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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Katharina Greves „Qualitätsideen seit 1972“ im Caricatura Museum

Humorvolle Entlarvung gesellschaftlicher und politischer Absurditäten

Von Hans-Bernd Heier

Katharina Greve gehört zu den renommiertesten Vertreterinnen der zeitgenössischen Komischen Kunst. Ihr vielfach ausgezeichnetes Werk ist geprägt von satirischem Humor sowie architektonisch inspirierten Zeichnungen. Der profilierten Cartoonistin und Comic-Künstlerin widmet das Caricatura Museum Frankfurt unter dem Titel „Katharina Greve – Qualitätsideen seit 1972“ jetzt eine Gesamtschau, die einen umfassenden Einblick in ihre künstlerische Entwicklung bietet.

„Ihr faulen Säcke“; © Katharina Greve

Katharina Greve, geboren 1972 in Hamburg, schloss 1999 ihr Architekturstudium an der TU Berlin ab. Seit 2002 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig und widmete sich zunächst dem szenischen Schreiben, Performances, Installationen und Designarbeiten. Ab 2004 folgten erste Cartoons, die bis heute in vielen Zeitungen und Magazinen erscheinen, darunter Titanic, taz, „neues deutschland“ und Süddeutsche Zeitung.

Greves künstlerisches Repertoire ist breit gefächert und umfasst neben Cartoons und Comics auch Malerei, Illustrationen, Fotos sowie Objekt-, Film- und Textarbeiten. „Ihr Werk ist geprägt von einer einzigartigen Symbiose, denn hier trifft der analytische Verstand einer Architektin auf den gnadenlosen Humor einer scharfen Beobachterin. Mal verspielt und leicht, mal pointiert kritisch und nah am Zeitgeschehen, und dann von Nonsens getragen, überrascht sie immer wieder mit ihrem scharfsinnigen Blick auf unsere Welt“, erklärt Martin Sonntag, Leiter des Caricatura Museums.

Selbstpoträt, ©Katharina Greve, Gestaltung CMF

Ihr Stil zeichnet sich durch eine präzise Linienführung und streng durchdachte Kompositionen aus. Wo andere auf den schnellen, lockeren Strich setzen, besticht Greve durch konstruktive Klarheit. In einer Welt, die immer öfter chaotisch wirkt, setzt sie diesem Durcheinander eine Ordnung entgegen, nur um sie anschließend durch eine unerwartete Schlusspointe zu dekonstruieren. Sie entlarvt dabei gekonnt die gesellschaftlichen und politischen Absurditäten und zeigt uns unsere eigenen Schwächen auf.

Bereits bei ihrem Comic-Debüt „Ein Mann geht an die Decke“ erregte Greve Aufmerksamkeit mit ihrer unverwechselbaren Stilistik. „Zentrale Merkmale zeigen sich bereits hier in konzeptuellen Erzählansätzen, seriellen Strukturen und spielerischen Perspektivwechseln, die aus absurden Ausgangssituationen heraus grundlegende Fragen zu Wahrnehmung und gesellschaftlicher Ordnung entwickeln“, so Kuratorin Stefanie Rohde. „Diesen Ansatz führt sie sowohl in „Patchwork“, einer lakonisch erzählten Geschichte über eine Transplantationsforscherin, die ihre Kinder im Labor erschafft, wie auch in Hotel Hades, ihrem Entwurf einer absurden Jenseitswelt, konsequent fort“.

„Beim Hausarzt“; © Katharina Greve

Einen weiteren Schwerpunkt der humorvollen Schau im Caricatura bilden neben den Vorzeichnungen und Skizzen zu ihren zahlreichen Buchpublikationen Greves Cartoons. Pointiert spießt sie gesellschaftliche und höchst politische Themen wie die Gefahren der Robotik, die Krise des Gesundheitswesens, den Klimawandel oder die Rentendebatte.

Ein besonderes Highlight ist das über fünf Meter hohe Hochhaus mit insgesamt 102 Etagen, ein Webcomic, für den Greve 2016 den Max & Moritz-Preis als bester deutschsprachiger Comicstrip erhielt. Über zwei Jahre hinweg wuchs das virtuelle Gebäude jede Woche um ein Stockwerk. In dem Comicstrip entwirft Greve ein absurd komisches Panorama des (zwischen-) menschlichen Lebens. „Hinter den scheinbar abgeschlossenen, privaten Mikrokosmen der Bewohner und Bewohnerinnen entfalten sich ungefiltert die großen gesellschaftlichen Themen der Gegenwart: Arbeit und Leistungsdruck, Familien- und Rollenbilder, Einsamkeit und soziale Nähe, Migration, Identität und Zugehörigkeit, Wohlstand und Ungleichheit. Auf engstem Raum verdichtet sich so ein vielschichtiges Bild gesellschaftlicher Realität – präzise beobachtet und zugleich von feinsinnigem Humor durchzogen“, sagt Sonntag.

„Wohnungsbesichtigung“; © Katharina Greve

Von Greves vielen Büchern seien nur zwei Werke kurz vorgestellt: „Die dicke Prinzessin Petronia“ und „Meine Geschichten von Mutter und Tochter“. Mit der dicken Prinzessin Petronia stellt Greves ihre parodistischen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Mit ironischer Zuspitzung überführt sie Saint-Exupérys Kunstmärchen „Der kleine Prinz“ in eine episodische Comic-Erzählung. Im Mittelpunkt steht die stets übel gelaunte Cousine des kleinen Prinzen: Petronia, die sich den Erwartungen ihres Umfelds widersetzt und um Selbstbestimmung ringt. Hier thematisiert Greve eine scharfsinnige Auseinandersetzung mit Rollenbildern, Körpernormen, gesellschaftlicher Zuschreibung, Identität und Anpassung.

Ihr neuestes Werk „Meine Geschichten von Mutter und Tochter“ ist Greves Hommage an Erich Ohsers (alias e. o. plauen) „Vater und Sohn“.  Mit großem Gespür und viel Witz übersetzt sie seine berühmten Bildergeschichten in das Hier und Jetzt. Ihre Protagonistinnen begegnen den Herausforderungen des modernen Alltags und beantworten Fragen nach Geschlecht, Normen und Erwartungen mit viel Kreativität, Herz und Verstand.

„Frauen im Handwerk“; © Katharina Greve

Die vielseitige Werkschau „Katharina Greve – Qualitätsideen seit 1972“ im Caricatura Museum, die bis um 17. Januar 2027 zu genießen ist, bietet einen umfassenden, höchst unterhaltsamen Einblick in das Œuvre der Comic-Künstlerin.

Weitere Informationen unter:

www.caricatura-museum.de

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