie Grafikdesign uns gestaltet“ im Frankfurter Museum Angewandte Kunst untersucht die gesellschaftliche Dimension von Grafikdesign und fragt nach seiner Wirkmacht in Zeiten politischer, technologischer und sozialer Umbrüche. Dabei ist die von Dr. Jonas Deuter kuratierte Ausstellung eine Einladung und Ermutigung, die Gestaltbarkeit unserer Umgebung durch Grafikdesign zu erkennen und die gesellschaftliche Verantwortung der Disziplin neu zu verhandeln.

Ausstellungsplakat; ©Grafik: Autostrada Studios
Die Ausstellung wie auch die Begleit-Broschüre hat laut Prof. Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst, „das Ziel Grafikdesign aus einer Perspektive der Diskursfähigkeit angewandter Kunst zu hinterfragen und greift nicht zuletzt zentrale Konzepte des Themas ‚Design for Democracy. Atmospheres for a better life‘ auf, mit dem die Region Frankfurt RheinMain den Titel World Design Capital 2026 trägt.
Die Darstellung von Informationen beeinflusst, was wir wissen – oder zu wissen glauben. Zahlen, Daten und Fakten sind kein formloses Material, sondern immer auf eine bestimmte Art und Weise gestaltet. Und alles, was gestaltet ist, könnte immer auch anders gestaltet sein. Damit ist jede gestalterische Entscheidung immer auch eine inhaltliche. Unter dem Titel „Design Macht Wissen“ untersuchen die Designer Robin Coenen und Danielle Rosales, wie Grafikdesign Wissen formt und vermittelt und, welche Machtverhältnisse dadurch entstehen.

Über das anspruchsvolle Ausstellungsprogramm informieren von links: Natalie-Lina Pitzer, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Museumsdirektor Prof. Matthias Wagner K und Kurator Dr. Jonas Deuter; Foto: Hans-Bernd Heier
Auch die Werkzeuge, mit denen gestaltet wird, sind nicht neutral. Die Geschichte des Grafikdesigns ist eng mit technologischem Fortschritt verbunden. Aktuell stößt uns die Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz in eine neue Medienrevolution und fordert auch die Disziplin des Grafikdesigns grundlegend heraus. Die Designer Aline Bavier und Sophia Becker nehmen eine offensive Haltung ein und eignen sich die gestalterischen Mittel dieses technischen Umbruchs an. In ihrer Videoinstallation „re constructed“ (re-konstruiert) verarbeiten sie gemeinsame Kindheits- und Jugenderinnerungen mit Hilfe von generativen Bildmodellen.
Der Kanon des Grafikdesigns wurde insbesondere im 20. Jahrhundert vom Anspruch geprägt, allgemeingültige Gestaltungsprinzipien zu formulieren. In ihrem „Glossary of Undisciplined Design“ (Glossar des undisziplinierten Gestaltens) machen Anja Kaiser, Rebecca Stephany und weitere Autor:innen deutlich, dass sich die Disziplin ebenso gut als offenes und widersprüchliches – also undiszipliniertes – Feld begreifen lässt, das sein Potenzial in der Zusammenarbeit, der Vielstimmigkeit und der Bereitschaft entfaltet, Gegebenheiten zu hinterfragen.

Ausstellungsansicht; Foto: Guenzel Rademacher, ©museumangewandtekunst
Die Ausstellung „On Display. Wie Grafikdesign uns gestaltet“ wird gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und die Installation „re constructed“ von Aline Bavier und Sophia Becker durch die Kulturstiftung Liechtenstein. Die Schau findet im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 statt.
hbh
Weitere Informationen unter: info.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de
