Das Kronberg Festival 2026 unter dem Motto: „Courage!“
Über Mut, Menschlichkeit und die Kraft der Musik
Von Petra Kammann
Was gibt Menschen den Mut, ihren Überzeugungen zu folgen, neue Wege zu gehen und in unsicheren Zeiten Haltung zu zeigen, so wie es der katalanische Cellist Pablo Casals, dessen Geburtstag sich 2026 zum 150. Mal jährt, vorlebte, in dem er nie mehr in einem von Diktator Franco abhängigen Land spielte? Der Humanist und Namensgeber des Casals Forums verkörperte wie kaum ein anderer die Verbindung von Kunst, Menschlichkeit und Verantwortung. Sein Beispiel prägt daher die Leitidee des Kronberg Festival 2026 (22. September bis 4. Oktober) unter dem Motto „Courage!“

Vorbildhaft und couragiert: der so inspirierende Cellist Pablo Casals, Foto: Fitz Henle
Im Casals Forum und in Kronberg wird in rund 30 Konzerten Musik zu hören sein, die tröstet, ermutigt, aufrüttelt und verbindet. Dazu gibt es öffentliche Cello Meisterkurse, die Geigenbau Biennale Kronberg, Workshops, Konzerteinführungen. Sie bilden mit einem Podiumsgespräch und einer Ausstellung über den Pablo Casals als Gradmesser das Rahmenprogramm.

Intendant Raimund Trenkler (re) und Prof. Dr. Friedemann Eichhorn, Künstlerischer Leiter (li)… Foto; Petra Kammann
Der Gründer und Intendant der Kronberg Academy Raimund Trenkler ist selbst Cellist und fühlt sich daher dem für ihn persönlichen großen Vorbild Casals verbunden. In der Programmvorstellung erinnerte Trenkler auch an den beherzten Mstislav Rostropowitsch, mit dem er einst das Kronberger Cello-Festival gründete, aus dem später dann die Kronberg Academy hervorging. Den meisten ist der couragierte Exil-Russe Rostropowitsch in Erinnerung, weil er am 11. November 1989, zwei Tage nach dem Mauerfall, in Berlin spontan und in sich versunken am Checkpoint Charlie auf seinem Cello Bach-Suiten für die Opfer der Berliner Mauer spielte.
Trenkler begründet seine Wahl für das Thema so: „Courage ist für uns kein abstraktes Motto. Es geht um die Frage, wie Musik Menschen stärken kann: im Vertrauen auf die eigene Stimme, im Mut zur Verantwortung und in der Bereitschaft, einander zuzuhören. Pablo Casals hat uns vorgelebt, dass Kunst, Menschlichkeit und Haltung zusammengehören. Das Kronberg Festival 2026 knüpft daran an und fragt, was diese Haltung heute für uns bedeuten kann.“

Intendant und Gründer der Kronberg Academy Raimund Trenkler, Foto: Petra Kammann
Programmatisch zeigt sich Courage daher auch in Werken, die von Aufbruch, Widerstand, Hoffnung und künstlerischem Wagnis erzählen, so wie es Uraufführungen und Auftragskompositionen oftmals sind und die eigens zum Festivalthema entstehen. Und wenn Künstlerinnen und Künstlern, die mit Integrität und persönlicher Haltung mit jungen Musikerinnen und Musikern auf der Bühne stehen, die im Austausch mit großen Künstlerpersönlichkeiten noch ihren eigenen Weg suchen und finden müssen, zeugt das oftmals von Mut und Überwindung.

Pablo Casals Award für Gabriela Montero, Foto: Anders Brogaard
Zur Eröffnung des Festivals wird der Pablo Casals Award an die venezolanische Pianistin und Komponistin Gabriela Montero verliehen.
Zu den zweifellos berührenden Momenten des Festivals wird der Auftritt der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv mit dem Youth Symphony Orchestra of Ukraine gehören. Oksana Lyniv steht gemeinsam mit jungen Musikerinnen und Musikern auf der Bühne, deren Alltag vom Krieg in der Ukraine überschattet ist und die dennoch weiter musizieren.

South symphony Orchestra of Ukraine unter der Leitung von Oksana Lyniv beim Lucerne Festival, Foto: LUCERNE FESTIVAL/Priska Ketterer
In den Konzerten mit Johannes Moser und Thomas Hampson wird Hoffnung, Widerstandskraft und Zukunftsglaube in einer Uraufführung eines Werks des ukrainischen Komponisten Yuri Laniuk heraufbeschworen.
Dass zwischen Alter Musik und Gegenwart neue Klangräume entstehen können; dafür wird Avi Avital und die Kremerata Baltica stehen und neue Perspektiven öffnen. Anna Prohaska, das Ensemble Resonanz und Riccardo Minasi verschränken in „Illumination“ Tradition und Avantgarde.
Das Jerusalem Quartet gestaltet zum Ende des Festivals eine musikalische Reise durch europäische Klang- und Kulturräume. Das Stegreif – The Improvising Symphony Orchestra wird mit „freeEroica“ Beethovens Dritte Sinfonie als Aufbruchserfahrung neue Hörerfahrungen vermitteln.
Darüber hinaus zählen unter anderem Gabriela Montero, François Leleux und das hr-Sinfonieorchester, Edgar Moreau, Marie-Elisabeth Hecker, Martin Helmchen, István Várdai, Sheku Kanneh-Mason, Gidon Kremer, Sir András Schiff, Janine Jansen, Fazıl Say, das Chamber Orchestra of Europe, die Kremerata Baltica, das Ensemble Resonanz, das Jerusalem Quartet sowie die Kronberg Young Soloists zu den Mitwirkenden.
Junge Solistinnen und Solisten
Eine zentrale Rolle spielen in Kronberg immer wieder die jungen Musikerinnen und Musiker der Kronberg Academy: die Kronberg Young Soloists. In Konzerten, öffentlichen Meisterkursen, Proben und Begegnungen erlebt man unmittelbar, was das Herz der Kronberg Academy ausmacht: die Weitergabe künstlerischer Erfahrung, Verantwortung und musikalischer Haltung von einer Generation an die nächste.
Junge Cellistinnen und Cellisten aus aller Welt arbeiten mit international renommierten Lehrenden, erhalten Impulse von ihnen, schärfen ihren künstlerischen Standpunkt und treten im Rahmen des Festivals auch in Abschluss- und Preisträgerkonzerten auf.
In den öffentlichen Cello Meisterkursen vom 25. bis 30. September 2026 kann das Publikum unmittelbar erleben, was Courage und Beherztheit konkret bedeutet, wenn die Spielenden im Prozess des Lernens, des Ausprobierens und des Wachsens vor Publikum nicht zuletzt ihr Lampenfieber überwinden.

Künstlerischer Leiter Friedemann Eichhorn, Foto: Petra Kammann
„Das Festival bringt musikalische Tradition und Gegenwart in einen lebendigen Dialog. Bekannte Werke erscheinen in neuen Zusammenhängen, Uraufführungen greifen existenzielle Fragen unserer Zeit auf, und die jungen Solistinnen und Solisten der Kronberg Academy werden Teil dieses Austauschs. So entsteht ein Programm, das Courage nicht erklärt, sondern hörbar macht“, so Prof. Dr. Friedemann Eichhorn, Künstlerischer Leiter der Kronberg Academy.
Mit dem Kronberg Festival eröffnet zugleich die Saison 2026/27 im Casals Forum. Auch in der neuen Saison setzt sich die künstlerische Leitidee des Festivals fort, in der gilt: Hier begegnen weltberühmte Künstlerinnen und Künstler noch ganz jungen Talenten.

Zukunftsmusik in der kommenden Saison sind die „Chorwelten „, Foto: Petra Kammann
Natürlich werden hier etablierte Reihen fortgeführt und immer wieder neue Formate geschaffen, um zusätzliche Perspektiven zu öffnen. Dazu zählen unter anderem die Mittwochskonzerte, die FreundschaftsSpiele, die Concerti Brillanti, die Reihe der FrankfurterBachkonzerte „Bach im Fluss“, Jazz@Casals, das Lied im Casals Forum, Klavier Solo, Kids@Casals, das Chamber Music Festival sowie die neue Vokalreihe Chorwelten. Der Klang in dem akustisch herausragenden Kammermusiksaal dürfte den menschlichen Stimmen auch besonders entgegenkommen.
Das vollständige Programm des Kronberg Festivals und der Saison 2026/27 ist abrufbar unter: www.kronbergacademy.de.
Saisonbroschüre hier zum Download
Karten für das Kronberg Festival 2026 und die Saison 2026/27
unter www.kronbergacademy.de/tickets,
per E-Mail an: karten(at)kronbergacademy.de
sowie im
Kartenbüro
Casals Forum
Beethovenplatz 1
61476 Kronberg im Taunus.
Tel: 06173 – 78 33 77
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10.00 bis 13.00 Uhr,
Mittwoch von 15.00 bis 18.00 Uhr.
