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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

Museum Wiesbaden würdigt das Lebenswerk des Jugendstilmalers und Symbolisten Georg Lührig

 Wiederentdeckung eines virtuosen Dresdener Meisters

Von Hans-Bernd Heier

Viel zu lange zählte Georg Lührig zu den vergessenen Dresdener Künstlern. Sein Lebenswerk schlummerte viele Jahre im Besitz seiner Nachfahren. Dank eines aufwändigen Restaurierungsprojekts wird im Museum Wiesbaden das Lebenswerk dieses vielseitigen Künstlers, der für seine Gemälde des Jungendstils und Symbolismus, seine monumentalen Wandfresken, aber auch für seine Malerei als Kriegsjournalist einst gefeiert wurde, jetzt im Landesmuseum ausgestellt. Unter dem Titel „Jugendstil und Symbolismus: Georg Lührig. Ein Meister aus Dresden“ präsentiert das Museum bis zum 17. Januar 2027 über 100 Arbeiten. Höhepunkte der Schau sind großformatige Studien seiner monumentalen Wandgemälde, welche das damalige Königlichen Ministerium für Kultus und Unterricht und die Dreikönigsschule in Dresden schmückten, jedoch im Krieg zerstört wurden. Ergänzt durch interaktive Medienstationen wird Archiv-, Forschungs- und Museumsarbeit erlebbar.

Georg Lührig „Pelikan“, 1900/01, Öl auf Leinwand, Albertinum; © Albertinum | GNM, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

Fast fünf Jahrzehnte lebte Georg Lührig (geboren 1868 in Göttingen, gestorben 1957 in Lichtenstein/ Sachsen) an der Elbe. Zusammen mit den Künstlern Hans Unger, Sascha Schneider, Oskar Zwintscher und Richard Müller brachte er Jugendstil und Symbolismus in eine eigenständige, geheimnisvolle Bildsprache, die in Wiesbaden wiederentdeckt werden kann. In Hessens Landeshauptstadt war Lührig kein Unbekannter, war er doch bei der Eröffnungsfeier des Museums im Jahre 1915 mit einem Werk vertreten. Bereits 1909 hatte der progressive Kunstsalon Banger eine Arbeit Lührigs gezeigt. Und in der Frankfurter Zeitung vom 4. Januar 1914 wurde er als „geborener Meister der Monumentalmalerei“ gefeiert. Berühmt waren seine riesigen Fresken und Wandbilder für öffentliche Gebäude (1904–1932) in Dresden, die im Krieg zerstört wurden.

„Sie sind als Herzstück seines OEuvres anzusehen und zeigen Lührigs kunsthistorische Bedeutung als herausragender Freskenmaler in Dresden. Diese Sternstücke der deutschen Monumentalmalerei sind unwiederbringlich verloren, entsprechend kommt den erhaltenen Entwürfen eine große kulturhistorische Bedeutung zu. Als zentrale Zeugnisse einer versunkenen Epoche deutscher Kunst dokumentieren sie maßgebliche Entwicklungen des Jugendstils und Symbolismus in Dresden, einer künstlerischen Hochburg um 1900,“ so Kurator Dr. Peter Forster, Kustos für Alte Meister und Jugendstil des Museums Wiesbaden. „Diese Ausstellung schreibt deutsche Kunstgeschichte und Dresdener Stadtgeschichte“, ist der Kurator überzeugt.

Entwürfe für Wandbilder von Georg Lührig und Max Max Pietschmann; als das damalige Königliche Ministerium für Kultus und Unterricht in Dresden 1904 einen Wettbewerb für Fresken in einem Treppenhaus ausschrieb, entbrannte zwischen den Künstlern ein regelrechter „Freskenstreit“; Foto: Hans-Bernd Heier

 Lührig experimentierte zudem in Landschaften, Tierdarstellungen und Porträts mit Kohle, Bleistift, Aquarell und Lithografie. Ein weiterer Schwerpunkt seines breiten Schaffens sind seine Arbeiten aus Rumänien, das er von 1897 bis Ende der 1920er Jahre immer wieder besuchte. Lührigs Zeit als Kriegsmaler 1915/17 galt als besonders intensive Phase in seinem Schaffen. Die Ausstellung „Bilder von der Front in der Champagne“ umfasste über 180 Handzeichnungen, die er 1916 im Leipziger Kunstverein zeigte. Im selben Jahr erfolgte auch die Berufung Lührigs an die Akademie für Bildende Künste Dresden als Professor für Malerei, Zeichnung, Grafik und Naturstudien.

Ausstellungsansicht; Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Trotz seiner Ausbildung an der Kunstakademie München (1885–1889) verstand er sich zeitlebens als Autodidakt – eine Haltung, die auch seine Lehrtätigkeit an der Dresdner Kunstakademie (1916–1934) prägte. Als erster Rektor der Akademie nach dem Krieg hatte er maßgeblichen Anteil an deren Reform, an der Neugestaltung von Unterricht und Einführung der Selbstverwaltung. Auch setzte er die Zulassung von Frauen zum Studium durch. Expressionismus und Neue Sachlichkeit, die in den zwanziger Jahren die Kunstszene dominierten, stand Lührig, dem ein schwieriger Charakter nachgesagt wurde, eher kritisch gegenüber.

Durch die Übereignung eines umfangreichen Nachlasses aus der Familie des Künstlers an das Museum Wiesbaden konnte ein aufwendiges Restaurierungsprojekt von Lührigs großformatigen Vorzeichnungen und Ölstudien angestoßen werden. „Wir danken allen Familienmitgliedern für das Vertrauen und die Großzügigkeit, mit der dieses Konvolut von über 30 Werken nun dauerhaft für die Öffentlichkeit erhalten werden kann,“ betont Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden. „Die Restaurierung wurde ermöglicht durch die Kulturstiftung der Länder und der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder. Ihnen gilt unser großer Dank, genauso wie der Ernst von Siemens Kunststiftung für die Förderung des Katalogs. Die digitalen Vermittlungsstationen wie die virtuelle Rekonstruktion der verlorenen Wandfresken wurden vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur mit Mitteln des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und Innovation gefördert.“

Kurator Dr. Peter Forster vor seinem Lieblingsgemälde „Pelikan“; Foto: Hans-Bernd Heier

Die Ausstellung lädt dazu ein, Georg Lührigs Werk auch digital zu erkunden. Interaktive Stationen machen zerstörte Wandfresken sichtbar, verbinden Fragmente zu neuen Bildern und ermöglichen es, Kunst aktiv zu entdecken – zugleich gewähren sie Einblicke in Archiv-, Forschungs- und Museumsarbeit. Ein zentraler Bestandteil der interaktive Medientisch mit dem Titel „Auf Entdeckung im Archiv“. „Hier wird der Charakter des künstlerischen Nachlasses unmittelbar erfahrbar: Besucherinnen und Besucher können virtuell in Skizzen, Fotografien und Dokumenten stöbern, Bildmappen durchblättern und verborgene Zusammenhänge entdecken. So eröffnet sich ein Blick hinter die Kulissen und ein spezifischer Zugang zu Archiv-, Forschungs- und Museumsarbeit“, so Henning weiter. Auch Werke, die nicht ausgestellt werden können, werden hier zugänglich. Die zerstörten Fresken „Der Tag — Sieg des Lichts“ und „Die Nacht“ werden auf Grundlage historischer Vorlagen rekonstruiert und als großformatige Projektion wieder erfahrbar.

„Das Museum Wiesbaden leistet einen wichtigen Beitrag dazu, das Werk von Georg Lührig präsent zu halten und auch zerstörtes Kulturgut mithilfe virtueller Rekonstruktionen erfahrbar zu machen“, sagt Staatsminister Timon Gremmels, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur. „Verlässliche, öffentlich verfügbare Kulturdaten sind eine zentrale Grundlage für Forschung und Wissenschaft – gerade auch mit Blick auf zukünftige digitale Anwendungen. Ich danke allen, die mit ihrem Einsatz und ihrer Unterstützung diese Ausstellung ermöglicht haben“.

Zu der sehr sehenswerten Ausstellung gibt es einen exzellenten von Peter Forster herausgegebenen Katalog; erschienen im Deutschen Kunstverlag, Preis: 34 € an der Museumskasse. Eine kostenfreie Media-Tour in der MuWi-App begleitet die Schau.

Weitere Informationen unter:

www.museum-wiesbaden.de/kalender

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