Vernissage der Peter Fischli-Ausstellung im Fridericianum in Kassel
Die vierte Dimension des Peter Fischli
Grußwort von Thomas Kalau
Stellvertretender Generalkonsul des Schweizerischen Generalkonsulats in Frankfurt am Main
Das Museum Fridericianum in Kassel präsentiert vom 23. Mai bis 13. September 2026 Peter Fischlis erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Bekannt wurde er durch das Duo Fischli/Weiss, dessen Werke zuvor in großen Retrospektiven zu sehen waren. Der 1952 in Zürich geborene Künstler ist bis heute dort ansässig. Bekannt wurde er durch seine über vier Jahrzehnte währende Zusammenarbeit mit dem verstorbenen David Weiss (1946–2012) als Teil des prägenden Künstlerduos Fischli/Weiss. Das Duo nahm 1987 und 1997 an der documenta teil, war mehrfach auf der Biennale von Venedig vertreten (1988, 1995, 2003, 2011 und 2013) und wurde 2003 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

v.l.n.r.: Moritz Wesseler, Direktor Fridericianum; Peter Fischli; Timon Gremmels, Hessischer Minister für Kunst und Kultur, Foto: Nicolas Wefers © documenta und Museum Fridericianum gGmbH
es ist mir eine außerordentliche Ehre, heute hier mit Peter Fischli einen Künstler zu würdigen, der die Schweizer Gegenwartskunst weit über unsere Grenzen hinaus geprägt hat.
Wenn wir über die Schweiz in der internationalen Kunstwelt sprechen, fallen häufig Namen aus der Klassischen Moderne, wie Ferdinand Hodler, Giovanni Giacometti oder Cuno Amiet (zu dessen Werk ich selbst eine ganz spezielle Verbindung habe); wichtige Sammlungen oder Museen; oder große Institutionen wie die Art Basel.
Die zeitgenössische Schweizer Kunst, jedoch, verdankt ihren ausgezeichneten Ruf nicht zuletzt Kunstschaffenden wie Pipilotti Rist, Harald Naegeli oder eben Peter Fischli, der gemeinsam mit seinem langjährigen Partner David Weiss ein Werk kreiert hat, das zugleich philosophisch, humorvoll und zugänglich ist. Seit dem Tod von David Weiss bespielt Fischli als Solist sozusagen, mit seiner bunten, skulpturalen, aber doch reduzierten Abbildung des Alltäglichen die Bühnen der Welt, von Venedig über Bregenz nach Hangzhou und Turin – und jetzt wieder Kassel, wo Fischli/Weiss bereits 1987 und 1997 bei der documenta mit dabei waren.

Eindrücke vom Rundgang nach der Vernissage©️ kalARTphotography/2026
Peter Fischli gehört zu jener seltenen Kategorie von Künstlern, die komplexe Gedanken in scheinbar einfache Bilder übersetzen können. Er nimmt den Alltag ernst, nicht pathetisch wie Beuys oder das Künstlerpaar Christo/Jeanne-Claude, sondern präzise, filigran, beobachtend, und mit einer Prise Ironie. Ob banale Gegenstände, improvisierte Konstruktionen oder absurde Situationen: Fischli zeigt uns, dass Kunst nicht fern vom Leben entsteht, sondern mittendrin.
Doch ihn nur an seinen Exponaten zu messen, genügt nicht. Fischlis Bedeutung als Kunst- und Kulturschaffender reicht weit über einzelne Werke hinaus. Er hat entscheidend dazu beigetragen, das Bild der Schweizer Kunst international zu verändern. Lange wurde die Schweiz kulturell vor allem mit Präzision, Design und Tradition assoziiert.
Fischli gab dem internationalen Publikum eine vierte Dimension: Die selbstironische, experimentelle und philosophische Schweiz. Seine Arbeiten wurden in den bedeutendsten Museen der Welt gezeigt: Im New Yorker MOMA ebenso wie im Tate Modern in London, dem By Art Matters in Hangzhou oder im Centre Pompidou in Paris. Diese internationalen Bühnen sind nicht nur Meilensteine seiner Künstler-Karriere, sie stärken auch die Wahrnehmung der Schweiz per se, als bedeutenden Ort zeitgenössischer Kunstproduktion.

Spannend auch für Kinder©️ kalARTphotography/2026
Für den Schweizer Kunstmarkt war und ist Peter Fischli also von enormer Bedeutung. Künstlerinnen und Künstler seines Rangs und Namens schaffen Vertrauen, Sichtbarkeit und Anziehungskraft für Sammler:innen, Kurator:innen, Galerien und Institutionen. Fischlis Erfolg hat dazu beigetragen, dass Schweizer Galerien und Museen heute weltweit als wichtige Akteure gesehen werden.
Mit seiner lokal verwurzelten internationalen Präsenz ist er einer unserer wichtigsten Kulturbotschafter. Sein Werk lädt zum Denken ein, zum Interpretieren. Es erlaubt Humor in einer Kunstwelt, die sich allzu oft allzu ernst nimmt. Und es erinnert uns daran, dass Erkenntnis häufig beginnt, wenn wir alltägliche Dinge aus einem anderen Winkel betrachten.
In diesem Alltäglichen liegt die Stärke Peter Fischlis: Er zeigt, dass Tiefe und Humor sich nicht widersprechen, dass Kunst dort entsteht, wo jemand den Mut hat, das scheinbar Kleine ernst zu nehmen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen interessante Entdeckungen und Gespräche, und geniale Ein- und Ausblicke in Fischlis und unser aller Alltag! – Vielen Dank.
Es gilt das gesprochene Wort.
Peter Fischli
23. Mai – 13. September 2026
documenta und Museum Fridericianum gGmbH
Friedrichsplatz 18
34117 Kassel
Die Schau steht unter der Schirmherrschaft Ihrer Exzellenz Livia Leu, Botschafterin der Schweiz in Deutschland. Mit großzügiger Unterstützung von Pro Helvetia.
