Frei improvisierte Musik im kühlen Kirchenraum mit dem Jazz-Musiker Christof Lauer
Meditative Klänge und ein prägnant miteinander verzahntes Spiel
Der Saxofonist Christof Lauer hat sich mit seiner virtuosen Technik und expressiven Spielweise einen Spitzenplatz in der Jazz-Welt erspielt. Er „ist ein phänomenaler Stilist, ein Klangmaler ohne Grenze und Rand, aber doch immer auch ein Ästhet, der sein Instrument achtet, nie in Gefahr gerät, es zu verschlingen oder auszuquetschen“, sagt der renommierte Musikkritiker und Jazzautor Wolfgang Sandner über ihn. Und die Frankfurter haben nun das Glück, Christof Lauer in diesem Sommer einmal im Monat in der Alten Nicolaikirche auf dem Römerberg live zu erleben…

Der Saxofonist Christof Lauer, Foto: Norbert Gutier
Nicht ganz zufällig hat Lauer den sakralen Raum für sein Spiel gewählt: „Es hat für mich einen besonderen Reiz in dem weiten Kirchenraum zu spielen“, sagt er, denn dort entstehe aus dem Moment eine Klang- und Motivreise, auf die er seine seine Zuhörer mitnehmen wolle.
Es ist selbst für ungeübte Ohren verblüffend, wie der modulierende Saxofonist es schafft, ohne instrumentale Begleitung, allein mit dem Tenor- und Sopransaxofon einen Klangraum zu schaffen, den er ohne zusätzliche Musiker musikalisch gestaltet, gewissermaßen als musikalisches Zwiegespräch mit sich selbst, dem reagierenden Publikum und über die im Kirchenschiff schwingenden und nachhallenden Töne, die er gekonnt wieder weiterspinnt.
Zum Hintergrund des Musikers: Der Sohn eines Pfarrers aus Melsungen bekam schon früh Klavierunterricht und spielte zunächst Cello, bis er auf das Saxofon umstieg. Zweifellos hat er die anderen instrumentalen Stimmen in seinem inneren Ohr gespeichert. Im Laufe der Zeit spielte er mit Carla Bley, United Jazz+Rock Ensemble, Volker Kriegel Band, dem HR Jazzensemble und seit Beginn der 1990er Jahre in der NDR Bigband, was ihn zum Pendler zwischen Hamburg und seinem Wohnort Frankfurt werden ließ.
Weitere große Namen, mit denen Lauer kooperiert hat, waren u.a. Joachim Kühn Mangelsdorff/Dauner Quintett, Jens Thomas und etliche andere. Immer bewahrte sich der Saxofonist dabei seine musikalische Neugierde und seine Lust am Risiko. Denn – das scheint tief in seinem Bewusstsein verankert zu sein – setzt Spontaneität im Spiel Risikobereitschaft voraus, um neue Wege zu gehen, was natürlich auch einen Teil des Reizes dieser Konzertreihe ausmacht, der sich auf das Publikum ganz unmittelbar überträgt.
Lauer hatte seine musikalische Virtuosität, Originalität und Vielseitigkeit auf seinem Instrument, dem Saxofon, nicht nur in ganz unterschiedlichen Ländern und den dortigen Kulturen – ein abenteuerlicher Odysseus also – geschliffen, sondern auch in den unterschiedlichsten Formationen, gleich ob im Duo, Trio, Quartett, Quintett oder bei der NDR-Bigband.
Vor mehr als zehn Jahren betrat Lauer dann das für ihn neue Terrain. Ohne instrumentale Begleitung schuf er mit mit seinem Tenor- und Sopransaxofon einen eigenen Klangraum, den er allein musikalisch weiterentwickelte.
Das lässt sich übrigens auch auf einer CD-Solo-Saxofon-Einspielung, die im späten Frühjahr erschien, nachhören. Sie trägt den beziehungsreichen Titel Odyssea Sonorum und erinnert uns daran, dass wir ganz fein die Ohren spitzen sollen, wenn es um Mythen geht, denn Homers Epos kommt nun mit dem voluminösen Action-Fantasy-Film Odyssee von Christopher Nolan. in die Breitwandkinos.
Die feinen Fäden der Bezugspunkte aufzunehmen ist eine weitere Begabung des Musikers Lauer. „Jazz ist Kommunikation“ , lautet daher nicht von ungefähr seine Grundüberzeugung. Eigentlich auch eine Einladung für machtbesessene Politiker…
Petra Kammann
Die nächsten Konzerte von Christof Lauer
10.08.2026 Frankfurt / Alte Nikolaikirche
04.09.2026 Mainz / St. Ignaz
14.09.2026 Frankfurt / Alte Nikolaikirche
13.10.2026 Frankfurt / HR Sendesaal
09.11.2026 Frankfurt / Alte Nikolaikirche
Das Solo-Album von Christof Lauer erschien unter dem Titel : Odyssea Sonorum, Label: An:Bruch in den Formate: CD, LP, und digital.

Das Album enthält Liveaufnahmen aus einer Konzertreihe, die Christof Lauer zusammen mit der Jazz-Initiative Frankfurt 2019 ins Leben gerufen hat. Alle Konzerte wurden mitgeschnitten, doch letztendlich entschied sich Lauer für drei Stücke aus dem Jahr 2025 mit insgesamt 52 Minuten Laufzeit.
