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FeuilletonFrankfurt

Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt

PETRA KAMMANN, HERAUSGEBERIN · www.feuilletonfrankfurt.de · GEGRÜNDET 2007 VON ERHARD METZ

7. Skulpturen-Triennale in Bingen eröffnet

Kulturelles Highlight mit überregionaler Strahlkraft

Von Hans-Bernd Heier

Die 7. Skulpturen-Triennale in Bingen am Rhein ist feierlich eröffnet worden und kann bis zum 4. Oktober 2026 bei freiem Eintritt besichtigt werden. Unter dem Titel „VERBINDUNG UND ZUSAMMENHALT“ versammeln sich entlang des Rheinufers und in den zwei Kirchen der Stadt – Basilika St. Martin und Kapuzinerkirche St. Laurentius – zwanzig künstlerische Positionen aus dem In- und Ausland. Die Skulpturenschau vor dem herrlichen Panorama des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal wird seit 2008 von der Gerda und Kuno Pieroth Stiftung ausgerichtet.

Lena Marie Emrich „Talk of the Town“, verzinkter Stahl, 2024; © Lena Marie Emrich; Foto: Hans-Bernd Heier

In einer Zeit, in der politische und gesellschaftliche Veränderungen Etliches ins Wanken bringen, sind es Verbindung und Zusammenhalt, die Gemeinschaft und Widerstandsfähigkeit stärken. Vieles, was lange Zeit selbstverständlich schien, ist es nicht mehr. Da stellt sich die Frage, was uns als Gesellschaft, als Einzelne, als Kollektiv eigentlich zusammenhält – und was wir dazu beizutragen haben. Die ausgestellten Arbeiten geben darauf keine eindeutige Antwort. Manche Werke verkörpern das Leitmotiv buchstäblich, andere prüfen es kritisch. Sie wollen anregen, darüber nachzudenken, was Kraft und Stabilität verleiht – und wie zerbrechlich manches sein kann.

Die präsentierten Skulpturen und das partizipative Tauschprojekt von Johann Gottfried Schadow thematisieren Aspekte wie Einheit, Zugehörigkeit, Vermischungen, Gemeinsamkeiten und Erinnerungen. „Dabei entstehen“, so die Kuratoren Sara Bernshausen und Lutz Driever „Verbindungen und Netzwerke, die entweder durch die verwendeten Materialien unmittelbar sichtbar werden oder auf gedanklicher Ebene komplexe Strukturen offenbaren. Die Ausstellung geht über klassische Skulpturen hinaus und integriert performative Arbeiten, die durch Material und Idee Brücken schlagen und neue Formen des Miteinanders ermöglichen“.

Ba Sela „Kern-Konstrukt 8“, Fliesen, Mörtel, Sperrholz, Supergrund, 2026; © Ba Sela; Foto: David von Becker

Das Kuratoren-Duo hat dafür künstlerische Positionen ausgewählt, die das Ausstellungsthema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven reflektieren. Bei der Auswahl zeitgenössischer Skulpturenkunst haben sie ihr besonderes Augenmerk gezielt auf Nachwuchsförderung  un d damit junge Künstlerinnen und Künstler und gelegt. Neben international bereits bekannten Persönlichkeiten wie die – kurz vor Ausstellungsbeginn gestorbene – Medienkünstlerin VALIE EXPORT und Michael Sailstorfer stehen Künstler*innen im Mittelpunkt, deren Arbeiten im Rahmen eines neuen Förderprogramms eigens für die Triennale entstanden sind.

Stifter Kuno Pieroth und Maria Gleichmann-Pieroth, Vorsitzende der Gerda und Kuno Pieroth Stiftung; Foto: Hans-Bernd Heier

Mit Ba Sela, Emilia Neumann und Max Brück wurden drei Nachwuchskünstler eigens eingeladen, neue Arbeiten für den öffentlichen Raum in Bingen zu entwickeln. Dank einer privaten Nachlasszuwendung kann die Stiftung erstmals drei Förderpreisträger bei der Realisierung der neuen Werke unterstützen. Die jungen Künstler stammen alle aus der Rhein-Main-Region. Damit setzt die Stiftung ein deutliches Zeichen für die gezielte Förderung noch nicht etablierter Talente im öffentlichen Raum. Ein Novum. Die Initiative soll 2029 fortgesetzt werden.

Johann Gottfried Schadow (1764–1850) „Prinzessinnengruppe“ 1796/2025, Porzellan; © KPM, Königliche Porzellan-Manufaktur, Berlin GmbH; Foto: David von Becker

„Mit diesem neuen Impuls verbinden wir unsere kuratorische Arbeit mit einem konkreten Förderauftrag für die Region“, erklärt Kuno Pieroth. „Wir danken für das mit der großzügigen Zuwendung verbundene Vertrauen, mit dem diese programmatische Unterstützung möglich gemacht wurde. Dies macht die Triennale noch vielfältiger, spannender, bedeutsamer und nachhaltiger für die Kultur in unserer Region“. Außerdem sollen neue Kooperationen mit der Kunsthochschule Mainz und der Künstlerresidenz Schloss Balmoral in Bad Ems die Skulpturen-Triennale stärker in Rheinland-Pfalz verankern.

Sasha Kurmaz „Temple of Transfiguration of the Lord“, Installation, Mixed-Media, 2026; Leihgabe des Künstlers; © Sasha Kurmaz; Foto: David von Becker

Die Installation des ukrainischen Künstlers Sasha Kurmaz thematisiert die Umwandlung eines einfachen Bauwagens zu einem begehbaren Tempel. Sie verweist auf die gängige Praxis orthodoxer Geistlicher, öffentliche Räume in Kirchen und Kapellen umzuwidmen.

Weitere Künstlerinnen und Künstler, deren Werke auf der 7. Triennale zu bewundern sind: Bettina Allamoda, Menno Fahl, Albrecht Genin, Hannah Hallermann, Thomas Judisch, Karsten Konrad, Stefan Marx, Thuy Tien Nguyen, Haleh Redjaian, Nadine Schemmann und Martine Seibert-Raken.

Die Skulpturenschau mit den sehr unterschiedlichen künstlerischen Positionen in der reizvollen landschaftlichen Umgebung wird umrahmt von einem breiten Begleitprogramm; s. dazu:

www.skulpturen-bingen.de

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