Das neue Terminal 3: strenge Flughafen-Poesie aus Stahl und Stein
Überzeugende Gegenposition zum Trend reißerischer Schau-Architektur
Von Uwe Kammann
Erinnert sich noch jemand? „Der Duft der großen weiten Welt“, das war einst ein unbeschwerter Welt der Werbespruch für eine Zigarrettenmarke. Dazu gehörten hellbunte Bilder einer beschwingten Welt – so wie Mitte der 70er Jahre der Architekt Eero Saarinen für die Linie Trans World Airlines (TWA) einen Flughafen mit weißen Dachschwingen entworfen hatte, mit inneren Kurven, großen Glasflächen und kräftigen Farbakzenten.

Architektur mit Tradition: strenge und klare Linien: Terminal 3, Foto: Büro Christoph Mäckler
Zur gleichen Zeit staunte die Welt über einen mächtigen Beton-Rundling in Paris, in dessen Bauch Plexiglasröhren auf- und abstiegen, um Flugpassagiere auf Rolltreppen zwischen Flugsteig-Satelliten und Abfertigungssälen transparent zu transportieren. Ein damals gerade einmal 30-jähriger Architekt hatte diese maschinelle Wunderwelt entworfen, die den Namen Charles de Gaulle in die Flugwelt trug und angeblich das Volk zum Spitznamen ‚Camenbert‘ animierte.
Beides herausragende Beispiele, so antwortete jetzt der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler auf die Frage, welche Flughäfen ihn besonders beeindruckt hätten. Grund und Hintergrund dieser wertenden Erinnerung waren klar: Gerade wurde Mäcklers eigenes, soeben fertiggestelltes Gebäude zum Fliegen allüberall einhellig gelobt: das Terminal 3 des Frankfurter Flughafens.

Architekt Christoph Mäckler (links) im Gespräch mit FAZ-Redakteur Matthias Alexander, Foto: Uwe Kammann
Nicht verwunderlich deshalb, dass FAZ-Architekturkritiker Matthias Alexander im publikumsoffenen Zwiegespräch auf die Frage nach der aktuellen Befindlchkeit des Architekten eine eindeutige Antwort erhielt: Ja, er sei glücklich, ebenso wie das beteiligte Team – was sicher nicht nur mit dem Werk, sondern auch dem Echo der Fachwelt zu tun hat.
Zwei Flughäfen hätte Mäckler – der über seinen Architektenvater Hermann und eigene Mitarbeit schon an der Ende der 60er Jahre begonnenen Errichtung des damals hochmodernen Terminals Mitte (heute: Terminal 1) intensiv beteiligt war – sicher auch noch nennen können, wenn es um gestern Wegweisendes oder heute Bemerkenswertes geht: das 1974 eröffnete Beton-Sechseck in Berlin-Tegel mit seinen Kürzestwegen von 30 Metern zwischen Vorfahrt und individuellen Flugsteigen; und auch das neue, 2020 in Betrieb genommene, unter BER firmierende Gebäude mit seiner 200×280 Meter großen zentralen Halle.
Beide stammen vom Büro gmp, das damals, beim Tegeler Entwurf, noch blutjung war, und das inzwischen zu den international Renommierten gehört. Mit den gut vierzig Jahren Unterschied haben dieselben Urheber zwei völlig gegensätzliche Konzepte realisiert: von der reinen Verkehrsmaschine zum großen Umschlagplatz für Passagiere und (Verkaufs-)Waren.
Die zum Fliegen einladende Berliner Großhalle ist nämlich auch, wie jetzt Mäcklers Frankfurter Terminal 3, erkennbar einem architektonischen Erbe verpflichtet, das sich im Namen Mies van der Rohe spiegelt und in dessen Berliner Neuen Nationalgalerie einen perfekten, weltweit bewunderten Ausdruck gefunden hat. Klarer – und zugleich auch strenger – kann ein Bau nicht sein: ein auf schlanken Stahlstützen ruhendes ebenfalls stählernes Dach mit einer symmetrisch strukturierten Kassettendecke, die Wände als reine Glasscheiben gleichsam entmaterialisiert.
Dieses 1968 nach dreijähriger Bauzeit eröffnete Berliner Vorbild war einmal als repräsentative Firmen-Empfangshalle geplant, bevor das Modell (für den Zweck eigentlich ungeeignet) als Kunst-Gehäuse realisiert wurde. Und damit den Status einer Ikone erhielt, einer Demonstration reiner Schönheit.

Der erste Blick beim Betreten der Check-in-Halle des Terminals 3, Foto: Petra Kammann
Dies wiederum ein Begriff, der lange Zeit bei einem Großteil der Architektenschaft eher verpönt war und heute von Gegenwartsvokabeln wie ‚Graue Energie‘ weithin überlagert ist. Eine durch den aktuellen Wettbewerbspreis des Deutschen Architekturmuseums (DAM) ausgelöste Debatte über derzeit besonders propagierte Kriterien wurde kürzlich auf einem Frankfurter Podium offen ausgetragen, ohne dass es zwischen DAM-Direktor Peter Cachola Schmal und FAZ-Kritiker Matthias Alexander (der einen übergewichteten Nachhaltigkeits-, Collage- und Sozialtrend moniert und weiter als Defizit-Auslöser anprangert) zu einer Annäherung gekommen wäre.
Bei Mäckler allerdings (der über ein von ihm gefördertes Institut Städtebau namentlich als Kunst versteht und propagiert) steht der Begriff Schönheit als Architekturideal ganz oben. Und genau dies sieht man vom ersten bis zum letzten Blick, sobald man das neue Terminal 3 in der Eingangshalle betritt. Deren Ausmaß (155 x 82 Meter) bei einer lichten Höhe von 18 Metern unter der stählernen Kassetten-Decke beschert sofort einen befreienden Gesamteindruck, der gezielt gesteigert wird, indem die Funktionseinbauten (wie Schalter, Gepäckautomaten) im Maßstab reduziert und in der Konstruktion durch Abhängungen möglichst ‚erleichtert’ wurden.

Klare Grundstrukturen und Farben, hier im Flugsteig, Foto: Petra Kammann
Vom ersten Schritt an herrscht Klarheit, jedes Gewusel oder optisches Durcheinander durch bauliche Einzelelemente wurde konsequent vermieden. Was natürlich sofort auffällt (was aber wahrscheinlich die meisten Besucher als Haupt-Gestaltungsmerkmal nur unterschwellig wahrnehmen werden) ist die ein Dualprinzip durchsetzende farbliche Grundlinie: Das anthrazitschwarze Stahlwerk der Stützen, Kassetten und der die Glasfassaden tragenden Stahlverstrebungen wird kontrastiert mit einem hellen Beige aus Natursteinen (Jura-Kalkstein und Travertin) bei Wänden und Böden.
Diese nie unterbrochene Konzeption (zu der nicht zuletzt durchgehend dunkel bronzierte Technik- und Trennelemente gehören) setzt sich auch in den Trakten nach der zentralen Empfangshalle (Check-in) konsequent fort, also im Kontroll- und Sicherheitsbereich und in den dann am Ende abzweigenden Flugsteigen. Jeder Passagier wird es spüren: Die zurückhaltende, aber durchgängige Zweifarbigkeit als bergende Hülle, sie signalisiert Orientierung und Verlässlichkeit, sie beruhigt und bewegt zugleich: indem sie eine innere Stimmung mit einer äußeren ins Schwingen bringt.
Das alles ist auf Flughäfen keineswegs Standard, beileibe nicht. Eher ist, gerade auch international, das Gegenteil der Fall, gesteigert bis ins Absurde, indem Wald-Imitationen und Wasserfälle die Illusion vermitteln sollen, der Flughafen sei kein hochkomplexer Umschlagplatz für Reisende, sondern Natur. Mäckler nennt solche Konzepte und Zielvorgaben „Look-at-me-architecture“, manche taufen sie sanfter „signature-architecture“, aber gemeint ist immer das Großsprecherische, Angeberhafte: etwas, das die Augen in Taumel versetzen soll.
Doch dieses Anreißerische bleibt den Besuchern leider nicht ganz erspart, weil der Bauherr Fraport bei einem wesentlichen Element des Terminals einem eigenständigen, unabhängigen Architekturbüro eine spezielle Entwurfsaufgabe übertragen hat. Es handelt sich um jenen Bereich, mit dem Flughäfen heute wesentliche Einnahmen erzeugen: den so genannten Marktplatz, den die Reisenden nach der Sicherheitskontrolle erreichen und durchschlendern (können/werden/müssen) und der mit seinen Läden zum schicken Konsum in jeder Form anreizen soll.
Im neuen Berliner Flughafen musste gmp diesen Bereich ständig erweitern, was zu vielen kostspieligen Änderungen und Anpassungen führte. In Frankfurt wollte der Bauherr vermutlich gleich auf die Nummer-Sicher-Geldmaschine gehen, indem er das Stuttgarter Büro LAVA mit der Gestaltung beauftrage.
Das Akronym steht für Laboratory for Visionary Architecture, aus dessen Selbstbeschreibungen lässt sich leicht herauslesen, was Fraport sich von diesem Büro versprochen hat, um die Geldmaschinerie (prospektmäßig: Retail- und Gastronomieerlebnis) ins Laufen zu bringen. Als ‚futuristisch‘ wird die, den zentralen Bereich überspannende, skulpturale ‚Tropfendecke‘ aus individuell gebogenen Aluminiumrohren propagiert, die von schlangenartigen Sitzlandschaften betrachtet werden kann.

↑Vom eigenständigen Architekturbüro LAVA gestaltet: der Marktplatz mit seinen umliegenden Boutiquen.
↓ Eigentlich sollten die Wände blau sein – das ließ Fraport entfernen, Fotos: Uwe Kammann

Mäckler, in dessen streng geometischer Architektur dieses Futurum eingepflanzt wurde, hadert – und dies sehr zu Recht – zusätzlich noch mit der Entscheidung eines Fraport-Funktionärs, die bereits angebrachte marineblaue Wandverkleidung des Raums, welche die helle Rohrkonstuktion der Decke erst zur Geltung brachte, wieder zu entfernen. So umfängt jetzt eine banale helle Wand den Raum, an vier Stellen unterbrochen durch riesige Video-Rechtecke mit der untergründigen Botschaft: Reklame muss sein.
In dieser aufdringlichen Art, in diesem großdimensionierten Format ist sie hier ebenso störend wie in der Eingangshalle. Dort, vor einem Fensterband, sind mit leichter Neigung ebenfalls zwei ähnlich dimensionierte Video-Reklametafeln angebracht, die den sonst optisch beruhigten Raum empfindlich stören (woran auch die filigrane Aufhängung nichts ändern kann).
An diesen Stellen (glücklicherweise bleiben sie Ausnahmen) zeigt sich, dass auch die sensibelste Architektenhand nichts ausrichten kann, wenn der Bauherr in wichtigen Punkten (hier: den monetären) eigene Zielvorstellungen hat.
Grundsätzlich aber, das betonte Mäckler im Gespräch mit Matthias Alexander, habe er in Fraport einen einsichtigen Bauherren gehabt, der vor allem eine wichtige Spielregel verstanden und eingehalten habe: die Bauabläufe nicht durch ständige Änderungswünsche zu stören und damit das Gesamtgebilde sowie die Kosten (es wurden 4 Milliarden) ins Schwanken zu bringen.

Die Konzeption der Grundidee: ein „wachsender Käfer“ mit Erweiterungsmöglichkeiten, Skizze: Büro Christoph Mäckler
So konnte auch die bauliche Grundkonzeption durchgesetzt und verfolgt werden, das Terminal 3 auf konstruktive Erweiterungen anzulegen, und dies sowohl räumlich mit den Hauptgebäuden als auch technisch (mit vertikal und auch horizonrtal ausbaufähigen Installationen). Diese elegante Integration von Technikelementen trägt wesentlich zum einheitlichen Gesamteindruck bei.
Wie gut – und völlig anders als sonst üblicherweise bei Flughäfen – dies gelöst ist, zeigt sich beispielsweise bei der Gepäckausgabe. Sonst als unattraktiver Dienstleistungsort oft katakombenmäßig in Untergeschosse abgeschoben, kommen hier die Koffer in einer hohen Halle an (feierlicher Abschluss einer Reise?), deren Decke von Betonsäulen mit Rundkapitellen getragen wird, die an manchen Stellen noch mit einem Lichtkranz erweitert und veredelt werden. Die oft ärgerlich langen Minuten des Wartens auf die Wiederkehr des eigenen Gepäcks können so zu anregenden Blick-Reisen werden.

Eine kleine Kathedrale für die Gepäckausgabe, Foto: Petra Kammann
Was auch hier auffällt, ebenso wie an den Stütz- und Tragkonstruktonen der Flugsteige, ist die besondere Qualität des Betons: fein und durchgefärbt, so dass er keinen schäbigen Kontrast zum Naturstein bildet, sondern ihn auf gleicher Stufe der Anmutung ergänzt. Überhaupt, die Fraport-Bereitschaft, teure Materialien akzeptieren, bringe langfristig Kostenvorteile, so der Architekt, Und er schiebt eine allgemeine Bermerkung hinterher: Wer viele ausländische Flughäfen kenne, wisse bauliche Qualität in Deutschland zu schätzen.

Höchste Materialqualität auch bei den Betonelementen, Foto: Uwe Kammann
Was in Frankfurt sicher auch jeder zu schätzen weiß: die Gestaltung des Leitystems durch den Designer Otl Aicher (der ja auch 1972 den Olympischen Spielen in München ein unverwechselbare Erscheinungsbild gegeben hat, so auch mit Piktogrammen, die noch heute völlig zeitlos wirken). Die Qualität seiner Arbeit schon beim Terminal 1 – mit der charakteristisch klaren Schrift auf leuchtend blauem Grund – war und ist so hoch, dass sie als Basis auch – nach 50 (!) Jahren – im Terminal 3 verwendet wird, wobei zum Blau auch noch ein mittleres Grau als schnellea Unterscheidungsmerkmal für Ziele und Funktionen außerhalb der Wegeorientierung verwendet wird. Mit einer sinnvollen Weiterentwicklung: So werden beispielsweise die WC-Hinweise nicht nur auf planen Schildern angezeigt, sondern auf Würfeln – womit sie über die Dreidimensionalität aus allen Geh- und Sehrichtungen leich sichtbar sind.

Design-Klassiker Otl Aicher stand Pate beim Leitsystem, Foto: Uwe Kammann
Hier ist wieder sofort zu verstehen, was Mäcklers explizit ausgedrückter Bezug auf das Motto, dass die Form der Funktion folgen soll, im Konkreten heißt und was das Anknüpfen an Traditionen und Gestaltungshistorie gerade auch im Kontext der klassischen Moderne bedeuten kann und soll. Wobei natürlich immer mitzudenken ist: Form, welche der Funktion folgen soll, ist nicht automatisch ansehnlich; sondern es hängt im Ergebnis eben doch vom Gestaltungsvermögen ab, ob beispielsweise ein Gerät, und sei es noch so funktional, als schön empfunden wird (ein Rasierer oder eine Küchenmaschine vom früheren Chefdesigner der Firma Braun, Dieter Rams, ist sofort zu erkennen).
Fragen noch Schönheit, Funktionalität und Tradition – ein Bezugsdreieck, das Mäckler nie vergisst – wird sich mancher Betrachter natürlich bei einer von innen und außen sofort ins Auge fallenden architektonischen Besonderheit stellen: Im Gegensatz zum Terminal-3-Ideen-Vorbild, der Nationalgalerie von Mies van der Rohe, sind die umlaufenden Glaswände nicht vertikal, sondern sie haben eine horizontale Knicklinie, welche durch die stählerne Tragekonstruktion gehalten und betont wird.
Begründet wird diese gläserne Fassadenform mit dem Innenknick als schützende Vorkehrung bei großen Windlasten. Allein, eine Irritation mit Rückblick auf die in Berlin zu sehende reine Quaderform mag sich schon einstellen. Doch natürlich relativiert sie sich, wenn man an die Höhe der Frankfurter Empfangshalle denkt: lichte 18 Meter – dreimal so viel wie das Berliner Vorbild.

Kassettendecke und Glasfassade mit Horizontalknick, Foto: Uwe Kammann
Überhaupt, die Maße. Mäckler merkt gerne an, dass die Gesamtfläche der jetzigen Anlage – also des Verbundbereichs der Empfangs-, Kontroll- und Markthalle sowie der ausgreifenden Flugsteige mit einer Lände bis zu 600 Metern –den Kernbereich der Frankfurter Innenstadt abdecken könnte. Gerne und immer wieder benennt er diese Grundform als „growing beatle“, also als „wachsenden Käfer“ mit Kopf, Körper und Beinen. Die (gleichsam ‚eingebauten’) Erweiterungsmöglichkeiten sind also immer mitgedacht.
In einem Punkt übrigens unterscheidet sich das an die Mies-van-der-Rohe-Urform angelehnte Terminal 3 als Hauptgebäude stark von der Berliner BER-Interpretation. Denn die ist eingebettet in ein komplett neues baulich-räumliches Umfeld, das mit einer großzügigen, durch Symmetrie geprägten Zufahrtsachse besticht.
Das Frankfurter Baufeld, auf dem der ‚wachsende Käfer‘ seine Heimat gefunden hat, ist dagegen ein Puzzle im Riesenformat, entstanden in den vielen bisherigen Phasen des Wachstums, das Stile, Moden und leider auch bauliche Scheußlichkeiten aller Art vereint. Jetzt, beim Terminal 3, ist ein vorgelagertes Parkhaus hinzugekommen, auch die Station der auf groben Stelzen verkehrenden Verbindungsbahn zu den Terminals 1 und 2 ist natürlich kein Blicköffner.

Eine Frankfurter Zutat: die Skulptur „Reisender“ von Ottmar Hörl, Foto: Uwe Kammann
Aber dafür hat die Stadt Frankfurt etwas ganz Eigenes installiert, nämlich mehr als mannhohe „Frankfurt Letters“. Sie sollen die Reisenden auf die Stadt am Main einstimmen: mit bebilderten bunten Großbuchstaben, die an vermeintlich Ortstypisches erinnern, von Goethe über Grüne Soße bis zum Apfelwein – der ‚Bembel‘ darf also nicht fehlen. Ja, eine solche Skulptur als „Selfie Point“ scheint Stadtfunktionären als Höhepunkt gestalterischer Aktivitäten geeignet, ebenso wie ein goldfarbener Riesenmann in der Zentralhalle: eine (ironische?) Gartenzwerg-Verhohnepiepelung mit Victory-Zeichen, welche der poetischen Strenge der Mäckler-Architektur den gleichen Frankfurter Symbolwert entgegenhält wie am zentralen Theaterplatz die überdimensionierte Euro-Skulptur des regionalen Scherz-Künstlers Ottmar Hörl, dem jetzt der drei Meter hohe „Reisende“ zu verdanken ist.
Aber überhaupt, mit dem, was als ‚Kunst am Bau‘ gilt, ist es nicht so einfach. So wurden drei tonnenschwere Schwebeskulpturen unter der Hallendecke – als „Donats“ vielzitiert – schon wieder entfernt. Warum genau, ist unklar, ebenso wie eine Wiederkehr offen ist. Der Künstler, Julius von Bismarck, wird nicht glücklich sein. Die Flughafenbesucher werden die Demontage wohl leichter verschmerzen.

Qualität bis ins letzte Detail, Foto: Uwe Kammann
Denn eines ist sicher: Das Terminal 3 bietet ihnen etwas, das in dieser Form selten ist: Architektur aus einem Guss als Gesamtkunstwerk, an jedem Punkt und in jedem Detail zu erleben. Vielen wird es nicht dlrekt bewusst sein, warum sie sich dort gut- und wohfühlen, jenseits aller Strategien des Reißerischen, des Auf- und Übertrumphens, weit entfernt von eben jener ‚Schaut-bloß-her-Architektur‘, die Mäckler im Gespräch vehement ablehnt.
Auch andere markante Bauwerke in Frankfurt zeigen seine Meisterschaft eines wohlkalkulierten Understatement: so sein sandfarbenes Geschäftshaus mit elegantem Flugdach am Rande des Opernplatzes, so sein der hellen Steinumgebung verpflichteter Opernturm schräg gegenüber, der bei aller monumentalen Strenge etwas Heiteres ausstrahlt. In der Einganshalle zeigt der amerikanische Künstler Julian Schnabel mit einem Großgemälde auf Segeltuch, wie Kunst im Bau wirklich sprechen kann. Es ist „Ahab“ gewidmet, dem legendären Kapitän eines Walfangschiffes, verewigt in Melvilles Roman „Moby-Dick“.

Brücken zur Luft: die Flugsteige, Foto: Uwe Kammann
Schiffe, Reisen: Ja, dafür wurden die ersten Häfen geschaffen. Flugzeuge. Reisen: Dafür werden nun im schnellen Rhythmus, in flexibler Anpassung an die rasante technische Entwicklung, immer neue Häfen gebaut. Bei uns tragen sie den Vornamen Flug-häfen , in anderen Ländern und Sprachen beginnt die Benennung mit dem tragenden Element, der Luft. Hier, gleich dreimal in Frankfurt, signalisiert die interne Bezeichnung Terminal im Grunde die Endstation einer Reise. Wer ins Terminal 3 eintritt, wird sofort verspüren: Ende und Anfang/Beginn, das ist hier nicht zu unterscheiden. Denn der Bau von Christoph Mäckler verspricht vor allem eines: eine Einladung in jede Richtung.
