Streetart, Murals und Graffiti im öffentlichen Raum der Stadt Frankfurt (3)
Impressionen
von Walter H. Krämer (Text und Fotos)
Hinter dem Künstlernamen COR – alle vier abgebildeten Werke sind von ihm – verbirgt sich der bekannte Frankfurter Street-Art- und Graffiti-Künstler Justus Becker. Der Name COR leitet sich vom lateinischen Wort für Herz ab. Der Künstler wählte das Pseudonym, da er als Kind eine schwere Herz-Operation durchmachte und damals begann, intensiv zu malen, um den Eingriff zu verarbeiten.

Herzschlag auf Naxos
Becker hat vor allem in Frankfurt am Main zahlreiche großflächige Wandbilder (Murals) im öffentlichen Raum geschaffen – vier davon sind hier zu sehen.
„Rebellion Sisters “ – Das Motiv des Murals im Hof der Naxoshalle steht für weibliche Rebellion, Solidarität und Sichtbarkeit in der oft männlich dominierten Street-Art-Szene.

Theodor Adorno is watching you – Mural an der ehemaligen Mensa der Frankfurter Uni
Das Theodor W. Adorno-Graffiti von Justus Becker (COR) und Oğuz Şen befindet sich am ehemaligen Labsaal auf dem Uni-Campus Bockenheim in Frankfurt am Main.
Das großflächige Mural entstand im Spätsommer 2017 im Rahmen des Kunstprojekts „Signal Labsaal“ (in Kooperation mit dem Offenen Haus der Kulturen e.V.). Die Künstler gestalteten die Außenwände des Gebäudes, das ehemals als Mensa und später als Geflüchtetenunterkunft diente.

„Let Your Life Grow“ – Mural an einer Außenwand Diesterwegstraße/Ecke Schwanthalerstraße
Das Werk „Let Your Life Grow“ („Lass dein Leben wachsen“) ist ein Plädoyer für die innere Weiterentwicklung. Es erstreckt sich über mehrere Stockwerke in die Höhe und verändert das sonst eher triste, urbane Straßenbild an dieser viel befahrenen Kreuzung. Die fließenden, bunten Farbschichten, die das Gesicht umgeben, symbolisieren die verschiedenen Facetten, Erfahrungen und Emotionen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens ansammelt. Es fordert den Betrachter auf, sich nicht einengen zu lassen, sondern das eigene Potenzial voll zu entfalten.
Das großflächige Wandbild (Mural) „Freedom of Thoughts / Limitation of Deeds“ von Justus „COR“ Becker befindet sich seit November 2017 an einer Hausfassade im Frankfurter Nordend am Sandweg.

„Freedom Of Thoughts“ an einer Außenwand in Bornheim
Im Zentrum steht ein ausdrucksstarkes, fotorealistisches Gesicht, das von bunten, ineinander verlaufenden Farbschlieren durchzogen ist. Diese Farben symbolisieren die Lebendigkeit, Kreativität und die unbegrenzte Vielfalt der menschlichen Gedanken.
Im harten Kontrast zu den bunten Farben des Gesichts stehen die übrigen Objekte, die komplett in tristem Schwarz-Weiß bzw. Graustufen gehalten sind.
Angekettete Hände stehen sinnbildlich für die physische Unfreiheit und die Einschränkung des Handlungsspielraums. Ein aufgeschlagenes Buch, Geldscheine und Dokumente symbolisieren gesellschaftliche Zwänge, Bürokratie, Kapitalismus und Gesetze, die den Geist einrahmen, kontrollieren oder ablenken wollen.
Das Werk ist eine visuelle Umsetzung des klassischen philosophischen und rechtlichen Dilemmas: Die Gedanken sind frei, aber das Hand-eln stößt an Grenzen.
Hier ein Link zur Begriffsklärung:
