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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

4. Finale des französischen Theaterwettbewerbs an der Carl-Schurz-Schule in Frankfurt-Sachsenhausen

In Szene gesetzt: Ma Liberté – Meine Freiheit, unsere Freiheit

Von Petra Kammann

Was für eine wunderbare Initiative des Institut français: Der französische Theaterwettbewerb der hessischen Schulen richtete sich im Schuljahr 2025/2026 an alle Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen, die Lust haben, kreativ mit der französischen Sprache zu arbeiten und gemeinsam ein eigenes kleines Theaterstück zu entwickeln und aufzuführen. Und das zum Thema Freiheit. Mit dem Ringen um Freiheit kann man nicht früh genug beginnen. Gleich ob politisch, persönlich oder poetisch – die Schüler selbst konnten entscheiden, wie sie dieses große Thema auf die Bühne bringen. Was bedeutet Freiheit für sie? Ihrer Phantasie waren da keine Grenzen gesetzt! …

Hier ist die Freiheit direkt auf die Schultafel geschrieben…, Foto: Petra Kammann

Stand das Finale im vergangenen Jahr unter dem Motto: „Le bonheur“, also unter dem Schutzschirm des Glücks, so lautet es in diesem Jahr: „la Liberté“. Kaum hatte ich mich in das Dunkel der Aula der Frankfurter Carl- Schurz-Schule hineingeschlichen, begleitete mich der Ohrwurm „Ma liberté /Longtemps je t’ai gardée/Comme une perle rare/Ma liberté“ und ging mir nicht mehr aus dem Kopf: Ja, „Meine Freiheit – „Lange habe ich dich gehütet wie eine rare  Perle. Meine Freiheit“. Ob ich hier in der Aula des Gymnasiums auch so rare Perlen finden würde? Dieses Chanson sang damals mit eindringlicher Stimme der aus Italien eingewanderte Chansonnier Serge Reggiani, für den der andere, im ägyptischen Alexandria aufgewachsene französische Songschreiber und Sänger Georges Moustaki dieses eingängige Freiheitslied geschrieben hatte. In beiden Fällen handelte es sich um Zugewanderte, die ihre Freiheit als Triebfeder mit auf die Reise genommen hatten. Dabei sind inzwischen deren Namen fast vergessen.

Begeistert von der Qualität der Stücke, nahm sich Nicolas Bergeret, der französische Generalkonsul, die Freiheit, mit den Schülern zu diskutieren; vorn: Koordinator Thilo Karger im Gespräch mit Elke Waldeier-Odenthal, zuständig für die französische Bibliothek Foto: Petra Kammann 

Umso überraschender wurde das, was sich auf der schlichten Bühnenaula der Carl-Schurz-Schule abspielte. Mit ein paar Handgriffen, einer Tafel, wenigen Schulmöbeln verwandelte sich die Bühne im fixen Umbau zu einem Illusionstheater. In manchen Fälle wurden auch Töne und Bilder eingeblendet. So schlicht wie beeindruckend! Dazu die selbstgeschriebenen Texte, die locker und expressiv von den Schülern und Schülerinnen auswendig vorgetragen wurden und fast aus ihnen professionelle Schauspieler machte!

So hatte das Adolf-Reichwein-Gymnasium aus Heusenstamm ihr Stück „Retour à la liberté“ genannt, also „Rückkehr zur Freiheit“. In dem Stück machen sich zwei Jugendliche auf zu einer Zeitreise und stellen fest, dass Freiheit ein Konzept ist, das sich nach und nach in der Geschichte weiterentwickelt und immer wieder neue Gestalten angenommen hat.

Französischlehrer, Ausbilder und Theaterjuror Thilo Karger in action – am selben Abend noch wurde er mit der „Palme académique“ für seine pädagogischen Verdienste ausgezeichnet, Foto: Petra Kammann

Die Albert-Einstein-Schule aus Schwalbach wiederum hat „Le prix de la liberté “ („Der Preis der Freiheit“) eindrucksvoll in Szene gesetzt, was uns in aller Konsequenz vor Augen führt, wie sehr wir ausgeliefert sind, wenn wir uns unkritisch auf die Dienste, die uns die Roboterwelt so unkompliziert anbietet, einlassen. Denn, haben die Roboter erst einmal die Macht übernommen, ist es müßig, sich noch dagegen aufzulehnen. Dieses Stück erhielt – zweifellos wegen der Aktualität den zweiten Preis.

Ein weiteres Stück, das ebenfalls an der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach entstand, stellt einen anderen Aspekt in den Vordergrund: den Mut, der uns derzeit fast abhanden gekommen zu sein scheint: „Le prix du courage“ („Der Preis des Muts“) nennt sich dieses Stück, das die Widerständigkeit eines jungen Mädchens im Kontext eines aufkommenden autoritären Regimes ins Zentrum stellt. Sie denkt laut über den Mut nach, der nötig ist, um dem Druck zu widerstehen. Bon courage!

Flucht aus Nord-Korea gelungen: Landung in Marseille, Foto: Petra Kammann

In „Par la fenêtre, vers la liberté“ („Durch das Fenster hin zur Freiheit“), einem Stück von der Frankfurter Elisabethenschule, wird die Geschichte zweier Personen geschildert, die aus Nord-Korea fliehen und sich schließlich in Frankreich, in der alten Mittelmeermetropole Marseille wiederfinden. Die Bilder und die Technik, die sie dabei anwenden, waren so hervorragend ausgearbeitet, dass man förmlich mitfieberte, ob es ihnen gelingt einen lebbaren Ort zu erreichen. Dafür gab es dann auch den  3. Preis.

Die Schüler der Elisabethen-Schule mit dem Vertreter des Institut français Emmanuel Beaufils, Foto: Petra Kammann

Die Freiherr-vom-Stein Schule in Frankfurt hatte sich das Stück „Aura et la malédiction de la vape“ („Aura und die Vermaledeiung der E-Zigarette“) ausgedacht. Ein romantisches Drama, das sich vom Dornröschen-Märchen „La Belle au bois dormant“ hat inspirieren lassen. Der Plot: Ein junges Mädchen namens Aura entgleitet der Überwachung durch seine Eltern und fällt in einen Tiefschlaf, nachdem es einen Zug an der E-Zigarette gemacht hat. Wie im Märchen erwacht es schließlich durch den Kuss eines jungen Mannes. Zu schön, um wahr zu sein!

Nicht jeder will dasselbetun, Freiheit ist auch die der andern, Foto vom Bühnenbild: Petra Kammann

Weniger romantisch, völlig anders und eher an der Realtität von heute mit viel Ideologie und Überzeugungswillen orientiert war „L’ecole de la liberté“ „Die Schule der Freiheit“,  ein Stück aus dem Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg . Es handelt sich um ein Experiment unter Jugendlichen in einer Klasse mit durchaus surrealen Einsprengseln. Vier Schüler sind sich selbst überlassen und machen sich daran, ihre Auffassung von Freiheit den anderen aufzudrücken, mit der Folge, dass ein Chaos bzw. eine anarchische Situation entsteht etc..

Wird hier diktiert, was Freiheit bedeutet? Foto: Petra Kammann

Am Ende aber begreifen sie, dass das gedeihliche Zusammenleben in der Gesellschaft nicht ohne gewisse Grundregeln auskommt. Hervorragend war das Spiel der Darsteller, die teils mit großer Vehemenz ihre Auffassung vertraten und man bestens die entsprechenden Charaktere wiedererkennen, so dass man  darüber schmunzeln konnte. Köstlich der Faulpelz, der keinen Bock hat, oder der Veganer, der den Wurstliebhaber unter allen Umständen bekehren will.

Die Sabine-Ball-Schule aus Darmstadt wiederum hat sich historisch mit dem Schicksal und Prozess von Charlotte Corday „Le procès de Charlotte Corday.“ auseinandergesetzt und dafür auch entsprechend authentische Kostüme gefunden. die möglicherweise aus einem echten Theaterfundus stammten. Charlotte Corday war die kompromisslos mutige Frau, die 1793 Jean-Paul Marat umgebracht hat. Ein Plädoyer für die Freiheit, angesichts des autoritären Terrors in der Zeit nach der Französischen Revolution. .

Ernüchterung nach der Reise auf die Trauminsel wegen der Restriktionen am Strand, Foto: Petra Kammann

Ein sehr originelles und wortspielerisches Stück ist den  Schülern der Anna Schmidt-Schule in Frankfurt über den heutigen Tourimus gelungen: „ÎLES était une fois la liberté chez soi.“/ „Es war einmal daheim – die Inseln“ . Der Traum von der idealen Insel stellt sich vor Ort schon bald als Illusion und Trugschluss heraus. Hier ist schließlich alles verboten, was Individualität bedeutet und eigentlich Spaß macht. Die erfahungshungrigen Touristen kommen am Ende zu dem Schluss, sie wären besser in Frankreich geblieben, statt den Marketingeinflüsterungen zu glauben …

Leider der letzte Theaterworkshop mit dem Kultur- und Sprachattaché des Institut francais Emmanuel Beaufils, der Frankfurt in Richtung Afrika verlässt. Au revoir et au plaisir de vous revoir à Francfort! Foto: Petra Kammann

Und zum Schluss fragte sich die Anna-Schmidt-Schule zweifelnd:„La liberté, une formule compliquée !? / „Freiheit, ein komplizierter Begriff!? Da entsteht förmlich eine Arbeitssitzung rund um die Freiheit, bei der völlig unterschiedliche Auffassungen von Freiheit herauskommen. Nach chaotischen Szenen zieht der Lehrer den kurzen Schluss daraus: „Sehr gut, ich bin stolz auf Euch! Ihr habt verstanden, dass es Freiheit nur mit Respekt geben kann. Jetzt seid Ihr reif für eine echte Debatte.“

Schülerinnen des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums, umrahmt von Elke Waldeier-Odenthal und Emmanuel Beaufils, Foto: Petra Kammann

Ende gut, alles gut! Ein großes Lob gab es für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ob der Vielfalt der Themen und für die hervorragende Qualität ihrer Bühnenauftritte vom französischen Generalkonsul in Frankfurt, Nicolas Bergeret, sowie von der Vertreterin des hessischen Bildungsministeriums, Frau Dr. Daniela Neumann .

Bester Dinge die beiden Vertreter Frankreichs: der französische Generalkonsul Nicolas Bergeret und der Sprachattaché Emmanuel Beaufils vom Institut français. Die Leistung der Schüler und Schülerinnen hat sie überzeugt, Foto: Petra Kammann

Prämierungen

Als die 9 Schülergruppen ihre Stücke im Finale zum Thema Freiheit präsentierten, ging der erste Preis ging an die Schülerinnen und Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums in Bad Homburg vor der Höhe. Die Albert-Einstein-Schule (Schwalbach) und die Elisabethenschule (Frankfurt) belegten den 2. und 3. Platz.

2026 Grußwort von Elke Waldeier-Odenthal

 

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