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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

„dreams, ideas & prototypes“ im Museum Angewandte Kunst (2)

Imposantes Schaufenster für neue Generation von Designern und Forschern

Von Hans-Bernd Heier

Alle zwei Jahre verleiht die World Design Organization den Titel „World Design Capital“ (WDC) an eine Stadt oder Region. 2026 ist Frankfurt RheinMain die internationale Bühne für Design. Unter dem Titel „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ realisiert WDC zusammen mit regionalen Partnern und Institutionen „wegweisende Projekte und zahlreiche Veranstaltungen, die zeigen, was Design leisten kann – für die Gesellschaft und die Demokratie, für unser Zusammenleben und unseren Alltag“, so Prof. Roland Lambrette von der Design FRM gGmbH. Im Mittelpunkt steht die Ausstellung „dreams, ideas & prototypes“ im Museum Angewandte Kunst, die bis zum 9. August zu sehen ist.

„Aerodomestics“ von Valerio Sampognaro, HFBK Hamburg; © Foto: Valerio Sampognaro

Die weitläufige Schau im Museum und im Metzler-Park zeigt, wie kreative und wissenschaftliche Ansätze zusammenwirken, um gesellschaftliche Herausforderungen zu verstehen und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.Die Ausstellung zeigt, wie kreative und wissenschaftliche Ansätze zusammenwirken, um gesellschaftliche Herausforderungen zu verstehen und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.

Die umfangreiche Schau präsentiert im Museum sowie in den Außenbereichen rund 120 Projekte von jungen Talenten aus Design und Architektur sowie von Forschern. Studierende, Lehrende und Start-ups aus den Bereichen Design, Architektur, Kunst und Wissenschaft stellen interdisziplinäre Projekte vor, die sich mit zentralen Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

Im Fokus stehen Themen, die unser tägliches Leben prägen: öffentliche Räume, Gesundheit, Bildung, neue Formen des Zusammenlebens sowie verantwortungsvoller Konsum und technologische Innovationen mit dem Ziel der Stärkung der Demokratie. Unter den Exponaten sind eigens für die Ausstellung entwickelte Projekte der teilnehmenden Partnerhochschulen sowie von nationalen und internationalen Bildungseinrichtungen zu bestaunen. Erstmalig werden zudem preisgekrönte Arbeiten der renommiertesten Design-Awards für junge Designer:innen unter einem Dach ausgestellt.

Zirkuläre Mode zwischen Auflösung und Neuanfang; Foto: Hans-Bernd Heier

Die von den Designerinnen Julia Klass und Corinna Gratzl aus dem WDC-Campus-Team kuratierte Schau ist in fünf Bereiche untergliedert:

Austausch & Miteinander

Wie werden Entscheidungen nachvollziehbar und Mitwirkung attraktiv gestaltet? Demokratie im Alltag eröffnet Chancen, die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Gesundheit & Care

Wie sieht ein gutes Leben aus, wenn Gesundheit selbstbestimmt und Fürsorge sozial gedacht wird?

Beständigkeit & Umwelt

Wie gestalten wir eine Zukunft, die Ressourcen bewahrt und Verantwortung langfristig denkt?

Räume & Teilhabe

Wie wollen wir bauen, wohnen und miteinander in Kontakt treten? Welche Räume ermöglichen Begegnung, Teilhabe und Nachbarschaft?

Bewegung & Mobilität

Wie bewegen wir uns künftig, damit mehr Menschen Anschluss finden? Mobilität ist soziale Infrastruktur.

„Algorithm Times“, von Enes Pavlukovic, Hochschule Darmstadt; © Foto: Lena Everding

„In unserem Grundkonzept geht es darum, die Schau möglichst als interaktive, soziale Situation und als Kreislauf-Projekt zu verstehen“, so die Kuratorinnen. „Das bedeutet, dass möglichst wenig neue Materialien verwendet und die meisten davon nach der Ausstellung in Stoffkreisläufe zurückgegeben werden. Die Ausstellungsarchitektur basiert auf einem modularen Gerüstsystem, das auf Wiederverwendung und Anpassungsfähigkeit ausgelegt ist“.

Darüber hinaus arbeitet das WDC-Campus-Team mit Initiativen wie „Material für Alle“ zusammen, um vorhandene Materialien weiter zu nutzen und deren Lebensdauer zu verlängern. So wird über das Thema Kreislaufwirtschaft nicht nur informiert, sondern diese unmittelbar in der Ausstellungspraxis umgesetzt.

Beispielhaft seien kurz vier der vielen innovativen Projekte der Ausstellung vorgestellt.

„(dis)solve me“ – zirkuläre Mode zwischen Auflösung und Neuanfang

Die Masterkollektion „(dis)solve me“ der Hochschule Niederrhein erforscht das Auf-/Lösen textiler Strukturen technisch, gestalterisch und gesellschaftlich. Im Zentrum stehen zirkuläre Strategien, bei denen das Zerlegen von Textilien nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Lebenszyklus markiert.

„Dissolve“ steht für Fasergewinnung durch Auflösung, „solve“ für neue Lösungen im Ressourcenumgang. Die Kollektion zeigt, dass Recycling nicht abstrakt bleiben muss: Design macht Kreisläufe greifbar und emotional erfahrbar.

Nina Jäcker „Offen–bach“, Hochschule für Gestaltung Offenbach; © Foto: Nina Jäcker

The Algorithm Times

ist eine experimentelle Zeitung, deren Inhalte vollständig mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Das Projekt von Enes Pavlukovic, Hochschule Darmstadt, zeigt, wie digitale Systeme unsere Wahrnehmung, unser Vertrauen und unseren Umgang mit Informationen prägen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Texte, Bilder und Geschichten durch KI entstehen.

Dabei wird sichtbar, dass in Daten und Programmen auch Vorurteile und Machtstrukturen stecken können. Die Zeitung verbindet gedruckte Seiten mit digitalen Elementen wie Augmented Reality. So werden Leser angeregt, Inhalte aktiv zu prüfen und kritisch zu hinterfragen. Das Projekt macht auf Manipulation, Desinformation und Verzerrungen aufmerksam und stärkt den bewussten Umgang mit Medien. Es zeigt, warum ein verantwortungsvoller und transparenter Einsatz von KI für eine demokratische Gesellschaft wichtig ist.

„Aerodomestics“ von Valerio Sampognaro, HFBK Hamburg,

untersucht die Möglichkeiten und Auswirkungen einer zunehmend mobilen Lebensweise, inspiriert von der Material- und Konstruktionslogik von Flugdrachen. Aus Segelstoff und Aluminiumrohren entstehen ultraleichte, voll funktionsfähige Möbel aus gespannten Strukturen, deren nutzbare Flächen zugleich als Tragflächen des Regals als Drachen fungieren können.

„Offen–bach“, von Nina Jäcker, Hochschule für Gestaltung Offenbach

Das Projekt „Offen–bach“, von Nina Jäcker, Hochschule für Gestaltung Offenbach, entwickelt eine Bachoffenlegung in Offenbach als Vorbild für klimaresilientere und lebenswertere Städte. Ausgehend vom Hainbach, der kanalisiert unter der Stadt verläuft, werden Gestaltungsregeln erarbeitet und in einen praxisnahen Designkatalog übersetzt.

Die Offenlegung von Bächen soll die Stadt- und Gewässerökologie stärken, die Klimaanpassung verbessern und Hochwasserrisiken reduzieren. Für die Arbeit wurden Expertisen aus Ökologie, Landschaftsarchitektur und Lokalpolitik einbezogen.

Abgerundet wird die hochinteressante Schau durch thematische Ausstellungsbereiche, in denen Arbeiten von Studierenden mit Projekten etablierter Designer:innen in Dialog treten. Zu den Beteiligten zählen unter anderem Ineke Hans, Tobias Trübenbacher, Andreas Mühlenbehrend, Nico Munkler und Sebastian Oschatz sowie Peter Eckart und Kai Vöckler.

 

Weitere Informationen unter:

www.museumangewandtekunst.de

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