Die Marielies Hess-Stiftung: 60. Jubiläum und ihr Finale
Ein Resumee: Teil 2
Ein Beitrag der Kuratorin Brigitta Amalia Gonser
Und weiter geht es mit herausragenden Einzelausstellungen der Marielies Hess-Stiftung in der Goldhalle des Hessischen Rundfunks:
Vollrad Kutscher, Einatmen-Ausatmen. Porträtinstallation Norbert Klassen
Vollrad Kutscher ist für Spiel und Abenteuer in seinen Zeit-Werken und Raum-Eingriffen bekannt. Sie sind das Ergebnis formaler und inhaltlicher Verschränkung verschiedener Medien. Er entwickelte die multiplen Portraitinstallationen, die gleichermaßen Partizipation und Kommunikation beinhalten. In seiner Ausstellung „Multimedia“, von 1991, zeigte er zwei große Installationen: die erste auf Monitoren „Brot und Spiele – Das Hildebrandlied“ im Café des hr und die zweite in der Goldhalle des hr als große Armada „Einatmen-Ausatmen. Porträtinstallation Norbert Klassen“.

Regine Schumann, Goldrausch
Regine Schumann Sie hat 2000 ihre fünfteilige Installation „Goldrausch“ wesentlich für die Goldhalle des hr entworfen. Stehend, liegend und hängend akzentuierten die installativen Komponenten unterschiedliche räumliche Bereiche. Die verwendeten Materialien – neonfarbene Stoffbahnen, Lumiluxfarbe sowie fluoreszierende Acrylplatten und Kunststoffschnüre – reagierten sensibel auf Veränderungen des Tageslichts, das durch die Fenster einfällt. Nach Einbruch der Dunkelheit entfalteten die einzelnen Arbeiten unter Schwarzlicht eine überraschende, die Umgebung beherrschende Strahlkraft. Die zyklische Verwandlung vom schwachen Strahlen zum Farbrausch machte die Dimensionen der Architektur der Goldhalle immer wieder neu erfahrbar.

Pia Linz, Von mir aus
„Von mir aus“, nannte Pia Linz die Ausstellung mit ihren Haubenbilder in der Goldhalle des hr, von 2001. Dabei wird ein Panorama von innen heraus nach dem Augenschein realistisch entwickelt. Sie sagte dazu: „Von mir aus gibt es keinen ‚Blickwinkel‘. Aber von hier aus gibt es unendlich viele Blickwinkel.“ Der Bertachter hatte das Vergnügen, die Zusammenhänge von Innen und Außen zu entschlüsseln.

Barbara Feuerbach, Bis hierhin – und immer weiter
„Bis hierhin – und immer weiter“ nannte Barbara Feuerbach ihre Ausstellung in der Goldhalle des hr, von 2002, mit siebzehn lebensgroßen gemalten Figuren in roten Kleidern und Turneranzügen, die die imposanten Treppen hinauf schritten, hüpften, tanzten, liefen und sprangen. Oben auf der Empore gab es zwischen den Männern und Frauen ein Zusammentreffen.

Bernd Wolf, Spanner
Fotografie war für Bernd Wolf eine Erkenntnis-Form. Dafür konstruierte er eigens eine Bildkreiskamera, mit der er alle Räume des Hessischen Rundfunks erkunden durfte. Die Ergebnisse zeigte er in seiner Ausstellung „Spanner“, von 2002, in der Goldhalle des hr, damit meinte er also nicht Sex, sondern den Transporthebel der Kamera.

Heide Weidele, Das Schachtelhalm-Prinzip
In ihrer Ausstellung „Das Schachtelhalm-Prinzip“, von 2005, in der Goldhalle des hr zeigte Heide WeideleArbeiten aus 20 Jahren: Schiffe, Flaggen, Berge, Vasen, Blüten… Sie arbeitet mit Alltagsmaterialien: Früher waren es Wellpappe und Bauholz, seit 1994 ist es gewöhnliches, uns umgebendes Plastik. Hinzu kommen Fotos ihrer Arbeiten. Transformation ist dabei ihre Arbeitsmethode. Zurzeit zeigt sie eine „Raumstation“ als Intervention im Lichthof des Historischen Museum Frankfurt.

Dorothee Rocke, Der Linie folgen
Dorothee Rocke zeigte in ihrer Ausstellung mit Zeichnungen „Der Linie folgen“, von 2006, in der Goldhalle des hr typische Folgen aus etwa zehn seriell konzipierten Werkzyklen, die oft als Reaktion auf musikalische oder literarische Phänomene entstanden sind. Damit machte sie die Vielfalt der Formen, Figuren und Strukturen in ihrem zeichnerischen Oeuvre erfahrbar.

Dina Draeger, human touch
Dina Draeger Ihre sublimen Menschenbilder setzen sich fest auf unserer Retina, in unserem inneren Auge; wir reagieren darauf, sie erinnern an religiöse und mythologische Sublimierung der Kunst. Sie werden zu Objekten der Kontemplation, der ebenbürtigen Konfrontation mit dem Anderen und dem Fremden, ohne jedoch Werkzeuge religiöser Handlung zu sein.
Dina Draeger malt im griechischen Sinne Eikons, also Bilder, die wie kosmopolitische Ikonen im Zeitalter der Globalisierung wirken. Mit ihren No Names in ihrer Ausstellung „human touch“, von 2008, in der Goldhalle des hr gelang es Dina Draeger dem Moment formale Dauer zu verleihen, wobei sie den Betrachter zum Innehalten, zum Verweilen einlud. Dina Draeger lebt und arbeitet als Multimedia-Künstlerin in der Schweiz. Sie ist aus dem Kanton Zürich in den Kanton Jura gezogen und zeigt da zu ihrem 60. Geburtstag eine überzeugende Retrospektive ihrer Werke.

